Eine Tüte Endorphine bitte

Ich liege auf dem Sofa.

Wir haben Sonntag Abend und ich zappe gedankenverloren durch die Fernsehprogramme. Wie üblich wird im Ersten der neue Tatort gezeigt und auf Pro Sieben läuft einer der Actionblockbuster mit Liam Neeson. Wieso ist dieser Mann eigentlich fast nur in Filmen zu sehen, in denen er den knallharten Typen spielt?

Gelangweilt greife ich nach meinem Handy welches neben mir liegt. Anders als erwartet bekomme ich aber nicht mein Handy zu fassen sondern spüre einen hölzernen Stab in meiner Hand. Ich löse meinen Blick von einem, durch Paris laufenden, waffentragenden Liam Neeson und lasse ihn auf das Ding fallen, welches sich jetzt in meiner Hand befindet. Ich beäuge es. Es hat einen Haltegriff der aus hellem Holz geformt ist, recht günstig verarbeitetes Holz schätze ich. Von dem Griff gehen in einer leicht gebogenen Form viele schmale Drähte ab. Zwölf Stück um genau zu sein. Sie laufen am Ende aufeinander zu und sind an ihren Spitzen mit kleinen Plastiknoppen versehen. Würden wir nicht im einundzwanzigsten Jahrhundert leben, hätte ich dieses Ding mit großer Wahrscheinlichkeit vor Schreck vom Sofa befördert. Dieses Ding über das ich die ganze Zeit spreche nennen wir in unserer Familie übrigens einen Kopfkrauler. Ob es dieses Wort wohl wirklich gibt oder man doch eher von einem Kopfmassagegerät spricht, sei mal dahin gestellt. Es handelt sich um nichts anderes, als um eine menschliche Erfindung, den Endorphin Ausschuss jenes stolzen Besitzers eines solchen Kraulers in Fahrt zu bringen. Oder immerhin der glücklichen Person, dessen Schädel auf zweifellos wundersame Weise mit den zwölf feinen Drähten in Berührung kommt. Als ich nämlich klein war, habe ich mich immer gefragt, weshalb es sich nicht genauso gut anfühlt meinen Kopf mit dem Krauler zu kraulen, als wenn es meine Mutter gemacht hat. Eine Frechheit! Da umwirbt uns der Konsumgedanke schon der Art, dass wir uns das Ding schließlich zu legen und dann verliert es seine sensationelle Wirkung weil man es nur durch fremde Hand wirklich genießen kann.

Ich setzte die Noppen auf meine Kopfhaut auf und drücke den Griff sanft hinunter.  Nichts. Als ob sich mein Haar in einem Ast verfangen hätte. Haha, was hatte ich auch gedacht. Empört lasse ich die Endorphinwundermaschine neben mich sinken und schaue zu meiner Mutter, in der Hoffnung sie für ein paar Minuten gezwungener Weise als helfende Hand einzusetzen. Ohne Erfolg. Sie läuft hektisch in der Küche hin und her, wimmelt mich mit zwei, drei  Worten ab und brabbelt etwas über irgendwelche Gewürze die unser Abendessen wohl noch vertragen kann.

Ich richte mich auf, den Krauler fest in beiden Händen haltend. Ich weiß noch, dass meine Mutter ihn damals über E-Bay Kleinanzeigen gefunden hat und ich wie besessen die Noppen in jede Kopfhaut rammte, die ich finden konnte. Ich weiß, die Leute hätten mit Sicherheit auf diese unschöne Massageeinheit verzichten können. 

