Erleben Sie mit uns das FB11-Spektrum: Einblicke in Psychologie, Pflegewissenschaft und Public Health

von Nadine Ochmann und Clara-Sophie Ott

Aufregung herrscht in dem Hörsaal der Grazer Straße, Zentrum des Fachbereichs 11 für Human- und Gesundheitswissenschaften. Die Umgebung ist für viele neu. Die Luft ist von Geflüster erfüllt und die ersten geknüpften Kontakte werden vertieft: „Hier, ich habe dir einen Platz freigehalten. Schön, dass du auch da bist. Hast du schon andere aus unserem Studiengang getroffen? Weißt du, was uns heute genau erwartet?“ Der Saal ist mit lauter neuen StudienanfängerInnen gefüllt. Währenddessen steigt auch die Aufregung und Vorfreude der Vortragenden, die vielleicht auch daran zurückdenken, dass sie vor einem Jahr ebenfalls als „Ersti“ in diesem Saal saßen und wie viel sich seitdem verändert hat. Hätten sie damals geglaubt, dass sie schon so bald hier stehen und eigene Forschungsarbeiten präsentieren würden? Nun wird es leiser und Nadine Ochmann begrüßt die Anwesenden: „Willkommen am Fachbereich 11.“

Was ist das FB11-SPektrum?

Im Rahmen von Uni-Start, dem Maßnahmenpaket 1 des Projektes ForstAintegriert (Forschend studieren von Anfang an), organisiert der Fachbereich 11 seit 2013 jährlich während der Orientierungswoche die Veranstaltung „FB11-SPektrum: Einblicke in die Psychologie, Pflegewissenschaft und Public Health“.

Abbildung 1: Logo FB11-SPektrum

Ziel des FB11-SPektrums ist es, den Studierenden vorwiegend durch das peer-to-peer-Konzept die Möglichkeit zu geben, sich über Forschungsthemen und -ergebnisse des eigenen Faches zu informieren und gleichzeitig einen interdisziplinären Blick über den Tellerrand zu werfen, um zu erfahren, mit welchen Themen sich die KommilitonInnen aus den anderen Studiengängen des Fachbereichs beschäftigen. Das FB11-SPektrum dient damit sowohl als Plattform zum intensiven studentischen Austausch und zur Förderung einer studentischen Community als auch zur Stärkung der Fach- und Fachbereichsidentität. Hierzu finden an dem Tag Poster-Präsentationen mit Kongress-Charakter sowie (Plenar-)Vorträge und interaktive Präsentationen mit Diskussionen durch Studierende statt. Dabei werden insbesondere studentische Praxis- und Forschungsprojekte der Bachelorstudiengänge Psychologie, Pflegewissenschaft-dual und Public Health vorgestellt. Insgesamt erfreut sich die Veranstaltung mit der Vorstellung von durchschnittlich 20 Projekten großer Beliebtheit, welches sich auch in den TeilnehmerInnenzahlen von ca. 150 Studierenden widerspiegelt.

Von Beginn an erfolgte die (Weiter-)Entwicklung und Durchführung des FB11-SPektrums partizipativ und wird durch eine AG von Lehrenden aus allen drei Studienbereichen begleitet. Ein Ergebnis der AG ist zum Beispiel das Logo für das FB11-SPektrum (siehe Abb. 1) und die Implementierung des Postercoachings am Fachbereich. Ebenfalls wird das FB11-SPektrum seit 2013 mit verschiedenen Instrumenten evaluiert, so dass die positiven und konstruktiven Rückmeldungen der Teilnehmenden in weitere Planungen einfließen können; u. a. wurde hierfür ein papier-basierter Fragebogen entwickelt und eingesetzt (über das uni-interne Befragungstool Unizensus).

