Chromatografie – ErklĂ€rvideo zu einem Modell

Chromatografie – ErklĂ€rvideo zu einem Modell

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Im Folgenden wird das ErklĂ€rvideo „Chromatografie – ErklĂ€rvideo zu einem Modell“ von Rieke SchĂŒĂŸler auf die QualitĂ€t und dessen Eignung fĂŒr den Unterrichtseinsatz betrachtet. Dies erfolgt anhand der Kriterien fĂŒr gute ErklĂ€rvideos (Kulgemeyer, im Druck) in den Naturwissenschaften.

Eine entscheidende FĂ€higkeit von LehrkrĂ€ften ist die Selbstreflektion der eigenen Unterrichtsgestaltung und der eingesetzten Unterlagen. So mĂŒssen die eingesetzten Arbeitsmittel und Methoden stets auf AktualitĂ€t geprĂŒft und mittels neuer Erkenntnisse reflektiert und sofern erforderlich angepasst werden.

FĂŒr den Erwerb des Bachelor of Science wurde neben einem Modell auch ein ErklĂ€rvideo zur Chromatografie entwickelt. In dem ErklĂ€rvideo wird auf eine spielerische Art und Weise das Modell zum Prinzip der Chromatografie erklĂ€rt.

Die Kriterien fĂŒr gute ErklĂ€rvideos bestehen aus den sieben Kernideen: Adaption, Veranschaulichung, Relevanz, Struktur, prĂ€zises bzw. kohĂ€rentes ErklĂ€ren, Konzepte bzw. Prinzipien und die Einbettung in den Unterrichtsgang. Die erste Kernidee (die Adaption) setzt sich mit dem Adaptieren an Eigenschaften der SchĂŒler*innen z.B. im Bezug auf SchĂŒlervorstellungen oder Vorwissen auseinander. In Verlauf dieses Prozesses leitet die zusammenhĂ€ngende Frage „Wie?“ bereits die nĂ€chste Kernidee ein. Die Veranschaulichung stellt die zur Darstellung oder EinfĂŒhrung von Informationen erforderlichen Werkzeuge dar. So zĂ€hlen unter anderem Beispiele, Analogien, Modelle, oder auch die Sprachebene zu den möglichen Werkzeugen.

Ein fachgerechtes ErklĂ€rvideo muss ĂŒber eine gewisse Relevanz fĂŒr dessen zweck verfĂŒgen, welcher auch direkt aus dem Video hervorgeht. ZusĂ€tzlich soll dieses die SchĂŒler*innen unmittelbar ansprechen und zu gewĂŒnschten Handlungen animieren.

Um das VerstĂ€ndnis und die Nachvollziehbarkeit der Inhalte zu gewĂ€hrleisten ist eine zu Grunde liegende Struktur erforderlich. Hierbei kann sich an der in wissenschaftlichen Texten ĂŒbliche Struktur der Einleitung, Hauptteil und Schluss auch im ErklĂ€rvideo orientiert werden. Dies setzt eine frĂŒhzeitige Betrachtung des eigentlichen Ziels des Videos voraus und wie dieses innerhalb dieser Zeitspanne schrittweise erreicht werden kann. Hierbei ist eine prĂ€zise und kohĂ€rente ErklĂ€rung ohne Exkurse anzuwenden.

 

FĂŒr ein ErklĂ€rvideo eignen sich insbesondere Themen, welche eine zu hohe KomplexitĂ€t zur SelbsterklĂ€rung aufweisen. Zur Integration in den Unterrichts- gang kann beispielsweise eine Lernaufgabe zur Selbstvertiefung am Ende des Videos gestellt werden.

Das ErklĂ€rvideo „Chromatografie – ErklĂ€rvideo zu einem Modell“ ist allgemein gehalten und erfordert kein tiefgreifendes Vorwissen der SchĂŒler*innen. Dies ermöglicht der Lehrkraft einen vom Vorwissen oder von Vorstellungen der SchĂŒler*innen unabhĂ€ngigen Einsatz.

Die Chromatografie wird anhand eines Modells erklĂ€rt. Dazugehörige ErklĂ€rungen und Spielregeln des Modells werden verstĂ€ndlich dargestellt. Jedoch wird auf Fachbegriffe wie zum Beispiel die stationĂ€re – oder mobile Phase nicht weiter eingegangen, was VerstĂ€ndnisprobleme der SchĂŒler*innen hervorrufen kann.

Die Relevanz des ErklĂ€rvideos fĂŒr die SchĂŒler*innen wird lediglich mittels eines kurzen Beispiels thematisiert (ca. 0:31 Minuten). Es lĂ€sst sich nach aktuellem Stand noch nicht ausreichend beurteilen, ob diese ErklĂ€rung ausreichend ist, oder ob eine beispielhafte Form der Filzstiftchromatografie die Relevanz besser hervorheben könnte. Zudem enthĂ€lt das ErklĂ€rvideo keine direkte Ansprache und Handlungsaufgaben an die SchĂŒler*innen.

Das Video verfĂŒgt ĂŒber eine sinnvoll geordnete Struktur, welche ein verstĂ€ndliches Folgen der Inhalte ermöglicht. Der ĂŒbergeordnete Verlauf setzt sich wie folgt zusammen: EinfĂŒhrung / Vorstellung der Materialien, Betrachtung der situations- bezogenen Bedeutung, Regel-Beispiel-Struktur und abschließende Ergebnisse und zu beachtende Informationen. Als ErgĂ€nzung kann eine kurze Zusammenfassung in ErwĂ€gung gezogen werden, welche aufgrund der kurzen Zeitspanne nicht zwingend erforderlich ist. Das ErklĂ€rvideo beschreibt dabei die Inhalte mit prĂ€zisen Anweisungen bzw. Aussagen zu Sachverhalt.

Trotz der geringen KomplexitĂ€t der Thematik der Chromatografie, löst dieses Themenfeld durchaus VerstĂ€ndnisprobleme bei SchĂŒler*innen aus. Insbesondere der kontinuierliche Austausch zwischen den Phasen und die Löslichkeit sind Problemzonen. Diese Eigenschaften qualifizieren die Chromatografie als sinnvol- les Thema fĂŒr die Darstellung in einem ErklĂ€rvideo.

 

Das Ende des Videos lÀsst eine Lernaufgabe zur Selbstvertiefung vermissen. Als mögliche Aufgabe könnte bspw. das Anwenden des Modells mit verschiedenen

„Löslichkeiten“, mehr Schritten und/oder Perlen gestellt werden. Die Lehrkraft verfĂŒgt ebenfalls ĂŒber die Möglichkeit eigene Fachinhalte in das UnterrichtsgesprĂ€ch einzubauen oder mĂŒndliche Aufgaben zur Selbstvertiefung zu stellen.

Unter Betrachtung der Kriterien kann das betrachtete ErklĂ€rvideo als „befriedigend“ kategorisiert werden, insbesondere aufgrund der guten zugrunde liegen- den Struktur und VerstĂ€ndlichkeit. Nichtsdestotrotz verfĂŒgt das Video ĂŒber Ver- besserungspotential, welches sich durch das ErgĂ€nzen einer selbst vertiefenden Aufgabe fĂŒr die SchĂŒler*innen oder einer besseren Relevanzdarstellung nutzen lĂ€sst. Aufgrund der fehlenden Validierung des ErklĂ€rvideos durch weitere LehrkrĂ€fte, lassen sich noch unbekannte Probleme und Verbesserungsbedarfe nicht ausschließen. In Anschluss dessen ist eine Anpassung des ErklĂ€rvideos erforderlich.

Die Anwendung der Kriterien fĂŒr gute ErklĂ€rvideos von Kulgemeyer ermöglicht das Erstellen und Bewerten von guten bzw. verstĂ€ndlichen ErklĂ€rvideos. Sie bieten eine Grundlage und Richtlinien, welche auch von unerfahrenen LehrkrĂ€ften fĂŒr die Erstellung von Videos mit Lehrinhalten genutzt werden können. Dabei ist insbesondere in Zeiten der Corona-Pandemie essenziell die SchĂŒler*innen auch im Online-Unterricht mit digitalen Medien zu unterstĂŒtzen, welche unter anderem auch ErklĂ€r- und Lernvideos einschließen. Doch auch ĂŒber die Pandemie hinaus wird die Digitalisierung der Schulen vorangetrieben. Auch der digitale Pakt der BundeslĂ€nder bzw. der Bundesregierung und zusĂ€tzliche Formate wie das Inverted-Classroom Prinzip spielen eine entscheidende Rolle, welche die direkte Nutzung von ErklĂ€rvideos im Unterricht auch zukĂŒnftig weiter begĂŒnstigen werden.

ZukĂŒnftig soll das ErklĂ€rvideo auf einer Webplattform der UniversitĂ€t Bremen (digitale-medien.schule) veröffentlicht werden und somit fĂŒr interessierte LehrkrĂ€fte zugĂ€nglich sein. ZusĂ€tzlich wird das ErklĂ€rvideo in die englische Sprache ĂŒber- fĂŒhrt, um es ebenfalls international zugĂ€nglich zu machen. Abschließend muss das ErklĂ€rvideo validiert werden, um mögliche Probleme aufzudecken und diese Schwachpunkte entsprechend zu beheben oder zu thematisieren.

