Twiggy

Die ,,Swingin Sixtees‘‘ waren eine brodelnde Zeit. Mit politischen Konflikten, wie dem Vietnamkrieg und der Kubakrise nahmen die damalige Fiedensbewegung sowie das freiheitliche Denken neue und andere Dimensionen an. Das Gesicht  für den Umbruch und für den Freiheitsgedanken war Twiggy, ein Model der 60er Jahre. Eigentlich hieß sie Lesley Hornby, doch wegen ihres dünnen Körperbaus wurde sie eben ,,Zweiglein‘‘- auf englisch: ,,Twiggy genannt. Die Süddeusche Zeitung beschreibt Twiggys Einfluss in der Welt mit einem Kontrast: Die Schönheitsikonen der 1950er Jahre seien ,,üppig‘‘ gewesen: großer Mund, Busen, Po. À la Marylin Monroe, oder Sophia Loren. Doch der Minirock war gerade erfunden und Twiggy, mit ihren eben nicht so üppigen Proportionen konnte ihn hervorragend präsentieren. Schnell war der Minirock DAS modische Must-Have der ,,Swinging Sixtees‘‘. Er repräsentierte  die Neuerrungenschaft von (Bein-)Freiheit der Frau. Heute wird der Minirock eher als sexy Beinverlängerungsmaßnahme genutzt. Auch sonst war Twiggys Look symbolisch für die neue ,,ideale‘‘ Frau anzusehen. Der Pixie- Kurzhaarschnitt befreite vom zeitzerrenden und schmerzenden Einwickeln von Lockenwicklern und der insgesamt freche, kindliche und neugierige Look Twiggys inspirierte eine ganze Generation.

Punk

Die Namen bekannter Punk-Bands lösen eventuell Ekel, Unbehagen oder Belustigung aus: Jedenfalls eine Emotion, jenseits der Grenzen des Angepassten oder des Angenehmen. So gibt es deutsche Punkbands mit den Namen ,,Pisse‘‘, ,,Schleimkeim‘‘, oder ,,slime‘‘, zu deutsch ,,Schleim‘‘. Der Punk entstand in den 1970er Jahren in England und drückte sich durch nonkonformistisches Verhalten und als Gegenbewegung zur damaligen Hippiebewegung aus. Die Hippies waren bunt, blumig, ihr Aushängeschild: Flowerpower. Punkmusik zeichnete sich im Gegensatz dazu durch Kraft, Lautstärke, und Wut aus, man aussoziiert Punkmusik mit einem ,,Kaputtmachen‘‘. Kaputtmachen der Strukturen, der Regeln, des Konformen. ,,Macht kaputt was euch kaputt macht‘‘, war  ein Spruch von Ton Steine Scherben, die zwar keine Punk Band war, doch einen ähnlichen Spirit mit sich getragen hatte. Ihrem Motto zufolge trugen Punks auch kaputte Kleidung: Zerfetzte Hosen, die häufig mit Sicherheitsnadeln zusammengehalten wurden. Die Sicherheitsnadeln wurden zum wichtigen Symbol des Punks und wurden auch zu Verzierungszwecken genutzt, ebenso wie Nieten auf den Lederjacken, um dem Aussehen eine rebellische Note zu verleihen. Die typischen Schuhe waren schwere schwarze Stiefel und obwohl grundsätzlich viel mit dieser Farbe gearbeitet wurde, ist ein Markenzeichen des klassisches Punks der buntgefärbte Irokesen-Schnitt. Als prägende Designerin des Punk gilt Viviane Westwood, die die Punkband Sex Pistols modisch ausstattete.

Kleidungsstil und die Musik

Heavy Metal bringt man nicht unbedingt mit bunten Flatter-Kleidern oder geblümten Stirnbändern in Verbindung. Ebenso wenig würde ein Gangster-Rapper sich so kleiden. In den folgenden Beiträgen versuche ich etwas aufzudröseln, wie es kommt, dass man sich in bestimmten Musikgenres anders kleidet als in anderen. Musik und Mode haben gemeinsam, dass beide als Ausdrucksmittel dienen.  So hat man schon im Beitrag von Grace Jones lesen können, wie sich mit ihrer Musik, auch ihre Kostüme und ihr Kleidungsstil veränderten. Über David Bowie schreibt die Taz, dass Kleidung eine Sprache- und David Bowie ein Dichter, ein Künstler in ihr sei: Ein Blick in seinen Beitrag lohnt sich also auch.

