Ringvorlesung 8

03.06.19: Prof. Dr. Natascha Korff: Schule für wirklich alle? Ziele Herausforderungen, Beispiele

  1. Juni 2019
  2. Welcher heutige Inhalt (insb. aus dem Inputteil von N. Korff) war anschlussfähig oder widersprüchlich zu einem Inhalt ihres bisherigen Studiums?
    Nennen Sie mindestens einen anschlussfähigen oder einen widersprüchlichen Aspekt (mit Quelle/Herkunft aus dem Studium) und erläutern Sie genauer warum und was sie daraus für sich schlussfolgern.[Sie dürfen gerne auch mehrere Aspekte benennen, aber Pflicht ist einer.

IP Studierende: Bitte beziehen Sie sich auf Inhalte außerhalb des IP-Studiums]

  • widersprüchlich zu den Inhalten meines Studiums fand ich die Information, dass die Oberschule, als eine mögliche Form der weiterführenden Schule, nur auf zwei Anforderungsniveaus unterrichtet wird
  • seit dem ersten Semester meines Studiums ist das Wort „Heterogenität“ überspitzt gesagt in jedem Satz vorhanden. Wir lernen viele verschiedene Dimensionen von Heterogenität kennen, überdenken stets unsere eigenen eingefahrenen Denkweisen, werden sensibilisiert.
  • Dann zu erfahren, dass das theoretisch und praktisch nach der Grundschule, also unserem zukünftigen Arbeitsfeld, auf nur zwei Anforderungsniveaus heruntergebrochen wird ist doch recht irritierend und wiederspricht auch der Haltung, die wir während des Studiums vermittelt bekommen und auch der empfohlenen Haltung
  • Es kommt mir unmöglich vor Verschiedenheiten zu registrieren und respektieren, dann aber doch nicht danach zu handeln

 

  1. Wo finden sich in Ihrer Praxiserfahrung gelungene Beispiele, in denen sich – zumindest in Ansätzen – Elemente wiederfinden, die von den Studierenden der Lernreise als wichtige Aspekte einer gelingenden (inklusiven) Schulentwicklung entdeckt wurden? Beschreiben Sie ein möglichst konkretes Beispiel und erläutern kurz inwiefern es zu den einem Aspekt der Lernreise-Poster passt [Sollte Ihnen gar kein Positivbeispiel einfallen: Beschreiben Sie eine noch nicht gelungene Situation und formulieren zwei konkrete Vorschläge wie diese weiter entwickelt werden könnte im Sinne der von der Lernreise mitgebrachten Faktoren]
  • Ich hatte das Glück mein POE im Fach Inklusive Pädagogik in der Grundschule am Buntentorsteinweg zu absolvieren, die Schule ist selbst Schulpreisträger ( 2. Platz 2015) und vereint viele spannende Konzepte unter ihrem Dach, welche im Rahmen ihrer Möglichkeiten auch gelebt und umgesetzt werden
  • Konzept des jahrgangsübergreifenden Lernens im Ganztag
  • Modellprojekt „Abgestimmte Bildungsarbeit“, Kooperation mit den umliegenden Kindertageseinrichtungen zur Verbesserung des Überganges zwischen Kindertagesstätten und der Grundschule
  • Zwei mögliche Einschulungstermine (August, Februar)
  • Insgesamt setzt sich die Schule für mehr Bildungsgerechtigkeit ein

 

  1. Bitte wählen Sie einer der folgenden beiden Fragen:
    Welches – kleine, konkrete und erreichbare – Ziel zur Reduktion von Barrieren könnten Sie sich für Ihre nächste Unterrichtseinheit im Studium setzen?
  • Eine umfangreiche Planung, mit Berücksichtigung der jeweiligen Lernstände und Lernziele der SuS in der Lerngruppe
  • Verschiedene Dimensionen von Heterogenität beachten, diese möglichst einplanen
  • Mit den Kindern zusammen Ziele festlegen, Entwicklungen dokumentieren und auch zusammen mit den SuS reflektieren
  • Als sehr einfaches und Barrieren reduzierendes Instrument hab ich Wortspeicher kennengelernt, fächerübergreifend und auch fächerspezifisch

ODER

Welche konkrete schulstrukturelle/systembezogene Änderung würden Sie für das Bremer Schulsystem vorschlagen, um bessere Bedingungen für gelingende Schule(n) wie von der Lernreise berichtet zu schaffen?

(Bitte keine reine ‚Finanzen/Ressourcenbezogene‘ Aspekte, sondern einen strukturellen Aspekt)

 

Schlagwort: rv08

 

 

Ringvorlesung 7

Fragen bzgl. der Vorlesung von Dr. Giesler

1.Reflektieren Sie, inwiefern Ihr eigener Englisch- (bzw. Fremdsprachen-) Unterrichtsfunktionale und formale Aspekte beinhaltete.

 

  • Ich hatte ab der 5. Klasse Englischunterricht, welcher ausschließlich frontal erteilt wurde und aus formalen Anteilen bestand. Wir schrieben wöchentlich Vokabeltests und bearbeiteten Aufgaben zur Grammatik schriftlich. Gesprochen hat fast nur unsere Lehrerin. In der 7. Klasse hatten wir eine neue Lehrerin, der Unterricht lief ähnlich ab, nur das wir bei ihr auch englische Lieder auswendig gelernt und zusammen gesungen haben.
  • Als ich auf dem zweiten Bildungsweg mein Abitur nachholte, war der Englischunterricht völlig anders, es wurde viel gesprochen, mit Texten gearbeitet, Sprachspiele gespielt, Hörverstehen geübt, englische Filme geschaut, englische Bücher gelesen, das Meiste davon fiel mir sehr schwer. Ich hatte zwar ein gutes Textverständnis im Groben ( da ich über einen guten passiven Wortschatz verfügte), konnte aber überhaupt nicht formulieren, weder mündlich noch schriftlich.

 

 

2.Diskutieren Sie davon ausgehende, welche Fähigkeiten ein „guter Fremdsprachenlerner“ in Ihrer Schulzeit mitbringen musste und inwiefern dies den curricularen Vorgaben für die Grundschule (funktionaler Fokus: „Entwicklung der Sprachfähigkeit“) entsprechen würde.

 

  • In erster Linie musste er/sie Fleiß mitbringen und Disziplin die Vokabeln und die Grammatik regelmäßig auswendig zu lernen
  • Dies würde wie oben beschrieben überhaupt nicht den Vorgaben für Englischunterricht in der Grundschule entsprechen
  • In meiner wesentlich späteren Oberstufenzeit war der Unterricht wesentlich funktionaler ausgerichtet

 

 

Fragen bzgl. der kommenden Vorlesung von Prof. Korff

  1. Die Anbahnung eines Perspektivwechsels durch Reflexion eigener Praxiserfahrungen zum jeweiligen Thema

Welche Schüler*innen sind Ihnen in der konkreten (eigenen) Praxis bisher begegnet, bei denen Sie noch Unterstützung benötigt hätten, um sie gut in den Unterricht einzubinden? Wobei hätten Sie dieses Kind gerne noch (besser) unterstützt?

Beschreiben Sie eine/n konkrete Schüler*in in Bezug auf einen konkreten Unterrichtsinhalt/Situation. Achten Sie auf eine wertschätzende Darstellung.

 

 

Ich hatte in meinem Orientierungspraktikum meinen Einsatz in einem Vorkurs, zu dieser Zeit waren nur vier Kinder in diesem Kurs. Im Laufe des Praktikums stellte sich heraus, dass ein 11- jähriges Mädchen, zwar mündlich auf einem Stand war, der ihren Kontaktmonaten entsprach (sie hatte bereits ein wirklich großes Lexika angelegt), aber schriftlich weichte ihre Leistung stark davon ab. Sie war aber bis zu einem bestimmten Punkt sehr motiviert und hatte insgesamt viel Freude im Vorkurs.

Bei näherer Betrachtung wurde deutlich, dass sie nicht lesen kann, dies war nicht aufgefallen, da sie wirklich gute Kompensationsmechanismen gelernt hatte. Sie lernte die Wörter bildlich auswendig und wenn sie spontan lesen sollte wandte sie verschiedene Vermeidungsstrategien an.

