Im Rahmen der Recherchearbeit für unser Projekt wollten wir uns mit verschiedenen Methodiken des wissenschaftlichen Arbeitens auseinandersetzen.  Wir haben uns überlegt, dass es sehr gut passen würde, wenn wir ein Interview führen würden mit jemandem, der/die sich mit der Geschichte der Zwangsarbeit in Bremen auskennt und in dem Bereich der Aufklärungsarbeit tätig ist. Naheliegend war also, dass wir eine der Institutionen auswählen, mit denen wir uns beschäftigt haben.

Als wir den Bunker Valentin besichtigt haben, haben wir uns direkt mit den Mitarbeitern verständigt und einen Kontakt vermittelt bekommen. Noch während wir die Gedenkstätte besichtigt haben, haben wir uns schon Fragen überlegt und über das Interview gesprochen. Wir entschieden uns dafür, dass es am Passendsten sei ein Leitfadeninterview zu führen. (Mehr dazu kann in dem Methoden-Reiter gefunden werden)

Eine Weile nach unserem Besuch kontaktierte ich die wissenschaftliche Mitarbeiterin und beschrieb ihr in einer Email unser Projekt und unsere Idee des Interviews. Ich fragte auch nach, ob sie damit einverstanden sei, wenn wir das Gespräch aufzeichnen und die Aufnahme in Form einer Audiodatei auf unseren Blog laden würden. Sie willigte ein und bot uns an, ein Interview persönlich oder über Zoom zu führen. Gerne hätten wir das Gespräch persönlich geführt, jedoch hat dies durch zeitliche Einschränkungen nicht geklappt und entschieden uns des Wegen für die Version online.

Ein Interview über Zoom zu führen und gleichzeitig das Gespräch in einer guten Qualität aufzunehmen ist gar nicht so leicht. Wir trafen uns also zu dem abgemachten Termin und bauten mit mehreren Laptops unser kleines Aufnahmestudio auf. Zur Vorbereitung gehörte das Zusammenfassen unserer Fragen und eine Art Leitfaden für das Gespräch, damit es später auch verständlich für alle ZuhörerInnen ist.
Ich war aufgeregt, da ich das Gespräch moderieren sollte, habe mich aber auch gleichzeitig sehr gefreut über die Möglichkeit.
Wir warteten also auf unseren Kontakt, leider ist jedoch niemand in das Zoom Meeting beigetreten. Nach einer halben Stunde warten brachen wir das Meeting ab, da auch keine Email oder ein anderer Hinweis uns erreicht hat.
Wir waren sehr enttäuscht und wussten nicht so richtig wie wir mit der Situation umgehen sollten. Am nächsten Tag schrieb ich ihr eine Email und bat sie um einen neuen Termin. Daraufhin antwortete sie mit ein paar Tage später und entschuldigte sich, da sie durch Krankheit nicht gearbeitet hatte, aber davon ausgegangen ist, dass jemand von ihren KollegInnen uns Bescheid gesagt hätte. Sie schrieb mir, dass sie sich melde, sobald sie wieder gesund sei. Nach ein paar Tagen kam dann wieder eine Email und wir versuchten einen neuen Termin zu finden, jedoch war dies nicht so einfach, da sie einen Urlaub ab Anfang September geplant hatte. Wir einigten uns dann darauf, dass ich ihr die vorformulierten Fragen schicken würde und sie beantwortet mir diese dann schriftlich.
Das Interview war anders geplant, aber wir dachten uns: Besser so, als gar nicht.

Leider ist bis heute nichts von ihr zurückgekommen. Ich denke, dass sie nach dem Urlaub sich meldet und uns die beantworteten Fragen zukommen lässt.
Diese würde ich dann im Nachhinein noch in diesen Blog einfügen und per Email Bescheid geben, dass sich Etwas getan hat.

