Vier Fragen an… Prof. Dr. Martin Nonhoff

Von Carolin Grulms, Frederik Köller, Pit Reinesch und Dennis Zagermann

Autoren des Artikels

Die Autorinnen und Autoren des Artikels „Demokratie – das klappt wohl nie!“ sprachen mit Prof. Dr. Martin Nonhoff, Professor am Institut für Interkulturelle und Internationale Studien an der Universität Bremen. Er war im Sommersemester 2013 Veranstalter des Seminars „Demokratietheorie – Moderne Debatten und Kontroversen“ im Masterstudiengang Politikwissenschaft und und Initiator Konferenz.

Wie sind Sie auf die Idee einer Konferenz zum Abschluss des Seminares gekommen?

Ich habe es schon längere Zeit unbefriedigend gefunden, dass Seminararbeiten irgendwann einfach so auf meinem Schreibtisch landen und dass die oft sehr guten und klugen Beiträge nie die Chance bekommen, dass sie außer mir als Korrektor jemand kommentiert. Zugleich geht es ja bei Argumenten – und in der Politischen Theorie geht es ja vor allem ums Argumentieren – immer auch darum, sie in der Form ernst zu nehmen, dass man sie kritisch, aber zugleich ernsthaft prüft. Dies gelingt umso besser, je mehr Perspektiven daran beteiligt sind, und Tagungen erlauben eine recht große Breite an Perspektiven. Weil zudem die Erfahrung bei guten Tagungen zeigt, dass Papiere dort durch diese argumentative Prüfung stark gewinnen können, kam mir irgendwann die Idee, dass man diese Möglichkeit doch vielleicht auch einmal auf studentischer Ebene nutzen könnte. Hinzu kommt, dass der MA Politikwissenschaft als forschungsorientierter Studiengang konzipiert ist, und dass somit eine Tagung als Kernform des wissenschaftlichen Austauschs dort sehr angemessen erschien. Alles in allem hat mich das dazu bewogen, diese Form der Seminargestaltung einmal auszuprobieren.

Wie hat sich, im Vergleich zu Theorieseminaren ohne Abschlusskonferenz, die Tagung auf die Lehr- und Lernatmosphäre innerhalb des Seminares ausgewirkt?

Die ersten drei Viertel des Semesters hatten wir ja im Kern ein ganz normales Theorie-Seminar, in dem wir verschiedene demokratietheoretische Texte gelesen und diskutiert haben. Dank der hohen Lesebereitschaft und der Diskussionsfreudigkeit des Seminars ist das sehr gut verlaufen, aber das an sich ist wohl keine Besonderheit, die sich mit der Aussicht auf die Tagung begründen ließe. Als es dann um die inhaltliche wie organisatorische Vorbereitung der Tagung ging, hatte ich aber das Gefühl, dass sich die Intensität des gemeinsamen Arbeitens noch einmal verstärkt hat. Aus meiner Perspektive haben sich wirklich alle beteiligten Studierenden im Seminar intensiv eingebracht und das Tagungsprojekt vorangetrieben. Ich denke schon, dass das die Lernatmosphäre nochmals schön ergänzt hat. Und bei der eintägigen Abschlusstagung selbst war ein großer Willen aller zu spüren, die eigene Position einzubringen und zu verteidigen, aber zugleich auch mit ernsthafter Kritik nicht zu sparen. Die gleichermaßen konstruktive wie kritische Atmosphäre bei der Tagung fand ich sehr angenehm und auch ein Plus gegenüber vielen anderen Veranstaltungen.

Martin Nonhoff

Abbildung 1: Martin Nonhoff

Welches Fazit ziehen Sie aus der Tagung?

Ein doppeltes: erstens, dass die Demokratietheorie bei all ihrer Vielschichtigkeit keineswegs eine beendete Debatte darstellt. Viele gute Ideen und wichtige Kritiken wurden von studentischer Seite vorgebracht und diskutiert. Mein zweites Fazit lautet, dass trotz des durch die BA/MA-Struktur oft gegebenen CP-Zählungs- und Prüfungswahns an unseren Universitäten noch Räume freiwilligen, vom unmittelbaren Verwertungszusammenhang gelösten wissenschaftlichen Engagements Bestand haben können. Diese Räume des gemeinsamen Nachdenkens und Diskutierens sind der Kern der Lebensform Universität, wie ich sie mir vorstelle. Sie gemeinsam mit den Studierenden ebenso wie mit den KollegInnen zu schützen und zu hegen, ist eine sich immer aufs Neue stellende, unglaublich wichtige Aufgabe.

Wie wird die Tagung die zukünftige Gestaltung Ihrer Seminare beeinflussen?

Ja, ganz sicher. Nach der durchweg positiven Erfahrung werde ich sicher einmal wieder ein Seminar anbieten werde, das mit einer solchen Tagung endet. Allerdings ist das auch stark themen- und studiengangsabhängig. Ich würde solche Tagungen vor allem wieder in Masterseminare einbauen, weil die Tagungsbeiträge am besten funktionieren, wenn sie eigenständige Argumente vorlegen; die Qualität solcher Argumente hängt aber nicht nur davon ab, dass man eine kluge Idee hat, sondern auch davon, dass man ein Feld bereits ganz gut überblicken kann und gewisse Erfahrungen darin mitbringt, wie wissenschaftliche Papiere gut funktionieren. Diese Anforderungen sind in den MA-Programmen leichter zu erfüllen als im Bachelor. Und dann muss das Thema des Seminars so breit angelegt sein, dass sich genügend Personen einen eigenen Beitrag zutrauen. Es kommt also schon auf die spezifische Konstellation an, aber grundsätzlich hat mich die jetzt gemachte Erfahrung davon überzeugt, dass die Seminarabschlusskonferenz ein gutes Modell für weitere Seminare darstellt. Es gibt auch erste Vorüberlegungen dazu, es einmal mit einer gemeinsamen Tagung mehrerer Masterseminare zu probieren, so dass die Studierenden die Möglichkeit hätten zu erfahren, womit sich die Kommilitoninnen und Kommilitonen in den anderen Veranstaltungen auseinandergesetzt haben. Ob sich das realisieren lässt, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Es wäre auf jeden Fall ein stark profilgebendes Element für den Studiengang MA Politikwissenschaft.

 

Die Autorinnen und Autoren sind Studierende des Masterstudiengangs Politikwissenschaft.

 

Bildnachweis:
AutorInnenfotos und Abb. 1: Frederik Köller (privat)

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