Sie kam aus dem Irak und hatte dort nie eine Schule besucht, konnte somit auch nicht in ihrer Muttersprache lesen und schreiben. Es wurde eine Verlängerung des Vorkurses beantragt und auch bewilligt, aber nach dem Schuljahr musste sie in die weiterführende Schule.

Was das Lesen betraf, brauchte sie mehr Unterstützung, sowie andere Materialien und vor allem mehr Zeit. Sie begann bei der Wiederholung der Buchstaben und absolvierte dann einen Silbenlesekurs.

Das und einige andere Sachen in diesem Vorkurs haben mich wirklich sehr beschäftigt. Aber auch bei näherer Beschäftigung mit dem Vorkurssystem in Bremen, war das eher eine frustrierende Erfahrung.

 

  1. Die Generierung möglicher (Praxis-)Beobachtungs- und Forschungsfragen

Welche Fragen haben Sie an die Sitzung zur inklusiven Pädagogik mit Fokus dis/ability?

Formulieren Sie ein bis zwei möglichst konkrete Fragen. Diese können sich auf inhaltliche Aspekte aber auch auf das Schulsystem beziehen.

  • Warum arbeiten alle Grundschulen in Bremen inklusiv, haben aber zum Teil noch W-und E- Klassen? Und sind auch in den meisten Fällen nicht barrierefrei. Wiederspricht sich das nicht?

Ringvorlesung 6

20.05.19: Prof. Dr. Andrea Daase: Mehrsprachigkeit als Ausgangspunkt und Ziel schulischer Bildung in der Primarstufe

  1. In der Lehrerkonferenz diskutieren Sie die Empfehlungen für die jeweilige weiterführende Schule der einzelnen Schüler*innen. Für einen Schüler, der vor zwei Jahren nach Deutschland und nach einiger Zeit in der Vorklasse in Ihre Klasse gekommen ist, soll – lediglich aufgrund seiner Deutschkenntnisse – von einer Empfehlung für das Gymnasium abgesehen werden. Nehmen Sie auf Basis der Inhalte der Vorlesung Stellung dazu.

 

  • Es fällt mir schwer auf Grund dieses Beispiels Stellung zu beziehen, da die Formulierung „aufgrund seiner Deutschkenntnisse“ für mich noch einen ziemlich großen Interpretationsspielraum lässt
  • Wie zum Beispiel: sind es grundsätzliche Defizite in der „Alltagssprache“ oder ist das alterstypische Niveau der Bildungssprache noch nicht erreicht? Wie sieht es mit der Motivation und familiären Unterstützung des Schülers aus? Wäre er dem Druck und der Mehrarbeit gewachsen? Wie ist sein Leistungsstand unabhängig von der Sprachbarriere (in wie weit ist das beurteilbar, spreche oder verstehe ich die Muttersprache?)…
  • Wenn es sich „nur“ um bildungssprachliche Hürden handelt, würde mich interessieren wie die weitere Sprachförderung geplant ist, ob sie auf der weiterführenden Schule weitergeführt ist, bzw. ob dort sprachsensibel unterrichtet wird
  • Grundsätzlich und persönlich optimistisch würde ich erst einmal sagen, das ich auf Grund von seinen Deutschkenntnissen mich nicht gegen eine Empfehlung aussprechen würde, allerdings bin ich ein recht praktischer Mensch, welcher zumindest über Elternerfahrung an weiterführenden Schulen verfügt und würde in dessen Zuge versuchen im Interesse des Schülers zu handeln und abwägen ob man ihm mit der Empfehlung wirklich einen Gefallen tun würde

 

  1. Welche Erfahrungen mit Mehrsprachigkeit – in der hier verstandenen breiten Sicht – in Schule und Unterricht (selbst als Schüler*in und oder Praxiserfahrungen) haben Sie bislang gemacht? Diskutieren Sie die Erfahrungen vor dem Hintergrund dieser Vorlesung

 

