Produktionstechnik von Anfang an! Eine Initiative zur Verbesserung der Anfangsphase im BA-Studiengang Produktionstechnik

Von Kristine Busch-Oellerich und Lucio Colombi Ciacchi

FB04

Seit Beginn des WS12/13 können sich Erstsemester im Fachbereich Produktionstechnik ─ Maschinenbau & Verfahrenstechnik ─ (FB 04) freuen: zwölf Tutoren und Tutorinnen leiten kontinuierlich feste Lerngruppen für Studierende und helfen ihnen, die ersten fachlichen Hürden in allen Grundlagenfächern, wie zum Beispiel Mathematik, Physik, E-Technik, zu meistern. Daran sind viele vor ihnen gescheitert. Das soll jetzt anders werden: gezielte Unterstützung in vertrauten Fragen/Üben-Runden, das ist die Devise.

Doch nun von Anfang an: Im Rahmen der Ausschreibung des Rektorats vom 06.10.2011 zum Themenkomplex „MINT-Studium an der Universität Bremen / Unterstützung für die Neugestaltung der Studieneingangsphase im MINT-Bereich“ beteiligte sich unter Leitung des Studiendekans Prof. Dr.-Ing. Colombi Ciacchi der Fachbereich Produktionstechnik ─ Maschinenbau & Verfahrenstechnik ─ (FB 04) erfolgreich.  Das seit April 2012 geförderte Projekt „Produktionstechnik von Anfang an!“ orientiert sich eng an den Bedarfen der Studierenden im Bachelorstudiengang Produktionstechnik. Dazu war es erforderlich und nützlich, zunächst die dort einzugrenzenden speziellen inhaltlichen Hürden in der Eingangsphase zu definieren. Aus diesem Grund wurde in enger Zusammenarbeit mit dem StugA Produktionstechnik eine Projektgruppe organisiert, deren Mitglieder Professoren, wissenschaftliche Mitarbeiter sowie Studierende einschloss.
Die Projektgruppe tagt nach wie vor in regelmäßigen Abständen und hat während des Projektverlaufs eine begleitende Steuerungsfunktion übernommen. Dabei werden mit der Methode des Brain-Stormings Maßnahmen zur Projektsteuerung angedacht, diskutiert und implementiert.Außerdem wurden parallel dazu Kontakte zu Kooperationspartnern aufgebaut und während des Projektverlaufs erweitert und konsolidiert. Dazu zählen das Zentrum für Multimedia in der Lehre (ZMML), die Geschäftsstelle Hochschuldidaktik, das Kompetenzzentrum Frauen in Naturwissenschaft und Technik sowie der zentrale MINT-Evaluationsteam am Institut für empirische und angewandte Soziologie (EMPAS).

Das Projekt beinhaltet folgende Module:

e-Learning Angebot
Dieses Angebot soll der Überbrückung fehlender Schulkenntnisse dienen. Es soll Themen aus den Grundvorlesungen des ersten Semesters festigen. Die Fertigstellung diverser Lernvideos ist für den Beginn des WS 13/14 geplant. Momentan werden die Wünsche und Bedarfe der Studierenden erhoben, ausgewertet und anschließend festgelegt, zu welchen Fachthemen Videos erstellt werden.

