RV14 // Prof. Dr. Yasemin Karakasoglu & Dennis Barasi // Rassimus oder Rassismen? Eine Diskussion und ihre Relevanz für (angehende) Lehrkräfte

1. Diskutieren Sie, a.) welche Möglichkeiten Sie sehen, durch ihr Handeln als Lehrer*in den auf
Folie 17 dargestellten Formen des institutionellen Rassismus zu begegnen b.) Wo und warum
sind Ihren Einflussmöglichkeiten in der Schule Grenzen gesetzt?

Bei der ersten Form des institutionellen Rassismus, der „schlechteren Leistungsbewertung“ ist man als Lehkraft direkt betroffen. Ich selbst habe beim Korrigieren häufiger festgestellt, dass ich bei SuS, die im Unterricht eine bessere Leistung gezeigt haben, mich verhäuft dabei erwischt habe höhere Erwartungen zu setzen und teilweise dadurch in Versuchung kam unterschiedlich zu bewerten. Dies zeigt mir, dass sich eine voreingenommene Meinung der Lehrkraft schnell in der Leistungsbewertung widerspiegelt. Ich war sehr überrascht zu erfahren, dass unter den Lehrkäften durchschnittlich ca. 40% Muslime für weniger bildungsorientiert handeln (vgl. Folie 26). Dies ist an sich eine problematische Situation und wird dadurch verschlimmert, dass sich diese Vorurteile von der Leistungsbewertung in der Schule über die Benachteiligung bei Zugängen zu höheren weiteren Schulen bis hin zur Benachteiligung auf dem Arbeitsmarkt durchziehen. Eine kurzfristige Lösung wäre es bei der Korrektur von Prüfungen oder bei Bewerbungen keine Namen zu berücksichtigen und ausschließlich die Leistung zu begutachten. Langfristig muss jedoch ein Umdenken stattfinden, damit solche Probleme erst gar nicht entstehen. Da diese Arten von Rassismus häufig auch unbewusst stattfinden (vgl. Folie 12), ist es besonders wichtig durch Gespräche und Diskussionen die Gesellschaft für das Thema Rassismus zu sensibilisieren. Meine Einflussmöglichkeiten sind gering, da ich mit höchster Wahrscheinlichkeit nur an einer Schule eingesetzt sein werde und mein Kontakt somit auf wenige Lehrkräfte und SuS begrenzt ist. Des Weiteren ist auch die Zeit in der Schule relativ kurz gehalten und der Unterricht steht meist im Fokus. In meiner Fächerkombination von Mathe und Chemie bieten sich nur wenige Möglichkeiten detailliert auf soziale Themen einzugehen.

2. Lesen Sie das folgende Beispiel „Daniela Schneider“ aufmerksam durch. Was könnten Sie
Daniela Schneider mit Bezug auf das Konzept equality/equity (Folie 14) argumentativ
entgegnen, um sie von der Maßnahme zu überzeugen, muslimischen Schüler*innen an dem
hohen islamischen Feiertag frei zu geben?

Da es sich bei Deutschland um ein christlich geprägtes Land handelt, ist es für uns selbstverständlich, dass viele christiche Feiertage auch gesetzliche Feiertage sind und somit SuS an diesen Tagen von der Schulpflicht befreit sind. So ist es in meinen Augen nur fair Feiertage aus anderen Religionen zu würdigen, indem man den SuS die Chance gibt diese gebührend zu feiern. Ich kann den Unmut der nichtmuslimischen Schülerschaft teilweise verstehen, da die gesetzlichen Feiertage auch den muslimischen SuS zustehen. In meinen Augen wäre es eine gute Alternative an diesen Feiertagen Projekttage durchzuführen, damit die fehlenden SuS nichts relevantes verpassen und gleichzeitig den anderen SuS die Chance gegeben wird den Tag zu näherzubringen. Im Bezug auf die Konzepte Equality/Equity ist es so, dass zwar Gleichheit herrscht, da alle SuS die gleichen gesetzlichen Feiertage haben, aber diese haben für unterschiedliche SuS auseinandergehende Gewichtungen. Somit wird nach dem Prinzip von Equity nicht die Ausgangsituation angepasst, sondern allen SuS die Möglichkeit gegeben ihre Religion auszuleben.

3. Bitte begründen Sie mit Bezug auf rassismustheoretische Ansätze, inwiefern der
Interviewausschnitt Hinweise auf antimuslimischem Rassismus enthält .

Hinweise auf antimuslimischen Rassismus lassen sich in dem Beispiel „Daniela Schneider“ lassen sich meiner Meinung nach vor allem in ihrer Wortwahl wiederfinden. Vor allem Begriffe wie „die“, „Extrabehandlung“ weisen auf das „Othering“ (vgl. Folie 23) hin. Auch die explizite Abtrennung der „deutschen“ Schülerschaft spiegelt dies wieder. Des Weiteren klingt die Aufzählung der Nationalitäten leicht abwertend mit dem abschließenden „was weiß ich“.

Quellen:

Vorlesungsfolien rv14

Arndt, Susan (2017): Rassismus. Eine viel zu lange Geschichte. ln: Karim

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Ein Kommentar

  1. 1) Bei deiner Idee, nicht auf Namen zu achten, ist gut. Meine Idee wäre es, jedem Schüler ähnlich wie in der Uni eine Schülernummer zuzuteilen und dann Noten den Nummern zuzuteilen, um damit Aussehen, Name etc. aus der Bewertung zu eliminieren. Damit verschwinden auch Aspekte wie schlechtere Bewertung von Schüler*innen aufgrund von Geschlecht oder anderer Eigenschaften zu verhindern.
    Man muss die Menschen meiner Meinung nach überzeugen, dass Menschen nur aufgrund ihrer Handlungen und Denkweisen eingeschätzt werden müssen. Alle anderen Aspekte sollten eigentlich keine Rolle spielen:
    „I have a dream my four little children will one day live in a nation where they will not be judged by the color of their skin but by content of their character.“ Martin Luther King; 28.8.1963

    2) Ich stimme deiner Aussage größtenteils zu. Alle Schüler sollten gleichberechtigt sein. Wenn muslimische Schülereinen Tag frei bekommen, sollten die nichtmuslimischen eine ähnliche Behandlung bekommen. Wenn nämlich irgendjemand aufgrund eines Feiertages einen Vorzug erhält und ein andere nicht, wird sich dieser benachteiligt fühlen (ein gesetzlicher Feiertag diskriminiert nicht). Jeder muss fair behandelt werden.

    3) Die Reaktion der Schüler zeigt, dass sie wenig über das Thema wissen und wie du sagst vor allem die religiösen Unterschiede und die Nationalität als Grund für die (empfundene) „Extrabehandlung“ anbringen (vgl. Folie 23 + 35). Ich würde es so interpretieren, dass die anderen Nationalitäten nicht grundsätzlich abgewertet werden, sondern nur situativ als scheinbarer Grund bemängelt werden.

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