Reflexionsbericht
Thema: ErklÀrvideos im Deutschunterricht
Im Rahmen des Seminars âMediendidaktik und Medienbildung: Reflexion und Bewertung von EinsĂ€tzen digitaler Elemente in der Lehreâ haben wir uns mit verschiedenen Möglichkeiten und Programmen, aber auch Grundlagen des Einsatzes digitaler Medien in der Schule, auseinandergesetzt. Dabei sind sowohl strukturelle als auch organisatorische UmstĂ€nde zu bedenken. Die Medienkompetenz seitens der LehrkrĂ€fte muss dabei ebenfalls geschult, mindestens aber besprochen werden, damit die MĂ€ngel deutlich werden. In den kritischen Diskussionen stach vor allem immer ein Thema hervor: Wie kann mit den einzelnen Medien umgegangen werden, sodass das Urheberrecht bestehen bleibt und auch die Quellenlage, welche bei multimedialen Onlinequellen schwieriger sein kann als bei herausgegebener schriftlicher Literatur, in kompetenter Form im oder vor dem Unterricht behandelt wird?
Eben jene Frage stand auch bei der Diskussion von Videos im Unterricht im Raum und hat sich bei mir unter verschiedenen Aspekten eingeprĂ€gt. Dementsprechend widmet sich dieser Reflexionsbericht diesem Thema. Dazu wird zuerst kurz der Einsatz von Videos im Unterricht erlĂ€utert. Dies geschieht am Beispiel des ErklĂ€rvideos, da diese momentan sehr populĂ€r sind. Nicht nur ich habe allein in diesem Semester schon zwei Seminare zu ErklĂ€rvideos erleben mĂŒssen, wobei die kritische Formulierung von âmĂŒssenâ bewusst gewĂ€hlt ist, wie ich spĂ€ter darstellen werde. Auch zeigt eine Statistik, wie die Vortragsgruppe des Themas ErklĂ€rvideos am 12.12.2019 aufzeigte, dass 60 % der Jugendlichen bereits 2012 ErklĂ€rvideos auf Plattformen wie YouTube nutzen, um sich auf die Schule vorzubereiten[1]. Dieser Trend muss als steigend angenommen werden. Nach der EinfĂŒhrung in das Thema der ErklĂ€rvideos wird dann am konkreten Beispiel des Deutschunterrichts herausgearbeitet, wie und ob ErklĂ€rvideos produktiv eingesetzt werden können. Der Deutschunterricht ist dabei aus persönlichem Bezug gewĂ€hlt worden, aber auch, weil dieser sehr gut zur zweiten Frage des Reflexionsberichts passt. DarĂŒber hinaus habe ich mich nĂ€mlich gefragt, inwiefern die (Umgangs-) Sprache in ErklĂ€rvideos förderlich oder nicht förderlich fĂŒr den Gebrauch in der Schule ist und möchte dies mit Hilfe einer Forschung aus dem Bereich der Sprachwissenschaft reflektieren.
Welchen Vorteil bietet der Einsatz von ErklĂ€rvideos im Unterricht? Welche didaktischen VorĂŒberlegungen sollten getroffen werden?[2] Zum einen bieten ErklĂ€rvideos die Möglichkeit, an das Vorwissen der SchĂŒlerInnen anzuknĂŒpfen. Die Lebenswelt der SchĂŒlerInnen kann mit einbezogen werden und die vermuteten privaten Rezeptionsgewohnheiten der SchĂŒlerInnen können genutzt werden. Dabei muss allerdings an dieser Stelle auch bedacht werden, dass private und institutionelle Rezeption von Medien, also, was die Kinder Zuhause schauen und welche Videos im Unterricht geeignet sind, unterschiedlicher Art und Weise sind. Der Bildungsanspruch darf ĂŒber den Einsatz medialer interessanter und Neugierde weckender Videos nicht vergessen werden. Zum anderen haben ErklĂ€rvideos inklusiven Charakter. Dies meint, dass die thematische und gestalterische Vielfalt es ebenfalls einer heterogenen Klasse möglich machen sollte, Zugang zu einem Thema zu finden. Dies meint natĂŒrlich aber auch, dass man sowohl in Ort, Zeit als auch Sprache flexibel bleibt, denn ErklĂ€rvideos sind Jedem und Jederzeit zugĂ€nglich. Hierbei sollte allerdings nicht vergessen werden, dass obwohl gerade Jugendliche