Jetzt spielt sich in mir nur noch das Bild von den vielen fremden Köpfen ab, die unser Kopfkrauler schon zu fassen bekommen hat. Ob er auch schon in der letzten Familie wohl so vielen Menschen die „perfekte Entspannung“ bereitet hat? Ob sich so ein Krauler über die Jahre bewähren wird?  Irgendwann im Jahr 3050 oder so wird dann irgendwer auf diese menschliche Erfindung stoßen und sich fragen, wie dieses Ding wohl benutzt wurde und ob es überhaupt ein Gebrauchsgegenstand war. Versonnen spiele ich die verschiedenen Szenarien in meinem Kopf durch. An welchen Aufenthaltsorten hat der Krauler sich voll Anmut gezeigt? Wie viele Menschen gab es wohl, die ihn durch eine Reihe von Zufällen als Schlüssel zu ihrer dringend benötigten Gelassenheit einsetzten?

„Scheiße!“ 

Ich zucke zusammen. Aus der Küche dringt der Lärm scheppernder Töpfe in meine Ohren. Meine Mutter flucht laut. Wie so oft, hat sie wohl wieder etwas fallen lassen. Typisch.

Ich lasse den Krauler an einem der Drähte vor meinen Augen hin und her baumeln. Eines Tages landet er vielleicht auf dem Flohmarkttisch, wird entdeckt und lässt sich auf neue Köpfe ein.

Bis dahin…

Welche Sorge will ich dir heute Anvertrauen?

Die erste Krise meiner ersten sechs Lebensjahren, hatte ich nach einem Familienausflug ins Kino. Wir besuchten den Film „Unsere Erde“, ein Film, der die unterschiedlichsten Wildtiere und Pflanzenwelten rund um den Globus ablichtet. Mein Vater war und ist immer noch vollkommen vernarrt in die Erde und ihre Tier- und Pflanzenwelt, was er mir weitergegeben hat. Schon als Kind half ich ihm in unseren großen, Dschungel ähnlichen Garten, der direkt an einen Wald angrenzt. Er hat mir gezeigt, was für ein Wunder die Natur mit all ihrer Farbenpracht und den verschiedenen Gesängen ist. Doch dann musste ich mit meinen sechs Jahren zusehen ich, wie ein Weißer Hai eine Robbe zerfleischt oder ein Elefantenbaby seine Familie verlor, weil sie von einem Löwenrudel gejagt wurden. Er streifte alleine durch die Unendliche Kalahari, schreiend nach seiner Mutter. Bei dieser Szene habe ich auch nach meiner Mutter geschrien und habe mit ihr Hand in Hand die Vorstellung verlassen und weinend gewartet, bis mein Vater und meine Schwester aus dem Kinosaal kommen. Mir wurde versichert, dass der Elefant von dem Kamerateam wieder zur Herde geführt wurde, was natürlich eine Lüge war. Sobald wir daheim waren, schrieb ich eine Geschichte, von einer Insel, auf der alle Tiere vegetarisch sind und wenn sie von einer Pflanze aßen, wuchs sie sofort wieder in ihrer vorherige Form. Das war meine Art von Verarbeitung.

Doch das Thema ließ mich nicht los und so machte sich meine Mutter mit mir auf den Weg in einen Weltladen. Ich war verzaubert von all den bunt gemusterten und handgefertigten Unikaten in diesem wunderschönen Laden. Meine Mutter lenkte meine Aufmerksamkeit auf die Verkäuferin, die in ihrer Hand kleine Miniaturfiguren hielt. Sie sagte nichts und schaute mich nur an und überreichte mir eine dieser kleinen Puppen mit warmen Händen. Ich konnte nicht beschreiben, welchen Bann diese circa fünf Zentimeter große Figur für mich darstellten, aber wenn ich sie in der Hand hielt, strahlten ihre gesichtslosen Köpfe eine Wärme aus und schienen mich anzulächeln. Die Arme waagrecht ausgestreckt als würde sie mir eine Umarmung anbieten, wofür sie natürlich zu klein waren. Die angedeuteten Gewänder waren von wunderschönen und vielseitigen Farben bestimmt und aus kleinen Stoffen oder Fäden dargestellt.

