Hintergrund

Was ist Biodiversität?
Biodiversität beschreibt einen Naturzustand in dem Vielfalt auf drei Ebenen existiert- der Ebene der Gene, Arten und Ökosysteme.
Genetische Vielfalt heißt, dass sich einzelne Lebewesen einer Art in einem Lebensraum genetisch unterscheiden. Da die Individuen unterschiedlich sind, reagieren sie oft auch in anderer Weise auf Änderungen ihrer Umwelt. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass in der Art zumindest einige Individuen mit einer Änderung der Lebensbedingungen zurechtkommen. Genetische Biodiversität ist für den Fortbestand von Arten sehr wichtig.
In einem Lebensraum soll zudem eine natürliche Vielfalt von Arten leben. Das heißt, dass nicht nur von einer Art ausreichend Individuen im Lebensraum sind, sondern auch verschiedene Arten von Pflanzen und Tieren (u.a.) nebeneinander leben. Warum ist das wichtig? Weil die Tiere und Pflanzen stark voneinander abhängen, z.B. brauchen viele Insekten den Nektar von Blüten als Nahrung. Außerdem erfüllen die verschiedenen Arten wichtige ökologische Prozesse im Lebensraum, z.B. sind viele Insekten wichtig für die Bestäubung und damit die Fortpflanzung der Pflanzen, an denen sie ihre Nahrung sammeln.
In ähnlicher Weise bedeutet Biodiversität, dass es auf der Erde eine Vielfalt der Ökosysteme gibt, die es zu erhalten gilt. Verschiedene Ökosysteme bieten für unterschiedliche Lebewesen gute Lebensbedingungen und erfüllen wichtige Prozesse im System Erde, in dem alle Ökosysteme eng zusammenhängen.
Alle drei Ebenen der Biodiversität sind notwendig, damit die Ökosysteme stabil bleiben und diese brauchen wir auch, damit uns Menschen wesentliche Lebensgrundlagen erhalten bleiben.

Rückgang der Biodiversität und Ökokrise
Trotz jahrzehntelanger Naturschutzforderung und eingeleiteter Maßnahmen beobachten wir aktuell einen beschleunigten Rückgang von Tier- und Pflanzenbiodiversität. Vor allem im ländlichen Raum führt die Intensivierung der Landwirtschaft (Düngung, Grundwasserabsenkung, Einsatz von Pflanzenschutzmitteln) zu einem stetigen Verlust von geeignetem Lebensraum (Gemeinholzer 2019).
Die Krefeld-Studie, eine sehr ausführliche Untersuchung aus dem Jahr 2017, zeigte einen dramatischen Verlust der Fluginsekten-Biomasse. Diese ist demnach in Deutschland um rund 75% in den letzten 30 Jahren zurückgegangen.

Biodiversität in der Stadt?
Städte nehmen für den Erhalt der biologischen Vielfalt eine zunehmend wichtige Rolle ein. Durch Strukturen, wie Parks, Gärten, Seitenstreifen und Gewässer bilden Städte ein Mosaik verschiedener Lebensräume (Habitate). Außerdem sind viele Böden, im Gegensatz zum ländlichen Raum, relative nährstoffarm. Damit haben sie das Potenzial, einer großen Zahl von Pflanzen- und Tierarten einen Rückzugs- und Lebensraum zu bieten. Projekte wie “Campus Goes Biodiverse” setzen sich dafür ein, Natur in die Stadt zu bringen und so der Ökokrise entgegenzuwirken.

Biodiversität auf den Grünflächen der Universität Bremen?
Der Campus der Universität Bremen bietet viele solche Strukturen als mögliche Habitate, neben größeren Grünflächen auch Straßen- und Wegränder, sowie wasserführende Gräben.
Allerdings sind die meisten Flächen einem intensiven Management ausgesetzt, was sich vor allem in einer zu frühen und häufigen Mahd der Grünflächen äußert.
Obwohl das Gelände der Universität vor allem an Randstandorten eine erstaunlich große Zahl seltener Pflanzenarten zeigt (Meyer 2019), sind die meisten Grünflächen durch den dauerhaften exzessiven Eingriff strukturarm und daher auch arm an Pflanzen und Insekten.

Aufhalten der Ökokrise
Die „Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt“ der Bundesregierung von 2007 sieht vor, die Lebensräume gefährdeter Arten zu erhalten und in den Städten die Luftqualität und das Stadtklima mittels einer „Durchgrünung“ der Städte bis 2020 zu verbessern.
Dieses Ziel beinhaltet nicht nur eine Erhöhung des Grünanteils des urbanen Raums, sondern auch die Überführung monotoner und wenig diverser Lebensräume in strukturreiche Habitate mit hoher Biodiversität. Diese Aufgabe hat sich auch die Universität Bremen im Rahmen ihres Umweltmanagements gestellt (Umwelterklärung 2019), welches auf den von den UN verabschiedeten 17 Nachhaltigkeitszielen basiert (UN Sustainable Development Goals).

Campus Goes Biodiverse
Das Projekt möchte einen neuen Weg zum Erhalt biologischer Vielfalt beschreiten. Wir streben eine wissenschaftlich fundierte und begleitete ökologische Umgestaltung weiter Bereiche des Geländes der Universität Bremen an, verknüpft mit ausführlicher Öffentlichkeitsarbeit zu den Maßnahmen und Ergebnissen dieser Umgestaltung, sowie einer Integration der Maßnahmen in die Lehre und Forschung der Universität.

Mehr Informationen zum Projekt finden Sie hier.

Buchempfehlung:
Dirk Steffens und Fritz Habekuss: Über Leben – Zukunftsfrage Artensterben: Wie wir die Ökokrise überwinden

Quellen und weitere Informationen
Gemeinholzer, B. et al. 2019. Artenschwund trotz Naturschutz. Biologie in Unserer Zeit 49, 444-455.
Hallmann, C. et al. 2017. More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass in protected areas. PLOS ONE 12 (10).
Meyer, F. 2019. Wildwachsende Gefäßpflanzen auf dem Gelände der Universität Bremen. Unveröff. Bachelorarbeit, Universität Bremen.
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU). 2007. Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt, Berlin. 178 Seiten.