Medienexposition über COVID-19

Zusammenfassung und Diskussion von:

Garfin, D. R., Silver, R. C., & Holman, E. A. (2020). The novel coronavirus (COVID-2019) outbreak: Amplification of public health consequences by media exposure. Health Psychology. Advance online publication. https://doi.org/10.1037/hea0000875

Kernaussagen:

  • Während Krisensituationen ist zuverlässige und akkurate Berichterstattung sehr wichtig.
  • Durch unklare und furchteinflößende Berichterstattung können sowohl psychische Belastung als auch Probleme in der Gesundheitsversorgung entstehen.
  • Soziale Medien sollten gezielt zur Kommunikation akkurater Risiko- und Gesundheitsinformation genutzt werden.

Hintergrund

Im Rahmen der Corona-Krise nimmt auch die Berichterstattung über die Pandemie sowie über die gesellschaftlichen, sozialen, und ökonomischen Folgen der Pandemie zu. Während es auf der einen Seite sehr wichtig ist, zeitnah akkurate und wichtige Informationen zu einer Gesundheitskrise wie der aktuellen Pandemie zu kommunizieren, kann die Menge und potenziell angstauslösende Inhalte Ängste und Probleme in der Gesundheitsversorgung auslösen.

Zusammenfassung

Garfin et al. leiten aus ihren eigenen und verwandten Forschungsarbeiten zu psychischer Gesundheit in Folge von öffentlichen Krisensituationen (insbesondere 9/11, die Attentate auf den Boston Marathon und die Ebola-Krise) Erkenntnisse über die Berichterstattung aktueller Gesundheitskrisen ab.

Ergebnisse

Welche negativen Folgen kann Berichterstattung haben?

  • Unklare Berichterstattung oder Berichterstattung über eine unklare Lage kann zu einer Zunahme von Gerüchten und damit Fehlinformationen führen.
  • Abstrakte und schwer wahrnehmbare Risiken wie eine neuartige Viruserkrankung lösen mehr Ängste aus als bekannte (und möglicherweise ebenso schwerwiegende) Erkrankungen
  • Berichterstattung, die reißerische Begriffe und potenziell furchterregende Bilder benutzt, kann Ängste auslösen.
  • Studien im Zusammenhang mit 9/11 konnten einen direkten Zusammenhang zwischen dem Ausmaß von konsumierter Berichterstattung (Stunden pro Tag) und psychischen sowie körperlichen Gesundheitsproblemen feststellen – insbesondere Symptome posttraumatischer Belastungsstörungen waren noch nach mehreren Jahren nachzuweisen.
  • Berichterstattung kann zu einer übermäßigen Belastung der Versorgungssysteme führen, insbesondere dann, wenn Notaufnahmen und Notrufnummern ohne Vorliegen eines Notfalls in Anspruch genommen werden, aber auch, wenn aus Furcht vor Versorgungsengpässen medizinisch wichtige Produkte wie Desinfektionsmittel oder Atemschutzmasken gehortet werden.
  • Ein verantwortungsvoller Umgang mit sozialen Medien durch Akteure im Gesundheitssystem könnte helfen, mit potenziell unklarer Berichterstattung besser umzugehen.

Wie können negative Folgen von Berichterstattung vermieden werden?

  • Akkurate und zeitnahe Information ist in Krisensituationen unabdingbar, vor allem auch, um Missverständnissen und Ängsten in der Bevölkerung vorzubeugen.
  • Dabei ist vor allem darauf zu achten, dass Berichterstattung klar und so wenig missverständlich wie möglich geschieht.
  • Durch strategischen Einsatz von sozialen Medien kann Fehlinformationen, die sich vor allem in sozialen Medien schnell verbreiten, vorgebeugt werden.

Einordnung der Studie

Dieser Kommentar weist auf einen wichtigen, oft vernachlässigten Aspekt von Berichterstattung in Krisensituationen hin. Neben der Zeitnähe sind vor allem die Güte, Verständlichkeit und Eindeutigkeit von Nachrichten wichtig, um Ängste und Sorgen in der Bevölkerung vorzubeugen.

Auch wenn dieser Kommentar im Anbetracht der Aktualität der COVID-19-Krise keine aktuellen Daten verwenden kann, scheinen die Rückschlüsse aus früheren Studien zu vergleichbaren nationalen und internationalen Krisensituationen zulässig. Das Risiko, durch unklare Berichterstattung (ganz zu schweigen von reißerischen Berichten) psychische Probleme hervorzurufen, sollte nicht vernachlässigt werden.

Vor allem im deutschen Kontext, in dem durch die föderale Struktur die Umsetzung von gesundheitlichen Maßnahmen heterogen ausfallen kann, sind diese Ergebnisse wichtig – weil sie aufzeigen, wie wichtig eindeutige und klar kommunizierte Informationen sind.

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