Akademie für Weiterbildung: Wie das Projekt konstruktiv innovative Lehr-Lern-Formen unterstützt

von Maren Praß, Franziska Richter, Sunita Mandon und Martina Salm

Die Weiterbildung mit der regulären Lehre verzahnen – dafür steht das Projekt konstruktiv. Ein wichtiger Aspekt dabei ist die Gestaltung von flexiblen Lehr-Lern-Formaten, um berufstätigen (Weiterbildungs-)Studierenden die Teilnahme an den Modulen zu ermöglichen. konstruktiv fördert daher eine raum-zeitlich flexiblere Lehre und unterstützt Lehrende dabei, neue didaktische Konzepte zu entwickeln und umzusetzen. Im Folgenden werden zwei der Unterstützungsangebote genauer vorgestellt.

Im Projekt konstruktiv werden neue Weiterbildungsangebote entwickelt

Mit dem innovativen Weiterbildungsangebot „LIFE: flexibel weiterbilden an der Universität Bremen“ (www.uni-bremen.de/life) hat die Akademie für Weiterbildung ihr Portfolio erweitert. Module aus bestehenden Master- und Bachelorstudiengängen werden als Bausteine genutzt, um flexible Weiterbildungspfade für berufstätige Menschen zu ermöglichen. LIFE-Modul- und -Zertifikatsstudienangebote gibt es zurzeit in den Themenbereichen „Informatik & Digitalisierung“, „Produktionstechnik“ sowie „Gesundheit & Pflege“.

Dieser Ansatz ist neu und wird in dem Projekt konstruktiv entwickelt, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Programms „Offene Hochschulen“ mittlerweile in der 2. Förderphase gefördert wird. konstruktiv wird von der Akademie für Weiterbildung der Universität Bremen koordiniert.

Innovative Weiterbildung braucht innovative Lehre

Da konstruktiv Module aus der grundfinanzierten Lehre als Weiterbildungsbausteine nutzt, ist dieser Ansatz auch für Lehrende interessant, die sich in der wissenschaftlichen Weiterbildung engagieren möchten. So gewinnen Lehrende in LIFE-Modulen motivierte und interessierte Studierende mit Berufserfahrung hinzu. Diese bringen Erfahrungen und manchmal auch Fragestellungen aus der beruflichen Praxis ein und können damit eine Lehrveranstaltung bereichern.

Dabei sind die Weiterbildungsstudierenden häufig berufstätig oder haben Familienpflichten (oder beides). Lehrveranstaltungen, die raum-zeitlich flexibel gestaltet sind und digitale Elemente enthalten, kommen ihnen deshalb besonders entgegen. Dies gilt auch für viele der formal Vollzeitstudierenden, von denen ein großer Teil in bisweilen erheblichem Umfang neben dem Studium arbeitet oder andere Verpflichtungen hat.

Lehrende investieren viel Zeit und Mühe in die Konzeption ihrer Module und in die Gestaltung guter Lehre. Die Entwicklung digitaler und innovativer Lehr-Lern-Formate ist zeitintensiv und bringt zusätzliche Herausforderungen mit sich. Um diesen zu begegnen, unterstützt konstruktiv gemeinsam mit dem Zentrum für Multimedia in der Lehre (ZMML) und der Geschäftsstelle Hochschuldidaktik Lehrende auf vielfältige Weise dabei, Lehre für heterogene Zielgruppen zu gestalten und raum-zeitlich zu flexibilisieren.

Abbildung 1: konstruktiv unterstützt die Gestaltung innovativer Lehre an der Universität Bremen

Unterstützungsmöglichkeiten bei der Gestaltung von Lehre

Im Folgenden werden zwei Unterstützungs-Angebote genauer vorgestellt, von denen Lehrende profitieren können, wenn sie ihre Lehre flexibler und innovativer gestalten möchten. Durch einen E-Studi bekommen Lehrende Unterstützung für die Umsetzung von E-Learning-Elementen in ihrer Lehre. Die dabei häufig auftretenden Fragen zum Urheberrecht können mithilfe der im Rahmen von konstruktiv entwickelten Entscheidungshilfe Urheberrecht beantwortet werden.