  • In meiner eigenen Schullaufbahn habe ich fast keine Erfahrungen mit Mehrsprachigkeit gemacht, da es diese zu dieser Zeit kaum gab
  • Seit meinem Umzug nach Bremen, habe ich Mehrsprachigkeit als etwas völlig alltägliches erlebt, als etwas positives und in meinem persönlichem Fall als beneidenswert oder bewundernswert, da ich selbst nur monolingual aufgewachsen bin
  • Ich habe fast nur positive Erfahrungen gemacht, z.B. hing in der ehemaligen Kita meiner Kinder im Eingangsbereich ein selbstgestaltetes Poster, auf welchen das Wort „Willkommen“ in allen, in der Kita repräsentierten Sprachen stand, dies wurde mit der Hilfe der Eltern stetig erweitert
  • Negatives erlebe ich manchmal in meinem Beruf, wo Kollegen zum Teil verständnislos auf Sprachbarrieren reagieren, dies betrifft allerdings Menschen, welche bereits mehr als 20 Jahre hier leben und gar keine Fähigkeiten der deutschen Sprache erworben haben, was die Arbeit mit ihnen wirklich erschwert, wenn zumindest keine Familienmitglieder ständig zum Übersetzen da sind
  • in einer Praktikumsschule habe ich erlebt, dass die Lehrkraft ausdrücklich die muttersprachliche Kommunikation zwischen den Kindern verboten hat, sowohl im Kontext Unterricht, als auch in den Pausen

 

  1. Was möchten Sie nach dem Besuch dieser Vorlesung bei Ihrer zukünftigen Unterrichtsgestaltung beachten? Welches Wissen und welche Fähigkeiten fehlen Ihnen dafür noch?

 

  • Ich hatte das Glück im zweiten Semester ein Seminar zu sprachsensiblen Unterricht (Fachbereich IP und Deutsch) besuchen zu können, welches wirklich großartig war, weshalb ich glaube dass ich bereits einen theoretischen Grundrahmen aufbauen konnte, allerdings fehlt mir die praktische Arbeit mit den SuS um dies Wissen anzuwenden
  • Ich würde fächerübergreifend versuchen sprachsensibel zu planen und auch zu unterrichten

 

  1. Wie muss Schule unserer mehrsprachigen Gesellschaft gestaltet sein. Welche Rahmenbedingungen müssen gegeben sein, damit Sie die Mehrsprachigkeit ihrer Schüler*innen einbeziehen und einen registersensiblen Fachunterricht gestalten können?

 

  • In erster Linie sollte sie offen für andere Sprachen und natürlich auch Kulturen sein und sie als Vielfalt und nicht als Belastung erleben
  • Schulen benötigen in diesem Bereich eine höhere Expertise (Lehrausbildung, Nachschulungen) aber auch Lehrmittelhersteller sollten nachrüsten
  • Auch das Konzept der Vorklassen/Sprachklassen bietet noch Ausbaupotential

Ringvorlesung 5

u1. Welche Zusammenhänge zwischen der Leistungsheterogenität der Kinder und dem Einfluss von Lehrerinnen und Lehrern auf den Bildungserfolg unter Berücksichtigung der pädagogischen Forderungen sind für sie heute deutlich geworden?

 

  • Ich hätte den Einfluss durch die Lehrperson als höher eingeschätzt und war echt überrascht
  • Allerdings zeigt die Grafik aus den Folien (vgl. Zierer 2015, S. 17), dass bei der Verteilung der wichtigsten Faktoren insgesamt nach Hattie (2009) trotzdem, dass die Lehrperson der einflussreichste Faktor ist
  • Für mich wurde aber auch noch mal deutlich, dass die eigene Haltung ausschlaggebend ist

u2. Welche Herausforderungen im Bereich Leistungswahrnehmung, -rückmeldung und -beurteilung haben Sie in Ihren bisherigen Praxisphasen kennengelernt und wie haben Sie oder die Lehrperson in der schulischen Praxis reagiert?