Wie läuft das FB11-SPektrum konkret ab – Beispiele aus den Vorjahren

Vormittags präsentieren Bachelorstudierende, vorrangig des dritten Semesters, Ergebnisse aus ihren Forschungs- und Praxisprojekten in Form von 5-minütigen Poster-Präsentationen:

  • Stimmt der erste Eindruck? Zusammenhang zwischen Studiengang und Persönlichkeitseinschätzung
  • Empathie – Segen oder Fluch?
  • Verhältnis von Auszubildenden und Pflegepersonen im Umgang mit Patienten*innen
  • Gibt es Unterschiede im subjektiven Gesundheitsempfinden bei Kunden von Supermärkten und anderen Lebensmittelgeschäften in Bremen?
  • Alkoholkonsum und Stress
  • Sportliche Singles – Faule Pärchen?
  • Auswirkungen der ambulanten Pflegequalität bzw. das Patienten Outcome im Zeitraum 1995 bis heute
  • Gesund mit Hund – Besteht ein Zusammenhang zwischen dem psychischen Wohlbefinden und der Haltung von Hunden?

Abbildung 2: Wissenschaftliches Poster: „Gesund
mit Hund- Besteht ein Zusammenhang zwischen
dem psychischen Wohlbefinden und der Haltung
von Hunden?“

Im Anschluss an die Vorträge können Nachfragen gestellt werden; hier geht es z.B. um die Definitionen, die Erreichbarkeit von Zielgruppen, das Führen von Interviews oder die Allgemeingültigkeit von Ergebnissen.

In der Mittagspause können die TeilnehmerInnen in einer Ausstellung weitere wissenschaftliche Poster bestaunen. Es folgt ein durch (externe) ReferentInnen gehaltener Plenarvortrag zu einem aktuellen (Forschungs-)Thema:

  • Ergebnisse aus dem ForstA-Säule 2 Projekt Forschend Studieren in Gesundheitsförderung und Prävention (verschiedene Lehrende, 2013)
  • Mein Leben nach der Flucht – und jetzt? Sensibilisierung von Bremer SchülerInnen der Oberstufe zur Flüchtlingsproblematik (Ayla Klenke, 2014)
  • Inklusion aus psychologischer Perspektive (Katharina Georgi, 2015)
  • Belastungen unbegleiteter, minderjähriger Flüchtlinge: Trauma oder kulturelle Anpassungsprozesse? (Dr. Tilman Reinelt, 2016)
  • Freizeitaktivitäten mit jugendliche Geflüchteten (Leander Muskalla, 2017)

Seit zwei Jahren wird während der Mittagspause der selbstgedrehte Kurzfilm „Etwas Besseres als den Tod findest Du überall – ein Videoprojekt mit jungen Flüchtlingen“ gezeigt, der in das Thema Geflüchtete einführt und zudem das ehrenamtliche Engagement des Fachbereichs 11 zeigt.

Am Nachmittag gibt es verschiedene ca. 45-minütige vertiefende, interaktive Projektvorstellungen zu allen drei Fachrichtungen, die zum Diskutieren und Engagieren einladen:

  • „BRISE – Bremer Initiative zur Stärkung frühkindlicher Entwicklung“ (Psychologie)
  • „Alle unter einem Dach – Chancen und Risiken einer umgekehrten Inklusion“ (Pflegewissenschaft)
  • Praxisprojekt: Gesundheitsförderung für Frauen in Haft“ (Public Health)

Welche Vorteile hat das FB11-SPektrum für StudienanfängerInnen und Studierende?

Das FB11-SPektrum soll StudienanfängerInnen von Beginn des Studiums an Lust auf Forschung bereiten und die Faszination für das Fach/die Fächer des Fachbereichs wecken.

StudienanfängerInnen erhalten erste Einblicke in das forschende Studieren am eigenen Fachbereich, eine Übersicht zu Forschungsabläufen sowie über die methodischen Kompetenzen, die im ersten Studienjahr vermittelt werden. Über Nachfragen an die ForscherInnen und die Diskussion der Ergebnisse wird eine – wenn auch noch zaghafte – forschend-reflektierende Haltung entwickelt.

Durch das SPektrum lernen vortragende Studierende die Erstellung des – häufig ersten – wissenschaftlichen Posters, sowie die Präsentation des eigenen Projekts vor einem (fachfremden) Publikum.

Das FB11-SPektrum bietet darüber hinaus für alle eine Chance, in verschiedene Themen einzutauchen, Studieninhalte anders zu erfassen, Interessen zu entwickeln, Kontakte zu knüpfen, Verantwortung zu übernehmen und die Theorie mit Praxis zu verbinden. Außerdem wird das außeruniversitäre Engagement in den Blick genommen, indem Anknüpfungspunkte zwischen Studieninhalten und möglichen (ehrenamtlichen) Projekten aufgezeigt werden.