Als ich meine Augen kurz von ihr löste erklärte mir die Verkäuferin, dass sie „Sorgenpüppchen“ genannt wird und sie den weiten Weg aus Guatemala auf sich genommen hat, um meine Sorgen aufzusaugen und mir zu jeder Zeit zuzuhören. Sie legte das Sorgenpüppchen in eine kleines, gewebtes Aufbewahrungssäckchen, was von genauso spektakulären Farben geschmückt war. Ich nahm das Säckchen mit der kleinen Puppe mit nach Hause und hängt es an meine Kopfseite meines Bettes. Über die Jahre erzählte ich ihr viele, viele Sorgen von Streit, von Wut, von Ungerechtigkeiten und führte mich selber zu Ansätzen, wie ich meine Sorgen lösen konnte. Es wurde zu einem kleinen, ganz persönlichen Ritual. Die Traurigkeit und Sorge, der der Film in mir ausgelöst hatte, konnte ich dank diesem kleinen Sorgenpüppchen los lassen. Damals war ich erschüttert von dem natürlichen Kreislauf in der Natur und habe die Warnung des Klimawandels noch gar nicht umrissen. Das lässt mich nachdenken. Werden meine Kinder, noch ein solches Spektakel sehen können? Können sie von mir gezeigt bekommen, wie viel die Natur in uns Menschen bewegen kann und welche Kraft sie hat? Und wenn ich ihnen es noch zeigen kann, können sie es ihren Kindern noch beweisen?

Wenn ihr euch den faszinierten Blick auf das Wunder dieser Welt näherbringen wollt, es vertiefen oder nochmal ins Bewusstsein rufen wollte, dann empfehle ich euch die Doku-Reihe von „Unser Planet“.

Nichts im Vergleich zur wirklichen Berührung mit der Natur, aber ein guter Wegbegleiter für kalte Tage.

https://www.netflix.com/search?q=unser%20planet&jbv=80049832 (Link für Netflixabonnenten)

Free writing

Free writing: 

Also wir sollen jetzt etwas schrieben. Diese Übung kommt mir um ehrlich zu sein etwas merkwürdig vor, aber Na gut. Was mir die ganze Zeit durch den Kopf schwirrt, ist dass ich gleich zum Bahnhof fahren werde und wieder zurück nach Hause fahre. Ich muss dann an meinen Heimatsbahnhof fahren, an den ganzen Obdachlosen und gestressten Menschen vorbei und in den Zug steigen. Erstmal nach Hannover und dann nach Bremen. Ich habe auch noch so viel Gepäck. Meine Güte, da kam ich hier während meiner Krankheit auf die Idee massenhaft Adventskalender zu machen. Erst einen für meine beste Freundin und dann auch noch für meine Wg. Ich war hier in so einer Art 1 Euro laden und konnte mich nicht mehr kontrollieren, was Einkaufen anging. Überall schöne Kleinigkeiten, da konnte ich gar nicht nein sagen. Mittlerweile freu ich mich darüber, dass ich auch einen für die WG gemacht habe. Apropos Wg, ich habe das dunkle Gefühl, dass wenn ich nach Hause komme, die Wohnung aussieht, als wäre eine Bombe eingeschlagen. Ich habe wirklich ein bisschen Schiss. Normalerweise bin ich das kontrollierende Auge, was jedem hinterher blinzelt. Die letzten 10 Tage allerdings nicht. Jetzt fällt mich grad nichts mehr ein. Ich will nach Hause, aber ich habe keine Lust Zug zu fahren und meinen KMW Text zu lesen. Eigentlich finde ich den Text ganz okay, aber er ist einfach soooo unfassbar lang. Anstrengend! Naja was solls. Sie sagte wir sollen zum Ende kommen also: Ende… 

Eine Sommerromanze durch eine Linse

Sommerromanze durch eine Linse 

 

