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Wenn die Zukunft Angst macht

Zukunftsangst: ein Gefühl, das sich bei jedem Menschen anders anfühlt und doch oft nach dem gleichen Muster entsteht, die Angst vor dem Ungewissen. Vor einer Zukunft, die noch nicht geschrieben ist und auf die es scheinbar keine richtige Antwort gibt. Besonders viele Studierende kennen dieses Gefühl nur zu gut. Schließlich ist das Studium eine Zeit voller Möglichkeiten. Eigentlich etwas Schönes und trotzdem kann genau das schnell überfordernd werden. Denn wenn einem gefühlt alle Türen offenstehen, fällt es oft umso schwerer, sich für eine davon zu entscheiden. 

Aber warum trifft Zukunftsangst gerade bei Studierende so häufig ein?

Während der Schulzeit war der nächste Schritt meist klar. Nach der neunten Klasse kam die zehnte. Danach das Abitur. Und plötzlich endet dieser vorgezeichnete Weg. Gerade im Studium scheint auf einmal alles möglich zu sein. Klingt erstmal nach Freiheit. Kann aber auch ziemlich schnell überfordern. Denn wo früher ein Weg vorgegeben war, gibt es jetzt unzählige Möglichkeiten. Master oder Berufseinstieg? Ausland? Praktikum? Promotion? Quereinstieg? Und was, wenn sich die Entscheidung später als falsch herausstellt?

Besonders in Studiengängen, die nicht direkt auf einen festen Beruf vorbereiten, kann diese Unsicherheit noch größer werden. Fragen wie „Wo soll es später einmal hingehen? Was möchte ich eigentlich beruflich machen? Und was, wenn ich mich falsch entscheide?“ begleiten viele Studierende über mehrere Semester. Hinzu kommt der ständige Vergleich mit anderen. Über Social Media sieht es oft so aus, als hätten alle längst ihren Traumjob gefunden, ihren Karriereplan geschrieben und genau zu wissen, wohin sie möchten. Dabei sehen wir meistens nur das Ergebnis, nicht die Zweifel, die davor standen.

Ein großer Auslöser ist die Unsicherheit. Denn unser Gehirn liebt Planung und Kontrolle. Es möchte wissen, was als Nächstes passiert, welche Entscheidung die richtige ist und ob wir später einmal glücklich werden. Nur leider funktioniert das Leben nicht nach einem festen Plan. Die Zukunft ist ungewiss und genau das macht vielen Menschen Angst. In den „wilden“ Zwanzigern ensteht somit schnell mal das Gefühl, man müsse bereits alles wissen, dabei ist doch genau das die Lebensphase, in der das Ausprobieren und das „nicht wissen wohin“ völlig normla ist! Und genau das vergessen wir oft, es ist natürlich nicht die Lösung wodurch diese Angst einfach verschwindet, doch manchmal hilft es schon, den Blickwinkel ein wenig zu verändern. 

Ein Konzept, welches ich sehr spannend finde und das dabei helfen kann, stammt aus Japan und nennt sich Ikigai. Das Wort bedeutet sinngemäß so viel wie „der Grund, morgens aufzustehen“ oder „das, was dem Leben Sinn gibt“. Dabei geht es nicht darum, sofort den einen perfekten Beruf oder den einen richtigen Lebensweg zu finden. Vielmehr lädt Ikigai dazu ein, sich selbst besser kennenzulernen.

Das Modell basiert auf vier einfachen Fragen:

  • Was liebe ich?
  • Worin bin ich gut?
  • Was braucht die Welt?
  • Womit kann ich später meinen Lebensunterhalt verdienen?

Vielleicht hast du diese vier Kreise schon einmal auf Social Media gesehen. Oft wird dort suggeriert, dass sich genau in ihrer Mitte die perfekte Berufung versteckt. So einfach ist es allerdings nicht. Vielmehr kann das Modell dabei helfen, die eigenen Gedanken erst einmal zu sortieren. Denn eigentlich geht es gar nicht darum, sofort den perfekten Schnittpunkt zu finden. Viel spannender sind nämlich die Fragen selbst. Wann hast du dir zuletzt bewusst Zeit genommen, darüber nachzudenken, was dir wirklich Freude bereitet? Nicht das, was andere von dir erwarten. Nicht das, womit man vermeintlich viel Geld verdienen kann. Sondern das, worauf du wirklich Lust hast. Natürlich wirst du diese Fragen wahrscheinlich nicht an einem Nachmittag beantworten können. Und genau das ist auch gar nicht das Ziel. Ikigai soll keinen Druck erzeugen, sondern ihn vielmehr nehmen. Es erinnert uns daran, dass Orientierung nicht plötzlich da ist, sondern nach und nach entsteht!

Quellen zum weiteren Nachlesen:

1. https://www.jstage.jst.go.jp/article/jahp/19/1/19_56/_article? 

2. https://link.springer.com/article/10.1007/s11469-022-00764-7?

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