Abbildung 3: Begrüßung der StudienanfängerInnen

Wie ist das FB11-SPektrum mit anderen Maßnahmenpaketen verzahnt?

Von Anfang an fand eine Verknüpfung des FB 11-SPektrums mit anderen ForstA-Maßnahmen des FBs statt. So wird z.B. im Rahmen der Begrüßung über ForstAintegriert und die konkreten Angebote des Fachbereichs informiert. Die Ergebnisse der bewilligten Projekte aus dem MP 2 bzw. Säule 2 sind ebenfalls Teil der Vorstellung, sowohl in Form von wissenschaftlichen Postern (z.B. virtuelle Betriebe und Pflege bewegt) als auch in Form der interaktiven Projektpräsentationen (z.B. Cannabis und Depression).

Auch die studentischen Lernformate sind eng mit dem FB11-SPektrum verzahnt, indem beispielsweise morgens der/die Präsentationscoach ihre/seine Angebote den StudienanfängerInnen vorstellt. In enger Kooperation mit der Studierwerkstatt, insbesondere mit Herrn Riedel, wurde im Jahr 2017 das Format des Postercoachings entwickelt. Der studentische Postercoach unterstützte mittels Gruppen- und Einzelberatung die Studierenden bei der Entwicklung wissenschaftlicher Poster, die u.a. beim FB11-SPektrum präsentiert werden. Ergänzt wurde das Postercoaching durch eine fachbereichsweite Informationsveranstaltung zum Thema „Wissenschaftliches Poster erstellen“, die Herr Riedel von der Studierwerkstatt durchführte. Beide Formate erzielten 2017 große Resonanz, können als erfolgreich bewertet werden und werden 2018 fortgeführt.

… aus Sicht einer Studienanfängerin:

So viele neue Einblicke innerhalb eines Tages waren beeindruckend!

2016 war ich auch eine von vielen hundert Erstis im Fachbereich 11. In der Orientierungswoche wurde das FB11-SPektrum angekündigt. Zwischen Kennenlernen bei Bierpong in der Bremer Altstadt, Stundenplanerstellung und der Ersti-Party im Magazinkeller, saß ich plötzlich mit lauter neuen KommilitonInnen in der Universität. Ich fühlte mich zum ersten Mal wie eine Studentin. Es war aufregend, so viele Vorträge zu hören, die nur für uns präsentiert wurden. Vor Beginn des Studiums habe ich nur einen groben Überblick über das Feld der Gesundheit, der Pflegewissenschaft und der Psychologie gehabt. Was gehört alles dazu? Es gab so viele spannende Themen aus der Forschung. Wir ZuhörerInnen konnten Fragen stellen. Interessant war zu sehen, wie die älteren Studierenden ihre Arbeit reflektierten. Oft saß ich zuhörend im Raum und habe gedacht: „Ah, aus dem Blickwinkel kann man das auch sehen!“ oder „Ich hätte nicht gedacht, dass arbeitslose Menschen am meisten gestresst sind.“, aber auch Gedanken, wie: „Wie haben die KommilitonInnen es bereits im zweiten Semester geschafft, schon eine eigene Studie zu planen und durchzuführen?“ Von Vorträgen zur Handynutzung und deren Auswirkung, über das Einkaufverhalten im Supermarkt und dessen Zusammenhang mit dem Gesundheitsstatus, über Persönlichkeitsmerkmale und Musikgeschmack, bis hin zu alternativen Versorgungsformen von PflegeheimbewohnerInnen, gab es eine spannende Breite an vorgestellten Themen. Und was immer deutlicher wurde: Psychologie, Gesundheitswissenschaften und Pflegewissenschaft greifen ineinander und ergänzen sich wunderbar. Nachmittags folgten dann die Projektpräsentationen. Zusammen mit einigen frisch gefundenen FreundInnen erfuhr ich von einem Gesundheitsförderungsprojekt für inhaftierte Frauen in der Justizvollzugsanstalt Bremen-Oslebshausen. Wir waren begeistert und interessiert und sind nun seit über einem Jahr stolze ehrenamtliche Mitglieder des Projektes, welches wir dann ein Jahr später beim FB11-SPektrum präsentierten.

