How To: Prokrastinieren wie die Profis
Nicht mehr lange, dann ist für viele Studis Stichtag; die Abgabefristen für Hausarbeiten rücken in vielen Studiengängen bedrohlich näher. Zeit, sich nochmal richtig reinzuhängen und schön fleißig zu sein!
…Oder?
Es gibt da noch eine andere Option, die viele Studierende zwar gut kennen, aber nur wenige wirklich perfektioniert haben: Prokrastination.
Wer es in diesem Bereich weit bringen will, hat natürlich bestenfalls schon in der Schulzeit damit angefangen (früh übt sich!), aber allen Nachzüglern und jedem, der sich auf dem Gebiet noch etwas unbeholfen fühlt, kann ich beruhigend versichern: Keine Sorge, denn rein zufällig bin ich Expertin auf diesem Gebiet und kann hier einen exklusiven Einblick in meine bewährtesten Methoden gewähren. Ich möchte ermöglichen, dass auch du dein volles Aufschiebepotential wirklich ausschöpfen und dich entfalten kannst, und nehme dich behutsam an die Hand. Damit du vor der nächsten Uni-Abgabe nicht ratlos dastehst und dich verzweifelt fragst, was du stattdessen tun könntest.
1. Beginne eine neue Serie
Schließe deine Augen (aber hör nicht auf, zu lesen!) und male dir folgende Szene aus: Es ist Abend. Du sitzt auf der Couch, der Laptop liegt neben dir, zum Greifen nah. Du könntest ihn aufklappen, auf das leere Word-Dokument starren. Dir mühsam irgendeinen Satz aus den Fingern saugen, der bei erneutem Durchlesen morgen früh wahrscheinlich keinen Sinn ergeben wird. Oder: du könntest diese Serie anfangen, die momentan so im Hype ist. Schließlich bist du sowieso schon viel zu müde, um die Aufgabe richtig zu erledigen. Das solltest du besser machen, wenn du konzentrierter bist, morgen früh, oder halt morgen irgendwann… Auf jeden Fall morgen. Jetzt solltest du dich erstmal erholen und dafür braucht es eine Folge dieser Serie. Oder zwei, der „Nächste Folge“-Button ist schließlich nur einen Klick entfernt. Na gut, vielleicht auch drei. Vielleicht auch so viele, dass du erst mitten in der Nacht ins Bett gehst und morgen erstmal gründlich ausschlafen musst! Wird sich zeigen.
2. Etwas ausmisten oder sortieren
Schon klar, es ist ein Klassiker, aber bisher hat mich diese Option noch nie im Stich gelassen. Denn natürlich findet man nicht immer eine passende Serie und dann fällt der Blick zum Beispiel auf die chaotische Sockenschublade oder die vielen Bücher, die geradezu darum betteln, nach Farbe oder Genre sortiert zu werden. Oder doch lieber nach Autor*in? Besser, du probierst einfach alles einmal aus und schaust, wie es wirkt. Und wenn du schonmal dabei bist, könntest du auch gleich noch die Wasserhähne entkalken, die seit einem halben Jahr nur noch drei dünne Strahlen Wasser ausspucken, das ist schließlich kein haltbarer Zustand und muss dringend erledigt werden. Jetzt, sofort!
