„Umgang mit Heterogenität in der Schule“ Lehr- und Lernstrategien in der Lehramtsausbildung mit dem Blogsystem der Universität Bremen

Von Aysun Kul

Foto der Autorin

Das Pflichtmodul „Umgang mit Heterogenität in der Schule“ wurde im WiSe 2011/12 an der Universität Bremen eingeführt. Es stellt mit seinem interdisziplinären Zugang ein bundesweit innovatives Konzept in der Lehramtsausbildung dar. Die Einführung in das Modul findet immer im Sommersemester über die gleichnamige Ringvorlesung statt, an der alle Lehramtsstudierenden teilnehmen. Hier besteht der Anspruch, Lernprozesse der Studierenden im Rahmen einer Großveranstaltung stärker als gemeinsame und aktive Reflexionspraxis zu unterstützen und gleichzeitig ein innovatives Prüfungsformat anzubieten. Die Idee zur Nutzung der Onlineplattform UniBremen*logs* (http://blogs.uni-bremen.de) als Lern- und Prüfungsmedium wurde von Thomas Bernhardt (Arbeitsbereich Medienpädagogik – Didaktik multimedialer Lernumgebungen im Fachbereich Erziehungs- und Bildungswissenschaften) eingebracht und auch von ihm im Hinblick auf die Anforderungen einer Großveranstaltung für die Ringvorlesung weiterentwickelt. Die technische Umsetzung erfolgte durch Oliver Oster vom Zentrum für Multimedia in der Lehre. Der Beitrag zeigt auf, wie das Blogsystem im Rahmen der Ringvorlesung seit dem SoSe 2012 eingesetzt wird.

Der Kontext – Das  Modul „Umgang mit Heterogenität in der Schule“

Mit dem Ziel, angehende Lehrkräfte in ihrer ersten Ausbildungsphase darin zu unterstützen, ein Bewusstsein für Heterogenität in der Schule zu entwickeln und ihr pädagogisch-professionelles Handeln darauf aufzubauen, wurde im Wintersemester 2011/12 das Pflichtmodul „Umgang mit Heterogenität in der Schule” an der Universität Bremen eingeführt. Anlass dazu gab das im Jahre 2009 im Land Bremen verabschiedete neue Schulgesetz und die Initiierung einer zentralen Neustrukturierung des Bremer Schulsystems. Damit verbunden war auch der Auftrag an die Universität Bremen, in der sich gleichermaßen veränderten Studienstruktur der Lehramtsausbildung, den Umgang mit Heterogenität in der Schule als Lehrinhalt verbindlich zu verankern. Ausdrückliche Anliegen waren dabei die Berücksichtigung des fächerübergreifenden Umgangs mit Deutsch als Zweitsprache sowie Schwerpunkte im Themenfeld der Interkulturellen Bildung (IB). Die Federführung für die konzeptionelle Planung und Umsetzung des Moduls wurde an den Arbeitsbereich Interkulturelle Bildung im FB 12 Erziehungs- und Bildungswissenschaften übergeben. Unter der Leitung von Prof. Dr. Karakasoglu wurden mit ProfessorInnen der Allgemeinen Pädagogik und Didaktik, der Inklusiven Pädagogik (IP), Deutsch als Zweitsprache (DaZ) im FB 10 Sprach- und Literaturwissenschaften sowie der unterschiedlichen Fachdidaktiken vorhandene Ressourcen und Arbeitsschwerpunkte im Kontext von relevanten Heterogenitätsdimensionen zusammengeführt und für die inhaltliche Ausrichtung des Moduls gebündelt.1

Die bundesweit innovative Besonderheit des Moduls kennzeichnet sich folglich durch seine fächerübergreifende Ausrichtung und konzeptionelle Ausgestaltung für die Lehramtsausbildung. Angestrebt wird die Vermittlung eines umfassenden Verständnisses von Heterogenität in der Schule, mit dem gleichermaßen die im Antidiskriminierungsgesetz (AGG) verankerten Heterogenitätsmerkmale wie Geschlecht, ethnische Herkunft, Behinderung, Alter, Religion und/oder Weltanschauung mitgedacht und als miteinander verwobene (intersektionale) Dimensionen sozialer Ungleichheit reflektiert und in die pädagogische Praxis übersetzt werden. Den Studierenden werden folglich unterschiedliche Teilbereiche ihres Studiums als `konzeptionell Ganzes` angeboten und gleichermaßen Einblicke in Fachdidaktiken gewährt, die nicht zur ihren originären Fächerkombinationen gehören. Damit geht auch die Intention einher, den Blick der Studierenden auf andere Unterrichtsfächer zu erweitern und Potentiale einer kollegialen Beratung über Fächergrenzen zu skizzieren.

Die Auftaktveranstaltung – Ringvorlesung „Umgang mit Heterogenität in der Schule“

Der Studienverlauf sieht vor, dass alle Studierenden im B.A.-Studium über die aktive Teilnahme an der jeweils im Sommersemester stattfindenden Ringvorlesung „Umgang mit Heterogenität in der Schule“ Einstieg in das Modul finden und erste Einblicke in die Themenfelder und anzubahnenden Kompetenzen erhalten. Im Sommersemester 2012 hat die Ringvorlesung „Umgang mit Heterogenität in der Schule“ zum ersten Mal stattgefunden. Die einzelnen Vorlesungstermine werden von unterschiedlichen ReferentInnen gestaltet, die gleichermaßen zur Reflexion der Ringvorlesung an  gemeinsamen Austausch- und Auswertungstreffen teilnehmen, und finden in Begleitung des Modulverantwortlichen Dr. Christoph Fantini und der Koordinatorin des Moduls Aysun Kul statt. Vor dem Hintergrund des übergeordneten Ziels des Moduls und den formulierten Lernzielen für das BA-Studium dient die Ringvorlesung der ersten Annährung an theoretische Grundlagen und praxisorientierten Vorgehensweisen in der Schul- und Unterrichtsgestaltung. Die übergeordneten Ziele der Ringvorlesung lassen sich wie folgt zusammenfassen:

(1)  Vermittlung der Relevanz von Heterogenität als zentrale Perspektive der Schul- und Unterrichtsgestaltung.

(2)  Heranführung an ein Bewusstsein von Heterogenität als `Normalfall`.

(3)  Heranführung an ein grundsätzliches Verständnis für die intersektionale Verknüpfung von Heterogenitätsdimensionen.

(4)  Vermittlung theoretischer und praxisorientierter Grundlagen im Umgang mit Heterogenität in der Schule.

(5)  Vermittlung der Zusammenhänge zwischen unterschiedlichen Fachdisziplinen der Allgemeinen Pädagogik und der Fachdidaktiken.

(6)  Heranführung an die Schwerpunktsetzungen Interkulturelle Bildung, Inklusive Pädagogik und Deutsch als Zweitsprache.

(7)  Vermittlung der Relevanz von Deutsch als Zweitsprache für alle Unterrichtsfächer.

(8)  Anregungen zur Reflexion des Alltagswissens im Hinblick auf unterschiedliche und intersektional verknüpfte Heterogenitätsdimensionen und Bearbeitung von zentralen Fragestellungen im Umgang mit Heterogenität in der Schule.

Im Anschluss an die Ringvorlesung setzen die Studierenden im Wintersemester mit der Auswahl eines Vertiefungsseminares ihre Teilnahme am Modul fort. Hierzu haben sie die Möglichkeit, zwischen Lehrveranstaltungen der drei Schwerpunkte IB, IP und DaZ zu wählen und  allgemeine sowie schulspezifische Aspekte zu vertiefen. Parallel ergänzen die Studierenden diese Vertiefung durch das Studium in den Modulen der Allgemeinen Pädagogik und Didaktik, sowie durch die Fachdidaktiken ihrer je eigenen Fächerkombinationen. Im Masterstudium bietet das Modul über eine stärkere Theorie- und Methodenorientierung die Fortsetzung der Vertiefungsinhalte durch die aktive Teilnahme an jeweils einer Lehrveranstaltung der o.g. Schwerpunkte.

