Sei mutig!

Monat: Juli 2022 (Seite 1 von 3)

Performative Sozialforschung/-wissenschaft

Unter der performativen Sozialforschung werden verschiedene Ansätze und Umsetzungen beschrieben, wo Forschungsergebnisse künstlerisch-ästhetisch zugänglich gemacht werden. Der Begriff Performativität wird durch Präsenz, Prozesshaftigkeit, Ereignishaftigkeit und Situiertheit von Handlungsvollzügen erklärt.

Der Begriff „performative Sozialforschung“ wurde erstmals von Norman Denzin (2001) eingebracht und soll hauptsächlich verschiedene Umsetzungen und Ansätze finden um nun diese Forschungsergebnisse für die Öffentlichkeit zu vereinfachen. Auf den Dialog von Kunst und Wissenschaft, lassen sich grob drei Perspektiven unterscheiden. Bei der Arts-informed Research wird die künstlerische Darstellungsform genutzt während, bei der Arts-based Research die künstlerischen Praktiken zur Erkundung genutzt werden. Und bei den Kunstwissenschaften ist es die verankerte Artistic Research. (Chilton und Leavy 2014). Es wird überwiegend von de, Begriff performative Sozialforschung gesprochen, da dieser Begriff am Besten Zusammenfasst wie die Kunst und die Wissenschaft auf einander bezogen werden können um so die Forschungsergebnisse zu präsentieren.

Die performative Sozialwissenschaft hat erst im letzten Jahrzehnt begonnen und es wird versucht, frühere Arbeiten für die performative Sozialwissenschaft zu re-interpretieren. Denn die Wissenschaft scheint heutzutage eine Sprache für sich zu sprechen und ist für Interessenten oder Angehörige anderer Fachdisziplinen schwer zugänglich. Deshalb wird gefordert die Wissenschaft für alle zugänglich zu machen. Somit ist der Aspekt der Performativität in der Wissenschaft sehr wichtig, um so in Form von künstlerischen Tätigkeiten die Wissenschaftssprache zugänglich zu machen.

Um die Umsetzung von performativer Sozialforschung zu gewähren, wird auf diverse Kunstformen zurückgegriffen. Bei der Autoethnografie wird die Ethnografie und die Autobiografie verbunden, wobei wichtig ist, dass die eigenen Erfahrungen im Vordergrund stehen und nicht nur als Hintergrundwissen einfließen. Des Weiteren gibt es noch die Ansätze der Fiction und Poetik. Außerdem kann die Performativität durch Musik, Tanz oder Theater zum Ausdruck gebracht werden, sowie die visuelle Darstellung in Film und Foto. Darüber hinaus bietet die Form von Ausstellungen eine besondere Möglichkeit, Forschungsergebnisse in Form von textuellem, visuellem und auditivem Material zu präsentieren.

 

Retrospektive: Projektentwicklung und -verlauf (WiSe 2021/2022)

Erstes Zusammenkommen als Gruppe

Unser erstes richtiges Treffen als Gruppe fand im Espressohaus in der Innenstadt statt. Dort holten wir uns alle ein Getränk, nahmen in einer kuscheligen Ecke platz und fingen an zu brainstormen. Zu aller Erst stellten wir uns natürlich die Frage, welches Thema wir in unserem Projekt erforschen möchten. Um uns zu inspirieren, schauten wir uns ein performatives Video an, was uns von Martina empfohlen wurde. Obwohl wir sehr von dem Video fasziniert waren, schweiften wir ab und kamen irgendwann auf ein Thema. Courage. Zivilcourage um genauer zu sein. Uns fiel nämlich auf, dass wir immer öfter mitbekommen, dass Menschen in der Öffentlichkeit Belästigt werden und es aus unserer Sicht vermehrt aufkommt, dass sehr wenige Menschen eingreifen. Lea fiel eine passende Erzählung dazu ein, die sie letztens auf einer Social Media Plattform gelesen hatte. Von der Erzählung waren wir alle sehr geschockt und doch stellte sich uns die Frage, wie so etwas passiert und warum so wenige eingegriffen hatten. Hatten sie Angst? Dachten sie, jemand anderes wird schon eingreifen? Wer weiß das schon. Aber die Fragen, wann ich eingreife, wie ich eingreife und ob ich überhaupt eingreife, haben uns ab diesen Moment brennend interessiert. Warum zeigt ein Mensch Zivilcourage? Und warum nicht?