 

  • Mir hat bisher in meinen Praktika eine wirklich kontinuierliche, vielleicht prozessorientierte, Leistungswahrnehmung und -rückmeldung gefehlt
  • Situationsbedingt gab es sicher Rückmeldungen, diese waren auch wirklich immer sehr SuS-orientiert formuliert, aber ein roter Faden war für mich noch nicht ersichtlich, auch auf Nachfragen nicht (kann aber auch an der Kürze der jeweiligen Praktika liegen)
  • Gerade bei offeneren Unterrichtsformen ist mir aber auch aufgefallen, dass gerade schwächere und vielleicht auch introvertierte SuS leise vor sich hinarbeiten und die Leistungswahrnehmung und -rückmeldung eher defizitorientiert ist, d.h. die SuS bekommen eine Rückmeldung, wenn es irgendwo Probleme beim Abarbeiten gibt

 

u3. Welche Forschungsfragen wäre für Sie relevant, wenn Sie sich z.B. das Bremer KompoLei-Modell im Rahmen Ihres PraxisForschungsProjekt im EW-L P3 Model näher anschauen wollen würden?

 

  • Ich würde mir gern den Portfolioteil näher ansehen und ihn mit enger SuS -Kommunikation verbinden und z.B. wöchentlich eine Lernkonferenz etablieren
  • Untersuchen würde ich in diesem Zusammenhang ob sich durch das regelmäßige und engmaschige Feedback, bzw. Gespräche über das Lernen die Arbeitsmotivation erhöht und/oder auch das Erreichen der nächsten Lernstufe sicher erreicht wird

u4. In wie fern lässt sich die Position von H. Fend „Leistungsbeurteilung als Werkzeug zur Aufrechterhaltung von Ungleichheiten“ vom Bildungssystem her ableiten und aus heutiger Sicht diskutieren?

 

  • Leistungsprinzip in der Schule bleibt z.B. auch am Bremer Beispiel bestehen
  • Es gibt zwar formal kein „Sitzen bleiben“ mehr, allerdings immer noch gleiche Lernziele für alle SuS, wenn gleich sie auch etwas ausdifferenziert sind bleibt der „Regelstandard“ das Maß aller Dinge
  • Auf das Zitat bezogen glaube ich aber, dass es mittlerweile gute Projekte/Ansätze gibt, welche eher die Leistungswahrnehmung und auch Leistungswertschätzung und Leistungsrückmeldung präferieren
  • Es geht gerade im Grundschulbereich häufig nicht mehr nur um das blose Bewerten von Leistungen, ich habe eher die Erfahrung gemacht, dass der Fokus oft auf dem individuellen Lernprozess liegt
  • Heterogenität wird zunehmend positiver wahrgenommen, durch individuelle Lernarrangements und auch individuelle Leistungserfassungen, z.B. differenziert nach Lernstand, Zeit…
  • Trotzdem werden zum Schuljahresende Zeugnisse verteilt und spätestens Anfang der vierten Klasse verfällt auch das relativ neue System in alte Haltungen, in dem es durch die Leistungsbeurteilung Ungleichheiten produziert
  • Auch wenn es verbal nicht mehr „unter“, „über“ oder einfach nur Regelstand gibt, ist diese Bewertung ausschlaggebend für die nächste Stufe der Schullaufbahn, dies wird dann auf dem Papier sehr deutlich und stellt damit eine weiterhin sehr frühe Selektion von zwei Gruppen: der Gruppe: „schlau“ (Gymnasialanwahl) und „schlau, regelschlau und nicht so schlau“ (Oberschule)

 

Schlagwort: rv05

 

Ringvorlesung 4

 

  1. Inwiefern lässt sich das vorgestellte Förderkonzept für die Kita auf den schulischen Kontext übertragen? Wo rechnen Sie mit Problemen und wie könnten Sie diesen begegnen?

 

