Daten & Downloads

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Forschungsinstrumente

GQEV: Gestaltungsqualität Erklärvideos

DOI 10.13140/RG.2.2.18406.29763

Zur Analyse von Erklärvideos und Tutorials wurde der Kodierleitfaden “Gestaltungsqualität von Erklärvideos (GQEV)” entwickelt. Dieser wurde in der Arbeitsgruppe Medienpädagogik an der Universität Bremen erarbeitet (Wolf und Kratzer 2015; Wolf 2015, 127) und im Rahmen des Dab-J-Projektes weiterentwickelt (Wolf et al. 2022). Der GQEV dient dazu, Erklär- und Gestaltungsstrukturen von Erklärvideos und die dazugehörigen Kommunikationspraktiken im digitalen Lernraum systematisch zu erfassen und für eine Analyse zugänglich zu machen.

[Download des GQEV in Version 2.0.2]

Der Kodierleitfaden setzt sich aus Variablen zu insgesamt drei Analysedimensionen Metadaten, Didaktik und Audio-visuelle Gestaltung zusammen. Zur Überarbeitung des GQEV wurden zusammen mit unseren Projektpartnern an der RWTH Aachen weitere vorhandene Kodierleitfäden gesichtet (Kulgemeyer 2019; Schön und Ebner 2020) und deduktiv Variablen entlang unseres theoretisch begründeten Erkenntnisinteresses hinzugefügt. Auf Basis einer probehaften Kodierung wurden induktiv weitere Gestaltungsaspekte aufgenommen und die vorhandenen Variablen weiter ausdifferenziert, um eine detaillierte Beschreibung der Videoinhalte zu ermöglichen und auf geänderte Gestaltungspraktiken und Funktionen der Videoplattform YouTube zu reagieren. Insgesamt besteht das hier verwendete Kodierschema aus 157 Variablen mit verschiedenen Skalenniveaus  sowie Freitextfeldern zur Eingabe nicht standardisierter kurzer Beschreibungen (Wolf et al. 2022).

Zur Analyse von englischsprachigen Videos auch durch englischsprachige Kodierer:innen wurde der Analyseleitfaden zusätzlich ins Englische übertragen und leicht adaptiert (z.B. in Bezug auf die Ansprache-Formate Du vs. Sie).

Die Kodierdimension 1 (“Metadaten”) umfasst in 70 Variablen allgemeine Angaben über Merkmale des betreffenden Videos, dessen Inhalte sowie Präsentation auf YouTube. Außerdem werden Angaben zur Rezeption und Kommentierung zusammengefasst. Dokumentiert werden z. B. Themenfeld, Videotitel, Kanalname, Länge des Videos und Metriken wie die Anzahl von Kanalabos, Videoviews, Likes, Dislikes sowie die Uploadfrequenz des Kanals. Kodiert wird weiter, ob es sich beim Video um ein Kollaborationsprojekt handelt, d. h. ob eine Kooperation aus mehreren inhaltlich zum Video beitragenden Personen besteht. Erhoben werden darüber hinaus Beobachtungen zur Gestaltung des Thumbnails (Vorschaubild), z. B. ob Personen zu sehen sind, ob gestalterische Besonderheiten beschrieben werden können und ob das Vorschaubild als seriös wahrgenommen wird. Bezüglich der Verlinkung auf externe Ressourcen werden die Verlinkungen in der Videobeschreibung z. B. zu gezeigten Produkten und Verweise auf weitere Social Media Profile (z. B. Instagram und TikTok) oder Homepages festgehalten. Neben der Anzahl der Kommentare werden auch die Art der Kommentare (z. B. Fragen, Feedback, Danksagungen, Reaktionen von Produzent:innen) und die Tonlage des Diskurses als eher positiv/unterstützend oder eher negativ/kritisch/abwertend kodiert.