Gemeinsame Reflexionsprozesse unterstützen – Der Blog als Lernmedium

Die ReferentInnen formulieren für ihren jeweiligen Vorlesungsschwerpunkt Aufgaben, die von den Studierenden im Blogsystem in Form eines Beitrags oder eines Kommentars zu einem Beitrag bearbeitet werden. Diese Aufgaben sind als Fragestellungen zur Initiierung von Lernprozessen konzipiert. Gleichermaßen stellen sie die Grundlage für den Erwerb der (unbenoteten, dennoch aussagekräftigen) Prüfungsleistung dar. Vor dem Hintergrund, dass nicht alle Studierenden jede Aufgabe für die Prüfungsleistung bearbeiten müssen, sieht die Konzeption der Aufgaben vor, Fragestellungen zu formulieren, die an den übergeordneten Zielsetzungen orientiert sind und an die intendierten Reflexions- und Lernprozesse heranführen.

Die Studierenden erhalten zu Beginn des Semesters eine Handreichung, mit dessen Hilfe sie einen eigenen Blog im Blogsystem einrichten und diesen individuell gestalten können. Die Bearbeitung der Fragestellungen als Beitrag erfolgt auf dem eigenen Blog. Die Kommentierung von Beiträgen anderer Studierender erfolgt wiederum auf deren Blog. Hierzu werden zwei Beiträge zu den jeweiligen Kommentarterminen zugewiesen, von denen sich die Studierenden jeweils einen Beitrag zum Kommentieren aussuchen können.

Abbildung 1: Grafische Darstellung der Reflexionsprozesse

Abb. 1: Grafische Darstellung der Reflexionsprozesse

Die Generierung der jeweiligen Aufgabestellungen (Beitrag oder Kommentar schreiben) erfolgt über die Zusammenführung der Studierenden in der Veranstaltungsgruppe „Ringvorlesung Umgang mit Heterogenität in der Schule“ im Blogsystem, die von der Koordinatorin des Projektes mit Unterstützung einer studentischen Hilfskraft  (Status in der Veranstaltungsgruppe: ModeratorInnen) betreut wird. Für diese Zusammenführung müssen die Studierenden sich mit ihrem Blog anmelden (Status:  Mitglied) und werden nach der Aufnahme in die Veranstaltungsgruppe automatisch über das Blogsystem in drei Gruppen aufgeteilt, über die schließlich die wöchentliche Aufgabenstellung festgelegt wird (Funktion: feedbackr).

Beiträge und Kommentare: Peer Review unter Studierenden

Über die feedbackr-Funktion können die Studierenden ihre Gruppenzuweisung einsehen und sich ggf. auch Beiträge zum Kommentieren manuell zuweisen. Für die Begleitung des Blogsystems bietet die feedbackr-Funktion darüber hinaus eine Übersicht über die Anzahl der erfolgten Beiträge und Kommentare, sowie einen Überblick über die Aktivitäten der Studierenden, so dass rekonstruiert werden kann, wer zu welchem Termin einen Beitrag geschrieben hat und ob dieser Beitrag kommentiert wurde. Diese Funktion ist insofern relevant, als nicht kommentierte Beiträge von den ModeratorInnen eingesehen und kommentiert werden können. Diese Intervention dient insbesondere dem Anspruch, den Studierenden zu vermitteln, dass ihre Beiträge wahrgenommen und gelesen werden.