 

Zur Vollständigkeit werden im Folgenden die Fragen aufgelistet, die wir uns für das Interview überlegt haben:

  • Was bedeutet die Arbeit als Wissenschaftliche Mitarbeiterin in einer Gedenkstätte?
  • Inwiefern wird die Geschichte des Bunkers heute noch aufgearbeitet? In wie weit wird intern noch die Vergangenheit recherchiert?
  • Werden Einzelschicksale verfolgt?
  • Kommt es oft zu Rechercheanfragen von zum Beispiel Verwandten etc.?
  • Welche Initiativen haben den Bau der Gedenkstätte
    vorangetrieben/Welche Förderungen gibt es?
  • Welche Firmen waren in dem Bau involviert und welche Konsequenzen
    wurden gezogen?
  • Wie schätzen Sie die Aufarbeitung von Zwangsarbeit in Bremen ein? Inwieweit findet Kooperation mit anderen Ländern zur Aufarbeitung statt?

 

Heute, am 25.09.2022 erreichte mich eine Email von der wissenschaftlichen Mitarbeiterin aus dem Bunker Valentin. Sie hat nicht alle Fragen die wir ihr zukommen lassen haben beantwortet. Im Folgenden Abschnitt befinden sich ihre Antworten:

In wie weit werden Einzelschicksale verfolgt?

Forschung gehört zu einer der Kernaufgaben einer NS-Gedenkstätte. Auch am Denkort wird weiter in internationalen Archiven geforscht, über verschiedene Kanäle u.a. nach Informationen über ehemalige Zwangsarbeiter:innen gesucht. Video-Interviews werden weiterhin mit diversen Zeitzeugen sowie Nachfahren von Zwangsarbeiter:innen (auch international) geführt.

Dass immer noch Forschungslücken bestehen, beweisen neuere Erkenntnisse über (weibliche) Zwangsarbeiterinnen im Umfeld der Baustelle sowie neue Informationen über das Schicksal von griechischen, spanischen oder „nordafrikanische“ Zwangsarbeitern. Nach wie vor mangelt es an Informationen über die aus den osteuropäischen Ländern zur Zwangsarbeit ins deutsche Reich verschleppte Männer und Frauen.

 

Kommt es oft zu Rechercheanfragen von zum Beispiel Verwandten etc.?

Es erreichen uns fast täglich Anfragen von Nachfahren aus der ganzen Welt. Gesucht wird v.a. nach Informationen über Haft-Ort, -Dauer und Bestattungsort der ehemaligen Zwangsarbeiter:innen. Auch Nachfahren von ehemaligen Wachsoldaten wenden sich an uns, um die Geschichte der Vorfahren zu klären.

 

Welche Initiativen haben den Bau der Gedenkstätte vorangetrieben/Welche Förderungen gibt es?

Bereits in den 1980er Jahren forderten die (internationalen) Verbände der ehemaligen KZ-Häftlingen, Initiativen und Vereine vor Ort (v.a. der Geschichtslehrpfad Lagerstrasse, die Friedensschule Bremen und der Heimatverein Schwanewede) sowie engagierte Bürger:innen die Einrichtung einer Gedenkstätte auf dem Gelände des Bunkers „Valentin“. Erst die Entscheidung der Bundeswehr, den Bunker am Ende des Jahres 2010 zu verlassen, machte den Weg dafür frei. Der Aufbau vom Denkort Bunker Valentin wurde in den Jahren 2011-2015 von Bund (BKM) und Land (HB) gefördert. Der Denkort als Referat der Landeszentrale für politische Bildung Bremen wird seit 2016 vom Land Bremen finanziert. Für einzelne Projekte werden Drittmittel beantragt.

 

Welche Firmen waren in dem Bau involviert und welche Konsequenzen wurden gezogen?

Firmen aus dem gesamten Reichsgebiet waren am Bau des Bunkers beteiligt, darunter die Luchterhand AG, Krupp-Rheinhausen, die Thyssen AG, Wayss & Freytag, MAN, Siemens-Schuckert und die Hochtief AG. Die meisten weigern sich bis heute einzusehen, dass auch sie vom NS-System profitiert haben und verweigern Entschädigungszahlungen.