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Unterstützungssysteme – Assistenz

Ich habe mir für diesen Blog das Video Unterstützungssysteme – Assistenz auf der Seite https://path2in.uni-bremen.de/themen/unterstuetzungssysteme/ angeschaut. Es zeigt ein Interview mit Frau Eva Köhn. Ich habe es gewählt, da ich in meinen Praktika selbst Erfahrungen mit persönlichen Assistenzen gesammelt habe und noch keinen fachlichen Input zu diesem Thema hatte.

 

Dementsprechend kann ich leider auch keine Theorie nennen, die dieses Thema stützen oder ihm widersprechen könnte. Dennoch denke ich, dass jede Theorie, die die Individualisierung der Schulform bekräftigt hier zu rate gezogen werden könnte. Auch habe ich mich für eine Hausarbeite mit der Feststellung eines sonderpädagogischen Förderbedarfs befasst. Hierfür habe ich mich besonders mit der Literatur der Kultusministerkonferenz (KMK) beschäftigt. Hier zeigte sich ein großer bürokratischer Aufwand, eine geringe Mitsprache der Eltern und große Unterschiede in den einzelnen Bundesländern bei der Feststellung eines sonderpädagogischen Förderbedarfs, was ich mit der Zusprechung einer persönlichen Assistenz in Bezug setzen würde.

 

Meine persönlichen Erfahrungen mit dem Thema „Assistenz“ zeigen sich positiv, wie auch negativ. Frau Köhn hat in ihrem Video erwähnt, dass für eine persönliche Assistenz ein großes Maß an Empathie notwendig sei, um zu spüren wann das betreute Kind Hilfe benötigt und wann nicht. Dies möchte ich gern an zwei erlebten Situationen fest machen. So habe ich bei meinem praxisorientierten Element unterschiedliche Assistenzen kennen gelernt. Eine Frau mittleren Alters und einen jungen Mann, wobei ich die nun folgenden Erfahrungen nicht am Geschlecht oder dem Alter der jeweiligen Assistenz fest machen möchte. Die Frau betreute einen Jungen in der 3. Klasse. Meine Beobachtung des Unterrichts erlaubte es mir auch ihre Arbeit zu beobachten. Hier zeigte sich, dass sie dem Jungen alles sehr schnell aus der Hand nahm, egal ob dieser signalisierte, dass er nun Hilfe benötigte. Die Lehrperson vergab zum Beispiel Aufgaben und die Assistenz sprang sofort auf, um dem Jungen den Stift heraus zu holen, der vor ihm in seiner Federmappe lag, und seine Speziallampe anzustellen (der Junge hat eine Sehbehinderung). Im weiteren Verlauf sah ich jedoch, dass der Junge keinerlei Probleme damit hatte Dinge aus seiner Federmappe zu holen oder seine Lampe selbst ein und aus zu stellen. Hier hat aus meiner Sicht die Assistenz dem Jungen zu viel abgenommen und ihn in seiner durchaus vorhandenen Selbstständigkeit beschnitten. Meine zweite Erfahrung war ein Mann, der einen Jungen der 2. Klasse betreute. Auch hier konnte ich den Unterricht beobachten und sah eben diese Empathie von der Frau Köhn sprach. Er hatte ein Gespür dafür, wann es dem Jungen zu viel wurde. In solchen Fällen hat er mit ihm den Klassenraum verlassen, ist mit ihm einmal um den Platz gelaufen und kam dann ruhig wieder zurück in den Klassenraum. Auch war hier nichts davon zu sehen, dass er dem Jungen Aufgaben abnahm, die er auch allein erledigen konnte.

 

Aus meinen Erfahrungen und auch dem Video ergaben sich für mich folgende Fragen: Wie kann die Ausbildung von Assistenzen verbessert werden? Wie können Assistenzen besser mit Lehrpersonen zusammenarbeiten? Wie können die Grenzen zwischen den Aufgaben der Lehrperson und der persönlichen Assistenz besser vermittelt werden? Welche Möglichkeiten der verschiedenen Assistenzen funktionieren in der Praxis (persönliche Assistenz und Klassenassistenz) und welche Voraussetzungen müssen hierfür erfüllt sein? Welche Möglichkeiten gibt es für mich als Lehrperson die richtigen Förderungen für meine Schüler*innen zu erreichen?

 

Zuletzt möchte ich noch auf die Frage eingehen, welche (An-)Forderungen sich an schulische Inklusion und inklusiven Unterricht in Bremen aus dem Video ergeben, da ich denke, dass diese für jede angehende Lehrperson wichtig sind.

Frau Köhn hat dies klar beantwortet. So sei eine gute Ausbildung, ein Mitspracherecht der Schule welche Assistenz bei ihnen arbeitet, eine Zusammenarbeit mit den Eltern wichtig, um einen inklusiven Unterricht zu gestalten. Zudem seien mehr Räume und kleinere Gruppen nützlich. Auch eine Umgestaltung der persönlichen Assistenz, welche mit Stigmatisierung einher gehe, zu einer Klassenassistenz, an die sich mehrere Schüler*innen wenden können, könne der Inklusion guttun und gegen eine Ausgrenzung einzelner Schüler*innen wirken.

~ by Jacqueline on 31. Mai 2020. Tagged:

One Response to “Unterstützungssysteme – Assistenz”

  1. Liebe Jacqueline,

    vorab vielen Dank für deinen Beitrag. Darin hast du auch zwei sehr interessante Erfahrungen geteilt, die mich an meine Praktikumszeit erinnert haben. Durchaus sollte man als Assistenz einen Gespür für das jeweilige Kind haben. Bedauerlicherweise machte ich das Gegenteil auch in meiner Klasse, wo ich das Praktikum absolvierte, fest. Ich bemerkte, wie das Kind sich sehr gerne mit mir unterhalten und gerne von seinen Erlebnisse gesprochen hat. Als wir uns beide unterhielten, forderte die Assistentin das Kind dazu auf, seinen Platz aufzuräumen. Selbstverständlich liegt die Assistentin damit nicht im Unrecht, zumal diese Regel für die gesamte Klasse gilt. Jedoch sollte nicht vergessen werden, dass dieses Kind ziemlich sensibel ist und nicht damit umgehen kann, wenn jemand ihm aus dem Nichts unterbricht. Daraufhin meinte ich zum Kind, dass wir in der großen Pause, das Gespräch gerne fortsetzen können. Es mag sein, dass ich das zu streng sehe, aber eventuell hätte die Assistentin das Kind nicht unterbrechen sollen und anschließend es zum Aufräumen auffordern können. Letztendlich bemerkte ich nur, wie sehr es ihn verärgert hat und dies hätte vorgebeugt werden können.
    Man sollte aber auch nicht außer Acht lassen, dass die Assistentin jeden Tag mit diesem Kind verbringt und demnach derartige Situationen nicht mehr so intensiv wahrgenommen werden.

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