medial sehr aktiv sind, nicht immer vorausgesetzt werden darf, dass alle SuS Zugang zu Computern, Pads oder dem Internet schlechthin haben. Ebenfalls kann die QualitĂ€t der GerĂ€te und Zugriffsmöglichkeiten, die die Kinder Zuhause haben, differieren, sodass eine sehr sensible soziale Dimension unterminiert wird. Zu guter Letzt sind zwei Dimensionen beim Einsatz von ErklĂ€rvideos dringend zu bearbeiten, wenn man diese im Unterricht einsetzen möchte, nĂ€mlich die Medienkritik und die Medienreflexion. Beides sind ĂŒberfachliche Kompetenzentwicklungen, die erst im Laufe der schulischen Arbeit erlernt werden mĂŒssen. Es geht dabei darum, ĂŒber die Spezifika der einzelnen Medien in Form einer Medienanalyse nachzudenken, also unter anderem die Quellenfrage zu stellen. Welche QualitĂ€t hat das Video? Wer hat es warum und fĂŒr wen erstellt? Wie verĂ€ndert die darstellerische Aufbereitung den Inhalt und die Auffassung der Rezipienten? Die Medienkritik handelt davon auch alters- oder genderspezifische Aspekte zu bedenken. Dabei mĂŒssen die SuS mit einbezogen werden und es darf kein Be- oder Verurteilen durch die Lehrperson stattfinden. Gerade der inhaltliche Aspekt sowie der Aspekt der Quellenfrage sind schwierige Anliegen, die genauer reflektiert werden mĂŒssen. Dabei möchte ich nochmal RĂŒckbezug nehmen zu den einleitenden Worten dieses Reflexionsberichtes und dem eher ernĂŒchternd wirkenden Statement zu Seminaren in der Uni die uns beibringen, ErklĂ€rvideos umzusetzen. Der Inhalt von ErklĂ€rvideos ist entscheidend fĂŒr die Frage, ob Videos eingesetzt werden sollten oder nicht. In beiden Seminaren aus zwei verschiedenen fachlichen Instituten habe ich hingegen allerdings nur mitgenommen, dass komplexe Inhalte in 3 Minuten gepresst werden mĂŒssen und Informationen dabei oft vernachlĂ€ssigt werden. Es wurde hingegen viel besprochen, wie zum Beispiel I-Motion funktioniert und, dass unsere ErklĂ€rvideos durch die Anwendung verschiedener Techniken besonders medial auffĂ€llig werden. NatĂŒrlich muss eine interessante Aufbereitung der Themen stattfinden, damit das Interesse der SuS spĂ€ter geweckt wird. Dennoch finde ich es schade, dass selbst auf universitĂ€rer Ebene nicht gelehrt wird, die entscheidenden Informationen bewusst zu filtern und didaktisch sinnvoll zu kĂŒrzen oder aufzubereiten. Vielmehr geht es darum, technisch begabt zu wirken und SuS zu beeindrucken. Videos sollten ein Unterrichtsmittel bleiben, aber auf keinen Fall die inhaltliche Dimension ersetzen.
Auch der Bildungsplan im Land Bremen greift sehr kurz, was den Einsatz von Medien im Unterricht angeht. Unter âMedien verstehen und nutzenâ[3] wird fĂŒr die 6.Klasse festgehalten, dass folgende ĂŒberfachliche Kompetenzen erreicht werden sollen:
- medienspezifische Formen unterscheiden und Vermutungen ĂŒber ihre Wirkung Anstellen
- Medien zum Erarbeiten und Ăben spezifischer Fertigkeiten nutzen
- Medien zur PrÀsentation ihrer Arbeitsergebnisse und zur Àsthetischen Produktion Nutzen
- die Informationsmöglichkeiten unterschiedlicher Medien mit Hilfestellungen Nutzen
Dies entspricht den verschiedenen Dimensionen und didaktischen VorĂŒberlegungen, die zu ErklĂ€rvideos und Medien im Unterricht erlĂ€utert wurden. Die Medienkritik findet sich in dem ersten Punkt wieder, wenn die medienspezifischen Formen unterschiedenen und deren Wirkung abgemessen und verstanden werden können soll. Die Informationsmöglichkeiten von Medien ĂŒberhaupt erst zu nutzen entspricht wiederum mehr dem Lernen ĂŒber Medien aber auch dem Bereich der Anwendung von Medien.