In Kodierdimension 2 (“didaktische Gestaltung”) werden Daten in 58 Variablen zur didaktischen Gestaltung des Videos erhoben. Hier stehen didaktische Elemente wie Erklär- und Videostrukturen, inhaltliche Klarheit, eingesetzte Erklärmittel, Aufmerksamkeits- und Motivationserzeugung, die Erklärsituationen, Kommunikation und verwendete Sprache im Fokus der Datenerhebung (vgl. Wolf und Kratzer 2015, 35). Die hierfür entwickelten Variablen basieren auf Erkenntnissen der praktischen Lehrer:innenausbildung nach Meyer (2020), der empirischen Unterrichtsforschung (Hattie 2012; Helmke und Schrader 2008; Oser et al. 1999), dem Instruktionsdesign (Klauer & Leutner 2012; Hasselhorn & Gold 2017), der Medienpsychologie (Mayer 2014), der allgemeinen Didaktik (Kiel 1999) und der Fachdidaktik (Kulgemeyer 2018).

Erhoben wird beispielsweise, ob eine Begrüßung und Verabschiedung durch den:die YouTuber:in erfolgen, eine Begründung für das Video geliefert wird und die Struktur des Videos vorab vorgestellt wird. Ferner wird dokumentiert, ob eine  Ergebnisvorstellung zu Beginn der Erklärung stattfindet, Zwischenergebnisse präsentiert werden oder regelmäßige Wiederholungen und Zusammenfassungen stattfinden. Auch die Erklärweise wird betrachtet. Dazu wird kodiert, ob eine didaktische Reduktion eingesetzt wird, nach dem induktiven (vom Beispiel zur allgemeinen Regel) oder deduktiven (von der allgemeinen Regel zum Beispiel) Erklärstil vorgegangen wird und ob an bestehendes Vorwissen angeknüpft wird. Ebenso werden Daten zu den eingesetzten Erklärmitteln erhoben. Der Einsatz von Bildern und Animationen, die verwendete Sprache sowie ergänzende Texte werden untersucht. Ebenfalls kodiert werden die Erzeugung von Motivation, z. B. durch Ermutigungen, das Halten und Erzeugen von Aufmerksamkeit, z. B. Sound- und Bildeffekt, ob eine Dramaturgie in der Erklärung vorhanden ist, sowie die Spontanität vs. Vorbereitung der Erklärhandlung. Untersucht wird auch die eingesetzte Kommunikation, wie die eingesetzte Sprache (z. B. die Charakterisierung des Sprachstils als formell, informell und flüssig) oder der Einsatz von Humor und die direkte Ansprache einer Person oder einer Gruppe (Wolf und Kratzer 2015, 36). Um die Diversität nicht nur der Videothemen, sondern auch der Videoprotagonist:innen in Erklärvideos auch empirisch untersuchen zu können, wurden Variablen zu Gender und familiärer Migrationsbiografie sowie Minderheitenzugehörigkeit hinzugefügt.

Kodierdimension 3 (“Audiovisuelle Gestaltung”) umfasst alle Aspekte der filmischen Gestaltung wie Kameraperspektive, Bildausschnitt und Schnitt, sowie die visuelle Gestaltung des erklärenden Prozesses in Hinblick auf zeitliche Aspekte, den zusätzlichen Einsatz von Grafiken und Animationen zur Verdeutlichung oder Unterhaltung als auch die auditive Gestaltung (z.B. Soundeffekte, Lautstärke).  Der Block der audiovisuellen Analyse umfasst insgesamt 29 Variablen, aufgeteilt in folgende Gestaltungskategorien: Perspektive, Kameraeinstellungen, Schnitt, Einsatz grafischer Elemente, Audioqualität und Beleuchtung. Die Erweiterung der Variablen fand unter Berücksichtigung gängiger Produktionspraktiken der Filmwirtschaft und Gestaltungskategorien aus der Filmbildung statt (Bordwell und Thompson 2010; Hickethier 2007; Petrasch und Zinke 2003). Grundsätzlich sind Zuschauende audiovisueller Formate an bestimmte Gestaltungspraktiken, Kompositionen von Bildfolgen aus Film, Fernsehen und Video gewöhnt (Hickethier 2007, 52). Daher dienen die Variablen zur Bildkomposition, wie Perspektive, Kameraeinstellung und Schnitt, der Überprüfung, ob sich bekannte oder neue Gestaltungsmuster im Videosample wiederfinden lassen.

