, ,

Von Null zum Rennwagen

Der BreMo26 noch unter dunklem Tuch

Der BreMo26 noch unter dunklem Tuch

Gespannt richten sich alle Blicke auf das große dunkle Tuch, welches langsam von dem neuen Rennwagen gezogen und damit der BreMo26 nach monatelanger Arbeit präsentiert wird. Es wird noch einmal sehr ruhig im Mercedes-Benz-Kundenzenter bis lauter Applaus ertönt und im Gesicht jedes Bremergy-Mitgliedes ein großes Lächeln und pure Freude zu erkennen ist. Seit Oktober arbeiten die mittlerweile rund 70 Teammitglieder an der Konzeption und der Umsetzung des Wagens, welcher nun in voller Pracht vor uns steht. „Es ist ein fertiger Rennwagen. Es ist alles dran, es ist alles drin.“ Erklärt mir COO Matilda Naumann, der man die Freude und Erleichterung ebenfalls deutlich ins Gesicht geschrieben sieht.

 

Seit 2012, besteht „Bremergy“ an der Uni Bremen und nimmt seit 2013 an Wettkämpfen der Formula Student teil. In jeder Saison entwickeln und bauen die teilnehmenden Teams aus aller Welt einen eigenen neuen Rennwagen. Sie beginnen bei Null und messen sich am Ende in verschiedenen Kategorien und Rennen gegeneinander. Schon bei Betreten des Mercedes-Benz-Kundencenters, in dem das diesjährige Roll-out Event, also die Präsentation des neuen Wagens, stattgefunden hat, kann man zwei der bisher entwickelten Rennwagen aus nächster Nähe betrachten. Während einer Saison der Formula Student muss ein Rennwagen von Grund auf neu entwickelt und gebaut werden.

Matilda Naumann im Gespräch

Matilda Naumann im Gespräch

Die Konzepte der Vorsaison können als Grundlage dienen, berichtet Matilda Naumann. Wegen des jährlich angepassten Regelwerks müssen viele Komponenten überarbeitet und alle Teile auf jeden Fall neu gefertigt werden. Dabei haben alle im Team ihren speziellen Fachbereich mit eigener Leitung. Während also manche Teammitglieder an der Aerodynamik feilen, setzen sich andere mit der Elektronik oder der Software des Fahrzeuges auseinander. Zeitgleich produziert das Marketingteam die Inhalte für die Repräsentation von Bremergy in den sozialen Netzwerken. Eine weitere Gruppe übernimmt die Entwicklung und Umsetzung eines Businessplanes, welcher eine eigene Disziplin im Wettbewerb ausmacht. Dabei geht es darum, die finanzielle Planung und strategischen Ziele, wie in einem tatsächlichen Unternehmen, aufzubauen und zu verteidigen. Matilda Naumann kann trotz der unterschiedlichen Fähigkeiten und Spezialisierungen eine Eigenschaft ausmachen, die alle Mitglieder des Teams mitbringen: Motivation. Sie beschreibt es als den „Formula Student Charakter“. Das bedeutet „sich so lange an einer Sache festzubeißen, bis wirklich alles läuft und das System steht. […] Das erfordert einfach unfassbar viel Motivation“. Neuanfängerinnen und Neuanfänger brauchen die Motivation, sich in ein für sie neues, bereits bestehendes System einzuarbeiten, denn dieses entspricht nicht immer dem, was in Vorlesungen und Seminaren vermittelt wurde. Alle Systeme sind eben speziell für einen Rennwagen entwickelt. Aber genau darin besteht für Viele im Bremergy Team der Reiz. Immer wieder in Gesprächen mit den Teilnehmenden, höre ich die Begeisterung, neues Wissen im Team zu erlernen, getrieben von dem starken Willen etwas verstehen zu wollen.

 

Nun ist er veröffentlicht: der BreMo26. Im Vergleich zum Vorjahr konnten viele Abteilungen besonders am Gewicht arbeiten und dieses um einige Kilos verringern. Und dahinter steckt viel Arbeit: Als das Tuch über dem hart erarbeiteten Rennwagen fällt, weicht auch spürbar Anspannung von den Gesichtern der Teammitglieder.

Präsentation des BreMo26

Präsentation des BreMo26

Das Publikum sammelt sich um den Rennwagen, macht Bilder und bestaunt die Errungenschaften. An allen Ecken sieht man strahlende Studenten, die sich untereinander oder ihren Angehörigen Einzelheiten ihrer Arbeit und des BreMo26 erzählen. Matilda Naumann blickt immer wieder stolz zu ihrem gesamten Team und dem fertigen Wagen. Genau dieser vollelektrische Rennwagen wird in dieser Saison an vier verschiedenen Rennen teilnehmen und die Arbeit der letzten Monate unter Beweis stellen. Bereits in eineinhalb Wochen startet der BreMo26 in Schwedt bei einem Mini-Rennevent von etwa drei bis vier Tagen. Anschließend stehen Rennen in Tschechien, Spanien und zum Abschluss in Frankreich oder Polen an. Besonders groß ist dabei die Vorfreude auf das Event in Spanien, bei dem ein Rennen, das Accelaration-Rennen, nachts auf einer Formel-1-Strecke mit entsprechender Beleuchtung stattfinden wird. Gleichzeitig hat sich das Bremer Team bei diesem Event auch für Driverless gemeldet, um dort erstmalig die neuesten Entwicklungen auszutesten. In den Rennen der letzten Saison konnte Bremergy sowohl eine neue persönliche Bestzeit mit dem BreMo25 fahren, als auch erstmalig ein Endurance vollständig und erfolgreich beenden. Dabei werden insgesamt 22 Kilometer auf einer Rennstrecke zurückgelegt. Nach elf Kilometern werden die Reifen, aber auch der Fahrer des Fahrzeuges gewechselt. „Das ist halt die Paradedisziplin oder die schwerste, einfach weil das Auto halt verlässlich fahren muss.“ Erklärt Matilda Naumann, der man den Stolz über die Leistung mit jedem Wort mehr ansehen kann. Denn bei 22 Kilometern läuft der Motor deutlich heißer, als es bei kürzeren Runden der Fall ist. Deshalb muss, zum Beispiel, das Cooling des Wagens besonders gut funktionieren.

 

Nach der Vorstellung im Mercedes-Benz-Kundencenter wird der Rennwagen zur nächsten Station, dem gemeinsamen Grillen vor der Teststrecke, gerollt. Der BreMo26 präsentiert sich nun stolz unter einem Bogen aus Ballons in den Bremergy-Farben Schwarz, Grün und Weiß. Und auch, wenn noch viele nervenaufreibende Events und Wettkämpfe in dieser Saison anstehen, blicken alle Mitglieder motiviert auf die kommenden Monate. Der BreMo26 ist fertig und kann nun auf den Rennstrecken zeigen, was alles in ihm steckt.

 

 

 

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert