*Triggerwarnung* Der folgende Artikel behandelt die Themen Sexismus und sexualisierte Gewalt.

Das Bier fließt in Strömen, die Sonne strahlt, von den vielen Bühnen bahnt sich die Musik ihren Weg zu dir, die Stimmung ist ausgelassen… Festivalfeeling! Für mich eine der schönsten Dinge im Sommer. Nichts ist vergleichbar mit der Stimmung auf einem Festivalgelände. Ich vermisse es sehr.
Leider gibt es hier ein Problem. Irgendwann drückt die Blase und es wird Zeit eine Toilette aufzusuchen. Ich bin mir sicher das an dieser Stelle nur wenige das Problem nicht verstehen. Auch im Alltag ist es für Männer leichter schnell die Blase zu entleeren, selbst wenn es gerade keine Toilette gibt, obgleich „Wildpinkeln“ verboten ist. No shame. Hier gibt es einfach einen biologischen Vorteil beim Wasserlassen. Das Aufsuchen einer Toilette auf einem Festival ist also meistens mit langen Warteschlangen verbunden, der Geruch und Anblick der Dixi Toiletten sicherlich kein Vergnügen. FLINTAs suchen sich also bewusst einen privaten Ort, so privat wie es in diesem Moment eben geht. Als ich im Januar 2020 das Video von „STRG+F“ sah, wurde mir ganz anders. Die Reporterin entdeckt Fotos und Filme von FLINTAs, die sie auf einer Festival Toilette beim Urinieren von hinten zeigen. Das Gesicht ist nicht zu sehen. Trotzdem sind diese Aufnahmen ein Eingriff in die Privatsphäre. Ein immenser Eingriff der mich nur sprachlos lässt. Dieses Material wurde auf „xHamster“ hochgeladen, eine Plattform mit bzw. für pornografischen Inhalt. Während ihrer Recherche deckte sie nicht nur die Existenz dieses Materials auf, sondern auch, dass aktiv damit getauscht wurde und wer u.a. hinter einem der Accounts steckt.

Nach der Veröffentlichung dieses Videos reagierte sofort das betroffene Festivalteam von „Moni’s Rache“, welche bereits beim Dreh involviert wurden. Leider war dies kein Einzelfall. Es folgten weitere Festivals wie die „Fusion“. Durch diesen Vorfall wurde der ohnehin nervige Gang zur Toilette für mich nun noch unangenehmer. Gerade auf Veranstaltungen. Immer im Hinterkopf, dass man beobachtet werden könnte. Aber nicht nur mir geht es so, sondern auch den Menschen von „My Body is not your Porn“. Ein Kollektiv bestehend aus 8 Frauen, welches sich nach dem Vorfall gründete und für sichere Räume online und offline sorgen möchte. Sie haben den Hashtag „Hacksexism“ kreiert an dem ich glücklicherweise in meiner Instabubble nicht vorbeikam. „Hacksexism“ ist ein social Hackathon vom 09.-11.04.2021. „Hackathon“ setzt sich aus Hack und Marathon zusammen und ist im Prinzip eine kreative Problemlösungswerkstatt. Eine digitale Denkwerkstatt in der Fragen, Erfahrungen, Vorfälle, Maßnahmen, Lösungen, Schutzkonzepte und vieles mehr erörtert und entwickelt werden sollen gegen Sexismus und sexualisierte Gewalt auf Festivals. Teilnehmen kann und darf jede*r, da es uns alle betrifft, d.h. nicht nur Festivalveranstalter*innen und Expert*innen, sondern auch Besucher*innen und thematisch Interessierte. Die Teilnahme ist kostenlos und findet an einem virtuellen Tisch statt. Das MBINYP-Team stellt damit die digitale Infrastruktur für ein wichtiges Thema. Für alles weitere sind jedoch wir alle gefragt. Es geht darum Erfahrungen auszutauschen, Wissen zu bündeln und einen sicheren Raum für alle zu schaffen. Daher ist es egal ob du bereits Fachwissen aus anderen Projekten hast oder kreative Ideen während des Lockdowns dir hierzu eingefallen sind.
Die Ziele der Denkwerkstatt sind:

  1. Bewusstsein für Sexismus und sexualisierte Gewalt schaffen und darüber sprechen;
  2. Einen Austausch auf Augenhöhe zwischen Veranstaltenden und potenziell Betroffenen ermöglichen
  3. Verantwortungsübernahme durch die Veranstalter*innen, um Besucher*innen bestmöglich zu schützen und bei Übergriffen handeln zu können.

Die Ergebnisse des Hackathons werden dokumentiert und als Leitfaden für zukünftige Festivals verwendet. Außerdem geht es darum möglichst viele Festivals bzw. Veranstalter*innen zu erreichen. Welches Festival sollte deiner Meinung daran teilnehmen? Hast du vielleicht Erfahrungen machen müssen und forderst eine Verantwortungsübernahme? Oder wünschst du dir einfach von einem bestimmten Festival, dass sie provisorisch daran teilnehmen? Dann kannst du bereits vorab bei Instagram einen Beitrag mit #Hachsexism teilen. Wichtig: Markiere bei deinem Beitrag das gewünschte Festival, sowie @MBINYP. So sieht das Kollektiv übersichtlicher, wen du aufforderst. Außerdem soll mit dem social Hackathon ein Netzwerk aufgebaut werden, um sich gegenseitig (auch zukünftig) zu unterstützen. Die Vorbereitungen sind noch im vollen Gange, doch du kannst bereits #Hacksexism und @MBINYP auf Insta folgen. Außerdem kannst du auf www.Hacksexism.de dich im Newsletter anmelden. So wirst du sofort informiert, wenn du dich für den Hackathon eintragen kannst.

Lasst uns die Festivalfreie Zeit sinnvoll nutzen. Für eine Zukunft, in der FLINTAs keine Sorgen haben müssen, wenn sie auf Toilette gehen. Für sichere Räume ohne Sexismus und sexualisierte Gewalt. Lasst uns gemeinsam daran arbeiten und aufeinander achtgeben. Nicht nur in der Pandemie, sondern auch danach. Damit das nächste Festival noch schöner wird als davor.

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