 

Zum Zeitpunkt der Planung und Erstellung des ErklĂ€rvideos waren die Regeln bzw. Kriterien von Kulgemeyer noch nicht bekannt. Die Planung stellte sich als Ă€ußerst zeitintensiv heraus. Dies galt insbesondere fĂŒr die Darstellungen des Formats an sich, aber auch fĂŒr die Texte und Grafiken. Aus persönlicher Sicht eignen sich die Kriterien fĂŒr die Erleichterung dieser Denkprozesse und können diese Gedanken auch leiten, was sich womöglich in einer geringeren Erstellungs- zeit widerspiegeln kann. Jedoch sind Erfahrungen mit diesem Medium und dem Entwicklungsprozess an sich ebenfalls entscheidende Faktoren. Dennoch sind die Kriterien als gutes Hilfsmittel fĂŒr die Erstellung von ErklĂ€rvideos anzusehen und ermöglichen darĂŒber hinaus eine Auseinandersetzung mit den Rahmenbedingungen dieses Mediums. FĂŒr zukĂŒnftige ErklĂ€rvideos werden die Kriterien fĂŒr gute ErklĂ€rvideos von Kulgemeyer auch persönlich eine entscheidende Rolle ein- nehmen.

 

Literatur:

 

Kulgemeyer, C. (im Druck): Physik erklÀren. In: Girwidz, R./Kircher, E./Fischer, 1.(Hrsg.): Physikdidaktik. Theorie und Praxis. Berlin: Springer.

 

Karsten D. Wolf (Hg.), Stephan Dorgerloh (Hg.), Lehren und Lernen mit Tutorials und ErklÀrvideos (2019), Beltz Verlagsgruppe, 69 469 Weinheim, ISBN: 97834076317702019

 

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Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz. CC-BY-NC-SA: Rieke SchĂŒĂŸler

Reflexionsbericht zum Thema: Einsatz von Lehr- und Lernvideos im naturwissenschaftlichen Unterricht

Reflexionsbericht zum Thema: Einsatz von Lehr- und Lernvideos im naturwissenschaftlichen Unterricht

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In einer digitalen Gesellschaft, in der nahezu jeder Haushalt ĂŒber Smartphones, einen Computer oder Laptop und Internetzugang verfĂŒgen (mpfs, 2018), ist der Alltag geprĂ€gt von der Nutzung digitaler Medien und sollte somit auch ein maßgeblicher Bestandteil der schulischen Ausbildung sein. Nicht nur der Umgang mit digitalen Medien und AufklĂ€rung ĂŒber die Bewertung von digitalen Inhalten, Filterblasen und Co. sollte ein essenzieller Bestandteil der Ausbildung sein, sondern auch die Einbindung digitaler Medien in die Unterrichtsgestaltung. Die AbhĂ€ngigkeit dieses Ziels von der Ausbildung der LehrkrĂ€fte auf dem Themengebiet digitaler Medien ist zweifellos eine der wichtigsten SchlĂŒsselrollen. Daher ist es umso wichtiger Seminare in die Lehrkraftausbildung zu integrieren, die diese Kompetenzen im Umgang mit digitalen Medien fördern und Möglichkeiten aufzeigen digitale Medien produktiv als Lernwerkzeuge in den Unterricht einzubinden. Es zeigt sich, dass eine gute Ausbildung der LehrkrĂ€fte fĂŒr den Einsatz digitaler Medien mit einer positiveren Selbstwirksamkeit und Einstellung zur Nutzung dieser Medien einhergeht. (Krause & Eilks, 2015) Die Kultusministerkonferenz (KMK) entwickelte im Zuge der Digitalisierung eine Strategie zur „Bildung in der digitalen Welt“, in der sie die Anforderungen und nötigen Kompetenzen der SchĂŒlerinnen und SchĂŒler im Umgang mit digitalen Medien erlĂ€utern. Im Rahmen dieser Strategie werden sechs Bereiche fĂŒr „Kompetenzen in der digitalen Welt“ formuliert, die in jedem Unterrichtsfach einbezogen werden sollen: Suchen, Verarbeiten und Aufbewahren; Kommunizieren und Kooperieren; Produzieren und PrĂ€sentieren; SchĂŒtzen und sicher Agieren; Problemlösen und Handeln; Analysieren und Reflektieren. (KMK, 2016) Die Wichtigkeit und Relevanz des Themas „Lehr- und Lernvideos“ wird durch die JIM-Studie 2018 verdeutlicht, die innerhalb der Nutzung des Internets durch Jugendliche Videos auf Plattformen wie YouTube als zweite Informationsquelle nach den ĂŒblichen Suchmaschinen aufzeigt. Zwischen fĂŒnfzehn und zweiundzwanzig Prozent (altersabhĂ€ngig) nutzen Plattformen wie YouTube tĂ€glich oder mehrmals in der Woche fĂŒr Tutorials. (mpfs, 2018) In diesem Kontext soll der Einsatz von (Lern-)Videos im naturwissenschaftlichen Unterricht nĂ€her beleuchtet werden. Er bietet eine vielseitige Gestaltungsmöglichkeit von Unterrichtseinheiten: Von dem Einsatz kleiner Videosequenzen, die das Gelernte unterstĂŒtzen sollen, bis hin zur Erstellung eigener Videos durch die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler (SuS) beispielsweise durch StopMotion-Videos oder umfangreichere ErklĂ€rvideos. Die Visualisierung biochemischer  Prozesse auf Teilchenebene und die intensive Auseinandersetzung mit den Inhalten bewirkt ein nachhaltigeres Lernen der SuS.

Video. Das Medium „Video“ im didaktischen Kontext profitiert sowohl von Multicodierung als auch von MultimodalitĂ€t, da die Nutzung von verschiedenen SinneskanĂ€len die AufnahmekapazitĂ€t der SuS erhöht. Die Nutzung von verschiedenen Symbolsystemen bzw. die dynamische ZusammenfĂŒhrung von Bild, Ton, Animationen, Diagrammen u.v.m. wirkt sich vor allem positiv auf die Vernetzung verschiedener ReprĂ€sentationsformen aus. (Girwidz & Hoyer, 2018) So können beispielsweise in der Biologie oder in der Chemie bestimmte Prozesse zunĂ€chst auf der makroskopischen, phĂ€nomenologischen Ebene betrachtet und auf die (sub-) mikroskopische Ebene ĂŒbertragen werden. Dies lĂ€sst sich ebenso fĂŒr die visuelle VerknĂŒpfung von Naturerscheinungen mit abstrakten ErklĂ€rungen beziehen. Der Abstraktionsgrad durch die Betrachtung auf diesen unterschiedlichen Ebenen macht (bio-)chemische Konzepte schwieriger fĂŒr SuS greifbar, sodass die Förderung von AbstraktionsfĂ€higkeit eine zentrale Rolle spielt. Die Lernwirksamkeit von Lehr- und Lernvideos ist somit abhĂ€ngig von der Gestaltung: Die kognitive Theorie multimedialen Lernens nach Mayer (2014) beschreibt die voneinander unabhĂ€ngige Verarbeitung von auditiven und visuellen Erfahrungen, sodass die GedĂ€chtniskapazitĂ€t „verdoppelt“ wird. Das bedeutet, komplexe Sachverhalte können zusĂ€tzlich zur visuellen Darstellung durch eine auditive unterstĂŒtzt werden, sodass die Informationsinhalte auf die beiden Systeme (visuell und auditiv) aufgeteilt werden können und somit die kognitive Belastung reduzieren. Auch der BildĂŒberlegenheitseffekt beschreibt die langfristige Verankerung von Wissen durch die duale Encodierung, das heißt eine Kopplung von auditiver und visueller Darstellung. (Hoffmann & Engelkamp, 2013) Weitere Vorteile sind die Förderung der kognitiven FlexibilitĂ€t hinsichtlich der Verbesserung der FlexibilitĂ€t fĂŒr verschiedene ReprĂ€sentationsformen und -ebenen und die Förderung der Modellkompetenz bezĂŒglich des Wechsels realitĂ€tsnaher Abbildungen und realitĂ€tsferner, abstrakter Modelle. (Girwidz & Hoyer, 2018)

SlowMotionVideo. Das Medium „SlowMotion Video“ gibt den SuS die Möglichkeit naturwissenschaftliche PhĂ€nomene, die mit dem menschlichen Auge aufgrund der hohen Geschwindigkeit nicht erfassbar sind, sichtbar zu machen. Beispielsweise können die VorgĂ€nge bei chemischen Reaktionen oder biologischen BewegungsablĂ€ufen mithilfe von Bild-fĂŒr-BildAnalyse detailliert betrachtet werden, wobei die Auswertung differenziert erfolgen kann. Durch die Einbindung in Konzepte wie forschend-entwickelnden Unterricht können so Kompetenzen zum ÜberprĂŒfen von Hypothesen gefördert werden. (Hilfert-RĂŒppell & Sieve, 2017)

