Im Juli wurde ich spontan vom Betreuer meiner Masterarbeit eingeladen eine Uniexkursion nach Campese, auf der Isola del Giglio in Italien mitzumachen. Diese Möglichkeit, endlich während meines Meeresbiostudiums ans Meer zu kommen – Covid-19 hatte mein geplantes Auslandssemester verhindert – ließ ich mir natürlich nicht entgehen. Da diese Exkursion am Institut für Marine Biologie (IfMB) stattfand und schon seit einigen Jahren Verbindungen zu diesem Institut bestehen bekam ich außerdem die Möglichkeit im Anschluss an die Exkursion direkt vor Ort zu bleiben und dort ein 2-monatiges Praktikum durchzuführen.

Giglio
Mit 9km Länge und 4,5km Breite ist Giglio eine kleine, aber feine Insel im Mittelmeer, in unmittelbarer Nachbarschaft des italienischen Festlandes, sowie den Inseln Elba, Montecristo, Pianosa und Giannutri. Neben Porto, dem Ort, an dem die Fähre vom Festland anlegt, gibt es noch das Städtchen Castello oben auf der Insel und Campese, die Ortschaft auf der anderen, dem Festland abgewandten Seite der Insel. Hier in Campese gibt es eine wunderschöne Bucht mit noch schöneren Sonnenuntergängen und die Gebäude des IfMBs. Giglio lebt vor allem vom Tourismus und in kleinerem Rahmen auch von der Landwirtschaft, nachdem 1962 die Pyritmine geschlossen wurde. Allerdings kann man noch die Überbleibsel der Pyritverladetürme in der Bucht von Campese sehen, wo sie langsam verfallen und schöne Schnorchelplätze bieten.

Bucht von Campese

Das IfMB
Das Institut für Marine Biologie wurde 1988 gegründet und liegt direkt am Mittelmeer. Der Schwerpunkt des Instituts liegt auf der Umweltbildung und erlaubt in erster Linie Schulklassen, aber auch Universitäten, einen Einblick in die Meeresbiologie des Mittelmeeres, dessen Artenvielfalt und ökologische Bedeutung zu bekommen. Dafür werden 5-tägige Kurse angeboten, in denen den Teilnehmern anhand von Vorträgen, praktischen Bestimmungsübungen und Schnorcheltouren die Flora und Fauna des Mittelmeeres nähergebracht wird. Dabei steht jeder Kurstag unter einem bestimmten Thema, zu dem es erst eine theoretische Einführung gibt, gefolgt von praktischen Übungen und zum Abschluss eine Nachbesprechung, die in erster Linie von den Teilnehmenden gestaltet wird, wobei sie ihre Arbeit den anderen vorstellen. Zudem gibt es die Möglichkeit tags, als auch nachts Schnorcheltouren zu unternehmen, um die Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu entdecken und zu beobachten.

Aufgaben
Als Praktikantin war es meine Aufgabe die Mitarbeiter des Instituts bei den alltäglich anfallenden Aufgaben zu unterstützen. Im Laufe eines 5-tägigen Kurses für eine Schulklasse gestalten sich der „Alltag“ folgendermaßen:
Es beginnt damit am Tag der Ankunft der Schulklasse mit dem Transporter des Instituts nach Porto zu fahren und die Leute dort in Empfang zu nehmen und das Gepäck einzuladen. In Campese angekommen erhalten die Klassen erstmal eine Inseleinführung, wo die Regeln und Besonderheiten auf der Insel angesprochen werden. Meistens geht es dann gleich damit weiter, dass die Schülerinnen und Schüler (SuS) eine ABC-Ausgabe bekommen. Das bedeutet, dass wir ihnen Schnorchelausrüstung (Maske, Schnorchel, Flossen und einen Neoprenanzug) aushändigen und eine Einweisung zum Thema Schnorcheln geben. Dabei geht es hauptsächlich darum den SuS zu erklären, wie sie testen, ob die Ausrüstung wirklich passt, wie man damit fürsorglich um geht und auf was es beim Schnorcheln zu achten gilt. Oft springen die SuS danach direkt erstmal ins Meer, um sich etwas abzukühlen und sich an die ABC-Ausrüstung zu gewöhnen, sowie einen ersten Blick auf die Unterwasserwelt Giglios zu werfen.

Das Schnorchellager des IfMBs

Schnorcheln in der Bucht von Campese

Am nächsten Tag startet dann der Kurs. In insgesamt 3 Kursräumen stehen Arbeitsplätze mit Binokularen zu Verfügung, unter denen sich die SuS die von uns ausgehändigten Tiere und Pflanzen ganz genau anschauen und mit Hilfe der vorhandenen Fachliteratur zu bestimmen. Zuallererst gibt es aber eine kleine Theorielektion vom Kursleiter zum Thema des Tages. Das ist die Einführung in die Biologie des Mittelmeeres, oder aber Lebensräume wie Hartboden und Sandboden. Nach der Theorie kommt dann die Kür. Als Praktikanten bereiten wir kleine Schälchen mit Organismen aus dem Mittelmeer, passend zum jeweiligen Kurstag vor, die die SuS dann bestimmen. Dabei helfen wir natürlich und erklären auch, wie man die Organismen händelt und auf was es zu achten gilt.

Neben dem Namen der Art sollen die SuS dann auch noch verschiedenen Informationen herausfinden, wie die Fortbewegung, Ernährung, Fortpflanzung oder Atmung. Dafür gibt es eine Menge verschiedener Fachliteratur, die in jedem der Kursräume vorhanden ist. Nach dieser praktischen Arbeit geht es dann an die Schlussbesprechung. Dabei stellen sich die SuS gegenseitig ihre Organismen vor und was sie zu diesen herausgefunden haben. Diese Informationen werden dann natürlich noch durch uns ergänzt und zusätzlich wird Videomaterial gezeigt, damit jeder die Tiere und Pflanzen zu Gesicht bekommt.