  • Ich glaube das dieses Projekt gut auch im schulischen Kontext einsetzbar wäre
  • In der Eingangsstufe wäre es wahrscheinlich sogar ohne große Modifikationen einsetzbar
  • Die Heterogenität gerade zum Zeitpunkt des Schuleingangs kann, gerade an vielen Bremer Standorten sehr groß sein, im Bezug auf die bildungssprachlichen Vorkenntnisse
  • es gibt schon viele Unterschiede auf einfacherer Ebene des sprachlichen Alltags wie z.B. gemeinsam ein Buch lesen oder ein Gesellschaftsspiel spielen->Dinge die für den Spracherwerb und steten Ausbau unerlässlich sind->welche wiederrum die Grundlage für späteres Lernen legen oder die Aneignung von bildungssprachlichen Kompetenzen erst ermöglicht
  • Auch die enge Begleitung und Strukturierung des Projektes ist sicher ein klarer Vorteil, auch wenn sich die im schulischen Kontext sicherlich schwieriger gestalten lässt
  • In den Kindertageseinrichtungen ist der Kontakt zu den Eltern noch enger, da sie zu den Hol- und Bringezeiten auch mal spontan angesprochen werden könnten, oder in einem kurzen Gespräch von solch einem Projekt überzeugt werden können
  • Dies ist im schulischen Kontext wesentlich schwieriger, wenn auch nicht unmöglich
  • Falls es doch zu schwierig sein sollte, die Eltern direkt für solch ein Projekt zu begeistern, könnte man hier aber auch den Weg über die Kinder gehen, wenn sie von dem Projekt überzeugt und begeistert sind, wird man vielleicht doch noch ein paar Eltern mehr gewinnen
  • Wenn eine große sprachliche Barriere seitens der Eltern vorhanden ist, könnte man auch versuchen Bücher, Spiele und Hörspiele in Landessprache zu besorgen oder gar zu erstellen, bzw. übersetzen, oder Begleitmaterial in mehreren Sprachen anbieten

 

  1. Konkretisieren Sie die verschiedenen Funktionen der Sprache jeweils an einem konkreten Beispiel in einem Ihrer Unterrichtsfächer.

 

  • Sprache und ihr steter Ausbau ist unabdingbar für das Leseverständnis ist in allen Schulfächern, sie ist Lernvoraussetzung, Lerngegenstand, Lernmedium aber auch Lernhindernis (vgl. Meier/Prediger 2012)
  • Studien belegen Korrelationen zwischen Leseleistungen und z.B. mathematischen Leistungen (r=.54) (vgl. Bos et al.2012,238)
  • Am Beispiel von Mathematik (und auch in allen anderen Fächern) gerade im schulischen Kontext wird von Anfang an mit bildungssprachlichen Formulierungen gearbeitet
  • Wenn diese nicht vermittelt werden können SuS einfachste mathematische Fragestellungen alltagssprachlich interpretieren (folgende Beispiele, vgl. Götze 2015, 10)
  • Diese Tabelle verdeutlicht, zu welchen Fehlinterpretationen es kommen kann, selbst bei so kurzen und scheinbar einfach formulierten Aufgaben

 

  1. Formulieren Sie zwei Beobachtungsfragen zum Thema Sprachförderung im fachlichen Kontext für kommende Praktika.

 

  • Verbessert sich die sprachliche Kompetenz (Argumentieren, Kommunizieren) der SuS im Verlauf des Mathematikunterrichts, wenn konsequent Wortspeicher mit den SuS zusammen erstellt werden und immer verfügbar sind?
  • Steigt die sprachliche Unterrichtsbeteiligung im Fach Mathematik durch Einsatz von sprachförderlichem Material?

 

 

 

Ringvorlesung 3

  1. Erläutern Sie den Einfluss von Intelligenz und Vorwissen auf den Lernerfolg. In welchem Verhältnis stehen diese beiden Heterogenitätsdimensionen? Und was muss man tun, um ihren jeweiligen Einfluss empirisch zu untersuchen?

 

  • Sowohl Intelligenz als auch Vorwissen sind entscheidend für den Lernerfolg
  • Allerdings im Zusammenspiel, nur Intelligenz oder nur Vorwissen reichen nicht aus
  • Inhalte müssen miteinander verknüpft werden, damit es kein „totes“ Wissen ist
  • Je mehr gelernt wird, desto größer werden die Kapazitäten etwas Neues zu lernen®Intelligenz und Vorwissen beeinflussen sich gegenseitig, wobei Vorwissen schwerer wiegt, das heißt der Einfluss ist größer für den Lernerfolg
  • Um die jeweiligen Einflüsse empirisch zu untersuchen, müssen beide Sachen getrennt voneinander betrachtet werden und ins Verhältnis gesetzt werden
  • B. Studie von Schneider, Körkel & Weinert: untersuchten Vorwissen über Fußball und die allgemeine Intelligenz
  • B. Studie von Weinert & Stefanek: unetersuchten Beziehungen zwischen Intelligenz, Vorwissen und Schulleistungen am Bsp. Von Mathematik in der Grundschule

 

  1. (Wie) sind Sie bisher mit dem (heterogenen) Vorwissen Ihrer SuS umgegangen? Und: Welche (evtl. negativen) Erfahrungen haben Sie schon mit mangelnder Kenntnis oder falschen Annahmen über den (Vor-)Wissensstand Ihrer SuS gemacht?