ErklĂ€rvideo. Das Medium „ErklĂ€rvideo“ ist insbesondere im Zuge des Angebots fĂŒr onlineNachhilfe, wie beispielsweise durch „Sofa Tutor“ oder „Khan Academy“ angeboten, in den Fokus didaktischer EinsĂ€tze gerĂŒckt. Hierbei gibt es jedoch durch die enorme Angebotsvielfalt auch erhebliche qualitative Unterschiede hinsichtlich der Fachkompetenz der Autoren, die durch die einfache und professionell gestaltete Eigenproduktion von ErklĂ€rvideos verursacht werden und fĂŒr den Laien – insbesondere fĂŒr die Adressaten (SuS) – nicht auf den ersten Blick erkennbar sind. (Anders, 2019)

StopMotionVideo. Das Medium „StopMotion Video“ bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten fĂŒr den Einsatz im Unterricht: So können fachliche Prozesse beschrieben und/oder simuliert, Regelwissen angewendet und Experimente dokumentiert werden. Es findet eine intensive Auseinandersetzung mit den Inhalten statt, da das Fachwissen zunĂ€chst erarbeitet wird und anschließend die Planung fĂŒr die Umsetzung des Videos bzw. der Sequenzen und der Videodreh erfolgt. Durch die Arbeit in Kleingruppen wird zusĂ€tzlich die Kommunikationskompetenz der SuS durch den Austausch untereinander gefördert. Die Erstellung eigener Videos fördert zudem
die VerstĂ€ndnistiefe und den Umgang mit der Fachsprache. Das Produkt der SuS ist nachhaltig und kann im Nachhinein zur Reaktivierung von Wissen genutzt werden. (Krause & Eilks, 2018) Wirksamkeit. Die Wirksamkeit des Einsatzes digitaler Medien – insbesondere im naturwissenschaftlichen Unterricht (MINT-FĂ€cher) – wird in einer Metastudie des Zentrums fĂŒr internationale Bildungsvergleichsstudien (ZIB) und der Technischen UniversitĂ€t MĂŒnchen (TUM) in Zusammenarbeit mit der Kultusministerkonferenz (KMK) belegt: Der Einsatz von digitalen Medien im Vergleich zum traditionellen Unterricht geht mit einem gesteigerten Lernerfolg einher. Dies zeigen Ergebnisse von Leistungstest von Klassen die traditionell unterrichtet wurden im direkten Vergleich mit Klassen, die digitalen Medien nutzten. Allerdings sind bestimmte Rahmenbedingungen mit einem positiveren Effekt auf dem Lernerfolg verbunden, wie beispielsweise die Kombination von digitalen und traditionellen Materialien statt dem ausnahmslosen Einsatz digitaler Medien. Die Nutzung in Partner- und Gruppenarbeiten ist ein weiterer fördernder Aspekt, da durch den konstruktiven Austausch der SuS untereinander die Kommunikationskompetenz gefordert wird. Weiterhin sind adaptive Lernprogramme bevorzugter zu nutzen als Hypermediasysteme und die Steuerungsaufgabe der LehrkrĂ€fte nicht zu vernachlĂ€ssigen. (Hillmayr et al., 2017) Insgesamt ist durch die enorme Vielfalt an digitalen Medien jedoch keine allgemeingĂŒltige Aussage ĂŒber den gewinnbringenden Einsatz digitaler Medien abzuleiten und muss individuell durch praktische Erfahrungen der LehrkrĂ€fte erschlossen werden. Der Einsatz sollte an die individuellen  Voraussetzungen der Lerngruppe angepasst und auf die Lerninhalte abgestimmt werden. Der motivationale Effekt der Arbeit mit digitalen Medien ist anfĂ€nglich dem Neuheitseffekt zuzuordnen und die Notwendigkeit fĂŒr den abwechslungsreichen Einsatz von Medien und Methoden sollte weiterhin im Fokus stehen. Die Erstellung eigener Videos durch die SuS ermöglicht eine Verbindung des Aufbaus individueller Medienkompetenz mit der Vermittlung von bestimmten fachlichen Inhalten. Die SuS gestalten hierbei ihre eigene Lernumgebung und erlernen den sowohl den kooperativen als auch den kritischen Umgang mit digitalen Medien. DarĂŒber hinaus wird ihre Kommunikationskompetenz enorm gefordert und gefördert. (Girwidz & Hoyer, 2018) Allerdings darf die Gefahr der kognitiven Überreizung („cognitive overload“), seitens der SuS, nicht unterschĂ€tzt werden. Die Cognitive Load-Theorie beschreibt die BeschrĂ€nkung der VerarbeitungskapazitĂ€t des menschlichen GedĂ€chtnisses, wobei sich die kognitive Belastung beim Lernen in eine intrinsische und extrinsische Belastung unterteilt. Die intrinsische Belastung meint den Schwierigkeitsgrad des Lerngegenstandes, wĂ€hrend die extrinsische Belastung von der QualitĂ€t der Lernumgebung beeinflusst wird. (Sweller, Ayres & Kalyuga, 2011) Eine Überforderung durch zu viele unterschiedliche oder auch unnötige Darstellungsformen, die nicht vernetzt oder zugeordnet werden können, wirken sich somit negativ auf den Lernprozess mit digitalen Medien aus. Des Weiteren sollten die Produkte der SuS durch eine kriteriengeleitete Bewertung, die im Voraus transparent gemacht werden muss, reflektiert werden, um eine Bewertungskompetenz bezĂŒglich von Lernvideos zu erreichen. Die Förderung der Medienkompetenz der LehrkrĂ€fte fördert auch den Einsatz digitaler Medien im Unterricht, da mit steigender Sicherheit der LehrkrĂ€fte in der Thematik (Selbstwirksamkeitserwartung) auch die Einstellung zu ihnen positiv verstĂ€rkt wird. (Krause & Eilks, 2015) Dieser Aspekt wird ebenfalls durch die oben erwĂ€hnte Metastudie des ZIB und der TUM bestĂ€tigt. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass mir Seminare im Bereich Mediendidaktik neue Einblicke zum Einsatz digitaler Medien und eine gewisse Sicherheit fĂŒr deren Einsatz gegeben haben. Die Erprobung verschiedener Apps und deren Möglichkeiten fĂŒr den Unterricht schon wĂ€hrend der Lehramtsausbildung zu erarbeiten, halte ich somit fĂŒr sehr sinnvoll und hilfreich. Allerdings wĂŒrde ich auch sagen, dass der Umfang dieser Angebote an der UniversitĂ€t und auch bezĂŒglich Weiterbildungen fĂŒr bereits ausgebildete LehrkrĂ€fte durchaus erweitert werden sollte.

Fazit. Die Auseinandersetzung mit den aktuellen Möglichkeiten digitaler Medien ist enorm wichtig und sollte fortlaufend aktualisiert werden. Allerdings sollte man sich auf eine gewissen Auswahl an Medien beschrĂ€nken, mit denen man sich intensiver befasst und in die man sich gut einarbeitet, welche danach im Unterricht fokussiert genutzt werden können. Findet diese Auswahl nicht statt, so besteht die Gefahr sich im „Ausprobieren“ immer wieder neuer Apps verliert ohne einen Mehrwert aus diesen zu ziehen. Dies könnte sich ebenso in einer Demotivation bezĂŒglich des Einsatzes digitaler Medien seitens der LehrkrĂ€fte als auch der SuS ausdrĂŒcken. Somit sollte vor der Anschaffung von GerĂ€ten und Programme eine intensive Auseinandersetzung und AbwĂ€gung des Mehrwerts durchgefĂŒhrt werden, um Fehlinvestitionen zu vermeiden und den zur VerfĂŒgung stehenden Etat sinnvoll – und falls möglich auch fachĂŒbergreifend – zu nutzen. Die Einbindung digitaler Medien zur Neugestaltung von Lehrund Lernprozessen sollte somit sinnvoll strukturiert, didaktisch begrĂŒndet und unter BerĂŒcksichtigung der digitalen Kompetenzen eingesetzt werden, um eine positive Wirksamkeit fĂŒr den Lernprozess zu erreichen. Folglich sollten digitale Medien eine gewinnbringende ErgĂ€nzung fĂŒr den Unterricht darstellen, statt des Einsatzes um des Mediums Willen. Die Wirksamkeit des Einsatzes digitaler Medien steht somit in direkter Korrelation zur Kompetenz der Lehrkraft im Umgang mit digitalen Medien. Die Betonung der Relevanz und Notwendigkeit von professionellen Schulungen der LehrkrĂ€fte zu diesem Thema ist mir an dieser Stelle enorm wichtig!

Literaturverzeichnis

Anders, P. (2019): Kapitel 18: ErklĂ€rvideos. In: EinfĂŒhrung in die Filmdidaktik. Anders/Staiger/Albrecht/RĂŒsel/Vorst (Hrsg.), J.B. Metzler Verlag, Berlin, S. 255 ff. Girwidz, R. und Hoyer, C. (2018): Didaktische Aspekte zum Einsatz digitaler Medien – Leitlinien zum Lehren mit Multimedia, veranschaulicht an Beispielen. In: Naturwissenschaften digital. Meßinger-Koppelt, J. & Maxton-KĂŒchenmeister, J. (Hrsg.), Joachim Herzt Siftung Verlag, Hamburg, S. 6 ff.

