Wie sozial ist dein Stadtteil?

Hast du dich schon einmal genauer mit deinem Stadtteil auseinandergesetzt und dich gefragt, wie inklusiv er ist? Wir wissen meist wie gut er angebunden ist, wie viele Einkaufsmöglichkeiten es gibt und wo, welches Café das Beste ist und wo es den nächsten guten Rollo gibt. Doch in alltäglichen Situationen zählen für viele Menschen ganz andere Aspekte. Achte doch mal beim nächsten Spaziergang darauf, wie lang die Ampelphasen und wie hoch die Bürgersteige sind.

Mit solchen und weiteren Fragen haben sich zwei Klassen des HEP Jahrgangs 2021 der Fachschule Heilerziehungspflege (Schulzentrum Blumenthal) beschäftigt. Gemeinsam mit Menschen mit Beeinträchtigung, dem JGW (Jugend Gemeinschaftswerk), dem MC (Martinsclub) und der Lebenshilfe haben sie Bremen Nord, vor allem aber Vegesack einer Sozialraumanalyse unterzogen und dies mit den Betroffenen visualisiert. Diese kreative Auseinandersetzung ist das Ergebnis eines 6-wöchigen Projektes unter der künstlerischen Leitung von Mira Hilliges und Dr. Christina Inthoff. Die Idee, Leitung, sowie Initiierung stammt von der Lehrkraft der beiden Klassen Jörg Bauer. Für das ganze Projekt hatten die zwei Klassen lediglich 6 Wochen. In dieser Zeit nutzen sie die Deutsch, Kunst und Lernfeld Blöcke für das Projekt „Sozialraumanalyse“. Angefangen mit der Frage was ein Sozialraum ist über Gespräche mit Nutzer*innen und Pädagogen bis hin zur künstlerischen Schaffensphase. Dabei wurde schnell klar, dass der kurze Zeitraum für dieses Projekt problematisch ist. Termine mussten verschoben werden und krankheitsbedingte Ausfälle kompensiert. Und dennoch war die Zusammenarbeit sehr gut, wie Jonas mir in unserem Interview erzählt. Seine Gruppe hat gut miteinander funktioniert und aufeinander abgestimmt und auch in der größeren Gruppe, sowie mit den Trägern war die Zusammenarbeit sehr positiv. Die Nutzer*innen und Träger ließen sich auf die Schüler*innen des HEP Jahrgangs ein, öffneten sich und trugen zu dieser guten Atmosphäre bei.

Gleichzeitig ist leider nicht zu vergessen, dass es um ein ernstes und für den Alltag der Betroffenen wichtiges Thema geht. Die Projektgruppe möchte zeigen, dass jeder Mensch seinen eigenen individuellen Sozialraum hat. Es liegt also an allen die Möglichkeiten zu schaffen und Barrieren aus dem Weg zu räumen. Des Weiteren geht es darum mehr auf seine Mitmenschen zu achten, für einander da zu sein und sich gegenseitig zu helfen. In diesem Fall auf Menschen mit Behinderungen und/oder Beeinträchtigungen. Es soll enttabuisiert und sichtbar gemacht werden, dass sie Menschen sind wie du und ich. Neben den großen Gesellschaftlichen Akzeptanz und Toleranz Fragen geht es niedrigschwellig um alltägliche Situationen wie längere Ampelphasen. Und ganz ehrlich: Oft muss ich selbst in der Neustadt sehr schnell über die Straße laufen, da die Phasen so kurz sind.

Die Projektgruppe möchte die Betroffenen sichtbar machen und zeigen, dass sie kein Mitleid, noch Angst oder Hass entgegengebracht bekommen möchten. Sie möchten ein selbstbestimmtes Leben, Akzeptanz, sowie Toleranz von uns Mitmenschen und genauso behandelt werden wie andere.  Im Zuge des Projektes ist Jonas das Interesse der Menschen positiv aufgefallen und dass Bremen Nord trotz der Sozialraumanalyse und den vielen verbesserungswürdigen Aspekte schöne Ecken zu bieten hat. Das lässt ihn u.a. optimistisch gestimmt auf das Projekt blicken.

Das Projekt „Sozialraumanalyse mit Menschen mit Beeinträchtigung“ ist vom 29.6.2022-13.7.2022 im Bürgerhaus Vegesack (Kirchheide 49) zu sehen. Wer es nicht zur Ausstellung schafft, hat danach die Möglichkeit Teile dessen im Schaufenster des Buchladens „Leseland“ im Viertel zu betrachten.

Nach all dem was du gelesen hast, gehe noch einmal in dich. Was bedeutet für dich „Sozialraum“? Empfindest du dein Stadtteil als Barriere frei? Was könnte man verändern? Hinterlasse uns gerne deine Gedanken und Anmerkungen in den Kommentaren!

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