Ich tauche ins Wasser und in Sekundenschnelle wird mein Körper vom Schwimmbecken verschluckt. Ich atme tief ein und aus, während ich mich durch das Wasser bewege. Neben mir schwimmen in drei anderen Bahnen weitere Menschen in unterschiedlichsten Schwimmstilen, dessen Bezeichnungen ich nicht kenne. Ich habe mich dieses Semester zum ersten Mal zum Hochschulsport eingeschrieben und gehe jetzt wöchentlich zu einem Kurs für „freies Schwimmen“. Das große Becken in der Haupthalle des Unibads ist während dieser Kurszeiten in mehrere Bahnen eingeteilt und am Beckenrand haben die Bademeister ein Auge darauf, dass niemand ertrinkt. Bei meinen ersten beiden Besuchen des Kurses ziehe ich meine Bahnen im größten Abschnitt des Beckens und bahne mir meinen Weg, teilweise kreuz-und-quer von einer bis zur anderen Seite des Beckens. Es tut gut an nichts anderes als an meine Atmung und die Bewegung meiner Arme und Beine im Wasser, zu denken. Eine Art Auszeit vom Stress im Uni-Alltag.

Erst beim dritten Mal werden vom Kassenpersonal rote Papierbändchen ausgeteilt, welche ich für meinen Teil ansonsten nur von Partys kenne. Alle Kursteilnehmer sollen so für die Bademeister erkennbar sein. Mich stört es nicht, bis ich die Halle betrete, beginne meine üblichen Bahnen zu schwimmen und einer der Bademeister mich darauf aufmerksam macht, dass ich mit meinem roten Band die Bahn wechseln muss. Als ich ihn frage, welche Bahn denn in Ordnung sei, zeigt er mit dem Finger auf die ersten drei Bahnen am Rand. Nur ein kurzer Blick auf diese Bahnen löst bei mir schon ein mulmiges Gefühl aus. Ich sehe wie vorrangig athletisch-wirkende Menschen sich energisch mit ihren Körpern durch das Wasser bewegen und dabei ein schnelles Tempo an den Tag legen.

Als ich mich selbst nun nach Anweisung des Bademeisters in eine dieser Bahnen einordne und anfange in meinem gewohnten Tempo zu schwimmen, merke ich, wie ich die anderen ausbremse und das der Stresspegel in mir steigt. Also versuche ich mich dem Tempo anzupassen und hetze ich mich die nächsten Runden durch das Becken, bis ich völlig außer Atem bin. Es ist ein Déjà-Vu-Gefühl welches an den Schulsport erinnert. Ich versuche mich daran zu erinnern, dass ich für mich selbst hier bin und nicht um eine bestimmte Leistung abzuliefern oder die beste, schnellste oder sportlichste zu sein.  Aber erst als ich beim nächsten Mal wieder mit meinem roten Bändchen gekennzeichnet auf eine der „Hospo-Bahnen“ zu steuere und im Becken auf andere langsam-Schwimmer treffe, fühle ich mich besser. Der Kurs „freies Schwimmen“ ist in kurzer Zeit so für mich zu einer schönen Pflichtveranstaltung geworden. Es bietet mir die Möglichkeit den Kopf für eine halbe Stunde bis Stunde auszuschalten und einfach nur, zu schwimmen.

Infos zum Hochschulsport findet ihr unter: https://www.hospo.uni-bremen.de/
Bildquelle: http://www.fcschuettorf09.de/de/abteilungen/schwimmen–wasserball/news-und-berichte/?news15_page=2

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.