Der folgende Reflexionsbericht bezieht sich auf das vierte Arbeitspaket aus dem Seminar „Mediendidaktik & Medienbildung. Reflexion und Evaluation digitaler Elemente in der Lehre und Gesellschaft“ von Till Rümenapp. Zu Beginn des Arbeitspakets sollten die Studierenden eine eigene Unterrichtsstunde skizzieren und sich auf den Einsatz von Medien im Ablaufplan fokussieren. Anschließend wurde ihnen ein YouTube-Video und ein Text zum Thema Inverted Classroom Model (ICM) zur Verfügung gestellt. Sie sollten sich mit dem Modell auseinander setzten und daraufhin negative Aspekte des Modells raussuchen.

 

Dieses Arbeitspaket hat mich am meisten interessiert, da ich zuvor noch nie etwas über das ICM gehört habe. Nachdem ich mich mit dem Modell auseinandergesetzt habe, ist mit aufgefallen, wie hilfreich es für Personen mit meinem Lerntyp ist. Der Fokus des ICM ist es, die Selbstdisziplin der Schüler*innen zu fördern (Zickwolf und Kauffeld 2019). Diese Kompetenz ist nicht nur während der Schullaufbahn ganz wichtig, sondern hilft auch später im Berufsleben. Das Ziel der Selbstlernphase im ICM ist es, sich eigenständig Wissen anzueignen. Den Schüler*innen werden von ihren Lehrkräften Lernmaterialien zur Verfügung gestellt, die sie Zuhause bearbeiten. Diese Materialien bestehen aus Lernvideos, die seitens der Lehrkraft aufgenommen wurden, Podcasts, Lesetexten und  Tests zur Wissensabfrage (Zickwolf und Kauffeld 2019). Mit diesen Aufgaben können sie ihre Lernerfolge sehen. Diese Phase ist sehr interessant aufgebaut, da die Schüler*innen sich ihre Lernzeit selbst aussuchen. Das ist ganz wichtig, da nicht jede Umgebung die beste Lernatmosphäre bietet und jeder Mensch individuelle Zeiten hat, in der er produktiv arbeiten kann. Ich kann beispielsweise nur abends lernen, weil es ruhiger ist. Zudem kann man tagsüber wichtigen Terminen nachgehen, oder Haushaltsarbeiten erledigen. Die Lernvideos geben den Schüler*innen die Option den Sachinhalt im eigenen Lerntempo zu schauen. Sie können gestoppt und auch zurückgespult werden. Das führt dazu, dass die Notizen ausführlicher niedergeschrieben werden können. Zudem können sie sehr hilfreich zu Klausurvorbereitung sein, indem die Erklärungen erneut angeschaut werden. Außerdem können die Schüler*innen Videos überspringen, wenn die Themen ihnen bekannt sind und auch bei bedarf Lerninhalte vorarbeiten (Schäfer 2012).

Die Lehrkräfte können diese Videos sehr kreativ gestalten. Hier muss drauf geachtet werden, wie die Videos aufgebaut sind. Zu lange Videos können die Schüler*innen schon vor dem anklicken demotivieren und zu kurze Videos können nicht ausführlich genug sein. Des Weiteren muss drauf geachtet werden, dass bei der Erklärung von Sachinhalten sehr deutlich und nicht monoton gesprochen wird. Sie sollen den Lernenden helfen und keine weiteren Probleme schaffen. Zudem kann mit dem Medium sehr gut differenziert werden. Sie bietet den Lehrenden viele Optionen die Videos der Lerngruppe mit den unterschiedlichen Lerntypen anzupassen. Das kann ein sehr großer Aufwand für die Lehrkräfte sein, die ganzen unterschiedlichen Erklärvideos zu erstellen. Jedoch können diese danach mehrmals genutzt werden.

Zur Absicherung der gelernten Sachinhalte dienen Übungen oder Tests mit dem die Schüler*innen ihre Lernziele überprüfen können. In der Präsenzzeit, die im Unterricht stattfindet, werden Verständnisfragen geklärt und die Sachinhalte mit weiteren Übungen vertieft (Zickwolf und Kauffeld 2019). Die Unterrichtsstunde zum Klären von Fragen zu nutzen, finde ich sehr gut, da die Lernenden zusammen sind und über die Lerninhalte diskutieren können. Zudem können die Mitschüler*innen Fragen stellen, die einem persönlich nicht eingefallen sind. Die Lehrkraft kann diese Fragen ausführlich beantworten und auf Folgefragen eingehen. Zu meiner Schulzeit hatten wir nicht genug Zeit Fragen zu beantworten. Dies führte dazu, dass die letzte Stunde vor der Klausur als „Fragestunde“ genutzt werden musste, um Sachinhalte erneut zu erklären. Auch diese Zeit reichte nicht, da die Fragen zu vielfältig waren und diese nicht in 90 Minuten beantwortet werden konnten. Das ICM löst dieses Problem sehr gut, da den Schüler*innen eine ganze Unterrichtsstunde zum vertiefen eines einzelnen Themas zur Verfügung gestellt wird. Die Lerninhalte können auch vertieft werden, in dem sich die Schüler*innen gegenseitig helfen und die Probleme ihrer Mitschüler*innen lösen und ihre Fragen beantworten. Natürlich kann man mit diesem System nicht sicher gehen, dass die Lernenden sich die Mühe machen die Materialien vor der nächsten Unterrichtsstunde anzugucken oder zu bearbeiten. Jedoch kann man dies auch im normalen Unterricht nicht. Deswegen sollten kleine Belohnungen gefunden werden, die die Schüler*innen zum Weiterlernen motivieren, wenn sie ihre Lernziele erreichen.