3. Einen Plan erstellen
Nichts machen wahre Prokrastinationsprofis lieber als sich Dinge vorzunehmen. Es gibt doch nichts erfüllenderes, als sich mit voller Motivation ganz entschlossen zu entscheiden, bald etwas zu machen. Das Schöne an dieser Methode: Idealerweise besorgst du vor dem gründlichen Planen noch die richtige Ausrüstung. Ein Whiteboard und passende Stifte zum Beispiel, ein besonders hübscher Kalender oder ein Notizbuch, davon hast du ja noch nicht so viele. Kann man überhaupt genug Notizbücher haben? Wenn es dann ans Eingemachte geht (oder besser: ans Planen des Eingemachten), sind deiner Kreativität keine Grenzen gesetzt und du kannst deinen Plan einfach an deine persönlichen Interessen anpassen. Du könntest planen, an bestimmten Tagen Sport zu machen, du könntest einen Essensplan konzipieren, um dich endlich gesünder zu ernähren, oder du erstellst eine neue Skin Care-Routine, die du von nun an definitiv täglich durchziehen wirst. Ja, du könntest sogar planen, welche Pläne du mal erstellen möchtest! Wenn deine Prokrastinationskarriere noch in den Babyschuhen steckt, könntest du aber auch erstmal damit anfangen, deine Hausarbeit gründlich zu planen, dir vielleicht eine schöne Farbkodierung überlegen, durch die du am Ende nicht mehr durchsteigst. Das wird dir sicher helfen, wenn du irgendwann demnächst mit der tatsächlichen Arbeit anfängst. Alles lässt sich planen, wenn du nur zu träumen wagst!
4. Ein neues Hobby oder Rezept ausprobieren
Wolltest du nicht schon immer mal Italienisch sprechen können? Und wie viel kostet eigentlich eine E-Gitarre, die sich für Anfänger*innen eignet? Wie lange dauert es wohl, Rollschuhfahren zu lernen? Was auch immer dir vorschwebt, genau jetzt ist der richtige Augenblick, dieses Hobby endlich in Angriff zu nehmen! Aber bevor man sich in etwas Neues hineinstürzt, muss man sich natürlich umfassend informieren, über YouTube-Videos und Websites, damit du auch den perfekten Italienischlernplan erstellen (hier kommt Punkt 3 passenderweise ins Spiel!) und intensiv Vergleiche der besten Apps zum Lernen von Sprachen studieren kannst, damit du die beste und schönste E-Gitarre findest und die richtigen Rollen für deine neuen Rollschuhe (nur Wenige wissen, dass die Rollen ein alles entscheidender Faktor sind!). Du weißt kein neues Hobby, das dein Interesse weckt? Dann tut es auch ein Rezept, das du vorher noch nie gekocht hast, das aber bestimmt nicht sooo kompliziert sein kann, wie alle sagen. Versuch’s doch mal mit einem Soufflé, mit selbstgemachten Ravioli, mit Macarons oder einem Klassiker – dem Sauerteigbrot! Geht bestimmt fix und danach kannst du dann satt und ausgeglichen mit der Hausarbeit anfangen.
5. Unnütze Wikipediaartikel lesen
Wenn es dann doch mal passieren sollte, dass du vor dem Laptop sitzt und arbeitest, lässt sich dieses Debakel zum Glück schnell beheben, denn da geistert bestimmt eine Frage durch deinen Kopf, die beantwortet werden will. Wie entsteht eigentlich Treibsand? Was passiert, wenn man in ein schwarzes Loch fällt? Und was macht eigentlich Fergie heute? Aus einem Wikipediaartikel werden im Handumdrehen zwei Stunden im Rabbit Hole, die Zeit vergeht wie im Flug. Und danach kannst du mit vielen neuen Fun Facts dein Umfeld erfreuen! Wusstest du, dass man beim Versinken im Moor praktisch nicht ertrinken kann, sondern vor allem die Kälte das Problem ist? Falls nicht, solltest du das unbedingt mal genauer recherchieren, ein wahnsinnig interessantes Thema, zu dem es auch die ein oder andere interessante Doku gibt.
Wenn hier nichts für dich dabei war und du dich lieber an die Arbeit machst, dann gehörst du vermutlich zu der Fleißelite unter den Studierenden, zu den vollkommen Unfehlbaren, vor denen wir anderen uns alle demütig verneigen. Na los, beschäftige dich weiter mit richtigen Zitierweisen, Textformatierungen und Seitenzahlen ab Seite drei! Alle anderen sollten sich mal in die Dead Internet Theory einlesen oder eigenen Blätterteig herstellen. Nur so als Idee.










Hinterlasse einen Kommentar
An der Diskussion beteiligenHinterlasse uns deinen Kommentar!