Im Bereich des Verwendens von Medien und in Fall dieses Reflexionsberichtes dem Verwenden von ErklĂ€rvideo soll an dieser Stelle vor allem fĂŒr eine Art des Einsatzes von Video Partei ergriffen werden, nĂ€mlich der Produktionsorientierung. Diese entspricht zum Beispiel auch den Punkten des Bildungsplanes Medien zum Erarbeiten und Ăben spezifischer FĂ€higkeiten oder zur PrĂ€sentation von Arbeitsergebnissen und Ă€sthetischer Produktion zu nutzen. Im Rahmen des Seminars wurde immer wieder angesprochen, dass Produktionsorientierung sehr zeitintensiv ist und dies ein groĂer Nachteil sei. Dem Argument ist natĂŒrlich zuzustimmen. Dennoch sollte abgewogen werden, ob die vermeintliche Angst vor Mehraufwand und das Investieren von âzu vielâ Zeit ein guter Grund ist, den SchĂŒlerInnen die Möglichkeit zu nehmen, Medienkompetenz an Unterrichtsinhalte gebunden zu erlernen. Auch denke ich, dass das Entwickeln eines eigenen ErklĂ€rvideos in Gruppen noch deutlich mehr Kompetenzen schult, als das bloĂe Benutzen von Videos im Unterricht. Die Produktion und PrĂ€sentation von ErklĂ€rvideos[4] vereint in sich nĂ€mlich eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema des ErklĂ€rvideos, da die SchĂŒlerInnen einen fachgebundenen und oft sehr komplexen Inhalt so reduzieren mĂŒssen, dass er in einem ErklĂ€rvideo prĂ€sentiert werden kann, aber dennoch die inhaltliche KomplexitĂ€t nicht vollstĂ€ndig verloren geht. Jeder, der bereits selbst versucht hat ein ErklĂ€rvideo zu drehen oder in schulischen/universitĂ€ren Seminaren ErklĂ€rvideos begegnet ist, weiĂ um die Schwierigkeit dessen. DarĂŒber hinaus wird die soziale Ebene geschult, denn es muss eine interaktive Gruppenarbeit stattfinden. SchĂŒlerInnen können kein Video alleine drehen, sondern es macht Sinn, sie in Gruppen von 3-5 SchĂŒlerInnen gemeinsam ein Video erstellen zu lassen. NatĂŒrlich kann man argumentieren, dass Gruppenarbeit auch ohne ErklĂ€rvideo möglich ist. Dennoch bleibt die Produktion eines ErklĂ€rvideos ein besonders kreativ-exploratives Lernen, welches durch die Sozialform der Gruppenarbeit nur hervorgehoben wird. ZusĂ€tzlich wird durch die Produktionsorientierung auch das Prinzip âLernen durch Lehrenâ angewendet. Dies heiĂt also, dass der Unterricht Lehrerdezentriert stattfindet. Damit sind viele Möglichkeiten geboten, dass die SchĂŒlerInnen neben der Medienkompetenzen und der inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Thema auch lernen, Verantwortung zu ĂŒbernehmen und fĂŒr ihre Ergebnisse einzustehen beziehungsweise sie prĂ€sentieren zu können. Neben all den ĂŒberfachlichen Kompetenzen, die die Produktionsorientierung unterstĂŒtzt, wird auch ganz grundlegend das Bedienen und Anwenden von GerĂ€ten und Programmen der Videoproduktion erlernt. Auch dies ist eine Medienkompetenz, die bereits vielen LeherInnen fehlt und welche wesentlich zu erlernen ist.
Konkret bezogen auf den Deutschunterricht sind zusĂ€tzliche Kompetenzen, die geschult werden können: Informieren (Beispiel: Informationen adressatenbezogen weitergeben und dabei einfache PrĂ€sentations- und Visualisierungsformen nutzen) oder ErzĂ€hlen/Berichten/Beschreiben (Beispiel: ĂŒber Sachverhalte in geordneter und verstĂ€ndlicher Form berichten). Ich denke, dass deutlich ist, dass ErklĂ€rvideos in verschiedener Form im Deutschunterricht eingesetzt werden können. TatsĂ€chlich können ErklĂ€rvideos durchaus auch als mediale Weiterentwicklung von Vorgangsbeschreibungen verstanden werden. Ein Tutorial zum Flicken eines Fahrradschlauches zum Beispiel ist im Prinzip die Visualisierung und mediale Aufarbeitung eines Textes einer Vorgangsbeschreibung. Ein besonders schönes Beispiel hat dazu die Anton-Weilmaier-Schule geliefert. Sie haben folgende Unterrichtssequenz durchgefĂŒhrt und damit anschaulich gemacht, wie produktionsorientierte Arbeit mit ErklĂ€rvideos im Unterricht funktionieren kann[5]:
- Erarbeitung von Struktur und Stilmitteln einer Vorgangsbeschreibung am konkreten Beispiel Rezept (Bananenmilch).
- Erstellen eines E-Books zu einem vorgegebenen Rezept (MĂŒsli)
- Drehen eines eigenen ErklÀrvideos zu einem persönlichen Lieblingsrezept.
