In Zeiten von Corona findet so manches Kulturangebot eine kreative Lösung. So auch das GIEFF (German International Ethnographic Filmfestival): Vom 13. bis 17. Mai findet das ethnographische Filmfestival aus Göttingen nun online statt. Auf der eigenen Website des GIEFF’s stellen FilmemacherInnen aus der ganzen Welt, von denen die meisten aus anthropologischen, soziologischen, folkloristischen und historischen Fachbereichen stammen, ihre eigenen Filme zur Verfügung. Sowohl im Livestream als auch in der Online-Mediathek gibt es Möglichkeiten, die Filme parallel mit anderen Besuchern oder aber zeitversetzt zu konsumieren. Ganz wie bei dem realen Festival gibt es dazu ein Programm, welches Auskunft darüber gibt, zu welchen Zeiten die Filme im Livestream gesendet werden. Dazu werden die Filme in verschiedene Themenblöcke eingeteilt. In diesem Jahr lauten die Kategorien unter anderem „Questions of Belonging“, „Women Coping with Crisis“, „Iranian Impressions“, „Impacts of Urbanisation“, „Gender Roles“ und „Rebellions in Focus“.

Nicht nur die Herkünfte der FilmemacherInnen sind dabei international, auch die Drehorte der Dokumentationen könnten unterschiedlicher nicht sein. Von Motels in Kolumbien, Minigolf-Plätzen in Deutschland bis hin zu dem Umgang mit dem Tod in Ghana bietet das Festival Eindrücke in eine Vielzahl an interessanter Länder und Themen. Unterschiedlich verhalten sich auch die Methoden der FilmemacherInnen. So wird in dem Film „Warehouse“ von Constantinos Diamantis, Lillian Dam Bracia, Malwa Grabowska und S. Buse Yildirim eine Schreinerei in Deutschland ausschließlich mit sensorischen Eindrücken repräsentiert. Kein Erzähler führt den Zuschauer durch den Film, stattdessen schaffen das kreischen einer Säge, das Geräusch von Schleifen des Holzes und das Atmen der arbeitenden Schreiner eine ganz besondere Atmosphäre, die einen nahezu an diesen Ort versetzt. Ganz anders verhält es sich bei dem Film „To Make a Crossing“ von María Casas Castillo und Evan DesRosiers, die auf ihrem Trip durch Großbritannien auf sagenumwobene „Teufelsbrücken“ treffen. Ein Mix aus Märchenerzählungen und lokalen Anwohnern, die Eindrücke in den Tourismus geben, führt die Zuschauer an diesen magischen Ort, umgeben von Schlucht und Wasserfällen.

Haben die Filme das Interesse der Konsumenten geweckt, so gibt es nach Sendezeit einzelner Filmblöcke auch jeweils die Möglichkeit eine Live-Diskussion der FilmemacherInnen zu verfolgen. Über eine Kommentarfunktion können Fragen zu ihren Werken gestellt werden, die in der Moderation eines GIEFF Mitarbeiters oder einer Mitarbeiterin dann gegebenenfalls aufgegriffen werden. Leider können die Zuschauer nicht aktiv mitdiskutieren, so wie es auf dem tatsächlichen Festival der Fall gewesen wäre, doch der Livestream, in welchem die Gespräche gezeigt werden, bietet immerhin eine tröstliche Alternative. So kann man zwar nicht auf Leinwand im Kino das volle Erlebnis genießen, dafür aber mit gemütlicher Jogginghose und Snacks im Bett entspannen. Alles in allem also ein super Zeitvertreib für Langeweile zu Hause und obendrein definitiv lehrreicher als so manche Netflix Sitcom.

Leider habe ich aber schlechte Neuigkeiten für alle, deren Interesse ich nun geweckt habe: Für das GIEFF Festival konnte man sich zwar kostenlos registrieren, musste dies aber im Vorhinein tun, um Zugriff auf die Filme zu erhalten. In dringenden Fällen kann allerdings die Mailadresse info@gieff.de kontaktiert werden, so heißt es auf der Webseite des Festivals. Ansonsten hoffe ich trotzdem dass ich euch für das Festival begeistern konnte und ihr dann beim nächsten Mal dabei seid!

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