Grace Jones

Grace Jones power suit
https://melkoghonning.no/powersuit/

Bei einem Auftritt wo Grace Jones ,,la vie en rose‘‘, ‘‘ sang, präsentierte sie sich in einem glänzenden, figurbetonten rosa Kleid. Nach der Veröffentlichung ihres Albums Muse jedoch war ihr nach einer Veränderung. Sie entwickelte einen kühl wirkenden Sprechgesang und eröffnete Ihre Konzerte in einem Gorilla-Kostüm.

Die Modezeitschrift Vogue nennt sie Die Provokateurin der 80er-Jahre. Mit Ihren Looks übertrat sie Grenzen, trug kurzes Haar mit scharfen Kanten, dazu stark betonte Schultern- oder aber stark freizügige,  figurbetonte Kleidung mit derselben Frisur. Grace Jones spielte mit ihrer Sexualität  und mit Rollenbildern.

 

Coco Chanel

,,Mode ist vergänglich, Stil bleibt.‘‘

Bild der Illustratorin Megan Hess

Ein Statement von der Designerin Coco Chanel,  der wahrscheinlich bis heute einflussreichsten Stil-Ikone überhaupt. Marlene Dietrich, die ihrerseits durchaus als Stil-Ikone anzusehen ist, trug selbst die Chanel-Kreationen. Die Designerin erfand das ,,Kleine Schwarze‘‘ und das ,,Chanel-Kostüm‘‘. Beide sind heute Klassiker und galten als revolutionär für eine Frau in den 1920er Jahren: Coco Chanel kleidete sich schlicht und entwarf Mode für die eigenständige, moderne Frau. Sie trug Kunstperlenketen und bequeme Slingpumps.

Bild der Illustratorin Megan Hess

 

 

 

 

Unter Karl Lagerfelds Führung wurde das von Coco Chanel gegründete Modehaus ab 1982 weitergeführt, wobei sich die oben genannten klassischen Items hartnäckig in den Kollektionen hielten. Hervorzuheben ist auch die Tweed-Jacke, deren Nachahmungen es heute von den teuren Modehäusern bis zu Zara oder H&M schaffen.

James Dean

https://thotalima.blogspot.com/2011/07/james-dean-o-eterno-rebelde.html

James Dean war Schauspieler, berühmt und in dem Lied ,,Blue Jeans‘‘ von Lana Del Rey besungen. Der Zusammenhang von Blue Jeans und James Dean ist nicht zufällig entstanden: Am Liebsten trug der Schauspieler die Levis 501, die heute noch genau im gleichen Schnitt produziert wird. James Dean galt als Rebell der 50er und 60er Jahre, was sich modisch bei ihm bemerkbar machte. Oder eher nicht bemerkbar machte:  Entgegen dem damaligen Zeitgeist soll er keine Krawatte besessen haben.

Ich erinnere mich an ein T-Shirt einer ehemaligen Klassenkameradin, das einen James Dean- Aufdruck hatte: Schwarz-Weiß mit Zigarette im Mundwinkel, schelmisch lächelnd. Das Bild entstammt dem Film ,,…denn sie wissen nicht was sie tun‘‘.  Das weiße T-Shirt das er in diesem Film trug, ist, zusammen mit abgenutzten Jeans und schwarzer Lederjacke, sein Signiture-Look geworden. Diesen haben Generationen von jungen Menschen adaptiert, um sich gegen etablierte Strukturen aufzulehnen. James Dean ist schon mit 24 Jahren verstorben, was ihn zu einer ewig jugendlichen Legende macht.

Stil-Ikonen

Laut dem Duden ist eine Stil-Ikone eine Person, deren Kleidungs-Stil von Vielen als nachahmenswert empfunden wird. Wann wird ein Kleidungsstil als nachahmenswert empfunden? Die ,,Süddeutsche‘‘ vergibt den Titel ,,Stil-Ikone‘‘, wenn man, wie Elvis als King of Rock n‘ Roll gilt oder wenn man sich wie Princess Diana sozial engagierte. Natürlich- beide Personen haben auch einen besonderen Blick für Kleidung gehabt, doch zeichnet sie das Gesamtpaket aus, was sie zu Stil-Ikonen gemacht hat. Seien es der Character, die Stimme, die Skandale, der Widerstand, der Charme. Man könnte  sagen, die Kleidung und der Mensch der sie trägt gehen eine Art Symbiose ein- man muss Kleidung tragen können. Und Stil-Ikonen verstehen eben das zu tun.