PrÀsentieren der Videos vor der Klasse
Feedback der MitschĂŒler zu Aufbau, Umsetzung und Inhalt.
- Festhalten vereinzelter Videos in schriftlicher Form.
RĂŒckmeldung durch die Lehrkraft.
- Dokumentation des Lernzuwachses durch das Verschriftlichen eines selbstgedrehten ErklÀrvideos.
Sie sind also ĂŒber die klassische Vorgangsbeschreibung zu einer medialen Dimension gewechselt und haben somit Medienkompetenz am Beispiel eines ErklĂ€rvideos in den klassischen Deutschunterricht integriert.
Nun ist also deutlich, inwiefern ErklĂ€rvideos generell als mediale Komponente zum Unterricht beitragen können und, dass man sein Vorgehen kritisch reflektieren sollte bevor der Einsatz von Videos die Ăberhand nimmt und die inhaltliche Dimension abschwĂ€cht. Auch ist deutlich, dass ich eher fĂŒr die Produktionsorientierung als fĂŒr die Rezeption von ErklĂ€rvideos votiere. Am Beispiel der Anton-Weilmaier-Schule wird deutlich, wie dies konkret im Deutschunterricht erfolgen kann. In einem letzten Schritt wird eine weitere Diskussionsfrage des Seminars aufgegriffen, nĂ€mlich die sprachliche Komponente.
In der Seminardiskussion wurde angesprochen, dass in ErklĂ€rvideos oft Umgangs- und Jugendsprache verwendet werden wĂŒrde, welche im Unterricht keinen Platz haben dĂŒrfte, da zum Beispiel Beleidigungen enthalten sein können. Diese Feststellung ist durchaus richtig. Dieses PhĂ€nomen ist allerdings keines, welches nur bei ErklĂ€rvideos auftritt. Generell hat sich die Sprache verĂ€ndert. Und das, was in der Forschung als âJugendspracheâ verstanden wird, wirkt oft auf Ă€ltere RezipientInnen als unhöflich und beleidigend. Dennoch ist die Sprachforschung schon so weit, anzuerkennen, dass jugendsprachliche Umgangsformen nicht beleidigend oder unhöflich sind[6]. Sie sind lediglich âandersâ. Der Konflikt entsteht, da die Auffassungen zu Anstandsnormen differieren. Was den ZuhörerInnen entgeht, ist, dass Jugendliche ĂŒber ihre eigene Jugendsprache reflektieren. Ihnen mag nicht zu jeder Zeit und bei jeder ĂuĂerung bewusst sein, dass sie EinflĂŒssen, wie InterkulturalitĂ€t und sozialen Medien, unterliegen. Dennoch können sie verschiedene Höflichkeitsstile entwickeln und diese kontextsensitiv, sowie adressatenorientiert einsetzen. Ein Beispiel aus der Forschung von Eva Neuland zeigt dies. Auf die Frage, wie SchĂŒlerInnen andere Personen begrĂŒĂen, geben die verschiedene Antworten. Sie begrĂŒĂen in institutionellen Kontexten unter anderem so[7]:
(8) freundliche BegrĂŒĂung (Hauptschule, Jgst. 7)
(9) Ich sage Menschen die ich treffe sage ich Guten Tag (Hauptschule, Jgst. 7)
(10) Einen wunderschönen Guten Tag (Hauptschule, Jgst. 7)
(11) Guten Morgen Frau X, wie geht es ihnen heute? (Hauptschule, Jgst. 9)
(12) Hallo und TschĂŒss sagen (Gymnasium, Jgst. 7)
(13) Neue Leute höflich begrĂŒĂen (Gymnasium, Jgst. 9)
Im Umgang mit ihrer Peer-Group hingegen wĂŒrden Sie sich folgendermaĂen Ă€uĂern:
(26)Hey, was geht (Hauptschule, Jgst. 7)
(27) Was geht ab Bruder (Hauptschule, Jgst. 7)
(28)Ich spreche manchmal nicht höflich mit den Freunden (Hauptschule, Jgst. 7)
(29) Wir benutzen das Wort Opfer oder Dödel aber nur zum Spaà (Realschule, Jgst. 8)
(30)Hallo (Hauptschule, Jgst. 9)
(31) Du, Hallo (Gymnasium, Jgst. 7)
Es ist also deutlich, dass die Jugendlichen zu unterscheiden wissen. In der Forschung von Neuland antworten sie auch eindrucksvoll und reflektiert darauf, wieso dem so sein könnte.