Zur allgemeinen Bestimmung von Unterschieden im Produktionsaufwand werden die Häufigkeit des Einsatzes bestimmter Gestaltungsaspekte kodiert. Dafür dient zum Beispiel die Variable „Wie viele verschiedene Kamera-Einstellungen werden verwendet?“. Ein Einsatz von mehreren Kamera-Einstellungen stellt einen höheren Produktionsaufwand dar, während der Einsatz eines One-Take Schnittes, abgefragt in der Variable „Schnittübergänge“, für einen niedrigeren Produktionsaufwand steht.

[Download des GQEV in Version 2.0.2]

Datensätze und Corpor

Videocorpus Interessenbasiertes Lernen (Dab-J) 382 Videos

Im Projekt Dab-J wurde ein Videocorpus zur Analyse interessensbezogener Erklärvideos erstellt. Der Corpus wird im März 2022 als Tabellenblatt zur Verfügung gestellt (aktuell in Vorbereitung, Februar 2022).

Untersuchungsobjekt der vorgestellten Studie ist ein Korpus von Erklärvideos, welcher über eine möglichst breite Auswahl von typischen Themenfeldern des außerschulischen interessenbasierten Lernens Jugendlicher und junger Erwachsener zusammengestellt wurde (Sampling). Das Korpus orientiert sich dabei an häufig geschauten Themenfeldern (Domänen) auf YouTube, wie sie in eigenen Vorarbeiten (Rummler und Wolf 2012; Wolf et al. 2022) sowie in der JIM-Studie (MPFS 2017, 2018) sowie durch den Rat für Kulturelle Bildung e. V. (2019) erhoben wurden. Es wurden die in der folgenden Tabelle  dargestellten Themenfelder zur weiteren Auswahl von Videos genutzt.

1.     Basteln/Reparieren

2.     Mode und Beauty

3.     Backen/Kochen

4.     Lifehacks und Alltagstipps

5.     LetsPlays

6.     Sport

7.     Tiere

8.     Musik machen

9.     Technik/Geräte

10.   Kreatives Gestalten

11.   Persönlichkeits- und Beziehungstipps

12.   Gesundheit

13.   Geld und Finanzen

14.   Beruf/Job

15.   Schule und Unterricht

16.   Produkttests

17.   Sprachen lernen

Tabelle: Übersicht der Themenfelder

In jeder Domäne wurden zwei Subdomänen ausgesucht, welche einen möglichst hohen Kontrast auf verschiedenen Ebenen wie z. B. Geschlecht der Videoprotagonist:innen, sozioökonomischer Status oder thematische Unterschiede aufweisen. So bilden im Bereich Musik unter anderem die Subthemen „Geige spielen“ (traditionelles Instrument in einem eher bildungsbürgerlichen Milieu) und „Umgang mit Software zur Musikproduktion“ (innovative digitale Werkzeuge mit hohem Anteil von Autodidakten außerhalb klassischer Bildungsansprüche) ein kontrastierendes Begriffspaar. Im Bereich Sport sind es die Subdomänen “Calisthenics” (Fitnesstraining mit Eigengewicht im urbanen Raum) und “Yoga”, in der insbesondere Unterschiede in Gender und Millieu sowie bei Produzierenden als auch bei den Rezipierenden zu beobachten sind.