Hilfert-RĂŒppell, D. & Sieve, B.F. (2017): Entschleunigungen biologischer und chemischer AblĂ€ufe durch Zeitlupenaufnahmen, In: J. Meßinger-Koppelt, S. Schanze & J. Groß (Hrsg.), Lernprozesse mit digitalen Werkzeugen unterstĂŒtzen – Perspektiven aus der Didaktik naturwissenschaftlicher FĂ€cher, Joachim Herz Stiftung Verlag, Hamburg, S. 147 ff.

Hillmayr, D., Reinhold, F., Ziernwald, L., Reiss, K. (2017): Digitale Medien im mathematischnaturwissenschaftlichen Unterricht der Sekundarstufe – Einsatzmöglichkeiten, Umsetzung und Wirksamkeit, Waxmann-Verlag,

Hoffmann, J. und Engelkamp, J. (2013): Lern- und GedÀchtnispsychologie, Springer-Verlag, Heidelberg, S. 177 ff.

Krause, M. und Eilks, I. (2015): Lernen ĂŒber digitale Medien in der Chemielehrerausbildung. Ein Projekt Partizipativer Aktionsforschung. CHEMKON 22, Nr. 4, Wiley VCH Verlag, Weinheim, S. 173 - 178

Krause, M. & Eilks, I. (2018): Wissen in Bewegung setzen – Im naturwissenschaftlichen Unterricht StopMotion-Videos selbst erstellen. Computer + Unterricht 109, S. 18 ff. Kultusministerkonferenz (KMK) (2016): Bildung in der digitalen Welt Strategie der Kultusministerkonferenz, kmk.org

Mayer, R. E. (2014): Cognitive Theory of Multimedia Learning, In: R. E. Mayer (Hrsg.), The Cambridge Handbook of Multimedia Learning, Cambridge University Press, New York, 2. Auflage, S. 43 ff. MedienpĂ€dagogischer Forschungsverbund SĂŒdwest (mpfs) (2018): JIM-Studie 2018. Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-JĂ€hriger., Stuttgart

Sweller, J., Ayres, P. & Kalyuga, S. (2011): Cognitive Load Theory, Springer-Verlag, New York, S. 57 ff.

 

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CC-BY-NC-SA: Yasmin Seedorf

ErklÀrvideos im Deutschunterricht

ErklÀrvideos im Deutschunterricht

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Reflexionsbericht

Thema: ErklÀrvideos im Deutschunterricht

Im Rahmen des Seminars „Mediendidaktik und Medienbildung: Reflexion und Bewertung von EinsĂ€tzen digitaler Elemente in der Lehre“ haben wir uns mit verschiedenen Möglichkeiten und Programmen, aber auch Grundlagen des Einsatzes digitaler Medien in der Schule, auseinandergesetzt. Dabei sind sowohl strukturelle als auch organisatorische UmstĂ€nde zu bedenken. Die Medienkompetenz seitens der LehrkrĂ€fte muss dabei ebenfalls geschult, mindestens aber besprochen werden, damit die MĂ€ngel deutlich werden. In den kritischen Diskussionen stach vor allem immer ein Thema hervor: Wie kann mit den einzelnen Medien umgegangen werden, sodass das Urheberrecht bestehen bleibt und auch die Quellenlage, welche bei multimedialen Onlinequellen schwieriger sein kann als bei herausgegebener schriftlicher Literatur, in kompetenter Form im oder vor dem Unterricht behandelt wird?

Eben jene Frage stand auch bei der Diskussion von Videos im Unterricht im Raum und hat sich bei mir unter verschiedenen Aspekten eingeprĂ€gt. Dementsprechend widmet sich dieser Reflexionsbericht diesem Thema. Dazu wird zuerst kurz der Einsatz von Videos im Unterricht erlĂ€utert. Dies geschieht am Beispiel des ErklĂ€rvideos, da diese momentan sehr populĂ€r sind. Nicht nur ich habe allein in diesem Semester schon zwei Seminare zu ErklĂ€rvideos erleben mĂŒssen, wobei die kritische Formulierung von ‚mĂŒssen‘ bewusst gewĂ€hlt ist, wie ich spĂ€ter darstellen werde. Auch zeigt eine Statistik, wie die Vortragsgruppe des Themas ErklĂ€rvideos am 12.12.2019 aufzeigte, dass 60 % der Jugendlichen bereits 2012 ErklĂ€rvideos auf Plattformen wie YouTube nutzen, um sich auf die Schule vorzubereiten[1]. Dieser Trend muss als steigend angenommen werden. Nach der EinfĂŒhrung in das Thema der ErklĂ€rvideos wird dann am konkreten Beispiel des Deutschunterrichts herausgearbeitet, wie und ob ErklĂ€rvideos produktiv eingesetzt werden können. Der Deutschunterricht ist dabei aus persönlichem Bezug gewĂ€hlt worden, aber auch, weil dieser sehr gut zur zweiten Frage des Reflexionsberichts passt. DarĂŒber hinaus habe ich mich nĂ€mlich gefragt, inwiefern die (Umgangs-) Sprache in ErklĂ€rvideos förderlich oder nicht förderlich fĂŒr den Gebrauch in der Schule ist und möchte dies mit Hilfe einer Forschung aus dem Bereich der Sprachwissenschaft reflektieren.

Welchen Vorteil bietet der Einsatz von ErklĂ€rvideos im Unterricht? Welche didaktischen VorĂŒberlegungen sollten getroffen werden?[2] Zum einen bieten ErklĂ€rvideos die Möglichkeit, an das Vorwissen der SchĂŒlerInnen anzuknĂŒpfen. Die Lebenswelt der SchĂŒlerInnen kann mit einbezogen werden und die vermuteten privaten Rezeptionsgewohnheiten der SchĂŒlerInnen können genutzt werden. Dabei muss allerdings an dieser Stelle auch bedacht werden, dass private und institutionelle Rezeption von Medien, also, was die Kinder Zuhause schauen und welche Videos im Unterricht geeignet sind, unterschiedlicher Art und Weise sind. Der Bildungsanspruch darf ĂŒber den Einsatz medialer interessanter und Neugierde weckender Videos nicht vergessen werden. Zum anderen haben ErklĂ€rvideos inklusiven Charakter. Dies meint, dass die thematische und gestalterische Vielfalt es ebenfalls einer heterogenen Klasse möglich machen sollte, Zugang zu einem Thema zu finden. Dies meint natĂŒrlich aber auch, dass man sowohl in Ort, Zeit als auch Sprache flexibel bleibt, denn ErklĂ€rvideos sind Jedem und Jederzeit zugĂ€nglich. Hierbei sollte allerdings nicht vergessen werden, dass obwohl gerade Jugendliche medial sehr aktiv sind, nicht immer vorausgesetzt werden darf, dass alle SuS Zugang zu Computern, Pads oder dem Internet schlechthin haben. Ebenfalls kann die QualitĂ€t der GerĂ€te und Zugriffsmöglichkeiten, die die Kinder Zuhause haben, differieren, sodass eine sehr sensible soziale Dimension unterminiert wird. Zu guter Letzt sind zwei Dimensionen beim Einsatz von ErklĂ€rvideos dringend zu bearbeiten, wenn man diese im Unterricht einsetzen möchte, nĂ€mlich die Medienkritik und die Medienreflexion. Beides sind ĂŒberfachliche Kompetenzentwicklungen, die erst im Laufe der schulischen Arbeit erlernt werden mĂŒssen. Es geht dabei darum, ĂŒber die Spezifika der einzelnen Medien in Form einer Medienanalyse nachzudenken, also unter anderem die Quellenfrage zu stellen. Welche QualitĂ€t hat das Video? Wer hat es warum und fĂŒr wen erstellt? Wie verĂ€ndert die darstellerische Aufbereitung den Inhalt und die Auffassung der Rezipienten? Die Medienkritik handelt davon auch alters- oder genderspezifische Aspekte zu bedenken. Dabei mĂŒssen die SuS mit einbezogen werden und es darf kein Be- oder Verurteilen durch die Lehrperson stattfinden.  Gerade der inhaltliche Aspekt sowie der Aspekt der Quellenfrage sind schwierige Anliegen, die genauer reflektiert werden mĂŒssen. Dabei möchte ich nochmal RĂŒckbezug nehmen zu den einleitenden Worten dieses Reflexionsberichtes und dem eher ernĂŒchternd wirkenden Statement zu Seminaren in der Uni die uns beibringen, ErklĂ€rvideos umzusetzen. Der Inhalt von ErklĂ€rvideos ist entscheidend fĂŒr die Frage, ob Videos eingesetzt werden sollten oder nicht. In beiden Seminaren aus zwei verschiedenen fachlichen Instituten habe ich hingegen allerdings nur mitgenommen, dass komplexe Inhalte in 3 Minuten gepresst werden mĂŒssen und Informationen dabei oft vernachlĂ€ssigt werden. Es wurde hingegen viel besprochen, wie zum Beispiel I-Motion funktioniert und, dass unsere ErklĂ€rvideos durch die Anwendung verschiedener Techniken besonders medial auffĂ€llig werden. NatĂŒrlich muss eine interessante Aufbereitung der Themen stattfinden, damit das Interesse der SuS spĂ€ter geweckt wird. Dennoch finde ich es schade, dass selbst auf universitĂ€rer Ebene nicht gelehrt wird, die entscheidenden Informationen bewusst zu filtern und didaktisch sinnvoll zu kĂŒrzen oder aufzubereiten. Vielmehr geht es darum, technisch begabt zu wirken und SuS zu beeindrucken. Videos sollten ein Unterrichtsmittel bleiben, aber auf keinen Fall die inhaltliche Dimension ersetzen.