Resümee und Interpretation

Es war höchst interessant von meinen Interviewpartnern ihren Umgang mit Kleidung erzählt zu bekommen. Bemerkenswert war, dass sich der Erzähl-Stil bei allen sehr unterschieden hat und man deutlich gemerkt hat, wer das Thema Kleidung interessant findet und wer nicht. So hat sich Danny sehr knapp gehalten, während Madleen sehr ausführlich gesprochen hat, wobei sie die Bedeutungen oder Grenzen des Wortes ,,Stil‘‘ und ,,Statement‘‘ infrage gestellt hat. Ähnlich auch Anaya, die sich der Wirkung von Kleidung ebenfalls sehr bewusst ist, jedoch von sich sagt, keinen bestimmten Stil zu haben und manchmal rumzulaufen wie ,,der letzte Penner‘‘. Bei Anna bemerkt man die Prägung aus ihrer Jugend: Wie sie auf der Punkveranstaltung das Hahnentrittkostüm getragen hatte, um aufzufallen,  oder wie sie sich freut, dass jetzt wieder Schlaghosen zurück sind. Ich kenne Fotos von Anna früher und weiß, dass sie als Jugendliche mal barfuß im Bademantel zur Schule gegangen ist…Dass sie nun Jeans trägt ist tiefer zu interpretieren: sie begann Jeans zu tragen, als sie Kinder bekommen hat, sesshaft wurde und beschlossen hat einen Schritt zurückzutreten. Heute muss man bei Anna genauer hingucken. Sei es der bestimmte Schliff eines Steinchens im Ohrring, oder eine Bluse die farblich perfekt zu ihren Schnürsenkeln passt. Doch trotzdem trägt Anna noch immer ab und zu Outfits, bei denen man sich fragt, wo es derart extravagante Teile zu kaufen gibt. Nun zu Daniel. Daniel weiß was er trägt und warum, welcher Promi ähnliche Teile anhat und kennt die präzise Stilbezeichnung. Ich kenne Daniel aus der Schule und weiß, dass er die coolsten Schuhe auf dem Abiball getragen hatte. Er hat in einem  Schuhladen gearbeitet und kennt sich mit Qualität und Style aus. Daniel ist der einzige meiner Interviewpartner, der bewusst Trends in seinen Kleidungsstil integriert, doch nur in dem Rahmen, in dem er sich seine Individualität bewahren kann. Auffällig war, dass er sich auch von Prominenten des anderen Geschlechts inspirieren lässt und dass er bewusst versucht in gewisser Weise deren Stil zu adaptieren, zum Beispiel indem der bestimmte Teile in finanzierbarer Nachahmung nachkauft. Madleens Outfits sehen immer schick und harmonisch aus. Wie Anaya und Anna achtet auch sie besonders auf die Qualität ihrer Kleidung. Madleen trägt kein rosa und pink, keinen Goldschmuck und auf keinen Fall Teile, auf denen groß die Marke prunkt. Ihre Kleidung ist für sie ein Statement, doch bezieht sie dabei die Aura und die Präsenz des Menschen mit ein. Dabei nennt sie als Beispiel Prinzessin Kate, die auch mit einem schlichten Kleid  durch ihre Ausstrahlung Eindruck machen kann: Der Mensch müsse die Kleidung tragen, nicht umgekehrt. Anaya meint, dass man durch Kleidung immer ein Statement setzt, auch wenn das Statement hieße ,mein Stil ist zufällig und dadurch entstanden, dass ich mich nicht groß mit Äußerlichkeiten aufhalten will‘. Schlichter formuliert es Danny, dessen Kleidung als Statement wirkt, sofern es ein politisches Statement aufgedruckt hat. Hinsichtlich Trends verhalten sich meine Interviewpartner ebenfalls sehr unterschiedlich. Anaya und Danny halten sich beide nicht viel mit Trends auf und beeinflussen ihren Kleidungsstil nicht bewusst mit ihnen. Der einzige Trend den Madleen gerne mitmacht ist Secondhand Shopping. Ansonsten ist sie Trends gegenüber eher abgeneigt. Vorallem weiße Nike-Sneaker, die man seit einigen Jahren bei einem Großteil der zwischen 15 und 30-Jährigen sieht, würde sie niemals kaufen. Denn oftmals seinen diese Sneaker abgenutzt und schmutzig, was für sie ein Zeichen mangelnder Wertschätzung ist. Außerdem hält Madleen Trends für wenig innovativ und daher uninteressant. Dies ist jedoch genau der Punkt, den Anna bei Trends ansprechend findet: Dass eben alles wiederkommt. Daher freut sie sich heute wieder Schlaghosen tragen zu können und wartet auch bis die nächste Epoche zurückkehrt, deren Trends ihr gefallen haben, um wieder ,,zuschlagen‘‘ zu können.