 

 

Gruppenname

Des Weiteren bestand unsere Aufgabe bei unserem ersten Treffen darin, uns einen Gruppennamen auszudenken. Da wir bei dem Thema Zivilcourage hängengeblieben waren, fanden wir es passend das Thema in unseren Gruppennamen einfließen zu lassen. Also entschieden wir, dass Courage ein Teil des Namens wurde. Tatsächlich sprachen wir es nicht deutsch aus sondern eher französisch, so sollte es sich auf jeden Fall anhören. Das Wort an sich war gut, trotzdem fehlte uns noch etwas. Da uns ja selber wichtig war, dass Zivilcourage ausgeübt wird, kamen wir auf das englische Wort „be“ ins deutsche übersetzt „sei“. Also be.courage. Das war nun unser Name und somit fingen wir an in unser Thema einzutauchen.

 

 

Gruppenarbeiten

Um uns in der Gruppe besser kennenzulernen und um auch in Person miteinander zu interagieren, haben wir uns immer wieder an verschiedenen Orten getroffen und uns auch ausgetauscht. Somit war es uns möglich die zwei Blöcke in der Woche dafür gut zu nutzen und manchmal auch darüber hinaus etwas zu erarbeiten. Selbstverständlich war die Kommunikation über die sozialen Medien und Zoom auch ein Faktor für den guten Austausch und der Organisation der Gruppe.

Nachdem wir nun unseren Namen und unser Gruppenthema beschlossen hatten, ging es darum das Thema weiter zu vertiefen. Dazu beschlossen wir, nach einer Empfehlung von Martina, ins Creative Hub einer ehemaligen Kinderklinik zu gehen. Dort kann man sich Räume in einem bestimmten Zeitraum buchen und dort arbeiten oder halt „creative“ sein. Der Raum des Creative Hubs erinnerte an einen schlichten und etwas kleineren Klassenraum. Dort waren wir aber ungestört und konnten loslegen. Da wir nun mehrere Stunden Zeit hatten, um uns wirklich mit verschiedenen Aspekten auseinanderzusetzen, kam direkt das Thema unserer Prüfungsleistung für das Wintersemester auf, und wie wir diese gestalten wollen. Wir entschieden uns dazu, als performativen Teil ein Video zu drehen und ein Podcast zu erstellen. In dem Video, wollten wir unser erstes Treffen im Espressohaus nachspielen um zu zeigen wie wir auf unser Thema und auf unseren Namen gekommen sind. Des Weiteren nutzten wir in Form eines Podcasts die Dokumentation unserer performativen Selbstexperimente. Im Creative Hub starteten wir ein eigenes kleines Selbstexperiment und machten es uns zur Aufgabe unseren Gruppennamen künstlerisch darzustellen.

 

 

Das Wort Courage malten wir Bunt an um die Vielfalt der Situationen, in der Zivilcourage gefragt ist, aufzuzeigen. Den blauen Himmel interpretierten wir als grenzenlose Möglichkeiten um in solchen Situationen einzugreifen. Der grüne Boden symbolisiert den öffentlichen Raum in den Zivilcourage gefragt ist. Des Weiteren sieht unser b wie ein gespiegeltes spanisches Fragezeichen aus, welches die persönliche Frage nach Notwendigkeit bzw. Unsicherheit bedient. Der Rahmen, der um unseren Gruppennamen ist, beschreibt unsere persönlichen Grenzen und auch die Grenzüberschreitung.

 

 

Performative Selbstexperimente

Ein Kostüm aus Küchenutensilien

Nun ging es zu den eigentlichen performativen Selbstexperimenten, die wir von Martina vorgeschrieben bekommen haben und wovon wir uns drei Stück aussuchten. Bei unserem ersten Experiment ein Kostüm aus Küchenutensilien herzustellen, klappte alles wie am Schnürchen. Maxi und Nane fingen an verschiedene Sachen als Verkleidung zu nutzen, während Charlotte und Lea die beiden über Zoom anfeuerten. Unter anderem hatte Nane zum Schluss einen Kleiderhaken als Hand, ein Nudelholz als Unterbein und eine Kelle als Augenklappe. So entstand unser Pirat aus Küchenutensilien.

