Storytelling: Groggy sein vom Nichtstun

6.15 Uhr: Ich werde von Sonnenstrahlen geweckt und trotz der Uhrzeit habe ich direkt gute Laune. Instinktiv greife ich nach rechts zu meinem Handy und öffne die Wetter-App: 33 Grad Celsius? Ich freue mich natürlich über das sonnige Wetter, darüber, dass man endlich wieder seinen Vitamin-D-Tank auffüllen kann und verfalle im nächsten Moment auch schon in Panik: Was soll ich überhaupt anziehen? Flott stehe ich auf, laufe rüber zum Kleiderschrank und suche verzweifelt nach sommerlichen Klamotten, die man im kalten und verregneten Bremen eher selten braucht. Nach langer Suche und einem Kaffee finde ich endlich etwas, mache mich schnell im Bad fertig und schlüpfe ich die kurze Hose, das zerknitterte Top und ab rein ich die Chucks. Mein Rucksack ist gepackt und ich muss schnell los, denn wie immer, bin ich spät dran.

Als ich vor die Tür trete trifft mich direkt der Schlag: Um 7.45 Uhr ist es schon ziemlich warm. Und das soll noch heißer werden? Mein Körper ist sichtlich überfordert und auf dem Weg zur Straßenbahn komme ich schon leicht ins schwitzen. Ganz unauffällig wische ich mir die Perlen von meiner Nase und hoffe auf eine Klimaanlage in der Bahn. Aber Fehlanzeige: Die Linie 4 kennt sowas nicht und schon stehe ich in einem Pumakäfig auf Rädern. Am Leibnizplatz angekommen muss ich in die Bahn zur Uni umsteigen. Auch auf dieser Fahrt ist keine Chance auf eine Klimaanlage vorhanden. Meine 30-minütige Fahrt in einer Bahn mit schlechter Belüftung beginnt und ich verfluche mich selbst, dass ich mein Rad noch nicht repariert habe.

Während ich mich bemühen muss, nicht jeden Moment den Klappmann zu machen, klammere ich mich an meine Wasserflasche und gucke traurig zu den Leuten rüber, die heute auch noch in langen Klamotten arbeiten müssen. Endlich bin ich an der Uni angekommen und ich stürme nach draußen – in die trockne und noch heißer scheinende Luft.

Mittlerweile bin ich körperlich bei meinen Seminaren angekommen, mental allerdings kein Stück – meine Gedanken kreisen nur um Eis am Stiel und den nächsten See, in den ich am liebsten mit samt Klamotten reinspringen würde. Nach vier langen Stunden (ok, das geht wirklich noch) mache ich mich auf den Weg zu unserer wöchentlichen Redaktionssitzung und treffe dort auf das Team. „An solchen Tagen gehe ich nie ohne meine Birkenstocks aus dem Haus“, erzählt mir Katja und ich ärgere mich über meine Sneakers. Nach der Redax geht’s wieder zum mobilen Pumakäfig und nach knapp 40 Minuten komme ich endlich zuhause an. Die Sonne brutzelt fröhlich vor sich hin und die Bordsteine flimmern.

Ich stolpere völlig groggy in meine (zum Glück) kühle Erdgeschosswohnung und falle erschöpft auf die Couch. Dabei frage ich mich, was ich heute überhaupt Anstrengendes getan habe… Sport steht bei dieser Hitze draußen jedenfalls nicht mehr auf meiner To-Do-Liste und ich schmeiße meinen Laptop an. Da die Klausurenphase schließlich vor der Tür steht, muss ich mich noch mit einer Lektüre anfreunden. Zeitgleich ist Microsoft Word geöffnet. Ehe ich mich versehe, finde ich mich mit leeren Blicken auf Instagram wieder – oh eine Whatsapp Nachricht – nein! – zurück zur Lektüre… Das geht ungefähr drei Stunden so, bis ich meinen Laptop zuklappe, in die Ecke schmeiße  und mich meiner Unlust geschlagen gebe.

Zum Essen gibt es heute nur Wassermelone und abends einen kleinen Salat, denn für mehr reicht mein Hunger nicht aus. Abgesehen davon habe ich bestimmt schon drei bis vier Liter Wasser in mich reingekippt.

Gegen 22 Uhr falle ich ausgelaugt ins Bett und schaue aus dem Fenster: Wie aufs Stichwort fängt es an aus Eimern zu schütten und es schnellen Blitze durch die Wolken, gefolgt von mächtigem Donner. Während ich langsam eindöse, fällt mir mal wieder auf, wie schön eigentlich Mutter Natur ist und ich freue mich heimlich darüber, dass sich die Sonne wieder länger in Bremen Blicken lässt.

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