Das ICM kann ich mir sehr gut im naturwissenschaftlichen Unterricht vorstellen. Fächer wie Biologie haben sehr viele Strukturen und Funktionen, die ausführlich erklärt werden müssen. Deswegen sind Unterrichtskonzepte in der die Präsenzzeit genutzt wird, um Fragen zu beantworten, sehr vorteilhaft. Zudem kann die Lehrkraft mehr Zeit für praktische Übungen einplanen, die wiederum die Schüler*innen motivieren. Außerdem sind digitale Medien wie Erklärvideos im Biologieunterricht unentbehrlich, da sie die Sachinhalte visualisieren und die Schüler*innen sich ein Bild von den einzelnen Strukturen im Verhältnis zueinander machen können. Natürlich müssen sie darauf hingewiesen werden, dass es Modelle sind und die Originale anders aussehen.

 

Ich bin vom Inverted Classroom Model sehr überzeugt, weil die gemeinsame Zeit genutzt wird, um die Sachinhalte einfacher zu vertiefen. Außerdem haben die Schüler*innen mit dem Model viel länger Zeit sich mit dem Material auseinanderzusetzen. Im normalen Unterricht hat man normalerweise nur bis zu 15 Minuten Zeit einen Fachtext durchzulesen und diesen zu verarbeiten. Daraufhin müssen die Schüler*innen sofort die Aufgaben bearbeiten. Das kann dazu führen, dass lernschwache Schüler*innen unter Druck stehen, weil sie den Unterricht nicht aufhalten wollen, wenn sie mehr Bearbeitungszeit benötigen, während ihre lernstärkeren Mitschüler*innen schon fertig sind. Außerdem bleibt am Ende der Stunde nicht genug Zeit die Aufgaben ausführlich zu besprechen und Verständnisfragen zu klären. Ich würde das ICM liebend gern in meinem eigenen Unterricht einbauen. Natürlich wäre das Erstellen der ganzen Videos ein sehr großer Aufwand, aber es würde sich lohnen, wenn es den Schüler*innen beim Lernen hilft. Zudem können differenzierte Materialien erstellt werden und diese können immer wieder verwendet werden. Auch die Lernenden können diese Materialien wiederholt nutzen.

Das Problem bei dem Modell ist, dass die Materialien zeit- und ortsunabhängig gestaltet werden müssen, sodass die Lernenden immer Zugriff drauf haben. Hier muss jedoch auch bedacht werden, dass nicht jeder Hauhalt die passenden Ressourcen hat, die Videos online abzuspielen. Vorteilhaft wäre es, die Materialien auf einen Schulserver für jede*n zum Download zur Verfügung zu stellen, oder den Schüler*innen andere Möglichkeiten geben diese auf einen USB-Stick oder auch auf die Smartphones zu ziehen. So können die Materialien zur jeder Zeit angeschaut und bearbeitet werden. Abschließend kann gesagt werden, dass das Unterrichtsmodell zu Pandemiezeiten sehr praktisch ist, weil alles online stattfindet und viele Schulen ihre Ressourcen der Situation anpassen.

 

Neben diesem Thema hat mich auch das Arbeitspaket zu den Bildlizenzen interessiert, weil Bilder notwendig in Arbeitsmaterialien sind. Sie machen diese nämlich viel anschaulicher und helfen beim Textverständnis. Dies ist mir in einer Gruppenarbeit in meinem Biologiedidaktikseminar aufgefallen. Unsere Aufgabe war es Forscher*innenhefte für die Schüler*innen zu erstellen. Die Bilder, die wir nutzten waren aus den Schulbüchern, aus denen wir die Informationen entnommen haben. Beim besprechen dieser Hefte hat uns unsere Dozentin darauf hingewiesen, dass die Bilder in Schulbüchern nicht lizenzfrei sind und wir diese nicht benutzten dürfen. Nachdem wir in diesem Seminar das Arbeitspaket zu den Lizenzen bearbeitet haben, konnten wird die Forscher*innenhefte mit passenden Bildern aktualisieren. Es ist wichtig diese Thematik in den Didaktiken aufzugreifen, da wir in unseren Fächern lernen Arbeitsmaterialien zu erstellen und Bilder sind in der Biologie sehr wichtig. Deswegen finde ich es gut, dass wir dieses Thema bearbeitet haben und uns Seiten mit lizenzfreien Bildern empfohlen wurden.

 

  1. Literatur

 

Schäfer, Anna Maria (2012): Das Inverted Classroom Model. In: Handke, Jürgen; Sperl, Alexander (Hrsg.): Das Inverted Classroom Model. Begleitband zur ersten deutschen ICM-Konferenz. Oldenbourg Verlag München.

Zickwolf, Katharina; Kauffeld, Simone (2019): Inverted Classroom In: Kauffeld, Simone; Othmer, Julius (Hrsg.): Handbuch Innovative Lehre. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH. S.46-50.

 

 

Dieses Werk ist durch die Autorin Dalmaz, Fatma unter Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz lizenziert.