Auch der Bildungsplan im Land Bremen greift sehr kurz, was den Einsatz von Medien im Unterricht angeht. Unter ‚Medien verstehen und nutzen‘[3] wird fĂŒr die 6.Klasse festgehalten, dass folgende ĂŒberfachliche Kompetenzen erreicht werden sollen:

- medienspezifische Formen unterscheiden und Vermutungen ĂŒber ihre Wirkung Anstellen

- Medien zum Erarbeiten und Üben spezifischer Fertigkeiten nutzen

- Medien zur PrÀsentation ihrer Arbeitsergebnisse und zur Àsthetischen Produktion Nutzen

- die Informationsmöglichkeiten unterschiedlicher Medien mit Hilfestellungen Nutzen

 

Dies entspricht den verschiedenen Dimensionen und didaktischen VorĂŒberlegungen, die zu ErklĂ€rvideos und Medien im Unterricht erlĂ€utert wurden. Die Medienkritik findet sich in dem ersten Punkt wieder, wenn die medienspezifischen Formen unterschiedenen und deren Wirkung abgemessen und verstanden werden können soll.  Die Informationsmöglichkeiten von Medien ĂŒberhaupt erst zu nutzen entspricht wiederum mehr dem Lernen ĂŒber Medien aber auch dem Bereich der Anwendung von Medien.

Im Bereich des Verwendens von Medien und in Fall dieses Reflexionsberichtes dem Verwenden von ErklĂ€rvideo soll an dieser Stelle vor allem fĂŒr eine Art des Einsatzes von Video Partei ergriffen werden, nĂ€mlich der Produktionsorientierung. Diese entspricht zum Beispiel auch den Punkten des Bildungsplanes Medien zum Erarbeiten und Üben spezifischer FĂ€higkeiten oder zur PrĂ€sentation von Arbeitsergebnissen und Ă€sthetischer Produktion zu nutzen. Im Rahmen des Seminars wurde immer wieder angesprochen, dass Produktionsorientierung sehr zeitintensiv ist und dies ein großer Nachteil sei. Dem Argument ist natĂŒrlich zuzustimmen. Dennoch sollte abgewogen werden, ob die vermeintliche Angst vor Mehraufwand und das Investieren von ‚zu viel‘ Zeit ein guter Grund ist, den SchĂŒlerInnen die Möglichkeit zu nehmen, Medienkompetenz an Unterrichtsinhalte gebunden zu erlernen. Auch denke ich, dass das Entwickeln eines eigenen ErklĂ€rvideos in Gruppen noch deutlich mehr Kompetenzen schult, als das bloße Benutzen von Videos im Unterricht. Die Produktion und PrĂ€sentation von ErklĂ€rvideos[4] vereint in sich nĂ€mlich eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema des ErklĂ€rvideos, da die SchĂŒlerInnen einen fachgebundenen und oft sehr komplexen Inhalt so reduzieren mĂŒssen, dass er in einem ErklĂ€rvideo prĂ€sentiert werden kann, aber dennoch die inhaltliche KomplexitĂ€t nicht vollstĂ€ndig verloren geht. Jeder, der bereits selbst versucht hat ein ErklĂ€rvideo zu drehen oder in schulischen/universitĂ€ren Seminaren ErklĂ€rvideos begegnet ist, weiß um die Schwierigkeit dessen. DarĂŒber hinaus wird die soziale Ebene geschult, denn es muss eine interaktive Gruppenarbeit stattfinden. SchĂŒlerInnen können kein Video alleine drehen, sondern es macht Sinn, sie in Gruppen von 3-5 SchĂŒlerInnen gemeinsam ein Video erstellen zu lassen. NatĂŒrlich kann man argumentieren, dass Gruppenarbeit auch ohne ErklĂ€rvideo möglich ist. Dennoch bleibt die Produktion eines ErklĂ€rvideos ein besonders kreativ-exploratives Lernen, welches durch die Sozialform der Gruppenarbeit nur hervorgehoben wird. ZusĂ€tzlich wird durch die Produktionsorientierung auch das Prinzip „Lernen durch Lehren“ angewendet. Dies heißt also, dass der Unterricht Lehrerdezentriert stattfindet. Damit sind viele Möglichkeiten geboten, dass die SchĂŒlerInnen neben der Medienkompetenzen und der inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Thema auch lernen, Verantwortung zu ĂŒbernehmen und fĂŒr ihre Ergebnisse einzustehen beziehungsweise sie prĂ€sentieren zu können. Neben all den ĂŒberfachlichen Kompetenzen, die die Produktionsorientierung unterstĂŒtzt, wird auch ganz grundlegend das Bedienen und Anwenden von GerĂ€ten und Programmen der Videoproduktion erlernt. Auch dies ist eine Medienkompetenz, die bereits vielen LeherInnen fehlt und welche wesentlich zu erlernen ist.

 

Konkret bezogen auf den Deutschunterricht sind zusĂ€tzliche Kompetenzen, die geschult werden können: Informieren (Beispiel: Informationen adressatenbezogen weitergeben und dabei einfache PrĂ€sentations- und Visualisierungsformen nutzen) oder ErzĂ€hlen/Berichten/Beschreiben (Beispiel: ĂŒber Sachverhalte in geordneter und verstĂ€ndlicher Form berichten). Ich denke, dass deutlich ist, dass ErklĂ€rvideos in verschiedener Form im Deutschunterricht eingesetzt werden können. TatsĂ€chlich können ErklĂ€rvideos durchaus auch als mediale Weiterentwicklung von Vorgangsbeschreibungen verstanden werden. Ein Tutorial zum Flicken eines Fahrradschlauches zum Beispiel ist im Prinzip die Visualisierung und mediale Aufarbeitung eines Textes einer Vorgangsbeschreibung. Ein besonders schönes Beispiel hat dazu die Anton-Weilmaier-Schule geliefert. Sie haben folgende Unterrichtssequenz durchgefĂŒhrt und damit anschaulich gemacht, wie produktionsorientierte Arbeit mit ErklĂ€rvideos im Unterricht funktionieren kann[5]:

  1. Erarbeitung von Struktur und Stilmitteln einer Vorgangsbeschreibung am konkreten Beispiel Rezept (Bananenmilch).
  1. Erstellen eines E-Books zu einem vorgegebenen Rezept (MĂŒsli)
  2. Drehen eines eigenen ErklÀrvideos zu einem persönlichen Lieblingsrezept.

PrÀsentieren der Videos vor der Klasse

Feedback der MitschĂŒler zu Aufbau, Umsetzung und Inhalt.

  1. Festhalten vereinzelter Videos in schriftlicher Form.

RĂŒckmeldung durch die Lehrkraft.

  1. Dokumentation des Lernzuwachses durch das Verschriftlichen eines selbstgedrehten ErklÀrvideos.

Sie sind also ĂŒber die klassische Vorgangsbeschreibung zu einer medialen Dimension gewechselt und haben somit Medienkompetenz am Beispiel eines ErklĂ€rvideos in den klassischen Deutschunterricht integriert.

Nun ist also deutlich, inwiefern ErklĂ€rvideos generell als mediale Komponente zum Unterricht beitragen können und, dass man sein Vorgehen kritisch reflektieren sollte bevor der Einsatz von Videos die Überhand nimmt und die inhaltliche Dimension abschwĂ€cht. Auch ist deutlich, dass ich eher fĂŒr die Produktionsorientierung als fĂŒr die Rezeption von ErklĂ€rvideos votiere. Am Beispiel der Anton-Weilmaier-Schule wird deutlich, wie dies konkret im Deutschunterricht erfolgen kann. In einem letzten Schritt wird eine weitere Diskussionsfrage des Seminars aufgegriffen, nĂ€mlich die sprachliche Komponente.