E-TutorIn- Zertifikat („Win A Tutor“)

Die Idee der Unterstützung bei der Flexibilisierung der Lehre durch studentische MitarbeiterInnen – sogenannte E-Studis – ist nicht ganz neu. Die Grundlage für den E-Studi Ansatz bildet die äußerst erfolgreiche Kleinprojektförderung „Win a Tutor- didaktische E-Learning-Anwendungsszenarien“, die seit dem Wintersemester 2008/09 erfolgreich im ZMML angeboten und aus Studienkontengeldern finanziert wird. „Win a Tutor“ hat zum Ziel, gute didaktische Konzepte, Methoden und Anwendungsbeispiele für den Einsatz digitaler Medien in der Hochschullehre in einer Reihe von Kleinprojekten, ca. 8 bis 11 pro Semester, über die Bereitstellung von studentischen Hilfskräften, individuellen Schulungs- und Beratungsangeboten zu fördern, zu erproben und Lehrende als MultiplikatorInnen zu gewinnen.

Diese Förderung von Kleinprojekten wird vom ZMML organisiert, ausgeschrieben und anhand ausgewählter Kriterien (angemessene Verteilung auf die Fachbereiche, Berücksichtigung von Themenschwerpunkten etc.) vergeben. Das ZMML unterstützt mit diesem Angebot Lehrende dabei auf der Basis der E-Learning-Angebote des ZMML, neue Methoden in der Lehre auszuprobieren und erfolgreich durchgeführte Konzepte weiterzuentwickeln. Die für die ausgewählten Projekte eingestellten E-TutorInnen werden von den geförderten Lehrenden selbst ausgewählt und intensiv von zwei im ZMML angestellten E-TutorInnen betreut. Zu Beginn eines jeden Semesters werden verpflichtend für die TutorInnen zum Erwerb des E-TutorIn Zertifikat zwei Workshops „Einblicke in die E-Learning Angebote des ZMML“ und „Tutorengrundlagenschulung für E-Tutor*innen“ in Kooperation mit der Studierwerkstatt durchgeführt. Weitere Workshops für das Zertifikat E-TutorIn werden optional und bedarfsorientiert angeboten.

Abbildung 2: Ablauf der Kleinprojektförderung „Win a Tutor“ (ZMML)

Das E-Studi-Konzept in konstruktiv

Im Projekt konstruktiv werden Lehrende gezielt gewonnen, um Module, die für Weiterbildungsstudierende interessant sind, flexibilisieren zu können. Da sich häufig Unterstützungsbedarf bei der Umsetzung der Lehr-Lern-Konzepte ergibt, besteht die Möglichkeit, dafür einen E-Studi einzustellen. Dies erfolgt in Anlehnung an „Win A Tutor“ und in enger Zusammenarbeit mit dem ZMML. Lehrende erhalten finanzielle Unterstützung sowie die Qualifizierung und Begleitung des E-Studis. Die Auswahl des E-Studi obliegt der/dem Lehrenden. Die Projektmitarbeitenden in konstruktiv erarbeiten gemeinsam mit dem Lehrenden und den KollegInnen des ZMML die Konzepte für Blended Learning Szenarien. Bisher wurden größtenteils Veranstaltungen durch einzelne Elemente mit E-Learning-Bezug umgestellt oder erweitert. Perspektivisch ist aber auch die Unterstützung für größere Umgestaltungen in Richtung raum-zeitliche Flexibilisierung wünschenswert.

Das E-Studi-Konzept will einen Ermöglichungsraum für Lehrende schaffen, um Fragmente zur Flexibilisierung von Lehre mit Unterstützung auszuprobieren. Die Projektmitarbeitenden aus der Akademie für Weiterbildung und dem ZMML beraten und begleiten hochschul- sowie mediendidaktisch und unterstützen die Lehr-Lern-Projekte bei der Evaluation. Die Umsetzung erfolgt durch die Mithilfe des geschulten E-Studis. Für die Evaluation kommt das Instrument Teaching Analysis Poll (TAP) zum Einsatz. TAP folgt einem standardisierten Ablauf (30 Min. am Ende einer regulären Veranstaltung). Die Dozierenden sind dabei nicht anwesend. In Kleingruppen beantworten die Studierenden die folgenden Fragen: Wodurch lernen Sie in dieser Veranstaltung am meisten? Was erschwert Ihr Lernen? Welche Verbesserungsvorschläge haben Sie für die hinderlichen Punkte? Diese Methode bietet eine direkte Rückmeldung durch die Studierenden und kann sehr gut für die Weiterentwicklung der Lehre genutzt werden. Auch der Austausch zwischen den Lehrenden soll in moderierten, inputbezogenen Treffen gefördert werden, um kollegiale Beratung zu ermöglichen.