Neben der Zeit im Institut geht es dann auch an einem der Tage raus in die Bucht von Campese auf eine offizielle Schnorcheltour, die von uns Praktikanten geleitet wird. Hierbei schwimmen wird verschiedene Stationen in der Bucht an und versuchen die Tiere und Pflanzen aus dem Kurs wieder zu entdecken, Besonderheiten zu erläutern, den natürlichen Lebensraum zu erkunden und auch noch etwas auf die Fische und andere Organismen einzugehen, die nicht Bestandteil des Kurses sind. Diese Zeit im Wasser ist natürlich eines der Highlights für die SuS und es macht Spaß ihnen die Meeresbiologie so greifbar zu machen. Zusätzlich zu der Schnorcheltour am Tag gibt es auch die Möglichkeit Nachtschnorcheln zu machen. Dabei werden alle SuS mit Taschenlampen ausgestattet und wir schwimmen eine kleine Tour auf der anderen Seite der Bucht entlang und halten Ausschau nach nachtaktiven Tieren. Wenn man Glück hat, kann man auf diesen Touren Muränen und Oktopusse beobachten und, wenn man mal alle Lampen ausschaltet und kräftig mit den Beinen im Wasser strampelt, sogar Meeresleuchten!

Am letzten Kurstag geht es dann um das Thema „Vernetzte Welt“ hierbei geht es vor allem darum aufzuzeigen welche Einflüsse wir als Menschen auf das Ökosystem Meer haben, wie es derzeit um unsere Meere steht und was man selbst anpacken kann, um unsere Meere zu schützen.

Am Abreisetag wird dann wieder das Gepäck der SuS in den Transporter geladen und zum Hafen gebracht, wo man die Schulklasse verabschiedet. Während die SuS auf der Fähre zurück zum Festland sind geht es für zurück ans Institut, um die Räume und die Schnorchelausrüstung für die nächste Gruppe vorzubereiten. Das heißt Kursräume saugen und wischen, Mülleimer leeren, Bäder putzen, Schnorchelausrüstung waschen und überprüfen und alles wieder zurück ins Schnorchellager packen. Durch Covid-19 wurde das Ganze noch durch regelmäßiges Desinfizieren aller Arbeitsmaterialien und der Schnorchelausrüstung ergänzt.

Neben der Unterstützung des Instituts während der Kurse gibt es weitere Aufgaben, die von uns Praktikanten erfüllt werden. Jede Woche rotieren die Arbeitsbereiche. Eine Woche kümmert man sich ums Schnorchellager, das heißt jeden Morgen sicherstellen, dass die Bojen für die Schnorchelausflüge aufgeblasen sind und bereit liegen, der Innenhof gekehrt ist und die Regale aufgeräumt werden, in denen wir geputzte Aquarien und anderen Ausrüstung, wie Sammelbehälter oder Planktonnetze, trocknen. Die nächste Woche ist man zuständig für die Biowäsche, wobei man sicherstellen muss das alles regelmäßig gewaschen, getrocknet und wieder in die Regale eingeräumt wird. Und letztens hat man die Verantwortung für den Hälterungsraum. Dabei ist es wichtig jeden Tag mehrfach zu prüfen, wie es den Organismen in unseren Aquarien geht, diese zu Füttern und Wasserwechsel durchzuführen. Außerdem ist es die Aufgabe der Person zu entscheiden welche Tiere wieder ausgesetzt werden müssen und zu schauen, ob genug Organismen für alle Kurse vorhanden sind, oder ob wieder neue gesammelt werden müssen.

Das Sammeln und Aussetzen der Organismen war definitiv eines meiner Highlights, da es die Möglichkeit gibt rund um die Insel an verschiedenen Spots zu tauchen, um Seesterne, marine Nacktschnecken, oder aber Algen zu sammeln und wieder an ihren angestammten Platz zurückzubringen. Neben diesen Arbeitstauchgängen hat man als Praktikantin auch die Möglichkeit in seiner Freizeit mit dem Campese Diving Center tauchen zu gehen, was ich immer gerne angenommen habe.

Fazit
Alles in allem hat das Praktikum sehr viel Spaß gemacht. Es hat mir die Möglichkeit gegeben Einblicke in den Alltag an einem Meeresbiologischen Institut zu bekommen und aktiv meine Begeisterung für Meeresbiologie an SuS weiterzugeben. Es war spannend zu sehen wie viel Arbeit hinter einem 5-tägigen Kurs steckt und zu lernen, wie man die Inhalte eines Kurses auf spannende Art und Weise an Schulklassen vermitteln kann. Ich habe zudem selber viel über die Flora und Fauna des Mittelmeeres gelernt.

Zwar studiere ich Meeresbiologie, allerdings liegt mein Fokus auf tropischen Ökosystemen, daher war mir das Mittelmeer selber neu und es hat Spaß gemacht die ganzen Tiere und Pflanzen dort Hautnah zu erleben. Zum Praktikum gehören aber natürlich auch die sozialen Kontakte und es war toll so viele neue Menschen kennenzulernen, abends gemeinsam zusammen zu sitzen, die Aufgaben des nächsten Tages durchzusprechen und dann gemeinsam zu kochen und zu Abend zu essen. Somit war es einfach eine sehr runde Sache und ich bin froh das Praktikum gemacht zu haben und kann es nur jedem weiterempfehlen!