In der Seminardiskussion wurde angesprochen, dass in ErklĂ€rvideos oft Umgangs- und Jugendsprache verwendet werden wĂŒrde, welche im Unterricht keinen Platz haben dĂŒrfte, da zum Beispiel Beleidigungen enthalten sein können. Diese Feststellung ist durchaus richtig. Dieses PhĂ€nomen ist allerdings keines, welches nur bei ErklĂ€rvideos auftritt. Generell hat sich die Sprache verĂ€ndert. Und das, was in der Forschung als ‚Jugendsprache‘ verstanden wird, wirkt oft auf Ă€ltere RezipientInnen als unhöflich und beleidigend. Dennoch ist die Sprachforschung schon so weit, anzuerkennen, dass jugendsprachliche Umgangsformen nicht beleidigend oder unhöflich sind[6]. Sie sind lediglich ‚anders‘. Der Konflikt entsteht, da die Auffassungen zu Anstandsnormen differieren. Was den ZuhörerInnen entgeht, ist, dass Jugendliche ĂŒber ihre eigene Jugendsprache reflektieren. Ihnen mag nicht zu jeder Zeit und bei jeder Äußerung bewusst sein, dass sie EinflĂŒssen, wie InterkulturalitĂ€t und sozialen Medien, unterliegen. Dennoch können sie verschiedene Höflichkeitsstile entwickeln und diese kontextsensitiv, sowie adressatenorientiert einsetzen. Ein Beispiel aus der Forschung von Eva Neuland zeigt dies. Auf die Frage, wie SchĂŒlerInnen andere Personen begrĂŒĂŸen, geben die verschiedene Antworten. Sie begrĂŒĂŸen in institutionellen Kontexten unter anderem so[7]:

(8) freundliche BegrĂŒĂŸung (Hauptschule, Jgst. 7)

(9) Ich sage Menschen die ich treffe sage ich Guten Tag (Hauptschule, Jgst. 7)

(10) Einen wunderschönen Guten Tag (Hauptschule, Jgst. 7)

(11) Guten Morgen Frau X, wie geht es ihnen heute? (Hauptschule, Jgst. 9)

(12) Hallo und TschĂŒss sagen (Gymnasium, Jgst. 7)

(13) Neue Leute höflich begrĂŒĂŸen (Gymnasium, Jgst. 9)

 

Im Umgang mit ihrer Peer-Group hingegen wĂŒrden Sie sich folgendermaßen Ă€ußern:

(26)Hey, was geht (Hauptschule, Jgst. 7)

(27) Was geht ab Bruder (Hauptschule, Jgst. 7)

(28)Ich spreche manchmal nicht höflich mit den Freunden (Hauptschule, Jgst. 7)

(29) Wir benutzen das Wort Opfer oder Dödel aber nur zum Spaß (Realschule, Jgst. 8)

(30)Hallo (Hauptschule, Jgst. 9)

(31) Du, Hallo (Gymnasium, Jgst. 7)

Es ist also deutlich, dass die Jugendlichen zu unterscheiden wissen. In der Forschung von Neuland antworten sie auch eindrucksvoll und reflektiert darauf, wieso dem so sein könnte.

„Manche nutzen ja auch die Pause, also im Unterricht muss man ja höflich und respektvoll sein, das is ja wie so ne Regel halt. Manche nutzen aber auch die Pause aus, um halt da halt, ein bisschen Dampf abzulassen und da halt unhöflich oder respektvoll sein. Aber nicht gegen den Lehrer. Vielleicht mit Freunden halt, dass man so extra so aus Spaß so sagt, um den anderen halt zu erleichtern. [
] In der Öffentlichkeit ist das ja so, dass es so wie eine Pflicht ist, höflich zu sein zu anderen, weil das jetzt Ă€hm, man will sein Bild halt nicht ruinieren. Aber halt mit Freunden ist das ja so, so nen sicherer Bereich, wo man tun und lassen kann, was man will. Ich glaub die einzige Grenze ist vielleicht ein Geheimnis oder so Ă€hm sozusagen halt, wo der andere naja, nicht will, dass es gesagt wird, aber so von der Redensart haben wir eigentlich kaum Grenzen (lacht). (Murat, RG 01, 12. Klasse)“[8]

Es geht also bei der Jugendsprache nicht darum, unhöflich oder respektlos zu sein. Vielmehr ist diese Dichotomie aufgehoben. Es hat sich ein Spannungsfeld zwischen Ernst- und Scherzhaftigkeit entwickelt. Das Stichwort ist nicht mehr ‚Höflichkeit‘ sondern eher ‚Respekt‘. Dass dieser Respekt erhalten bleibt, auch bei einer fĂŒr uns unĂŒblichen Äußerungsform, zeigt das Ausbleiben aggressiver Gegenreaktionen anderer SchĂŒlerInnen. Dementsprechend finde ich auch, dass in ErklĂ€rvideos, sofern sie als Medium von SchĂŒlerInnen fĂŒr SchĂŒlerInnen verstanden werden, der Freiraum gegeben werden sollte, eine sprachliche VielfĂ€ltigkeit und begrĂŒndete AuthentizitĂ€t zuzulassen. Wenn die ErklĂ€rvideos in der Produktion und bei der Auseinandersetzung mit der eigenen Sprach- und Wortwahl dann noch erzeugen, dass diese KontextsensitivitĂ€t weiter geschult wird, ist sogar eine weitere Kompetenz neben der Medienkompetenz geschult worden.

Neben aller Kritik erscheinen mir ErklĂ€rvideos, gerade in der Produktionsorientierung, als eine geeignete Herangehensweise, um den Deutschunterricht medial zu unterstĂŒtzen.

 

 

Literaturverzeichnis:

Anders/Staiger/Albrecht/RĂŒsel/Vorst (2019): EinfĂŒhrung in die Filmdidaktik. Kapitel 18: ErklĂ€rvideos. J.B. Metzler, Berlin.

Eva Neuland (2018): ‚Höflichkeit? Respekt!‘ Jugendtypische Umgangsformen mit sprachlicher Höflichkeit. In: Ziegler, Arne (2018): Jugendsprachen. Aktuelle Perspektiven internationaler Forschung. Berlin: De Gruyter.

MedienpĂ€dagogischer Forschungsverbund SĂŒdwest (2018): JIM-Studie 2018: Jugend, Information, Medien. Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-JĂ€hriger. Stuttgart.

Online Quellen:

https://sfz-hausham.de/aktuelles/aktionen/

www.filmundschule.nrw.de

https://www.lis.bremen.de/schulqualitaet/curriculumentwicklung/bildungsplaene/sekundarbereich_i-15226

 

 

[1]Vgl.: MedienpĂ€dagogischer Forschungsverbund SĂŒdwest (2018): JIM-Studie 2018: Jugend, Information, Medien. Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-JĂ€hriger. Stuttgart.

[2] Vgl.: Anders/Staiger/Albrecht/RĂŒsel/Vorst (2019): EinfĂŒhrung in die Filmdidaktik. Kapitel 18: ErklĂ€rvideos. J.B. Metzler, Berlin.

[3] Vgl.: https://www.lis.bremen.de/schulqualitaet/curriculumentwicklung/bildungsplaene/sekundarbereich_i-15226

[4] Vgl. auch: www.filmundschule.nrw.de

[5] Vgl.: https://sfz-hausham.de/aktuelles/aktionen/

[6] Vgl.: Eva Neuland (2018): ‚Höflichkeit? Respekt!‘ Jugendtypische Umgangsformen mit sprachlicher Höflichkeit. In: Ziegler, Arne (2018): Jugendsprachen. Aktuelle Perspektiven internationaler Forschung. Berlin: De Gruyter, 211-229.

[7] Neuland: 219

[8] Neuland: 225

YouTube-Videos im Unterricht Im Themenbereich Urheberrecht und Rechtsgrundlage Reflexionsbericht zum Thema Urheberrecht und Rechtsgrundlage

YouTube-Videos im Unterricht Im Themenbereich Urheberrecht und Rechtsgrundlage Reflexionsbericht zum Thema Urheberrecht und Rechtsgrundlage

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Einleitung
Im Unterricht werden von LehrkrĂ€ften, sowie von SchĂŒlerinnen und SchĂŒler (im Folgenden SuS), Videos von der Plattform YouTube abgespielt. Diese werden unteranderem zum ErklĂ€ren von fachwissenschaftlichen Inhalten, zur Unterhaltung oder zur Zusammenfassung am Ende einer Unterrichtseinheit genutzt. Genutzt werden die von den SuS in ihren VortrĂ€gen und LehrkrĂ€fte betten die Videos frei in den Unterricht ein. Laut Studien haben bereits 9 von 10 LehrkrĂ€ften einmal ein YouTube-Video im Unterricht abgespielt (Lehrerfreund, 2015). Doch ist dies rechtlich? Dies möchte ich in diesem Artikel klĂ€ren. Dabei gehe ich auf die Urheberrechte und Rechtsgrundlage ein, sowie auf die Umsetzung im realen Unterricht. Außerdem möchte ich meine Sicht zu dem allgemeinem Urheberrecht und der Rechtsgrundlage im Unterricht darstellen. Dies wird im abschließenden Fazit allgemein betrachtet.