Ein kleiner Ausflug zu Dm. Es ist Sommer in Deutschland, der 10.Juli 2020, mein Geburtstag. Gut gelaunt und unter blauem Himmel laufe ich durch die Bergmannstrasse Berlins, hin zu meinem Stamm DM. Dort stöber ich ein wenig durch die Reihen, bis zur Foto Abteilung. Diese ist sowieso die meist genutzte von mir. Meine beste Freundin und ich machen dieses Jahr zu zweit Urlaub. Ein richtiger Mädelsurlaub nach Cala Ratjada, einer Stadt auf Mallorca. Was noch in meinem Koffer fehlt? Eine Unterwasser Einwegkamera. Ich glaube das verstehen nur Mädchen. Das Gefühl ein Foto zu machen und nicht zu wissen wie es aussieht ist einfach fantastisch. Am besten natürlich noch Unterwasser mit Korallen und Fischen. Außerdem wirken sie viel besonderer als auf dem IPhone. Wer kennt es nicht? Die 687 Fotos nach einem Urlaub, und das ist nur das eine Handy. Außerdem will man doch sein Handy nicht mit zum Strand nehmen. Dort wird es nur geklaut, nass oder etwas sonstig ungutes 

Ich entdecke das gute Stück. Es sieht schon genauso aus wie ich es mir vorgestellt habe. Ein schönes Sommerbild mit strahlendem, zuckersüßem kleinem Jungen mit Riesen gelb, roten Bade Reif, Schnorchel und Taucherbrille auf der Frontseite. Im Hintergrund welliges, himmelblaues Wasser mit einer kleinen Insel und einem Segelboot in der rechten, obigen Ecke. Natürlich Sind auf dieser Insel auch Palmen, alles was das Paradies eben ausmacht. Instinktiv fange ich an zu lächeln, bekomme ein warmes Gefühl im Bauch und freue mich auf mein eigenes kleines Paradies, welches ich schon morgen zu gesicht bekomme. So stellt man sich doch den Sommer vor. Diese Bilderbuch Bilder sind natürlich Werbung. Wer will nicht so einen Moment für sich selbst festhalten?  

Ab auf das Kassenband. Das weiße AGFA PHOTO Banner über dem Jungen und das runde, graue LE Box Logo, welches nicht zu klein in der Linken Ecke der Frontseite prangt, lächeln mich an und versprechen mir einerseits Urlaub und andererseits eine teure Kamera. Neun Euro Neunundneunzig kostet der kleine Spaß. Und da ist kein Entwickeln drin. Naja was solls, Urlaub ist teuer.  

Heute geht es dann auch schon los. Als wir ankommen, schmeißen wir unsere Koffer in unser Hotel, ich greife nur noch nach dem gelben Band, welches an der Kamera als Sicherung bzw. Handschlaufe befestigt ist und wir gehen zum Strand. Das Wasser ist warm, aber nicht zu warm. Natürlich nehme ich die Kamera mit ins Wasser. Das besondere an den Wasserfesten Einwegkameras ist, dass sie eine Plastikhülle um die Linse haben. Die soll natürlich vor dem Wasser schützen. Somit, sieht die Kamera irgendwie in Folie gepackt aus, oder als hätte man sie noch nicht richtig ausgepackt.  

Meine Freundin will ein Foto von mir machen. Ich schmeiße Ihr die Kamera hin mit dem Wissen, dass diese durch die Plastikhülle und ihres hohlen Körpers an der Oberfläche des Wassers schwimmt. Meine Freundin dreht am Rädchen, welches oben auf der Kamera drauf ist. Innerhalb dieses Rädchens ist der Knopf für den Auslöser auf welchem ein kleiner Pfeil ist, damit man auch weiß in welche Richtung man drehen muss. Sie dreht und es klickt ein paar mal. Sie hat Angst zu weit zu drehen und sie kaputt zu machen, womit sie ganz vorsichtig dreht. Jetzt ist das Rad eingerastet und meine Freundin gibt mir ein Zeichen, dass sie bereit ist, die Luft anzuhalten und unterzutauchen. Ich mache mich bereit, tauche Unterwasser, schwimme auf sie zu, mache meinen Körper lang und grinse in die Kamera. Sie schaut durch die Linse und hat ihren Zeigefinger auf dem Knopf, welcher den Knopf für den Auslöser drückt. Das kurze klicken vernehme sogar ich und wir tauchen auf und tauschen Rollen.  