Auf der Startseite der Veranstaltungsgruppe können außerdem aktuelle Beiträge der Studierenden eingesehen und wichtige Informationen veröffentlicht werden. Die Veranstaltungsgruppe ist darüber hinaus mit dem gleichnamigen Veranstaltungsblog verknüpft, der Informationen zu der Ringvorlesung enthält. Hier werden auch wöchentlich ─ direkt nach jedem Vorlesungstermin ─ die Fragestellungen der ReferentInnen hochgeladen. Sofern die Studierenden einen Beitrag schreiben, haben sie hierfür vier Tage Zeit, sodass die Kommentierung der Beiträge bis zum nächsten Vorlesungstermin erfolgen kann. Mit dieser Auflage soll eine parallele und kontinuierliche Bearbeitung resp. Mitarbeit ermöglicht werden.

Hervorzuheben ist zudem, dass Modulverantwortliche und ReferentInnen einsehen können, wie ihre Themenschwerpunkte von den Studierenden aufgefasst und bearbeitet werden. Hier bietet sich die Möglichkeit der fachlichen Intervention, um weitergehende Lernprozesse anzuregen sowie Beiträge der Studierenden aufzugreifen und Zusammenhänge der einzelnen Vorlesungsinhalte herzustellen bis hin zur Herstellung von Anknüpfungspunkten in den folgenden Vertiefungsseminaren. Mit dieser fachlichen Intervention soll den Studierenden aber auch deutlich gemacht werden, dass ihre Arbeit im Blogsystem gesehen und ernstgenommen wird.

Für eine exemplarische Darstellung der Arbeit im Blog soll die Bearbeitung einer Fragestellung aus der Vorlesung „Heterogenitätskategorie Geschlecht in Schule und Ansätze zur Entwicklung einer interkulturellen geschlechtersensiblen Pädagogik“ dargestellt werden.

Fragestellung (1): Faulstich-Wieland wirbt für den Ansatz der „Reflexiven Koedukation”. Dieser Zugang ließe sich sinnführend um den Aspekt des Umganges mit kultureller Heterogenität zu einem Konzept der “reflexiven interkulturellen Koedukation” erweitern. Welche konkreten negativen Wirkungen könnte ein pädagogisches Arbeiten hervorrufen, das sich bezüglich der hier angesprochenen Heterogenitätsdimensionen nicht diesem (selbst-)reflexiven Prozess stellt?

Beitrag: Für mich persönlich stellt Reflexivität im Allgemeinen eine sehr wichtige Eigenschaft für den Beruf des Lehrers dar. Wie kann ein/e Lehrer/in den Unterricht, den Umgang mit Schülern und Schülerinnen, etc. überarbeiten und verbessern, wenn er/sie sich keine Gedanken dazu macht? Ich denke, das ist schlichtweg nicht möglich ohne die Eigenschaft der Reflexivität, d.h. ohne den Rückblick auf erlebte Situationen und die Analyse der beobachteten Verhaltensweisen. Unter reflexiver interkultureller Koedukation verstehe ich die nachträgliche Verarbeitung von Situationen, in denen das Handeln als Lehrer/in geschlechtsspezifisch und/oder kulturell beeinflusst wurde, um in Zukunft solche Situationen besser meistern zu können. Um z.B. einer Benachteiligung von Schülern und Schülerinnen mit Migrationshintergrund oder einer Bevorzugung von Jungen in naturwissenschaftlichen Fächern entgegenzuwirken, muss man sich als Lehrkraft dieser Sache erst einmal bewusst werden, und dies wird eben durch die Eigenschaft der Reflexivität ermöglicht. Ein pädagogisches Arbeiten, welches sich diesem reflexiven Prozess nicht stellt, kann vielfältige negative Wirkungen hervorrufen. Wenn zum Beispiel die Lehrkraft Jungen in naturwissenschaftlichen Fächern bevorzugt, sich dessen aber nicht bewusst ist, und deshalb nichts an bestehenden Verhaltensmustern ändert, könnte das zu Frustration bei den Mädchen in der Klasse führen, da diese sich nicht beachtet und akzeptiert fühlen. Weiterhin könnte es dazu führen, dass die betroffenen Mädchen das Interesse am Unterricht bei besagter Lehrkraft, oder schlimmer noch an naturwissenschaftlichen Fächern im Allgemeinen, verlieren.

