Die etwas anderen Studierenden

Eigentlich studiere ich drei, wenn nicht sogar fünf Fachrichtungen. Denn ich studiere auf Lehramt für die Sekundarstufen der Oberschulen und Gymnasien im Land Bremen. In diesem Studiengang belegt man zwei Fächer, das sind in meinem Fall Deutsch und Politik. Dazu muss man mit den anderen Studis einen Teil der fachwissenschaftlichen Veranstaltungen besuchen. Außerdem lernt man mit den anderen Lehramtsstudierenden, wie man die jeweiligen Fächer unterrichtet. Das macht man in den Fachdidaktiken. Und außerdem beschäftigt man sich in der Erziehungswissenschaft mit anderen Fragen der Bildung und Erziehung.

Superstudierende?

Ich kann also festhalten, dass ich hier an der Uni einen sehr breiten Wissensschatz mitbekomme. Schon die Fachwissenschaften sind ja sehr breit aufgestellt. In der Politikwissenschaft kann man sich ebenso mit Kommunalpolitik, Sozialstaatstypen oder politischer Philosophie beschäftigen wie man in der Germanistik die Sprache bis ins letzte Detail analysieren kann oder sich der unendlich großen Welt der Literatur zuwenden kann. Dann sind da noch die Didaktiken: Wie kann man all dieses Wissen gescheit und angemessen in das Klassenzimmer überführen? Was ist überhaupt wichtig und wie kann es bestmöglich vermittelt werden? In der Erziehungswissenschaft muss man etwa Bildungstheorie, den Umgang mit Verschiedenartigkeiten (etwa in mit der Inklusion) und Diagnostik erlernen.

Es geht immer noch mehr

Das alles ist ein weites Feld. Einige Fächer haben ein Problem: In Bremen werden Chemie, Bio und Physik sowie Geschichte, Erdkunde und Politik oft in einen einzigen Fach („Naturwissenschaft“ und „Gesellschaft und Politik“) gemeinsam unterrichtet. Ich darf mich also darauf freuen, wahrscheinlich auch Geschichte und Erdkunde zu unterrichten. Auch darauf möchte ich vorbereitet sein. Also noch mehr Stoff für das Studium.

Und mehr

Außerdem denke ich nach meinen Erfahrungen in den Schulpraktika, dass man als Deutschlehrkraft besonders verpflichtet ist, sich damit zu befassen, dass die neu zugewanderten SchülerInnen ordentlich Deutsch lernen. Dazu gibt es in der Germanistik glücklicher Weise den Bereich „Deutsch als Zweit- und Fremdsprache“, in dem man interessante Veranstaltungen anwählen kann. Darüber hinaus fragt man sich übrigens auch, ob man wirklich auf eine weitreichende Inklusion vorbereitet ist. Und dann soll die Schule ja auch noch digitalisiert werden. Eigentlich müsste man sich noch viel intensiver mit all diesen Themen befassen. Aber ich will mich nicht beklagen. Als Lehramtsstudierender lernt man ungemein viel, wenn man sich auf die zahlreichen Aspekte einlässt. Aber es ist klar: Das Ganze ist so angelegt, dass man zwangsläufig an seine Grenzen stößt.

Ärgernisse

„Vollfach, Profilfach, Komplementärfach: Da haben wir ja alles angesprochen.“, „Ach, und für die Lehramtsleute gibt es niedrigere Anforderungen.“, „Warum bist Du denn hier im Seminar? Diese komplizierten Sachen brauchst Du für Deinen Job später doch gar nicht.“, „Ich wusste gar nicht, dass Lehramtsstudierende auch normale Veranstaltungen besuchen wie die richtigen PoWi-Studierende.“ Immer wieder werden wir Lehramtsstudierende in fachwissenschaftlichen Veranstaltungen entweder vergessen oder nicht für ganz voll genommen.

Fairer Weise muss ich sagen, dass dies auch stark vom Fach abhängt. Beispielsweise spielt das Lehramt in Germanistik eine stärkere Rolle als in der Politikwissenschaft, was sich auch im Seminaralltag zeigt. Und wenn wir Lehramtsstudis so wenig auffallen, dass unsere Existenz vergessen wird, dann sind wir wohl auch nicht besser oder schlechter als die übrigen Studierenden. Nichtsdestotrotz würde ich mir wünschen, dass ein besseres Verständnis dafür herrscht, was wir hier an der Uni so alles machen. Ich hoffe, dazu konnte dieser Artikel beitragen.

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