Methodenüberblick in KW19

Ich glaube, dass sich für das Fach Biologie die Lernausstellung ganz gut eignen würde, bei dem die SuS ein Museum oder eine Ausstellung besuchen. Robert Löffelholz, Elke Pletzer und Lars Witte stellen die Methode wie folgt vor (http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at/internet/arbeitsblaetterord/unterrichtsformord/preiss/method11.html):

1. Kennzeichen einer Lernausstellung

  • Die Lerner eignen sich mit Hilfe offener Lernorte (Museen, Messen) Wissen durch Betrachtung bzw. Handhabung von teilweise kommentierten Objekten an.
  • Die Besucher müssen aktiv mit den Ausstellungsobjekten umgehen. Dies gelingt durch eine „Besucherschulung“, d.h. Ausstellungsvor- und -nachbereitung.

2. Didaktische Prinzipien

  • Ambulantes Lernen – Der Lerner muss eine Ortsveränderung vornehmen und ein hohes Maß an Selbststeuerung besitzen.
  • Lernen an ausgestellten Stücken – Es existiert eine systematisch arrangierte Lernumwelt. Die Elemente sind aus ihren ursprünglichen Zusammenhängen herausgenommen und in neue Ordnungen gebracht worden.

3. Phaseneinteilung

  • Einrichtungsphase – Es wird ein Konzept für die Ausstellung, Auswahl der Ausstellungsstücke usw. entwickelt.
  • Orientierungsphase – Hier erfolgt ein Überblick über das Angebot und anschließend die Planung für den Gang durch die Ausstellung. die Lerninteressen spielen hierbei eine große Rolle.
  • Interaktionsphase – Die ausgewählten Ausstellungsstücke werden besucht und Wissen durch Betrachtung oder Handlung angeeignet.
  • Bewertungsphase – Der Lerner verschafft sich Klarheit über die Qualität der Ausstellung, seiner Lerntätigkeit und seinen neuen Erfahrungen.

4. Weiterführendes

Der Lerner ist in diesem Modell Betrachter oder Besucher.

Von besonderer Wichtigkeit sind die Aufnahmebereitschaft, das Vorwissen, die Interessen und die Sensibilität des Lerners.

Handzettel oder ein Ausstellungskatalog dienen als Leitfaden.

Ein „Berater“ (z. B. Museumswärter) ist integrierter Bestandteil einer Ausstellung. Er vermittelt Zusatzinformationen und fungiert als Interaktionspartner.

Dieses Modell kann als Einführung in ein Wissensgebiet oder als Abschluss benutzt werden.

Museen werden hier als Lernort mit Wechselbeziehung zur Umwelt angesehen und nicht als „sakraler Museumstempel“.

 

Ganz konkret habe ich bei einem privaten Besuch der (zugegebenermaßen nicht unumstrittenen) „Körperwelten“-Ausstellung gedacht, dass diese sich gut für einen Anatomie-Unterricht eignen würde, weil man dort den menschlichen Körper und bei bestimmten Exponaten auch die inneren Organe oder auch das Blutgefäßsystem in der natürlich Anordnung betrachten kann. Die Ausstellungsstücke sind dabei aber so präpariert, dass kein Ekel (wie es z.B. häufiger bei (Teil)Sektionen vorkommt) aufkommen dürfte.

Ich glaube allerdings, dass diese Ausstellung eher für etwas ältere SuS geeignet ist. Außerdem müsste ggf. auf religiöse Vorbehalte Rücksicht genommen werden. Natürlich müsste der Besuch vorher im Unterricht z.B. mit Lehrbüchern, Arbeitsblättern und Modellen vorbereitet werden, um den SuS vorab ein Grundverständnis für die Anatomie und für Bezeichnungen und Fachbegriffe zu vermitteln (Besucherschulung, Ausstellungsvorbereitung).

Idealerweise hat die Lehrkraft die Ausstellung bereits vorher besucht und Arbeitsblätter mit bestimmten Fragestellungen und/oder Aufgaben erstellt (z.B. zur Lage ausgewählter innerer Organe, zum Herz-Kreislaufsystem oder auch zu den Geschlechtsorganen), die die SuS während des Besuchs der Ausstellung bearbeiten sollen. Dies entspräche der Orientierungsphase. Während des Besuchs der Ausstellung, in der Interaktionsphase, eignen sich die SuS Wissen durch Betrachtung der Exponate, Gespräche mit Beratern, Lesen von Informationen und evtl. auch durch das Anfertigen von Zeichnungen und/oder Fotos an. Als Medien kommen also vorrangig das Arbeitsblatt, der Zeichenstift und unter Umständen auch die Fotokamera zum Einsatz. Auf den Einsatz internetfähiger Geräte wie Smartphone oder Tablet würde ich während der Ausstellung eher verzichten, um die SuS nicht von den Exponaten abzulenken. Man könnte die SuS auch in Gruppen einteilen, die Fragestellungen in Bezug auf bestimmte (z.B. die oben genannten) Themengebiete erarbeiten.

Wieder im Klassenraum könnten die SuS zunächst Gelegenheit bekommen in ihren Gruppen noch einmal die Fragestellungen zu erörtern, um dann eine kleine Präsentation (als Poster oder auch am Computer) zu ihrer Fragestellung auszuarbeiten. In diese Präsentation würde ich auch die Frage einfließen lassen, welche neuen Erkenntnisse die SuS aus der Ausstellung mitgenommen haben, was z.B. an den Exponaten anders war, als die Vorstellungen die die SuS aus den Lehrbüchern oder Modellen gewonnen haben. Dieser Teil würde nach der oben aufgeführten Beschreibung des Lernausstellung der Bewertungsphase entsprechen.

Weitere Informationen zur Lernausstellung, die dem Göttinger Katalog didaktischer Modelle entnommen sind, finden sich auch unter http://wwwuser.gwdg.de/~hhaller/lernausstellung.htm

In meiner Idee zur Gestaltung sind nicht so schrecklich viele Medien enthalten. Aber vielleicht hat ja Jemand eine Idee und mag mir ein Feedback geben, wie man noch mehr, andere (bessere, interessantere) Medien integrieren könnte?

 

Ein Gedanke zu „Methodenüberblick in KW19“

  1. Liebe Susanne,
    zuerst einmal danke für deinen wirklich ausführlichen Beitrag. Meiner Meinung nach braucht es gar nicht noch mehr Medien. Jedes der Exponate, die die SuS sich ansehen, ist ja auch ein Medium für sich.
    Die Frage ist natürlich, ob sich eine so umstrittene Ausstellung tatsächlich für einen Ausflug mit SuS eignet, aber darüber hast du ja auch bereits nachgedacht.
    Liebe Grüße,
    Sarah

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