Fragestellung (2):  Wilfried Bos stellt in der Begleituntersuchung zu IGLU 2003 fest, dass Jungen sich in der Tendenz – im Vergleich mit der weiblichen Gleichaltrigengruppe – signifikant weniger sicher in der Schule fühlen, deutlich weniger gerne zur Schule gehen und eindeutig häufiger das Gefühl haben, dass sich die Lehrkräfte nicht/wenig um sie kümmern. Wie erklären Sie sich diese Ergebnisse und wie könnte man diese Situation verbessern?

Beitrag: Ich denke der “Weg” hin zu diesen Einstellungen von Jungen beginnt in der Grundschule. Wie in der Vorlesung erwähnt, ist es der Ausnahmefall, dass Grundschulklassen von Frauen und Männern unterrichtet werden. Vielmehr sehen sich Jungen in der Grundschule überwiegend weiblichem Lehrpersonal ausgesetzt. Prinzipiell ist das nicht schlecht, aber es kann unter Umständen bei Jungen den Eindruck hervorrufen, dass die Mädchen stärker gefördert und sowieso mehr beachtet werden, da die Lehrkraft meist, wie die Schülerinnen, weiblich ist. Dadurch setzt schon in der Grundschule der Prozess ein, der dann zu Unsicherheit in der Schule, mangelnder Lust zur Schule zu gehen und zum Gefühl des “Nicht-Beachtet-Werdens” führt. Jungen bekommen somit von Anfang an das Gefühl vermittelt, in der Minderheit und damit in der schwächeren Gruppe zu sein. Dem entgegenwirken lässt sich meiner Meinung nach am besten durch verstärkte Präsenz von männlichen Lehrkräften von Beginn der Schullaufbahn an. Es sollte noch stärker daran gearbeitet werden, junge Männer für den Beruf des Grundschullehrers zu begeistern. Damit verbunden sollten auch die Einstiegsvoraussetzungen (z.B. NC für Studienplätze) erleichtert werden, denn diese schrecken sicherlich viele davon ab, sich überhaupt für einen Studienplatz in diesem Bereich zu bewerben.

Kommentar einer/s Studierenden: In deinen beiden Hauptthesen, nämlich erstens, dass “Reflexive Koedukation” im Idealfall eine Basis-Praktik des Lehrpersonals sein sollte und zweitens, dass mehr männliche Pädagogen in (Grund-)schulen vertreten sein sollten, stimme ich dir vollstens zu.
Zunächst halte ich es ebenfalls für äußerst wichtig, dass das Lehrpersonal sich konsequent selbst reflektiert und sich die Unterschiedlichkeit der Schülerinnen und Schüler, ob geschlechterspezifisch, kulturell, ethnisch oder aufgrund der jeweiligen Interessen, bewusst macht. Wie du schon sagst, können sonst schwerwiegende Folgen auftreten, die die Kinder schon früh in ihrer Bildung – teilweise negativ – beeinflussen. Ein weiteres Beispiel ist, dass Vorurteile, die die Lehrkraft unreflektiert anwendet, den Kindern vorgelebt und somit als Vorbild vermittelt werden. Um auf dein Beispiel im Naturwissenschaftsunterricht zurückzukommen, könnte dies zur Folge haben, dass Schülerinnen etwa schon von vornherein kein Selbstvertrauen haben, sich an eine Aufgabe zu wagen, da sie immer wieder “Jungen sind eh besser im Naturwissenschaftlichen” zu hören bekommen.
Auch deiner zweiten These kann ich zustimmen. Ich halte es für wichtig, dass Schülerinnen und Schüler auch außerhalb der Familie männliche sowie weibliche Bezugspersonen, in diesem Fall Lehrer und Lehrerinnen, haben. Ich sehe in der schulischen Bildung auch eine gesellschaftliche Verantwortung, die die Kinder dazu erziehen soll, zu beiden Geschlechtern Kontakte aufzubauen und sich anzuvertrauen. Dennoch ist es gut für die SchülerInnen, einen gleichgeschlechtlichen Ansprechpartner zu haben, dem sie sich vielleicht schneller öffnen um Probleme und Ängste anzusprechen. So wird ein Junge im Sexualkundeunterricht wahrscheinlich lieber mit einem männlichen Lehrer seine Fragen klären, freut sich aber in anderen Bereichen auch über eine weibliche Pädagogin. Ist das Lehrpersonal geschult, arbeitet reflektiert und ist im besten Falle vorurteilslos, können die SchülerInnen so individueller gefördert werden.