 

 

Glowy Dust

Bei unserem nächsten performativen Selbstexperiment, haben wir einen Haushaltsgegenstand erfunden. Unser glowy dust. Mit diesem Haushaltsgegenstand ist es möglich Staub einzufangen und dieser Staub wird dann von Glühwürmchen gefressen und die Glühwürmchen werden dann von fleischfressenden Pflanzen gefressen. Durch die Glühwürmchen entsteht natürlich Licht und somit kann man auch noch einen Raum zum Leuchten bringen. So entsteht ein Kreislauf und ein kleines Ökosystem in einer Kuppel.

 

 

 

 

Eine Geschichte in 3 Bildern

Unser drittes und letztes performatives Selbstexperiment bestand darin eine Geschichte in drei Bildern zu erzählen. Hier ließen wir uns von Van Gogh inspirieren und starteten das erste Bild damit, dass Maxi Charlotte das Ohr mit einem Messer abschnitt. Auf dem zweiten Bild servierte Lea Nane das besagte Ohr auf einem Tablett. In dem dritten Bild aß Nane nun das Ohr von Charlotte. Damit wollten wir natürlich den Bezug zu Van Gogh finden, der sich als Akt der Selbstzerstörung das linke Ohr abschnitt.

Unsere Performativen Selbstexperimente hielten wir in einem Podcast fest. In diesem Podcast dokumentierten wir, wie wir das Experiment durchgeführt haben, was wir uns dabei gedacht haben, wie wir uns dabei gefühlt haben, was wir gut an dem Experiment fanden und was wir nicht so gut fanden. Dieser Podcast war nun also ein großer Bestandteil unserer Performance.

 

 

 

 

Reflexion

Die Gruppenarbeit ist uns immer gut gelungen. Die Kommunikation für die verschiedenen Aufgaben hat sehr gut geklappt und somit konnten wir für unsere Prüfungsleistung viele verschiedene Sachen ausdenken. An Kreativität hat es nie gefehlt und die Unterstützung durch Martina war immer gegeben. Bei Fragen oder Anregungen, fühlten wir uns gut aufgehoben. Die Vorbereitungen und Durchführung der Performance hat viel Spaß gemacht. Die performativen Selbstexperimente sind uns gut gelungen und haben Spaß gemacht. Des Weiteren hat es super geklappt, dass wir in unserer Gestaltung so frei waren und wirklich unser eigenes Konzept entwickeln konnten. Mit dem Video, wo wir unser erstes Treffen im Espressohaus nachgespielt haben, um zu vertiefen wie wir auf unseren Gruppennamen und unser Thema gekommen sind, war eine tolle Art zu Dokumentieren. Durch unseren Podcast konnte auch nochmal gezeigt werden, wie wir uns gefühlt haben und wie genau wir was gedacht haben bei den verschiedenen performativen Selbstexperimenten.

Unser Fahrplan

Am Anfang des Semesters dürfen wir kurz präsentieren, was wir uns vorstellen und was wir für den weiteren Verlauf planen. Dazu haben wir eine multimediale Präsentation vorbereitet.

Neben einer PowerPoint mit einigen Eckpunkten unserer Thematik und unserer Planung, haben wir ein Worträtsel vorgelesen und die Zuhörer sollten das gesuchte Wort erraten:

Man kennt mich durch die eigene Lebenserfahrung. Ich bin etwas Natürliches und bin Teil menschlichen Handelns.Von den Kinderschuhen bis zum Lebensende entwickele ich mich stets weiter. Nicht selten werde ich eingeschüchtert und versteh mich auf unbestimmte Zeit. Meine Entwicklung hängt stark von der Person ab, in der ich zuhause bin, ihr Umfeld, ihre Grenzen und vieles mehr. Ich agiere in Situationen, die mein Zuhause betreffen aber auch oft in gesellschaftlichen Situationen. Ich schütze mein Zuhause, manchmal durch Handeln und manchmal durch Nichthandeln. Andere aber kann ich auch schützen. Mittelpunkt meines Seins ist die Grenzüberschreitung, Risikobereitschaft, Angst und Respekt aber auch Solidarität. Grammatikalisch bin ich männlich aber kenne kein Geschlecht. Mein Namen hört man oft in Redewendungen. Um mich zu beschreiben, bedarf es nur drei Buchstaben. Das gesuchte Wort lautete „Mut“.

Mut ist ein zentraler Aspekt im Bereich Zivilcourage und daher eine perfekte Einstiegsthematik. Darauf folgte eine kleine Geschichte, bei der die Zuhörer eingeladen waren,ihre Augen zu schließen, sich in die Situation zu begeben und gegebenenfalls zu reagieren:

… ein Mädchen ca. Anfang 20 ist mit ihren

beiden Freundinnen in einer Bar etwas trinken.