âManche nutzen ja auch die Pause, also im Unterricht muss man ja höflich und respektvoll sein, das is ja wie so ne Regel halt. Manche nutzen aber auch die Pause aus, um halt da halt, ein bisschen Dampf abzulassen und da halt unhöflich oder respektvoll sein. Aber nicht gegen den Lehrer. Vielleicht mit Freunden halt, dass man so extra so aus SpaĂ so sagt, um den anderen halt zu erleichtern. [âŠ] In der Ăffentlichkeit ist das ja so, dass es so wie eine Pflicht ist, höflich zu sein zu anderen, weil das jetzt Ă€hm, man will sein Bild halt nicht ruinieren. Aber halt mit Freunden ist das ja so, so nen sicherer Bereich, wo man tun und lassen kann, was man will. Ich glaub die einzige Grenze ist vielleicht ein Geheimnis oder so Ă€hm sozusagen halt, wo der andere naja, nicht will, dass es gesagt wird, aber so von der Redensart haben wir eigentlich kaum Grenzen (lacht). (Murat, RG 01, 12. Klasse)â[8]
Es geht also bei der Jugendsprache nicht darum, unhöflich oder respektlos zu sein. Vielmehr ist diese Dichotomie aufgehoben. Es hat sich ein Spannungsfeld zwischen Ernst- und Scherzhaftigkeit entwickelt. Das Stichwort ist nicht mehr âHöflichkeitâ sondern eher âRespektâ. Dass dieser Respekt erhalten bleibt, auch bei einer fĂŒr uns unĂŒblichen ĂuĂerungsform, zeigt das Ausbleiben aggressiver Gegenreaktionen anderer SchĂŒlerInnen. Dementsprechend finde ich auch, dass in ErklĂ€rvideos, sofern sie als Medium von SchĂŒlerInnen fĂŒr SchĂŒlerInnen verstanden werden, der Freiraum gegeben werden sollte, eine sprachliche VielfĂ€ltigkeit und begrĂŒndete AuthentizitĂ€t zuzulassen. Wenn die ErklĂ€rvideos in der Produktion und bei der Auseinandersetzung mit der eigenen Sprach- und Wortwahl dann noch erzeugen, dass diese KontextsensitivitĂ€t weiter geschult wird, ist sogar eine weitere Kompetenz neben der Medienkompetenz geschult worden.
Neben aller Kritik erscheinen mir ErklĂ€rvideos, gerade in der Produktionsorientierung, als eine geeignete Herangehensweise, um den Deutschunterricht medial zu unterstĂŒtzen.
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Literaturverzeichnis:
Anders/Staiger/Albrecht/RĂŒsel/Vorst (2019): EinfĂŒhrung in die Filmdidaktik. Kapitel 18: ErklĂ€rvideos. J.B. Metzler, Berlin.
Eva Neuland (2018): âHöflichkeit? Respekt!â Jugendtypische Umgangsformen mit sprachlicher Höflichkeit. In: Ziegler, Arne (2018): Jugendsprachen. Aktuelle Perspektiven internationaler Forschung. Berlin: De Gruyter.
MedienpĂ€dagogischer Forschungsverbund SĂŒdwest (2018): JIM-Studie 2018: Jugend, Information, Medien. Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-JĂ€hriger. Stuttgart.
Online Quellen:
https://sfz-hausham.de/aktuelles/aktionen/
www.filmundschule.nrw.de
https://www.lis.bremen.de/schulqualitaet/curriculumentwicklung/bildungsplaene/sekundarbereich_i-15226
[1]Vgl.: MedienpĂ€dagogischer Forschungsverbund SĂŒdwest (2018): JIM-Studie 2018: Jugend, Information, Medien. Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-JĂ€hriger. Stuttgart.
[2] Vgl.: Anders/Staiger/Albrecht/RĂŒsel/Vorst (2019): EinfĂŒhrung in die Filmdidaktik. Kapitel 18: ErklĂ€rvideos. J.B. Metzler, Berlin.
[3] Vgl.: https://www.lis.bremen.de/schulqualitaet/curriculumentwicklung/bildungsplaene/sekundarbereich_i-15226
[4] Vgl. auch: www.filmundschule.nrw.de
[5] Vgl.: https://sfz-hausham.de/aktuelles/aktionen/
[6] Vgl.: Eva Neuland (2018): âHöflichkeit? Respekt!â Jugendtypische Umgangsformen mit sprachlicher Höflichkeit. In: Ziegler, Arne (2018): Jugendsprachen. Aktuelle Perspektiven internationaler Forschung. Berlin: De Gruyter, 211-229.
[7] Neuland: 219
[8] Neuland: 225