Zur Veranschaulichung der Mitwirkung von Dozierenden wird im Folgenden der Kommentar des Dozenten dieses Vorlesungsthemas zu allen Blogbeiträgen aufgeführt:

„Geschlecht und Gender sind zwar bedeutende Heterogenitätskategorien, Genderkompetenz eine entscheidende Voraussetzung für pädagogische Professionalität, zu dieser Kompetenz gehört allerdings auch, zu sehen, dass es keine homogenen geschlechtsgruppen („die Jungen“, „die Mädchen“ – „die Natur der Jungen/Mädchen…“, „normale Jungen/Mädchen…“) gibt! Die männlichen und weiblichen Gruppen unterscheiden sich innerhalb der Geschlechtsgruppe bzgl. Verhalten, Neigungen, Stärken, Schwächen usw. in vielen Formen, u.a. auch bedingt durch weitere Heterogenitätskategorien wie sozio-ökonomischer Hintergrund, familiäres Milieu, kulturelle Einflüsse etc. Die pädagogische Kunst ist es, den Einflussfaktor Geschlecht/Gender zu reflektieren und trotzdem das Individuum als entscheidende Größe anzuerkennen.“

Ausblick

Die Ringvorlesung wird nach jedem Durchlauf anhand eines strukturierten Fragebogens online evaluiert und mit Hilfe der Rückmeldungen von Studierenden kontinuierlich in Austausch mit Thomas Bernhardt, Oliver Oster und den ReferentInnen weiterentwickelt. Herausforderungen gibt es vereinzelt mit technischen Problemen, z.B. in der automatischen Zuweisung von Beiträgen. Eine weitere Herausforderung besteht darin, über den Austausch fördernde Fragestellungen das Entstehen von Lerngemeinschaften zu unterstützen, da diese auch den positiven Gesamteindruck der Veranstaltung erhöhen. Insgesamt zeigen die Ergebnisse der bisherigen Durchführungsphasen, dass die Blogarbeit als ein sinnvolles Lern- und Prüfungsmedium von den Studierenden angenommen wird und Lernprozesse angestoßen werden, die in den Vertiefungsseminaren sowohl im B.A.- als auch im Masterstudium erweitert werden können.

Über die Autorin:

Aysun Kul ist Lektorin und wissenschaftliche Angestellte im Fachbereich 12 und Koordinatorin des Moduls „Umgang mit Heterogenität in der Schule“.

 

Bildnachweis:

  • Autorinfoto: Aysun Kul (privat)
  • Abb. 1: Aysun Kul
  1. Das Modul ist mit einem Gesamtumfang von 15 cp im Fachbereich Erziehungs- und Bildungswissenschaften angesiedelt und richtet sich an Lehramtsstudierende des Zwei-Fächer-Bachelor (6cp) mit dem anschließenden M.Ed. Gymnasium/Oberschule (9cp/ab WiSe 2014/15), sowie an Lehramtsstudierende des B.A. Bildungswissenschaften des Primar- und Elementarbereichs (BiPEb) (6cp) mit dem anschließenden M.Ed. Grundschule (9cp). []

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