True Crime Bremen: Gesche Gottfried

TW: Im folgenden Artikel werden die Themen Mord, Kindermord und Hinrichtung aufgegriffen. Solltet ihr diesen Themen gegenüber sensibel sein, lest gerne einen anderen Artikel auf unserem Blog.

 

 

Halloween – die gruseligste Jahreszeit – steht vor der Tür. Ein perfekter Zeitpunkt für ein bisschen True Crime. Auch unsere wunderschöne Stadt Bremen blieb von Intrigen, Mord und Todschlag nicht verschont. Der wohl bekannteste True-Crime Fall aus Bremen ist wahrscheinlich die Serienmörderin Gesche Gottfried. Und gerade jetzt zu Halloween, ist eine Reise zum „Engel aus Bremen“ wohl am passendsten.

 

 Der Anfang

Wir schreiben das Jahr 1785. Magarethe Gottfried, geborene Timm, genannt Gesche wird als Tochter eines Schneidermeisters und einer Wollnäherin in Bremen geboren. Sie selbst hält wenig vom Heiraten – anders als ihre Eltern. Mit 21 Jahren verheiraten ihre Eltern sie mit dem Sattlermeister Johann Gerhard Miltenberg, wodurch Gesche Gottfried und ihre Familie sowohl finanziell, als auch gesellschaftlich aufsteigen. Sie bekommt drei Kinder mit ihrem Ehemann, der einen Großteil seines Geldes in Kneipen und Bordellen ausgibt und schließlich zum körperlichen Pflegefall wird. Gesche Gottfried bringt ihn kurzerhand mit Mäusebutter – bestehend aus Arsenik und Schmalz – um. Die Mäusebutter bekommt Gesche Gottfried aus dem Haus ihrer Mutter, welche diese eigentlich für Mäuse auf dem Dachboden verteilt. Zunächst verabreicht sie ihrem Ehemann das Gift zum Frühstück. Er überlebt trotz starken Erbrechens, Durchfall und Durst. Vier Tage später stirbt er durch eine weitere Dosis Gift in seinem Essen.

 

Weitere Morde

Zwei Jahre nach ihrem ersten Mord an ihrem Ehemann, tötet Gesche Gottfried weiter. Ihre kranke Mutter zog zu ihr um gepflegt zu werden. Doch statt sie zu pflegen, bringt Gesche Gottfried ihre Mutter mithilfe von Arsenik in einer Limonade unter Qualen um. Nach der Trauerfeier ihrer Mutter, tötet sie ihre jüngste Tochter, erneut mit Gift, dieses Mal auf einem Stück Butterkuchen. In den weiteren Wochen vergiftet sie auch ihre älteste Tochter, ihren Vater, ihren Sohn und ihren Bruder. Die Gründe ihres Handelns bleiben unklar. Im späteren Prozess macht sie immer wieder widersprüchliche Aussagen zu ihren Motiven, ohne Reue zu zeigen. Ihren Sohn tötet sie beispielsweise nicht direkt. Sie gibt an, nach einiger Zeit dosieren zu können, welche Dosis des Giftes tötet und welche Dosis krank macht. Warum sie nun ihren Sohn nicht sofort tötete, war ihr selbst auch nicht bewusst.

Sie verliebt sich neu in den Weinhändler Michael Christoph Gottfried, dessen Namen sie annimmt. Er stirbt wenige Tage nach der Eheschließung mit Gesche. Die Todesursache ist eine Vergiftung mit Arsenik.

 

Der Engel aus Bremen

Nach außen bleiben ihre Morde und ihr wahres Wesen unerkannt. Gesche Gottfried kümmert sich liebevoll um ihre Angehörigen, bis diese alle den grausamen Tod finden. Sie engagiert sich in der Gemeinde, sie ist geprägt von Wohltätigkeit und kümmert sich um die Armen und Kranken, was ihr auch über die Bremer Grenzen hinaus den Titel des „Engels aus Bremen“ verschafft. Unwissend, welche Geheimnisse sie mit sich trägt.

 

Noch weitere Morde

Sechs Jahre lang ermordet Gesche Gottfried keine weiteren Menschen. Zumal auch das Gift aus dem Bestand ihrer Mutter verbraucht ist. Eine Zeitungsanzeige macht sie erneut auf „Mäusebutter“ aufmerksam. Sie bittet eine Freundin, ihr dieses aus der Apotheke zu besorgen. Kurz darauf stirbt der neue Mann an Gesches Seite – Paul Thomas Zimmermann – durch eine Dosis Arsenik. Ohne Verheiratet zu sein, erbt Gesche Gottfried sein Vermögen.

Doch damit nicht genug. Ihre weiteren Morde erscheinen fast wahllos. Sie tötet eine Musiklehrerin und ihren Nachbarn, der zuvor fast ein Jahr lang durch kleine Dosen Arsen gequält und krank gemacht wurde. Trotz des Erbes ihres letzten Partners, hat Gesche Gottfried finanzielle Schwierigkeiten und verkauft ihr Haus an das Ehepaar Rumpff. Das Ehepaar stellt Gesche als Haushälterin ein und bietet ihr im Gegenzug Essen und Unterkunft. Kurz nach der Geburt des Kindes sterben Ehefrau Rumpff und ihre Amme an einer Vergiftung mit Arsen.

Gesche Gottfried tötet ihre Freundin, die ihr die Mäusebutter aus der Apotheke holte, ihre dreijährige Tochter und einen langjährigen Freund. Überführt wird sie schließlich durch den Mordversuch an Johann Rumpff, dessen Frau sie bereits auf dem Gewissen hat. Sie vergiftet ein Stück Schweinefleisch mit Arsen, was wiederrum kleine weiße Körner hinterlässst. Gesche erklärt dies damit, dass es sich dabei um Fett handelt. Eine spätere Untersuchung kann jedoch das Arsen nachweisen.

 

Verhaftung

Bereits vor ihrer Verhaftung gibt es Kritik und Warnungen vor dem „Engel von Bremen“, ohne Erfolg. Nach ihrer Verhaftung am 06.03.1828 gesteht Gesche Gottfried insgesamt 15 Morde und weitere Vergiftungen. Sie verbringt drei Jahre in Haft. Die Justiz versucht, ihre Beweggründe und Motive zu verstehen, aber ohne Erfolg.

Letztlich wird Gesche Gottfried am 21.04.1831 auf dem Bremer Domplatz durch Enthauptung hingerichtet. Etwa 35.000 Zuschauerinnen und Zuschauer werden Zeugen der letzten öffentlichen Hinrichtung in Bremen.

Heute findet sich auf dem Domshof ein eingelassener Pflasterstein, der an Gesche Gottfried und ihre Hinrichtung erinnert. Er befindet sich genau dort, wo ihr Kopf nach der Hinrichtung hingerollt sein soll. Vor lauter Abscheu vor ihren Morden spucken – auch heute noch – Menschen auf diesen Stein, was ihm den Namen „Spuckstein“ verschafft.

 

Ihr wollt mehr wissen? Hier geht’s zu meinen Quellen:

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