Durch die lockere Atmosphäre kommen sie alle

mit anderen Leuten ins Gespräch.

Du kommst ebenfalls in die Bar und an dir geht

ein Typ vorbei, der das Mädchen über seiner Schulter

trägt und auf dem Weg raus ist. Das Mädchen

ist nicht mehr ansprechbar, sie wirkt sehr betrunken.

Was würdest du tun? Was geht dir durch den Kopf?

 

Am Ende der Geschichte kam Idee unser Dozentin, die Szene einfach zu spielen, woraufhin die Szene eine neue Lebendigkeit bekam, die für die Vorstellungskraft und Handlungsbereitschaft der Seminarteilnehmer ausschlaggebend war. Danach ging es um Grenzen. Wozu gibt es Grenzen? Wann werden sie uns deutlich? Was bringt uns an unsere Grenzen? Was bringt uns dazu, Grenzen zu überwinden? Im Anschluss waren die Kommilitonen/Innen dazu eingeladen, ihre eigenen Definition von Mut mit uns zu teilen. Als letzten theoretischen Punkt haben wir als Präsentierende unsere Ziele definiert: Mut stärken, sensibilisieren und aufklären, und Achtsamkeit stärken. Eine Skala an der Tafel und die Aufgabe der Positionierung des eigenen Mutes von 1-10 war Abschluss des kurzen Ausblickes und Teil unseres weiteren Prozesses. Am Schluss haben wir noch ein kurzes Video gezeigt, in dem wir unsere Gedanken zu dem Thema Zivilcourage runter geschrieben haben, um die Teilnehmer noch tiefer in die Thematik einzuführen.

Dieser kurze Ausblick sollte uns etwas mehr Gefühl dafür geben, wie die Gruppe reagiert, wie sehr sie sich auf die Thematik einlässt und wo eventuelle Grenzen sind. Insgesamt war der Eindruck sehr positiv und die Grundbasis des Vertrauens und der aktiven Teilnahme war da.

Für unsere Zwischenperformance planen wir eine Szene zu spielen, in der die Zuschauer sich nicht als Beobachter sondern als teilnehmende Person in der Situation befinden und nach subjektivem Empfinden agieren. Die Szene sollte emotional beeinflussen und etwas darstellen, was dem Großteil bekannt vor kommt. Die Teilnehmenden werden am Anfang von uns eingeladen in der Situation mitzuwirken oder einfach zu beobachten. Als Endperformance betten wir die Szene in leicht abgewandelter Form in eine Geschichte ein, die neben der schon bekannten noch weitere Szene enthält. Die bewusste Einbettung der schon bekannten Situation soll den Mitstudenten mehr Kontrolle und mehr Mut geben in dem Szenario mitzuwirken. Nach der Performance folgt dann ein stiller Moment und die ebenfalls bekannte Mutskala wird an die Wand projiziert. Jeder Teilnehmer bekommt ein Klebestreifen mit seinem Namen und darf sich mit seinem Namensschild in der Skala erneut positionieren. Zum Abschluss unserer Performance wird erneut das Video mit unseren Leitsätzen abgespielt.







Für DICH relevant!

Wir haben uns für das Thema entschieden, weil es ein gesellschaftliches und emotional aufgeladenes Thema ist. Es entstehen immer wieder Situationen, in denen Mitmenschen  oder man selbst Hilfe benötigt und diese aus den vielfältigsten Gründen nicht bekommen. Wir haben uns gefragt, was passieren muss, damit der Mut und die Aufmerksamkeit in der Gesellschaft gestärkt wird. Dementsprechend haben wir in uns hinein gehorcht und uns diverse Fragen gestellt und durchlebte Situation in Erinnerung gerufen. Ihr werdet auf unserem Blog immer wieder Storys zu lesen bekommen, die euch die Komplexität des Handelns und des Nichthandelns etwas näher bringen werden.