Normalerweise kann man im Nachhinein die Fotos immer anschauen. Das ist das mysteriöse an dieser kleinen Kamera. Das Foto ist geschossen und man ist danach total ratlos ob es überhaupt etwas geworden ist. Eigentlich interessant, dass wir so privilegiert sind, so viele Fotos mit unserem Handy machen wie wir wollen und uns trotzdem oft dazu entscheiden, Dinge auszuprobieren, die unsere vorherige Generation gemacht hat. Oldschool Musik, Plattenspieler, Analoge Kameras: alles Dinge, welche in unserer Generation optimiert wurden und quasi vermeidbar wären, aber durch unser Bedürfnis nach Alternative und anderem Erleben eine neue Mode geworden sind.  

Peruanische Kaffeebohnen und die Fänge der Online Lehre

Gekrümmt sitze ich am Schreibtisch. Mein Laptop steht vor mir. Seit zwei Stunden starre ich auf die vielen müden Gesichter und einen versucht heiteren Dozenten. Das grüne Lämpchen der Kamera an, meine Stimme auf stumm gestellt. 

Mein Blick schweift ab, schon wieder. Ich starre die leere Kaffeetasse vor mir an und frage mich, wie wohl das Wetter in Peru ist. Peru, das Geburtsland meiner Arabica Kaffeebohnen. 

Das Wetter in meiner Heimatstadt ist grau. Ob es in Bremen wohl ähnlich aussieht? Ich habe mich zu Anfang des Semesters entschlossen erstmal nicht in die Stadt der Bremer Stadtmusikanten zu ziehen. Die Corona Welle bauscht sich weiter auf, die Restaurants bleiben dunkel und das Unileben spielt sich online ab, geprägt von den blau weißen Farben des „Zoomsymbol’s“. Ich stecke fest, gefangen in den Fängen des Onlineunterrichts, keine Chance auf ungezwungenes Beisammensein. 

Ich erinnere mich an die letzte Woche, die sogenannte „O-Woche“. Das war ein seltsamer Start. Seltsam und doch voller Möglichkeiten. Ich fing an, das für mich abstrakte System der Universität zu entwirren und knüpfte peinlich berührt,  durch meinen Bildschirm hindurch, erste Kontakte. Die Woche darauf begann offiziell das erste Semester. Es wurde ernst. Aufgaben wurden verteilt, Dateien verschickt und Vorlesungen „besucht“. Und da befinde ich mich nun, in einem Wirrwarr aus für mich vollkommen Fremden. Wie ich mich fühle? Überfordert, verwirrt, skeptisch. Und doch ist da noch etwas. Das Gefühl von Neugier und Vorfreude.

In meinen Ohren macht sich wieder die Stimme meines Dozenten breit, ich spüre meinen schmerzenden Rücken und nehme den sich verflüchtigenden Geruch meiner leeren Kaffeetasse war.

Und ich weiß, egal wie viel Neues auch auf mich zukommen mag, meine „Tasse“ bleibt halbvoll.

Umzug, Heimweh und Zoom

Alles Neu hier. Neue Stadt, neue Leute und so viele Dinge mit denen man sich auseinandersetzen muss. Eine To-Do Liste, welche der Meinung ist, von A nach B zu fahren in einem Bahn Netz, welches mir noch vollkommen unbekannt ist. Ein Zweistündiger Spaziergang mit dem vergeblichen Versuch einen Copy-Shop zu finden, um die zwanzig Seiten Hausaufgaben am allerersten Tag auszudrucken, da ich nicht auch noch diese Digital bearbeiten kann. Mein Kopf platzt von sechs Stunden Zoom am Tag und ich habe Angst dass mein Stundenplan immer noch nicht richtig ist. Komischer Weise reichen die Endorphine um diesen ganzen Stress wieder auszugleichen. Meine Mitbewohner und ich sind schon nach mehreren Tagen, wie ein eingeschweisstes Team, meine Freunde und Familie kümmern sich mehr denn je um mich. All das muss der Körper allerdings erstmal verarbeiten.

