Science goes Public!

Donnerstag Abends in die Kneipe, ist als Student:in erstmal nichts besonderes. Die Tatsache, dass ich alleine war, dann wiederum schon. Im Nachhinein bin ich froh mich überwunden zu haben und kann es jeder/m empfehlen. Aber noch mal zurück auf Anfang. Was hab ich eigentlich gemacht?

Zwei Mal im Jahr findet die Veranstaltungsreihe „Science goes Public!“ in Bremen und Bremerhaven in ausgewählten Kneipen statt. In gemütlicher und lockerer Atmosphäre tragen Wissenschaftler:innen aus diversen Bereichen 30-minütige Beiträge vor. Die Themenbereiche sind dabei sehr unterschiedlich. Von Geschichten aus dem All über Umweltschutz- und Verschmutzung bis hin zu KI und virtuelle Welten ist alles dabei. Referiert werden die Beiträge von Wissenschaftler:innen die für ihr Thema brennen und beruflich darin spezialisiert sind. Anders als in der Schule oder Uni, finden im Anschluss dann auch Fragerunden statt oder du kannst bei einem Bier gemütlich in kleiner Runde weiter schnacken.

Entstanden ist das ganze bereits 2015 in Bremerhaven zum 10-jährigen Jubiläum. 2005 erhielten Bremen und Bremerhaven nämlich den Titel „ Stadt der Wissenschaft“. Damals unter dem Namen „Public understanding of Science“. Seit 2017 gibt es die Vorträge auch in Bremen. Zum Glück! Denn jeden Donnerstag finden während der aktuellen Herbstreihe zwei unterschiedliche Vorträge parallel statt in zwei verschiedenen Kneipen. Also ganz in deiner Nähe. Los geht‘s immer um 20 Uhr und das kostenlos. Lediglich deine Getränke musst du natürlich selbst zahlen.

Ich entschied mich für den Beitrag „Nur fordern, wenn’s fördert?“ im 1st Class Suicide. Ich bin schon des Öfteren tagsüber vorbeigelaufen und wollte mal rein. Nun ergab sich die Gelegenheit. Aber nicht nur die Kneipe hatte mich Interessiert, sondern auch das Thema. Kernpunkt war die Arbeitsmarktpolitik in Deutschland, wie Medien bestimmte Narrative gefüttert haben bzw. füttern und diese wiederum bestimmte Meinungen in der Gesellschaft bildet. Dabei wurde das ganze auch empirisch und statistisch untersucht von den Referierenden. Ich stand dort also am Rand allein mit meinem Bier und hörte den beiden 30 Minuten lang zu. Die Kneipe war komplett voll, im Hintergrund hörte man stetig den Shaker in Action für die bestellten Cocktails. Manche Zuhörer:innen saßen auf dem Boden, manche standen wie ich an der Seite. Früher kommen lohnt sich also, wenn man einen Sitzplatz möchte.
Mit der Fragerunde danach fühlte sich das ganze für mich  an, wie auf meiner damaligen Abschlussfahrt. Jede/r Schüler:in musste vor einem, für den Lehrer, wichtigen Gebäude in Florenz ein Referat halten mit anschließender Fragerunde. Meist saßen wir dann auch wild verteilt an einem Ort wo sonst keine Vorträge stattfanden und kämpften gegen eine Geräuschkulisse an. Hier stand ich nun in der Kneipe allein. Mit dem Unterschied, hier wollte ich sein, die Geräuschkulisse machte für mich das ganze entspannter, das Thema wollte ich mir anhören und die Referierenden haben Ahnung von ihrem Beitrag. Die Fragerunde im Anschluss begann etwas holprig, aber mal ganz ehrlich: Das sind wir aus der Uni gewohnt. Das vor allem schöne an dem Abend für mich war das komplett gemischte Publikum. Denn die Veranstaltungsreihe ist für alle. Nicht nur an Akademiker:innen und Themen spezialisierte Menschen gerichtet. Und ein Thema in diesem Fall, bei dem eigentlich jede/r mitreden kann. Es ist aus der Gesellschaft und für die Gesellschaft. Und wer von beispielsweise HartzIV keine Ahnung hatte, konnte sich jetzt endlich mal dazu etwas anhören.

Knapp eine Stunde nach meiner Ankunft zahlte ich mein Bier, freute mich darüber mich mal wieder etwas allein getraut zu haben und schlenderte nach Hause. Wenn du dich in kleinen Schritten mal Dinge allein trauen möchtest und es dir genauso schwer fällt wie mir: Hier ist deine Chance! Aber auch sonst kann ich die Reihe nur empfehlen. Bis zum 18.11. kannst du dir noch Beiträge anhören. Alle Infos zum Programm und Wo findest du unter www.sciencegoespublic.de/programm.

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