Urheberrecht
Das Urheberrecht (im folgenden UrhG) gilt als absolutes Recht auf Schutz von geistigem Eigentum. Darunter zĂ€hlen materielle und geistige Werke. In dem UrhG wird die Beziehung zwischen Urheber und Nutzer dargestellt. Dabei wĂ€re die Lehrkraft, die das GemĂ€lde ‚Mona Lisa‘ von Leonardo da Vinci im Unterricht als Beispiel darstellt, ein Nutzer des Werkes eines Urhebers. Zusammengefasst wird dies im §11 UrhG, welches besagt „das Urheberrecht schĂŒtzt den Urheber in seinen geistigen und persönlichen Beziehungen zum Werk und in der Nutzung des Werkes. Es dient zugleich der Sicherung einer angemessenen VergĂŒtung fĂŒr die Nutzung des Werkes (Bundesministerium der Justiz und fĂŒr Verbraucherschutz, 1965).“ Die Werke des Urhebers können neben GemĂ€lden, unteranderem auch Musik, BĂŒcher, Texte und Videos sein. Ihm können drei Arten des Urheberpersönlichkeitsrecht zugeschrieben werden – das Veröffentlichungsrecht (§ 12 UrhG), das Recht auf Anerkennung der Urheberschaft (§ 13 UrhG) und das Recht auf Verbot der Entstellung des Werkes (§ 14 UrhG). Somit muss bei der Verwendung urhebergeschĂŒtzter Werke ein Copyright-Vermerk (‚©‘) an dem Werk angeheftet werden, sodass jeder erkennen kann, wer das Werk geschaffen hat und wo die Quelle ist (MLS-Legal, 2019). ZusĂ€tzlich kann es bei öffentlichen Veranstaltung zu Problematiken der verwendetet Materialien durch Behörden kommen. (Im folgenden nĂ€her erklĂ€rt)
Des Weiteren ist noch das Bearbeitungsrecht nach §23 UrhG und das Änderungsrecht nach § 62 UrhG zu erwĂ€hnen. Im Bearbeitungsrecht wird festgehalten, dass UrhebergeschĂŒtzte Werke bearbeitet werden dĂŒrfen, solange sie nicht verunstaltet werden und der Urheber weiterhin deutlich erkennbar bleibt. Das Werk muss dem Urheber zuzuordnen sein. Beim Änderungsrecht wird festgelegt, dass ein Werk nicht verĂ€ndert werden darf. So dĂŒrfen bei dem GemĂ€lde ‚ Mona Lisa‘ von Leonardo da Vinci keine Vögel im Hintergrund ergĂ€nzt werden.

Urheberrecht im Unterricht
GrundsĂ€tzlich dĂŒrfen nach Urheberrechtsgesetz keine beschĂŒtzenden Werke im Unterricht im vollen Umfang verwendet werden. Nach § 60 a UrhG (1) gilt, dass „zur Veranschaulichung des Unterrichts und der Lehre an Bildungseinrichtungen zu nicht kommerziellen Zwecken bis zu 15 Prozent eines veröffentlichten Werkes vervielfĂ€ltigt, verbreitet, öffentlich zugĂ€nglich gemacht und in sonstiger Weise öffentlich wiedergegeben werden [dĂŒrfen] (Bundesministerium der Justiz und fĂŒr Verbraucherschutz, 1965).“ Die Teilnehmer des Unterrichts dĂŒrfen somit nur 15 Prozent des Originalen Werkes fĂŒr Unterrichtszwecke zeigen. Dabei sind unter anderem Fotokopien von Lehrmaterialien inbegriffen. Laut Absatz § 60 a UrhG (2) dĂŒrfen „Werke geringen Umfangs“, wie Videos mit einer LĂ€nge von 5 Minuten, im Unterricht gezeigt werden. Ausgenommen sind dabei entliehene Medien, die der Schule zur VerfĂŒgung gestellt wurden. Davon auch ausgenommen werden Bibliotheken. Bei SchulvorfĂŒhrungen oder Festen gibt es eine weitere EinschrĂ€nkung, denn diese Veranstaltungen zĂ€hlen zu einem öffentlichen Angebot. Es dĂŒrfen demnach keine Filme oder Musik abgespielt werden, die nicht durch GebĂŒhren bei den jeweiligen Behörden lizenziert wurden.
Ein Klassenraum gilt jedoch als ein geschlossener (nicht öffentlicher) Raum, sodass es zu SpezialfĂ€llen kommen kann, wie es bei den YouTube Videos der Fall ist. Zusammenfassend lĂ€sst sich festhalten, dass SuS und LehrkrĂ€fte innerhalb der Klasse im Unterricht Bilder, Videos und Ähnliches im Unterricht zeigen dĂŒrfen, wenn diese den Urheber erwĂ€hnen und nicht illegal heruntergeladen oder erworben sind. Jedoch dĂŒrfen Ausarbeitungen von PrĂ€sentationen mit Werken aus dem Internet nicht öffentlich zugĂ€nglich gemacht werden, wie beim Hochladen auf die Schulhomepage oder beim AushĂ€ngen in der Schule. Bei dem hochladen auf eine Website ist es nicht ausreichend, das Werk mit einer Quelle anzugeben. Es wird eine Erlaubnis des KĂŒnstlers benötigt.