 

  • Bisher habe ich wenig praktische Erfahrungen, aber als Einstieg in neue Themen habe ich im ersten Schritt immer versucht, dass Vorwissen der SuS zu aktivieren und zu sammeln®Erhebung von Vorwissen ist notwendig
  • Heterogenität im Vorwissen habe ich nicht als hinderlich erlebt, gegeben falls muss der nächste Schritt des Unterrichts modifiziert werden
  • Es ist eher eine Bereicherung, wenn die SuS verschiedenes Vorwissen besitzen, da ja in der Kommunikation darüber auch schon gelernt wird, d.h. die gesamte Lerngruppe profitiert davon
  • In meinem letzten Praktikum haben die SuS im Fach Deutsch mit Wochenplänen gearbeitet, als mich ein Junge um Hilfestellung bei einer Aufgabe in seinem Lola Heft bat, fiel auf, dass er überhaupt nicht in der Lage war die Aufgabe zu lösen, da er noch große Schwierigkeiten hatte die Silben zusammenzuziehen und auch einzelne Buchstaben für ihn noch nicht sicher abrufbar waren. Er sollte aber in der Aufgabe Satzanfänge mit Satzenden miteinander verbinden. Obwohl er wirklich sehr motiviert war und auch die ganze Zeit arbeitete, konnte er diese Aufgabe auch mit erheblicher Hilfestellung nicht lösen. Auf die Frage, wie er ähnliche Aufgaben gelöst hat antwortete er seine Mutter hätte ihm zu Hause geholfen, damit er weiter vorankommt. Die Deutschlehrerin war zu dieser Zeit krank, weshalb die Info an den zuständigen Inklusionspädagogen ging, der eine neue Standerfassung vornahm und die Lernmaterialien und Aufgabenformate anpasste.
  1. Einige Befunde der heutigen Sitzung waren für Sie möglicherweise überraschend. Oder Sie sehen einige der Forschungsergebnisse kritisch in Bezug auf Schule und Unterricht. Welche Forschungsfragen ergeben sich daraus (z.B. für Ihr nächstes Praktikum)? Und wie können Sie diese Fragen beantworten?

 

  • Für mich war überraschend, dass die Intelligenz erst ab einem Alter ab 4-5 Jahren so stabil ist, dass sie „messbar“ ist und im Allgemeinen die Schwankungen, zum Bps. bei Testwiederholung der gleichen Person®nur eine Korrelation von 0,87
  • Ebenfalls spannend, wenn gleich nicht völlig neu (die Zahlen aber schon) fand ich die Längsschnittstudie von Rost & Wild (1995) wo Lebensalter und Beschulungsdauer getrennt voneinander betrachtet wurden
  • Ich habe die Studie leider nicht gelesen, aber in der Vorlesung wurde als ein Ergebnis vorgestellt, dass pro 2-3 Monaten Beschulung eine IQ Steigerung von ungefähr einem Punkt erreicht wird, ausgehend von Kindern mit gleichem biologischem Alter, aber unterschiedlicher Beschulungsdauer
  • Im Normalfall würde ja bei gleicher Beschulungsdauer maximal eine Altersdifferenz von ca. 12 Monaten möglich sein, aber auch eine geringere wäre möglich. Im Laufe eines Schuljahres (ein Jahr der Beschulung) könnten also folglich 4-6 IQ Punkte erworben werden
  • Wenn ich mir dann die oben erwähnten Schwankungen vorstelle, kommen mir 4-6 IQ Punkte nicht so viel vor
  • Aber um dies zu beurteilen bin ich weder im Thema Intelligenz im allgemeinen, noch in der Studie im speziellen fachlich informiert
  • Eine Forschungsfrage zu diesem Thema könnte ich jetzt nicht direkt formulieren, könnte mir aber in eine Erhebung zu einer Unterrichtseinheit vorstellen
  • Vor Beginn einer neuen Themeneinheit, eine schriftliche/bildliche oder mündliche Abfrage des Vorwissens machen und auswerten, mit standardisierten Fragen zu dem Thema®alle Kinder bearbeiten die gleichen Aufgaben
  • Am Ende der thematischen Einheit eine Lernzielkontrolle zu dem Thema, auswerten
  • Beide „Testergebnisse“ ins Verhältnis setzen, wie haben die Kinder mit geringen/hohem Vorwissen die Einheit abgeschlossen
  • Diese Erhebung könnte man sicher auch im Rahmen eines Praktikums noch ausbauen, bzw. modifizieren (Lernmaterialien, Zeit, Unterrichtsform…)