Was ich für mich gefunden habe, sind lange Nachmittags und Abendspaziergänge entlang der Weser, manchmal allein (zum Copyshop) oder manchmal auch in Begleitung. Corona macht es wohl jedem nicht leicht, aber trotz all diesem Lockdown Krims Krams, hätte ich nicht gedacht, nach so einem kurzfristigen und Risikoreichen Umzug, mich hier so wohl zu fühlen.

Hin und wieder, vergleiche in dennoch Berlin mit Bremen. Berlin meine Heimat und mein Ein und Alles. Größer, stressiger, bunter und lauter. Dennoch trifft die Floskel „Arm aber Sexy“ wie die Faust aufs Auge zu. Der Freigeist und die Grenzenlosigkeit der Stadt, habe ich bisher hier noch nicht erlebt.. Wahrscheinlich muss ich einfach aufhören zu vergleichen. Bremen, hätte ich tatsächlich gar nicht gedacht, ist nun wirklich aber eine coole Stadt.

Die erste Uni Woche war ein wenig chaotisch. Man muss sich an das frühe aufstehen gewöhnen, mitschreiben und merkt wieviel doch noch an Organisation und Struktur noch fehlt. Vor allem sich selbst zu zwingen einer Professorin um zehn Uhr morgens, welche eigentlich eine ASMR Karriere hätte beginnen sollen, sind echt eine große Herausforderung! Lange Texte zu lesen sind für mich eine Umstellung, dennoch aber eine Inspiration. Zwar würde man sich natürlich mehr Austausch mit seinen Kommilitonen freuen, aber meine Mitbewohner taugen auch.

Ich freue mich auf das was kommt!

Vom Erwachsenendasein bis zur Wohlfühloase

Ich sitze in meiner neuen Einzimmerwohnung und aus der einen Box der Stereoanlage schmettert das neue Lied „Papa“ von Tightill, denn er ist jetzt der lokale Künstler aus meiner neuen Stadt Bremen. Die musikalische Entzückung kommt nur aus einer Box, denn das Aux Kabel hat einen Wackler, worum ich mich bald kümmern will – Erwachsenensachen eben. Die Erledigung von Erwachsenensachen darf noch gewisser Optimierung, obwohl ich mich trotzdem mit einem halbvollen Kühlschrank durchschlage. Ansonsten ist mein Zimmer eine Wohlfühloase ohne Internet, in der man sich mal wieder voll und ganz dem Lesen, Singen und Malen hingeben kann. Weniger entspannt ist das jedoch wenn die Uni mit all ihren Aufgaben online stattfindet. Das hat den Einstieg in das Universitätsleben nicht erleichtert, aber darum habe ich mich, meines Erwachsenendaseins gerecht, schon gekümmert. Die Begegnungen, die mir vor dem Lockdown vergönnt waren, verliefen wunderbar mit tollen, Inhalts geladenen Gesprächen. Sie sind von genauso interessierten Menschen geprägt, mit denen ich gerne gesprochen habe und auch noch sprechen werde. Die bisherigen Veranstaltungen der Uni waren vielversprechend und bestätigend, dass ich mit Kultur- und Religionswissenschaft die richtige Wahl getroffen habe. Dennoch habe ich mich heute an die erste Literatur der Einführung in die Ethnologie gewagt und ich kann nur sagen, ich bin nicht unterfordert. Das weckt aber auch Ambitionen. Trotz eines holprigen Startes, war es ein wahrhaft schöner Start.