Schlaflos durch den Alltag: Was macht zu wenig Schlaf mit uns?

Ich jeden morgen: Symbolbild

Es ist 07:30 am Morgen, mein Wecker klingelt. Noch im Halbschlaf drücke ich auf die „Schlummern“ Taste, drehe mich auf die Seite und schließe nochmal die Augen. Bloß noch 5 Minuten denke ich mir. Dieser Prozess wiederholt sich innerhalb der nächsten halben Stunde noch etwa drei bis sechs mal. Und dann ist es auf einmal 8 Uhr. Ich eile aus meinem Zimmer, springe für 2 Minuten unter die kalte Dusche, um irgendwie meinen Kreislauf in Gang zu kriegen, krame hektisch meine Sachen zusammen und schwinge mich aufs Fahrrad um eine Minute nach Beginn der Vorlesung außer Atem und mit einem Kaffee in der Hand im Hörsaal zu sitzen. Die letzte Nacht war viel zu kurz. Denn aus irgendeinem Grund habe ich mal wieder bis 2 Uhr im Wohnzimmer mit meinen Mitbewohnern gequatscht. Von Müdigkeit war da noch keine Spur. Kein Wunder, denn schließlich hatte ich gestern frei und konnte bis weit in den Vormittag im Bett liegen und entspannen. Dass sich der unregelmäßige Schlafrythmus negativ auf mich auswirkt merke ich vor allem an den Tagen, an denen ich schon morgens in der Uni sein muss und mich irgendwie durch die ersten Stunden des Tages kämpfe. Meistens denke ich mir dann „Super, dann kannst du ja heute früh ins Bett gehen“. Doch oft genug ist die Verlockung eines Mittagsschlafs zu groß und bringt meinen Plan wieder durcheinander. Wenn ich mich in den Seminaren und Vorlesungen umsehe, bin ich augenscheinlich nicht der einzige mit solchen Problemen. Um herauszufinden, wie genau sich Schlafmangel auf die Gesundheit und die Konzentration auswirkt habe ich mit Karen Hocker gesprochen. Sie ist Oberärztin im St. Joseph-Stift in Bremen und Leiterin des dortigen Schlaflabors. Hierher kommen Patienten, welche aus den unterschiedlichsten Gründen an Schlafstörungen leiden. Sie hat mir einige Fragen zum Thema Schlafmangel beantwortet:

Wie wirkt sich Schlafmangel auf die Gesundheit aus? 

Hier ist vor allem die Leistungsfähigkeit ein wichtiger Punkt. Wenn man nicht ausreichend schläft, leidet darunter sowohl die kognitive, als auch die körperliche Leistungsfähigkeit. Vor allem der sogenannte Rem- oder auch Traumschlaf ist besonders wichtig für die nächtliche Gedächtniserholung. Wenn man also als Studierender einen Tag lang richtig effektiv lernt und dann Nachts nicht gut schläft, hat man am nächsten Tag einen großen Teil wieder vergessen. Hat cman hingegen einen guten Schlaf hat, wird das gelernte besser gespeichert. Darüber hinaus kann man eine Vielzahl weiterer Symptome bekommen. Herzproblemen, Verdauungsbeschwerden und Tagesmüdigkeit, sowie Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen gehören auch dazu.

Was sind denn die Folgen dieser Symptome?

Im schlimmsten Fall können aus Schlafmangel resultierende Herzprobleme natürlich zu ernsthaften Problemen wie einem Herzinfarkt führen. Aber das ist sehr selten. Normalerweise sind die durch den Schlafmangel entstehenden Symptome auch wieder rückläufig, wenn man wieder besser schläft. Oft ist ein falsch angewöhnter Rhythmus ein viel größeres Problem als gesundheitliche Folgen, weil es ganz schwer ist sich dann wieder einen normalen Schlaf anzutrainieren, wenn man das möglicherweise bereits Jahre lang falsch gemacht hat.

Was genau ist denn „guter“ oder „normaler“ Schlaf?

Guter Schlaf heißt im Prinzip ,dass man Abends schnell einschläft, morgens gut aus dem Bett kommt und sich tagsüber gut und ausgeschlafen fühlt. Grundsätzlich ist es aber so: Wenn man trotz unregelmäßigem oder wenig Schlaf fit und belastbar ist, kann auch das guter Schlaf sein. Selbst wenn man Nachts häufig aufwacht und dann sofort wieder einschläft, ist das nicht weiter störend, solange man sich dadurch tagsüber nicht eingeschränkt fühlt.

Wie viel sollte man denn im durchschnitt pro Nacht schlafen?

Der Durchschnittsmensch schläft etwa 6 bis 8 Stunden. Eine allgemeine Empfehlung kann man aber nicht geben. Denn es gibt natürlich auch Leute, die regelmäßig nur 4 Stunden schlafen. Solange man sich damit gut fühlt, ist das aber auch in Ordnung. Da ist jeder Mensch einfach unterschiedlich sensibel. Genauso ist es wenn man 10 Stunden Schlaf braucht. Das ist vielleicht sozial ein bisschen lästig, wenn man immer früh ins Bett muss oder morgens lange im Bett liegt, aber grundsätzlich auch kein Problem.

Gibt es irgendwelche Tricks um einen guten Schlaf zu erreichen?

Es gibt ein paar Verhaltensregeln, die Leuten empfohlen werden, wenn sie Probleme haben einzuschlafen. Am besten keine schwere Mahlzeit vor dem ins Bett gehen zu sich nehmen. Außerdem sollten zwischen Sport und dem schlafen gehen ein paar Stunden liegen. In den Raum in dem man schläft sollten zudem keine äußeren Reize wie Lärm oder Helligkeit eindringen. Ein Irrglaube ist übrigens, dass es besonders kalt sein muss beim schlafen. Das sollte jeder so halten, wie es für ihn angenehm ist. Der nächste Punkt ist für Studierende etwas schwierig, aber es wird empfohlen den Schreibtisch nicht im Schlafzimmer stehen zu haben, weil man dadurch immer wieder an den Tagesstress erinnert wird.

Wenn man schlecht geschlafen hat, ist dann ein Mittagsschlaf empfehlenswert?

Wenn man sich morgens wirklich nicht fit fühlt, weil man schlecht oder zu kurz geschlafen hat, dann ist gegen einen Mittagsschlaf nichts einzuwenden. Es ist immer gut, das nicht zu spät zu machen, da man für das ins Bett gehen Abends einen gewissen Schlafdruck, eine gewisse Müdigkeit braucht, die man sonst nicht hat. Ansonsten kann man sich aber Mittags nochmal hinlegen, solange man das nicht länger als eine halbe Stunde bis Stunde macht.

Vielen Dank für ihre Zeit Frau Hocker!

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