Verstärkung des Fachbezugs
Die Anwendung des Vorlesungsstoffes aus den Grundvorlesungen in weiterführenden ingenieurwissenschaftlichen Vorlesungen sowie auf aktuelle Forschungsfragen soll in einer motivationssteigernden Veranstaltungsreihe aufgezeigt werden. Durch eine gezielte Auswahl von Themen wie zum Beispiel „Chemie und seine Anwendung in der Verfahrenstechnik“ oder „Mathematik und seine Anwendung in der Fertigungslehre“ sollen im vierten Bachelor-Semester die verschiedenen Vertiefungsrichtungen des Studiengangs vorgestellt werden, um deren Auswahl im fünften Semester zu erleichtern. Außerdem, damit die Faszination an der Produktionstechnik am Anfang des Studiums nicht aus den Augen verloren geht, wurde ein projektorientierter Wettbewerb organisiert. Die Studierenden im zweiten Semester hatten die Möglichkeit, sich in Gruppen zusammen zu schließen und eine kleine Windenergieanlage zu entwerfen und aufzubauen. Dafür waren Kreativität, Phantasie aber auch Grundkenntnisse der Mechanik, Strömungslehre und Elektrotechnik gefragt. Die Projektergebnisse wurden am 4. Juni 2013 im Rahmen des „Tag der Lehre“ allen Studierenden des Fachbereichs präsentiert.

Fachdidaktische Begleitung kritischer Lehrveranstaltungen
Dieses Angebot richtet sich an Hochschullehrer/-innen des FB 4 und soll die Qualität der vorhandenen Lehrveranstaltungen erhöhen. In Kooperation mit der Geschäftsstelle Hochschuldidaktik sollen die Dozenten an speziellen Themen wie das Vorlesen vor einer großen Gruppe von Studierenden mit sehr diversifizierten Vorkenntnissen arbeiten.

Als Herzstück des Projekts sehen wir die Verstärkung der Lernbetreuung. Angelehnt an Modelle der englischen Universitäten von Cambridge und Oxford  wurden Lerngruppen zur individuelle Nachhilfe geschaffen. Diese werden von studentischen Tutoren und Tutorinnen geführt. Bereits im Sommer 2012 wurden diese angeworben, durchliefen ein Assessment und zwölf Personen wurden ausgewählt. In Kooperation mit der Studierwerkstatt an der Universität Bremen wurden die Tutoren und Tutorinnen auf einem zweitägigen Seminar geschult. Sie lernten dort verschiedene Präsentationstechniken und deren Anwendung kennen. Sie wurden auf den Umgang mit verschiedenen Lerntypen in ihren Gruppen vorbereitet. Sie erhielten Handwerkszeug für das Führen von Gruppen und Anleitung zur professionellen Vorbereitung auf die Lerngruppentermine.

Im Rahmen der O-Woche konnten sich die Erstsemester den einzelnen Tutoren und Tutorinnen zuordnen. Die größte Hürde für den Start der Lerngruppen war die Beschaffung geeigneter Räume. Es ist aber gelungen, dass zu Beginn des WS 12/13 alle Lerngruppen beginnen konnten, zu arbeiten. Die Lerngruppen tagen während des Semesters ein Mal wöchentlich – orientiert an den Bedarfen und Wünschen der Studierenden. In den ersten Wochen standen organisatorische Fragen im Mittelpunkt, aber sehr rasch stiegen die Lerngruppen in die Bearbeitung von inhaltlich-fachlichen Themen ein. Während der vorlesungsfreien Zeit werden eher „Blockveranstaltungen“ angeboten – fokussiert auf die jeweils anstehenden Klausuren.Das Feedback der Studierenden in den Lerngruppen ist sehr positiv und sie erachten dieses Angebot als sehr hilfreich. Mehr als die Hälfte der Studienanfänger nahmen an unserem Tutorenprogramm teil.

Eine umfassende Darstellung der Lernbetreuung und des gesamten Projekt wurde in einem Kurzfilm veröffentlicht, der unter diesem YouTube-Link zu finden ist:
http://youtu.be/bQ8EO63zsHE

 

Kristine Busch-Oellerisch ist Projektkoordinatorin des MINT-Projekts „Produktionstechnik von Anfang an!“ am Fachbereich 04.

Lucio Colombi Ciacchi ist Professor („Grenzflächen in der Bio-Nano-Werkstofftechnik“) und Studiendekan am Fachbereich 04.

 

Bildnachweis:
AutorInnenfotos: Kristine Busch-Oellerich (privat); Lucio Colombi Ciacchi (privat)

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