… aus Sicht einer Vortragenden:

Nun schließt sich der Kreis. Oder ist das erst der Anfang?

Im Bachelorstudiengang Public Health/Gesundheitswissenschaften führte meine Gruppe im Rahmen des Moduls empirische Sozialforschung das Forschungsprojekt „Gesund mit Hund – Besteht ein Zusammenhang zwischen dem psychischen Wohlbefinden und der Haltung von Hunden?“ (siehe Abb. 2) durch. Gruppenweise haben wir in der Lehrveranstaltung selbst überlegt, was wir in unserer Studie erforschen möchten. Diese Situation sehe ich als eine Chance, sich in das Studium persönlich einzubringen. Ich reflektierte auch, was mich an den Inhalten meines Studiums besonders interessiert. Gedanken in der Gruppe über die Sinnhaftigkeit des gelernten Stoffes und dessen Anwendung in der Praxis beschäftigten uns. Dadurch bekam das Projekt eine persönliche Bedeutung und es war sehr schön zu sehen, wie es sich entwickelte. Von der Konzeption, über die Durchführung, bis hin zur Auswertung und der Erstellung eines wissenschaftlichen Posters, eines Abstracts und eines kleinen wissenschaftlichen Vortrags lag alles in der Hand von uns Studierenden, die jederzeit hilfsbereit von den DozentInnen angeleitet und unterstützt wurden. 2017 und einige Studienerfahrungen später, standen wir diesmal als Vortragende in der Grazer Straße. Dieses Mal waren wir die großen StudentInnen. Beim FB11-SPektrum hatten wir die Möglichkeit, vor fremdem Publikum und deutlich mehr ZuhörerInnen unser Projekt vorzustellen und uns spannenden Fragen zu stellen. Diesmal lauschten uns neugierige StudienanfängerInnen. Die schönste Rückmeldung war die Begeisterung, die wir für unser Forschungsprojekt wecken konnten.

Abbildungen 4 und 5: Poster-Präsentationen von Studierenden

Aber ohne freiwilliges Engagement von                                                   

Studierenden, die ihre Forschungs- und Praxisprojekte präsentieren möchten und über ihre Erfahrungen berichten und sich (auch kritischen) Fragen stellen,

Lehrenden, die als MultiplikatorInnen agieren, Poster als Prüfungsleistungen in ihre Veranstaltungen integrieren und bei der AG für die Organisation mitwirken,

(externen) ReferentInnen, die einen wissenschaftlichen Plenarvortrag halten,

geht es nicht!

Und an dieser Stelle möchten wir uns herzlich bei allen Beteiligten bedanken, die in den letzten Jahren das FB11-SPektrum ermöglicht haben und zugleich schon jetzt alle Studierenden des Fachbereichs 11 motivieren, sich aktiv beim nächsten FB11-SPektrum am 10.10.2018 zu beteiligen und ihre eigenen spannenden Forschungs- und Praxisprojekte mit neuen Erstis zu teilen (siehe Abb. 6).

Abbildung 6: Einladung zum FB11-SPektrum 2018

 

Über die Autorinnen:

Dr. Nadine Ochmann ist Gesundheitswissenschaftlerin und arbeitet als wissenschaftliche Angestellte im Studienzentrum des Fachbereichs 11. Im Rahmen von ForstA und ForstAintegriert ist sie seit 2013 für die (Weiter-)Entwicklung, Durchführung und Evaluation des FB11-SPektrums zuständig.

Clara-Sophie Ott studiert Psychologie an der Universität Bremen und ist Mitglied des ehrenamtlichen Projekts „Gesundheitsförderung für Frauen in Haft“, welches am Institut für Public Health und Pflegeforschung angesiedelt ist. Darüber hinaus arbeitet sie als studentische Mitarbeiterin im Qualitätsmanagement des Fachbereichs 11.

Bildnachweis:

  • Autorinnenfotos: Nadine Ochmann (privat); Clara-Sophie Ott (privat)
  • Abbildungen 1 und 2: Nadine Ochmann; Clara-Sophie Ott; Universität Bremen
  • Abbildung 3: Britta Schowe
  • Abbildungen 4 und 5: Ayla Klenke
  • Abbildung 6: Universität Bremen

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