Urheberrecht von YouTube- Videos
Beim Verwenden von YouTube Videos sind folgende Paragraphen zu beachten §1 Nr. 5 UrhG, §12 UrhG das Veröffentlichungsrecht im Urheberpersönlichkeitsrecht, §13 UrhG die Benennung des Urhebers, sowie §23 UrhG das Bearbeitungsrecht.
ZunĂ€chst möchte ich auf die Filmwerke eingehen, die einem großen schöpferischen Aufwand unterliegen. Um einen Film zu produzieren werden viel Arbeit, Zeit und finanzielle Ausgaben benötigt. Auch Kurzfilme, sogenannte Videos, die auch auf YouTube zu sehen sind, benötigen diesen Aufwand. Das Genre ist dabei nicht von Bedeutung. So können ErklĂ€rvideos, Dokumentationen, Komödien oder Alltagsvideos vom Urheberrecht betroffen sein. Beim Produzieren eines Videos stellt sich die Frage, wer der Urheber des YouTube-Videos ist. Denn neben dem Veröffentlichter, gibt es vielleicht noch Drehbuchautoren, Kameraleute, ProduzentInnen, SchauspielerInnen und StatistInnen. YouTube stellt dabei fest, dass, bei Verwendung eines Videos, zunĂ€chst der Veröffentlicher des ursprĂŒnglichen Videos der Urheber ist, der beim Verwenden seines Videos genannt werden muss. Jedoch sind in vielen Videos, wie auch in Filmen, die mitwirkendenden Personen am Ende des Videos aufgelistet, sodass man es nachvollziehen kann, wer im Video mitgewirkt hat. Dies gilt auch, wenn in einem Video auf ein anderes Video sich bezogen wird (Urheberrecht, 2019).
YouTube ist eine Website im Internet. Von dieser Website können legal, aber auch illegal Filme oder Musik gedownloadet, weiter genutzt oder in einem öffentlichen oder nichtöffentlichen Raum vorgefĂŒhrt werden. Nun stellt sich die Frage, ob im Unterricht Videos von YouTube gezeigt werden dĂŒrfen. Wie im Absatz ‚Urheberrecht in Schulen‘ erwĂ€hnt ist das Urheberrecht des einzelnen Schöpfers verletzt, wenn das Video nicht als „Werke geringen Umfangs“ eingestuft werden kann oder mehr als 15 Prozent des Filmes abgespielt werden. Aufgrund der Annahme der AnonymitĂ€t im Internet, sind diese Richtlinien den meisten LehrkrĂ€ften nicht bekannt. Das Downloaden und auch das Streamen kann jedoch nachvollzogen werden. Außerdem muss ein genĂŒgend zureichender Zweck zur Verwendung bestehen. Der nicht öffentliche Raum ist im Unterricht erfĂŒllt, wenn es keinen Zugang von außen fĂŒr weitere Personen gibt. Eine Bearbeitung eines urhebergeschĂŒtzten Werkes von YouTube ist erlaubt, wenn die Urheber genannt werden und keine Verunstaltung des Werkes vorgenommen wird.
Somit ist festzuhalten, dass YouTube Videos im Unterricht gezeigt werden dĂŒrfen, wenn der Raum nicht öffentlich ist, der Film eine maximale Dauer von 5 Minuten betrĂ€gt oder von dem Film weniger als 15 Prozent gezeigt werden und es einen Zweck bei der Verwendung des Filmes gibt.
Aus Sicht von YouTube wird keine Haftung ĂŒbernommen bei fehlerhaften Verhalten. Alle Nutzungen der urhebergeschĂŒtzten Werke mĂŒssen mit dem Urheber direkt besprochen werden. Lediglich bei angemeldeten Kunden kann eine Urheberrechtsverletzung bei YouTube gemeldet werden und der Nutzer wird aufgefordert sein Vergehen zu bereinigen (YouTube, 2019). Ähnlich verhĂ€lt es sich beim Herunterladen von YouTube- Videos. Laut den Nutzerbedingungen ist es angemeldeten Nutzern verboten Videos herunterzuladen. Jedoch können YouTube-Videos auch ohne Anmeldung auf verschiedenen Plattformen heruntergeladen werden, bei dem die Nutzerbedingungen nicht aktiv akzeptiert wurden. Trotzdem ist das Verwenden dieser Videos im Unterricht eine gewaltige Grauzone. Und auch hier gelten beim Verwenden des Filmes die oben genannten Bedingungen (Lehrerfreund, 2015). Es ist zu empfehlen dies zu unterlassen und die Videos auf YouTube nur ĂŒber den Internetzugang zu nutzen.
Fazit zu YouTube Videos im Unterricht
Wie sieht der aktuelle Umgang in Schulen aus? Laut der Bartelsmann Stiftung nutzen 74 Prozent der LehrkrĂ€fte Lernvideos kostenlos im Unterricht (Cornelsen, 2019). 80 Prozent der SuS finden das Verwenden von Lernvideos im Unterricht motivierend (Cornelsen, 2019). YouTube zĂ€hlt zu einem der wichtigsten Lernmedien, das den Unterricht, die Motivation und die SelbststĂ€ndigkeit der Lernenden hervorragend unterstĂŒtzen kann (Daniels, 2019).
Durch das Verwenden dieser Videos werden deutlich mehr Informationen aufgenommen und verarbeitet. Das Ansprechen des Seh- und Hörsinnes ist beim Verarbeiten von Informationen bei SuS besonders wichtig. Große Vorteile sind dabei die VielfĂ€ltigkeit der verschiedenen Videos, aber auch die nachvollziehbaren veranschaulichten VorgĂ€nge. Außerdem sind die Videos fĂŒr die SuS ĂŒberall einsehbar und abrufbar, und dies ohne den Missbrauch der VervielfĂ€ltigung urheberrechtlich GeschĂŒtze Werke. Die Videos bieten Abwechslung im Unterricht und besitzen auch einen Unterhaltungsgrad. Didaktisch ist zudem zu erwĂ€hnen, dass verschiedene Kompetenzen bei den SuS angesprochen werden. So sind die Fachkompetenz und die Medienkompetenz besonders zu erwĂ€hnen. Bei der
Fachkompetenz werden aus allen Informationen, die auf YouTube enthalten sind, nur die notwendigen und wichtigsten Infos aus entnommen. Bei der Medienkompetenzen werden die Funktionen von YouTube erlernt, angewendet und bedient, sodass ein Umgang mit der Plattform aber auch mit dem Internet und PC erreicht wird (Daniels, 2019).
Wenn das Urheberrecht verletzt wird, kommt es zu nĂ€chst zu einer Abmahnung, bevor es zu einer Klage und einer Geldbuße kommt. (So agieren hĂ€ufig die AnwĂ€lte. (Information durch die PrĂ€sentation von Kanzlei-Rohner, 19. Juni 2019 im Achimer Rathaus)) Sobald dies geschehen ist, sollte die Lehrkraft sich besser mit dem Urheberrecht auseinandersetzen, wenn dies noch nicht vorher geschah.
Besonders bei YouTube-Videos, die fĂŒr SuS entwickelt wurden sind, in dem kurz und kompakt die wichtigsten Informationen zusammengestellt werden, kann ich mir nicht vorstellen, dass der Urheber das Verwenden im Unterricht nicht fĂŒr sinnvoll erachtet. Jedoch sind viele YouTuber der Meinung, dass ErklĂ€rvideos nicht fĂŒr die vollstĂ€ndige Übermittlung des Fachinhaltes ersetzbar sind. Die Lehrkraft ist fĂŒr diese Übermittlung verantwortlich, die ErklĂ€rvideos sollten dabei nur ErgĂ€nzend eingesetzt werden (siehe z.B. von Simple Club: https://www.youtube.com/watch?v=1GG9jSnq5HM (abgerufen am 27.11.2019).
NatĂŒrlich schĂŒtzt ‚Sinnvoll‘ nicht vor Strafen beim Verletzen des Urheberrechtes. Daher ist einerseits sinnvoll den YouTuber bei einer grĂ¶ĂŸeren Vorstellung oder Verwendung des Videos zu fragen. Auch der Zweck ein Video nur zu nutzen, damit die SuS den Inhalt kompakt erklĂ€rt verstehen, ist fĂŒr LehrkrĂ€fte nicht ausreichend. Ich sehe es lediglich so, dass es durch ein anderes Medium, durch verwenden eines Videos im Unterricht, zu Vertiefung und Festigung der Lerninhalte kommen kann. Auch ein Einstieg in ein Unterrichtsthema ist mit den Videos positiv zu bedenken.
DĂŒrfen nun alle Videos von YouTube im Unterricht den SuS gezeigt werden, die die Angaben wie oben erwĂ€hnt erfĂŒllen? Nein, denn offensichtlich rechtswidrig eingestellte Videos sind verboten. Darunter zĂ€hlen unter anderem Hollywoodfilme, TV Produktionen, Filme mit Altersbegrenzung , extremistische oder sexistische Filme.
FĂŒr SuS gelten die oben genannten Kriterien zur PrĂ€sentation von YouTube-Videos ebenfalls. Außerdem muss auf das allgemeine Jugendschutzgesetz und auf die Rechte an Filmen
geachtet werden, die illegal bei YouTube zu sehen sind. Bei heruntergeladenen Videos sollte die Lehrkraft die SuS auf die ‚Grauzone‘ und die ggf. begangene Straftat hinweisen.
Es kam noch zu keinen Rechtsstreit vom Bundesverfassungsgericht, sodass es noch keine konkrete Richtlinien zum Verwenden, Downloaden und Streaming im Unterricht gibt. Bei einer Straftat wird aus diesem Grund jeder Einzelfall betrachtet (Lehrerfreund, 2015).

Eigene Meinung zum Urheberrecht im Unterricht
Zu Zeiten von Instagram, Lehrerplattformen, ErklĂ€rvideos und Austauschplattformen ist das Gestalten des Unterrichtes vielfĂ€ltiger, aber auch gefĂ€hrlicher geworden. Printmedien werden als Quelle benutzt und Fotokopien oder Filme als Unterrichtsmaterial eingesetzt. Vor ein paar Jahren war die Gefahr, dass man mit dem Urheberrecht in Konflikt geriet, gering. Heute gehen vermutlich die Rechtliche Grundlage des Urheberrecht und die Umsetzung im Unterricht weit auseinander. Viele Aspekte habe ich bereits in dem oben genannten Kapitel ‚Fazit zu YouTube Videos im Unterricht‘ erwĂ€hnt. Dies ist auch auf andere Werke ĂŒbertragbar. NatĂŒrlich sollte sich jede Lehrkraft mit ihren/seinen Rechten und den Rechten des Urhebers auseinander setzen. Dazu ist zu empfehlen, an Weiterbildungen von der Schule oder dem LIS zum ‚Urheberrecht und Film im Unterricht‘ teilzunehmen, um die aktuelle Lage zum Urheberrecht im Unterricht berĂŒcksichtigen zu können.
Trotzdem werden und können LehrkrĂ€fte nicht alles beachten. Sie werden ihr Bestes geben. Dies auch um als Vorbild fĂŒr die SuS zu fungieren. FĂŒr diese wird, mit dem sorgfĂ€ltigen und bedachten Umgang des Urhebergesetzt der Lehrkraft, der eigene Umgang und die Nutzung des Internet umsichtiger.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass das Urheberrecht eine wichtige Rolle spielt, denn das Arbeiten in Computer-RĂ€umen, das EinfĂŒhren von WLAN in der Schule, das Speichern von Dateien in Clouds und die unendlichen Daten im Internet zur Nutzung von Referaten werden sich in Zukunft vermehren. Dieser Wandel ist eine Chance und erforderlich bei dem heutigen technischen Fortschritt. Nur die Schule darf bei dem Wandel nicht hinter hĂ€ngen und muss sich da Rechtlich absichern.

Literaturverzeichnis
Bundesministerium der Justiz und fĂŒr Verbraucherschutz. 1965. Gesetz ĂŒber Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (Urheberrechtsgesetz). [Online] Bundesamt fĂŒr Justiz, 09.. 09. 1965. [Zitat vom: 06. 20 2019.] https://www.gesetze-im-internet.de/urhg/BJNR012730965.html.
Cornelsen. 2019. Cornelsen. [Online] 2019. [Zitat vom: 02. 12 2019.] https://www.cornelsen.de/magazin/beitraege/besser-unterrichten-mit-videos.
Daniels, Nic. 2019. lehrer-online. [Online] 2019. [Zitat vom: 01. 12 2019.] https://www.lehrer-online.de/unterricht/sekundarstufen/geisteswissenschaften/deutsch/unterrichtseinheit/ue/youtube-im-unterricht/.
Lehrerfreund, Der. 2015. Der Lehrerfreund. [Online] 08. 10 2015. [Zitat vom: 25. 11 2019.] https://www.lehrerfreund.de/schule/1s/youtube-unterricht-recht/4671.
MLS-Legal. 2019. MLS-Legal. [Online] 2019. [Zitat vom: 01. 12 2019.] www.mls-legal.de/institut.
Urheberrecht. 2019. Urheberrecht. [Online] 2019. [Zitat vom: 21. 11 2019.] https://www.urheberrecht.de/#Urheberrecht-beim-Film.
Urheberrecht.de. urheberrecht.de. [Online] [Zitat vom: 25. 11 2019.] https://www.urheberrecht.de/schule/.
YouTube. 2019. YouTube. [Online] 02 2019. [Zitat vom: 01. 12 2019.] https://www.youtube.com/t/terms.

 

CC-BY-SA: Eva Buthge