Tugce Albayrak, 23✝️

Tugce Albayrak zeigte am 15.November 2014 Zivilcourage, als zwei 13 jährige Mädchen in einem Fast-Food-Restaurant im Vorfeld auf der Toilette von angetrunkenen Männern belästigt wurden. Daraufhin schlug sie ein 18 jähriger Mann nieder, sie fiel mit dem Kopf auf den Boden und lag von da an im Koma, woraus sie nie wieder erwachte. An ihrem 23. Geburtstag wurden die lebenserhaltenden Maschinen abgeschaltet. Ihr Handeln löste eine neue Welle der Diskussion um die Grenzen von Zivilcourage aus. Einige Stimmen wurden laut, man solle in solchen Situationen nicht handeln, die Mehrheit aber hatte die gegenteilige Meinung und startete eine Petition, in der der damalige Bundespräsident Joachim Gauck aufgefordert wurde, Tugce das Bundesverdienstkreuz zu verleihen. Tugce steht mit ihrer couragierten Tat für Zivilcourage und Mut.(Weber et al. 2014)



Rosa Parks

Entgegen der Rassentrennung und Sitzreservierung für weiße Mitbürger im Bus, weigerte Rosa Parks sich im Jahre 1955 in Montgomery eine komplette Sitzreihe für einen einzelnen Fahrgast freizumachen. Die Sitzreihe war zuvor von mehreren schwarzen Fahrgästen besetzt, bis ein weißer Fahrgast von ihnen verlangte aufzustehen. Alle leisteten diesem Folge, nur Rosa Parks blieb nach ihrem langen Arbeitstag sitzen. Darauf hin wurde sie verhaftet und setzte somit ein Zeichen gegen die Ungerechtigkeit der Rassentrennung. Es folgte ein Boykott gegen die Busse in der Region, bei dem Martin Luther King ebenfalls nach außen trat. Zu der Zeit war Rosa Parks ebenfalls Mitglied einer schwarzen Bürgerrechtsbewegung.(Zivile Helden 2022)



Wehre dich!

Um uns optimal auf die Arbeit in der Gruppe und mit unserer Thematik vorzubereiten, haben wir an einzelnen kleinen Projekte teilgenommen. Das erste war die Teilnahme an einem Selbstverteidigungskurs in Bremen. Dort waren wir eine Gruppe bestehend aus zehn Personen, sieben Frauen, drei Männer und zwei Trainer. Nach einigen Aufwärmübungen haben wir uns in der Runde über unsere persönlichen Beweggründe und Vorerfahrungen ausgetauscht. Danach haben die beiden Trainer uns einige wichtige Fakten zum Thema Selbstverteidigung erklärt und die Grundgriffe/-Übungen mehrmals langsam und danach  schnell vorgestellt. Dann waren wir an der Reihe. In Paaren durften wir uns ausprobieren und wurden beim rumgehender Trainer korrigiert, unterstützt und bekräftigt. Jeder von uns wurde so betrachtet, dass die Trainer zu jedem Teilnehmer die individuellen Stärken benannt und die optimale Verwendung vorgeschlagen haben. Im Kontext unsere Thematik ist dieser Exkurs wertvoll, weil er nicht nur die Rolle des Hilfebedürftigen sondern auch die des Helfenden besser verstehen lässt. Im Bezug auf unsere Leitfrage, könnte man sich nun fragen, wie stark ist die Person in Not? Wie stark bin ich? Wo sind meine emotionalen und körperlichen Grenzen? Wie stark ist die bedrohende Person? Wie kann ich trotz einer körperlichen Unterlegenheit Zivilcourage zeigen? Als Gruppe war der Kurs ebenfalls wertvoll, da er uns näher zueinander gebracht und unsere Kreativität angeregt hat.

 

 



Exkurs in die Welt des Theaters

Im Rahmen unseres Seminares haben wir eine Unterrichtsstunde mit dem Theater der Versammlung verbracht. Wir haben verschiedene Übungen, wie den Klatschkreis und das Theater ohne Worte kennen gelernt. Bei dem Klatschkreis stehen alle in einem Kreis und einer fängt an und gibt den Klatscher rum. Er wird immer schneller und schneller. Im Laufe des Spieles wird der Klatscher mit einer Emotion weitergegeben. Das Theater ohne Worte funktioniert mit vorher festgelegten Gesten. Die Gruppe bekommt nach der Vereinbarung dieser Gesten eine ihr unbekannte Geschichte vorgelesen und darf diese visualisieren. Das „Werkzeug“ der Gruppe darf ausschließlich aus den Gesten bestehen, weder Stimme Mimik oder andere Bewegungen sind zulässig. Erlaubt sind Wiederholungen, Be- und Entschleunigungen der Bewegungen. Diese Unterrichtsstunde hat uns neue Impulse und Vertrauen in uns selber und unserer Wirkung geschenkt.