Lehrende können von der Unterstützung durch einen E-Studi für ihre Lehre profitieren. Die konkreten Vorteile sind:

  1. Didaktische und mediendidaktische Beratung für die Planung und Umsetzung ihrer Lehr-Lern-Konzepte
  2. Unterstützung bei der Umsetzung durch einen geschulten E-Studi
  3. Evaluation der Veranstaltung mit der Methode Teaching Analysis Poll (TAP)

Der E-Studi in der Praxis

Prof. Dr. Gabriel Zachmann, Fachbereich 3, wurde durch einen E-Studi bei der Umgestaltung des Moduls „Computergraphik“ in ein Inverted Classroom-Format unterstützt. Beim Inverted Classroom werden die Inhalte einer Vorlesung im Vorfeld von den Studierenden mit Hilfe von Lehrvideos selbstständig erarbeitet (Out-of-Class-Phase). Die Präsenz (In-Class-Phase) wird anschließend dafür genutzt, diese Inhalte zu vertiefen und Fragen zu klären. Das Modul „Computergraphik“ wird regelmäßig im Wintersemester durch den Fachbereich 3 angeboten und ist seit dem Wintersemester 2018/19 für LIFE-Studierende geöffnet.

Nachdem die Vorlesung bereits im Wintersemester 2017/18 auf Video aufgezeichnet wurde, hatte Prof. Zachmann Interesse, einige Termine der Vorlesung als Inverted Classroom anzubieten. Zunächst wurden einzelne Veranstaltungstermine ausgewählt, die sich für eine Überführung in das Inverted Classroom-Format eigneten. Die Auswahl erfolgte themenorientiert. Für die Umsetzung waren drei Aspekte zu berücksichtigen: Die Produktion der Lehrvideos, die Gestaltung der Out-of-Class-Phase (Selbststudium) und die Gestaltung der In-Class-Phase (Präsenz).

Der E-Studi hat die bereits vorhandenen Vorlesungsaufzeichnungen aufbereitet und die 90-minütigen Video-Sequenzen in kürzere, thematische Einheiten geschnitten sowie Begleit-Fragen eingebaut. So konnten sich die Studierenden optimal im Vorfeld der Präsenz vorbereiten. In der Präsenz wurde das Audience Response System ARSNova für Wissensfragen eingesetzt (siehe dazu www.uni-bremen.de/zmml/plattformen/arsnova-audience-response-system/). Der E-Studi wurde durch das ZMML qualifiziert, bereitete die Fragen im System vor und bediente es während der Veranstaltung. Am Ende der Vorlesungszeit wurde die Veranstaltung von einer konstruktiv-Kollegin und dem E-Studi mittels des Evaluierungsinstruments Teaching Analysis Poll (TAP) evaluiert.

Durch die Unterstützung des E-Studis und die begleitende hochschul- und mediendidaktische Beratung ergab sich für Prof. Zachmann die Möglichkeit, mit neuen und innovativen Lehr-Lern-Elementen zu experimentieren.

Sollten sich Lehrende der Universität Bremen in einem der an konstruktiv-beteiligten Fachbereiche 03, 04 oder 11 angesprochen fühlen und Interesse an einem E-Studi haben, können sie sich gerne an uns wenden.

Die Entscheidungshilfe „Urheberrecht für die Hochschule“

Bei flexibilisierter Lehre kommen in der Regel digitale Materialien zum Einsatz. Beispiele hierfür sind digitale Selbstlernmaterialien oder Videoaufzeichnungen von Lehrveranstaltungen, wie die Mobile Lecture (https://ml.zmml.uni-bremen.de). Bei der Verwendung dieser Materialien entstehen häufig Fragen zum Urheberrecht: Darf ich Texte und Bilder anderer Autoren meinen Studierenden digital zur Verfügung stellen? Was muss ich beachten, wenn ich Material in das Internet einstellen möchte? Wie kann ich meine Lehrveranstaltung rechtssicher aufzeichnen? Aber auch wenn Werke verwendet werden, die mit einer Creative Commons-Lizenz lizensiert sind und kostenlos verwendet werden können, muss das Urheberrecht beachtet werden. Solchen urheberrechtlichen Fragen schließen sich oft Fragen nach Persönlichkeitsrechten oder dem Datenschutz an.