 

 

  1. Auf Folie 32 werden verschiedene Adaptionsmodelle (Weinert, 1997; Leutner, 1992) dargestellt. Finden Sie zu jeder der genannten Reaktionsmöglichkeiten bzw. Adaptionsformen Praxisbeispiele. (optionale Aufgabe)

Schlagwort: rv03

 

 

 

Ringvorlesung 1

 

  1. Stereotype als „Rettungsanker“ für Ordnungswünsche – und Basis für Diskriminierung, Vorurteile
  • Wie in der Vorlesung wiederholt, kann der Ordnungswunsch mit Hilfe von Stereotypen als „Rettungsanker“ verstanden werden, dies entspricht zunächst einem normalen Verhalten im Umgang mit Menschen, oder Gruppen.
  • Es ermöglicht uns, uns einen „Überblick“ zu verschaffen und nicht an der Verschiedenheit zu verzweifeln. Wir verknüpfen Informationen mit unserem Vorwissen oder gemachten Erfahrungen um Unsicherheiten abzubauen
  • Allerdings müssen diese Stereotypen hinterfragt und reflektiert werden. Zunächst bei jedem Selbst (Selbstreflektion), aber im schulischen Setting, auch im multiprofessionellen Team, damit diese langfristig möglichst abgebaut werden und sich Vorurteile nicht verfestigen können. Verfestigte und tolerierte Vorurteile können eine Basis für Diskriminierung schaffen.
  • In Bezug auf das schulische Feld findet man eine große Heterogenität, mit verschiedensten Dimensionen, aus denen sich auch noch weitere Dimensionen ergeben können (z.B. familiärer Hintergrund®wirtschaftliche Situation®Bildungsstand der Eltern®zeitliche Ressourcen der Eltern®Muttersprache der Eltern…). Dem gegenüber stehen wahrscheinlich homogene Ziele, wie z.B. das gewünschte, soziale Miteinander oder Leistungsziele.

 

2.

Normalerweise halte ich mich für einen recht reflektierten Menschen, aber auch das bedarf regelmäßigen Tiefschlägen.

In meinem letzten Praktikum gab es in der Lerngruppe einen Schwarzen Jungen, er kam zu Beginn meines Praktikums zweimal zu spät und war im Sitzkreis die ersten Tage sehr unruhig und abgelenkt. Auch seine Kleidung war im Verhältnis(!) zu denen der anderen Kinder nicht lupenrein.

An Tag fünf meines Praktikums kam er in der Mathematikstunde zu mir, da er Hilfe bräuchte. Ich wollte ihm eine Hilfestellung geben und musste feststellen, dass diese weit unter seinem Leistungsstand formuliert war.

In diesem Moment wurde mir bewusst, dass ich auf Grund von einer (vermeintlichen) sozial schwächeren Familienherkunft auf einen Lernstand geschlussfolgert habe, der ihm nicht entsprach.

Als mir dies bewusst wurde war ich zunächst schockiert, habe dann aber mit mehreren Personen darüber gesprochen, was für mich wichtig war. Nicht um mir die Legitimation für mein „Schubladendenken“ zu holen, sondern um für mich zu klären, wie es dazu kommen konnte.

 

3.

Ich würde mich gezielt mit verschiedenen Stereotypen (meinen persönlichen) auseinandersetzen und mir einzelne raus suchen und den Umgang von anderen Personen mit „meinen“ gedachten Stereotypen beobachten.

 

 

 

 

 

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