Social Media

Die sozialen Netzwerke wie beispielsweise Instagram und Tiktok bieten eine gute Möglichkeiten die Aktualität und Präsenz des Themas Zivilcourage zu überblicken. Von eigenen Erfahrungsberichten, Selbsthilfe und Selbstverteidigung bis hin zu Hilfsorganisationen und Aufklärung zu der Thematik ist vieles im Netz vertreten. Aufgrund dessen haben wir uns die Thematik in den sozialen Medien angeschaut und einige wertvolle Accounts gefunden.

Weißer Ring e.V.

Weißer Ring e.V. Beispielsweise hat Zivilcourage zum Jahresthema 2022 erklärt und dementsprechend war dies ebenfalls Motto des Tages für Kriminalopfer im März 2022. Aufklärung für eine angemessene Zivilcourage und allgemeine Infos werden von der Organisation über Social Media an die breite Masse verbreitet. Regelungen für Zivilcourage als potentieller Helfer, die jeder für sich selber wissen sollte sind:

sich selber nicht in Gefahr bringen

die Situation genau beobachten

aus Distanz handeln

Polizei rufen

handeln bevor die Situation eskaliert

andere um Hilfe bitten und Unterstützung holen

sich um das Opfer kümmern

Regelungen als Hilfebedürftiger/Opfer:

auf sich aufmerksam machen

Passanten direkt ansprechen

konkrete Hilfe formulieren

den Täter Siezen

schreien

Notruf wählen (wenn möglich)

Überraschungseffekt nutzen und den Täter so verwirren

Neben der Aufklärungsarbeit bietet der weisse Ring e.V. Beratung beispielsweise im Falle eines persönlichen Schadens durch Zivilcourage an und hilft Betroffenen ihre Ansprüche geltend zu machen. Die Zielgruppe Schüler*innen wird mithilfe von Unterrichtsmaterial schon früh in die Thematik eingeführt und für das Thema sensibilisiert.

Wir sehen hin!

Der Instagram Account wirsehenhin_md berichtet auf ihrer Seite von sexualisierter Gewalt in Magdeburg. Sie bieten eine Sprachrohr für Opfer und veröffentlichen die individuellen Geschichten auf ihrer Instagramseite. Neben den Erfahrungsberichten der Opfer wird ebenfalls Aufklärungsarbeit in Form von Videos, Beratung, Workshops und Hilfe angeboten. 

Hier einmal ein beispielhafter Post:

Yva*,24 Studentin

„Als ich sagte, dass ich kein Interesse habe und weiter arbeiten muss, wollte er nicht locker lassen und kam einfach hinterher.“

„Ich habe jahrelang im Einzelhandel gearbeitet. In einem Geschäft im City Carré. Einmal kam ein Mann ganz energisch auf mich zu und sprach mich an. Zunächst noch freundlich. Als ich sagte, dass ich kein Interesse habe und weiter arbeiten muss, wollte er nicht locker lassen und kam einfach hinterher. Ich sagte dann, dass ich einen Freund habe. Dann kam, wie sooft, ob die Beziehung denn auch überhaupt gut laufe. Da wurde ich wütend und wollte gehen. Da hielt er mich fest, drehte mich zu sich und küsste mich. Eine Hand hielt er dabei an meinen Po. Ich stand so unter Schock, dass ich weggerannt bin. Er rief noch hinterher, dass ich einen geilen Arsch habe und er gern noch mehr machen würde. Meine Kollegin hat das nur partiell mitbekommen. Ich durfte dann 5 Minuten Pause machen.“(Wirsehenhin_md 2022)

Zivilehelden

Ein weitere Instagram Account, der sich mit der Thematik beschäftigt und Öffentlichkeitsarbeit leistet ist der offizielle Account der polizeilichen Kriminalprävention zivilehelden. Hier werden Geschichten von Zivilenhelden, Tipps, Fakten, Beratungsangebote, Hilfsorganisationen und Projekte geteilt. 

Social Media ist für uns und unsere Generation ein zentrales und wichtiges Medium, was in unserem Alltag Platz findet. Darüber konsumieren wir den Großteil der Information und daher besitzt Social Media das Potential gerade die jüngere Zielgruppe aufzuklären, zu beeinflussen und ermutigen. Statt langen Fachtexten und Literatur werden wichtige Themen in Videos und emotional aufgeladene Geschichten einbettet.



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