Um Lehrenden einen einfachen Zugang zu rechtssicheren Antworten auf solche Fragen zu ermöglichen, hat konstruktiv zusammen mit Rechtsexperten die „Entscheidungshilfe Urheberrecht für die Hochschule“ (www.uni-bremen.de/urheberrecht/) entwickelt. Sie beantwortet häufig auftretende Fragen zum Urheberrecht, nicht nur für die Lehre, sondern auch für die Forschung. Auch die Persönlichkeitsrechte und der Datenschutz werden behandelt. Damit Interessierte schnell die Informationen finden, die sie benötigen, bietet die Entscheidungshilfe verschiedene Zugänge an:

Abbildung 3: Die „Entscheidungshilfe Urheberrecht“ bietet umfangreiche Informationen zum Thema Urheberrecht in Lehre und Forschung (www.uni-bremen.de/urheberrecht/)

Leitfragen: Dieser Zugang ist für juristische Laien besonders geeignet. Die Leitfragen grenzen die Frage immer weiter ein, so dass am Ende genau die Information angezeigt wird, die von Interesse ist. Jede Antwortseite beginnt mit einer kurzen Zusammenfassung. Eine Inhaltsübersicht erleichtert die Navigation auf der Seite. Am rechten Seitenrand werden die juristischen Begriffe erläutert, die im Text verwendet werden.

Wissensplattform: Hier kann man sich über hochschulrelevante Themen des Urheberrechts, aber auch über Persönlichkeitsrechte und den Datenschutz vertiefend informieren. Wie bei den Leitfragen gibt es eine Inhaltsübersicht und eine Erläuterung der verwendeten juristischen Begriffe.

Glossar: Juristische Texte kommen nicht ohne Fachbegriffe aus. Aber auch Worte aus der Alltagssprache haben im Rechtskontext manchmal eine genau definierte Bedeutung. Um das Verständnis von Urheberrechtstexten zu erleichtern, werden wichtige Begriffe hier kurz erläutert.

Direkt zu“: Forscherinnen und Forscher, Lehrende und auch Studierende finden hier direkt zu den Seiten, die für die jeweilige Gruppe besonders relevant sind.

Weitere Informationen zu Rechtsfragen in der Lehre bietet außerdem das ZMML (www.uni-bremen.de/zmml/lehre-digital/rechtsfragen). Bei dringenden Fragen kann die Rechtsstelle der Universität Bremen kontaktiert werden (www.uni-bremen.de/rechtsstelle).

Über die Autorinnen:

Dr. Maren Praß koordiniert den Bereich „Unterstützungs- und Anreizstrukturen für Lehrende“ im Projekt konstruktiv der Akademie für Weiterbildung. Dabei ist sie neben der hochschuldidaktischen Beratung für die Begleitung der E-Studis verantwortlich.

Franziska Richter ist im Zentrum für Multimedia in der Lehre (ZMML) beschäftigt und unterstützt das Projekt konstruktiv durch mediendidaktische und medientechnische Beratung. Sie bildet die Brücke für eine enge Kooperation des ZMML mit der Akademie für Weiterbildung.

Dr. Sunita Mandon arbeitet seit 2018 im Projekt konstruktiv der Akademie für Weiterbildung und ist Ansprechpartnerin für die Entscheidungshilfe Urheberrecht.

Martina Salm koordiniert im Zentrum für Multimedia in der Lehre (ZMML) u. a. die Umsetzung von „Win a Tutor“ www.uni-bremen.de/zmml/projekte/win-a-tutor-e-learning-anwendungsszenarien/, um die Lehr- und Studienqualität durch innovative eLearning-Anwendungsszenarien zu verbessern.

Bildnachweise:

Abbildung 1: Michael Ihle; Universität Bremen
Abbildung 2 und 3, Autorinnenfotos: Universität Bremen; Maren Praß; Franziska Richter; Sunita Mandon; Martina Salm

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