Zur Bildung des Korpus sollten pro Domäne 20 Videos (jeweils 10 Videos pro Subdomäne) ausgewählt werden. Dazu wurden für jede Subdomäne ohne Anmeldung und gelöschten Cookies auf verschiedenen Rechnern in Bremen und Hamburg zunächst typische Suchanfragen generiert, welche sich eher auf ein Anfänger-Niveau beziehen, um den Nutzungskontext des informellen Lernens einer breiten Masse von Jugendlichen abzubilden. Die Anfragen wurden dabei gebildet durch Nennung des Begriffes in Kombination mit einem Verb wie z.B . “Zeichnen lernen” bzw. “Geld sparen”, einem Ziel wie “Selbstbewusster werden” bzw. “Gut in der Schule werden” oder einem Thema wie “Gesunde Ernährung” bzw. “Beste Vlogging Kamera”. Pro Suchbegriff (z. B. “Geige lernen”) einer Subdomäne (z. B. “Geige spielen”) wurden dann die Videos in den Ergebnissen einer Suchanfrage ausgewählt, deren Titel und weitere Hinweise wie z. B. die Gestaltung des Thumbnails, auf einen Erklärinhalt bzw. das Format Erklärvideo oder Tutorial schließen ließen. Dabei wurden, bis auf wenige Ausnahmen, jeweils verschiedene YouTube-Kanäle ausgewählt.

Da Schüler:innen in eigenen Voruntersuchungen berichten, durchaus auch englischsprachige Videos anzuschauen, weil diese „besser“ sind oder die gesuchten Inhalte nicht von deutschsprachigen YouTube-Kanälen angeboten werden, sollten auch diese in das Sample mit einbezogen werden. Dazu wurden die Suchanfragen einer Subdomäne (z. B. “Geige spielen”) jeweils auch auf Englisch übersetzt und entsprechende englischsprachige Videos wie oben beschrieben ausgewählt.

Der so erstellte Videokorpus umfasst 382 deutsch- und englischsprachige Videos. Insgesamt bildet das Korpus somit einen breiten Querschnitt von Erklärvideos und Tutorials auf YouTube ab. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass auf Basis der Samplingstrategie ursprünglich nur 34 verschiedene Sub-Themen berücksichtigt werden konnten. Ergänzt wurde der Korpus in einzelnen Domänen um besonders populäre Themen wie “Fußball” und “Tanzen” (beide Sport) bzw. systematische Ergänzungen der Domänen „Musik“ (“Anfänger Schlagzeug”) sowie „Basteln/Reparieren“ (“Fahrrad reparieren”) auf Basis weiterer Befragungen und Interviews mit Schüler:innen. Dennoch konnten nicht alle Themen umfassend abgebildet werden, da die Themenfelder eine große Anzahl von Sub-Themen aufweisen. Im Sampling wurde deshalb die Erzeugung maximaler Kontraste angestrebt. Auch wurde auf einige populäre Themenfelder wie Schminktutorials im Bereich “Mode & Beauty” und klassische Back- und Kochtutorials bei “Backen & Kochen” verzichtet, da diese bereits in der Arbeitsgruppe untersucht wurden (Wolf 2015a). Eine Erweiterung des Samples für weitere Untersuchungen erscheint sinnvoll (s.u. Beschränkungen der Studie).

Quantitative Erhebung Dab-J (noch nicht freigegeben)

Die anonymisierten Befragungsdaten werden Ende 2022 freigegeben.

Qualitative Interviewstudie Dab-J (noch nicht freigegeben)

Die anonymisierten Interviewdaten werden Mitte 2023 freigegeben.

Weitere Downloads

Pädagogische Handreichungen zur beruflichen Mediengrundbildung

Das im Projekt LernenPLUS erstellte Material zur beruflichen Mediengrundbildung können Sie auf der Projektseite herunterladen.

Es gibt 8 Lerneinheiten zu folgenden Themen:

  • Digitale Kommunikation und Konflikte
  • Digitales Medienrecht
  • E-Mail-Bewerbung
  • Erklärvideos
  • Selbstdarstellung im Internet
  • Social Bookmarking
  • Stellsuche Online
  • Zeitmanagement