1. Stelle dich bitte kurz vor und erzähle, wie du zu dem Beruf Intensivkrankenpfleger gekommen bist?

Ich bin Max, 31 Jahre alt und studiere Politikwissenschaften an der Uni Bremen. Vor meinem Studium habe ich eine Ausbildung zum Intensivkrankenpfleger gemacht. Zu dem Beruf bin ich durch mein Freiwilliges Soziales Jahr nach dem Abitur gekommen. Ich habe das FSJ in einem Bremer Krankenhaus gemacht für ca. 9 Monate. Danach habe ich dann freiwillig noch 3 Monate hinten drangehangen, um mehr Einblicke auf einer Notaufnahmestation zu bekommen. Das war der Punkt an dem ich gemerkt habe, dass mir die Arbeit total viel Spaß, weil jeder Tag komplett anders ist und ich unbedingt eine Ausbildung in diesem Bereich machen möchte. Während der Ausbildung durchläuft man verschiedene Stationen und Bereiche und die Arbeit auf der Intensivstation hat mich am meisten fasziniert und gefordert, aus diesem Grund wollte ich dort unbedingt arbeiten.

  1. Wie kam es zu der Entscheidung nach fast 10 Jahren Berufserfahrung, ein Studium zu beginnen?

Für mich war immer klar, dass der Beruf des Krankenpflegers nicht das Ende meiner beruflichen Karriere sein sollte. Ich mag den Beruf super gerne, aber das System in dem man als Pfleger arbeitet ist nicht lukrativ genug. Es gibt kaum Aufstiegsmöglichkeiten, der Schichtdienst und die Wochenendarbeit sind auf Dauer sehr anstrengend. Die meiste Zeit habe ich auf der Arbeit verbracht, hatte kaum private Zeit, bzw. auch Zeit das Erlebte auf der Arbeit sacken zu lassen. Der Personalmangel und die Einsparungen sind in dieser Branche wirklich extrem. Man versucht zwar jeden Tag sein Bestes zu geben, aber irgendwann musste auch ich eingestehen, dass ich alleine die Welt nicht retten kann. Nach dieser Einsicht, kam dann auch ziemlich schnell der Wunsch mich nach einer beruflichen Alternative umzuschauen. So traf ich die Wahl auf Politikwissenschaften, um zukünftig auch an dem ganzen Gesundheitssystem etwas ändern zu können.

 

  1. Wie würdest du die Vereinbarkeit von Studium und der Arbeit auf der Intensivstation beschreiben?

Ich habe gottseidank einen sehr rücksichtvollen und flexiblen Arbeitgeber. Aufgrundessen kann ich meinen Dienstplan so gestalten, dass es mit meinem Studium übereinstimmt. Das bedeutet, dass ich in der Woche dann mit meinem Studium Vollzeit beschäftigt bin und an den Wochenenden habe ich dann meine Schichten im Krankenhaus.

 

  1. Seit letztem Jahr hat ganz Deutschland mit dem Corona Virus zu kämpfen, hast du auf der Arbeit einen Unterschied festgestellt seitdem?

Die Zeit ist seitdem wirklich sehr stressig und anspruchsvoll. Die Sorge sich selbst anzustecken war hoch und lediglich der Gedanke man könnte das Virus in sich tragen und jemand anderen anstecken, war furchtbar. Wir haben bei uns auf der Station direkt Corona Patienten behandelt und haben die ganze Situation sehr ernst genommen. Es wurden verschärfte Maßnahmen ergriffen, insbesondere im Bereich der Hygiene.

  1. Was hat sich in deinem Arbeitsalltag aufgrund von Corona am meisten verändert?

Die Hygienemaßnahmen wurden extrem verschärft. Im gesamten Krankenhaus gibt es eine FFP2 Masken Pflicht. Bei der Arbeit mit und an Corona Patienten sogar FFP 3 Masken Pflicht, mit einer weiteren Maske darüber. Es werden vermehrt Corona Schnelltest mit den Mitarbeitern gemacht. Jeder Patient der nur grippeähnliche Symptome aufweist wird direkt isoliert. Egal ob er Corona getestet wurde oder nicht. Zudem können Angehörige oder Besucher nicht mehr die Patienten besuchen. Das ist ein Punkt, bei dem man die Auswirkungen extrem merkt. Die Patienten bei uns auf der Intensivstation benötigen sehr viel Unterstützung und Rückhalt von ihren Angehörigen. Diese dürfen Sie aber nicht mehr besuchen und diese soziale, psychische Unterstützung müssen wir als Personal ebenfalls auffangen. Und das obwohl gerade jetzt weniger Zeit für den Patienten da ist und wir auf solche psychischen Unterstützungen gar nicht geschult sind. Das ist wirklich eine große Herausforderung.

 

  1. Welche Situation oder Moment war für dich der emotionalste, prägendste in dieser Corona Zeit?

Es gab einen Mann der das Corona Virus in sich trug, dies aber nicht wusste. Er hat keine Symptome. Trotzdessen steckte er beide seiner Eltern, die beide um die 50 Jahre alt waren, an. Die Eltern waren bei uns auf der Intensivstation Patienten und hatten beide einen sehr schweren Verlauf des Corona Virus. Der Vater ist an den Folgen des Corona Virus gestorben und das ohne Vorerkrankung und so plötzlich. Er war ziemlich stabil, die Lungenwerte waren okay und von der einen auf die andere Sekunde bricht der ganze Körper zusammen und der Mensch ist tot. Soetwas habe ich in meiner mittlerweile 12-jährigen Berufszeit nie erlebt. Die Mutter hat überlebt, aber hat seitdem starke Einschränkungen und weitere Spätfolgen. Das war der Moment vor dem vermutlich jeder Angst hat und ihn live mitzuerleben war grausam. Ich wünsche soetwas niemanden.

 

  1. Im Bereich des Gesundheitswesens und besonders im Bereich der Pflege gibt es seit Jahren einen Personalmangel. Jetzt in diesen Corona Zeiten, hat sich das ganze extrem zugespitzt. Ärtze, die in Rente waren, wurden wieder eingestellt, Medizinstudierende eingesetzt und alle belegten Doppelschichten. Wie hast du das Ganze erlebt?

Ich habe natürlich versucht die Balance zwischen Studium und Arbeit nicht zu verlieren. Aber um ehrlich zu sein funktioniert das nicht, in so einer Ausnahmezeit. Ich habe mich damals dazu entschieden, Menschen helfen zu wollen und wenn diese Zeiten mehr Einsatz fordern, bringe ich den gerne. Ich habe aufgrundessen mein Studium extrem runtergefahren, nur 2 statt 6 Module belegt und dafür die Stunden im Krankenhaus erhöht. Ich habe meinen Urlaub verschoben, genauso wie meine Kollegen.

 

  1. Hattest du jemals Angst dich selbst zu infizieren, weil du direkt mit und an Corona Patienten arbeitest?

Natürlich hat man die Sorge sich anzustecken. Aber man muss in seine Fähigkeiten und Qualifikationen vertrauen und in die Hygienemaßnahmen, die aufgestellt wurden. Wir haben ziemlich scharfe Maßnahmen was die Arbeit an Corona Patienten angeht. Es gibt eine spezielle Ausrüstung, die wir tragen müssen. Anleitungen und Vorschriften wie diese Kleidung an- und auszuziehen ist.

Und um ehrlich zu sein hatte ich weniger Sorge mich auf der Arbeit, als im Privaten anzustecken. Auf der Arbeit gibt es einen streng kontrollierten Raum, nach dem alles nach Vorschriften und einem Hygienekonzept abläuft. Auf der Straße, in Einkaufsläden begegnet man Menschen, die sich die Maske nicht einmal richtig aufsetzen oder den Abstand nicht einhalten. Ich finde dort ist das Risiko viel höher und somit auch die Angst.

 

  1. Wie hat die Corona Pandemie dich beruflich als auch persönlich geprägt?

Die Corona Pandemie hat furchtbare Folgen mit sich gebracht, die ich in meinem Job tagtäglich zu Gesicht bekommen. Gleichzeitig hatte ich das Gefühl, dass für etwas gut war. Sie hat die ganze Welt pausieren lassen. Menschen konnten erstmals wieder richtig durchatmen und man wurde sich vielem erst so richtig bewusst. Man hat zu schätzen gelernt, dass viele alltägliche Dinge nicht selbstverständlich sind, dass Familie und Freunde das wertvollste sind was wir uns wünschen können. Ich finde diese Rückkehr in ein größeres Bewusstsein für diese Dinge, ist ein extremer Zugewinn. Ich hoffe nur, dass diese Wertschätzung auch nach der Pandemie weiter anhält und die Menschen aus dieser Zeit etwas Nachhaltiges mitnehmen werden.

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