Abschlussreflexion zur Ringvorlesung“Umgang mit Heterogenität“

Abschlussreflexion

1.) Benennen Sie die für Sie zentralsten (mindestens zwei verschiedene) theoretischen Erkenntnisse, die Sie aus den Vorträgen der Ringvorlesung für sich als besonders prägnant mitgenommen haben. Nehmen Sie dabei konkret sowohl Bezug auf:
a.) die unterschiedlichen, fachdidaktischen Aspekte und übertragen Sie diese in der Ringvorlesung gewonnenen Erkenntnisse auf die Didaktiken der von Ihnen studierten Fächer. Beziehen Sie sich hierbei auch auf didaktische Erkenntnisse mindestens eines Fachs, das Sie nicht selbst studieren.

b.) generelle erziehungswissenschaftliche Erkenntnisse zu Schule und Unterricht.
Bitte benennen Sie für diesen Aufgabenteil dabei konkret mindestens zwei relevante Literaturquellen (Autor*innen, Jahr, Titel).

 

Die Ringvorlesung „Umgang mit Heterogenität“ hat mir die grundlegende Einsicht verliehen, wie vielfältig und auch wichtig der Umgang mit Heterogenität innerhalb der schulischen Institutionen ist. Vor dem Belegen des Moduls war mir die Vielfalt und somit auch die Schwierigkeiten im Hinblick auf dem Umgang mit dieser nur bis zu einem gewissen Maße bewusst gewesen. Insbesondere die Vielfalt dieser hat mich überrascht und mir bewusst gemacht, dass ein enormer Diskussionsbedarf in Bezug auf das jetzige Schulsystem besteht. Selbst durch die gestellten Fragen oder auch Antworten innerhalb des Blogs der Ringvorlesung ist deutlich geworden, dass die Meinungen sehr weit auseinander gehen können, wenn es um das Ausführen von Didaktiken, Methoden oder Erkenntnissen geht.

 

Die zentralsten theoretischen Erkenntnisse, die ich für mich mitnehme, sind die des Umgangs mit der Inklusion, die vor allem in der Ringvorlesung 07 von Prof. Dr. Frank J. Müller und anderen erläutert wurden. Die RV 07 zur Inklusion war meines Erachtens nach eine der bedeutsamsten und informativsten Vorlesungen. Der Vorlesung zu entnehmen war, dass es geeignete didaktische Formen bereits gibt, die seit der Reformpädagogik am Anfang des 20. Jahrhunderts bekannt sind. Es sind die Freiarbeit (Drews/Wallrabstein 2002; Lähnemann 2008) und die Projektarbeit (Frey 2007) mit allen Variationen. Diese Formen werden ergänzt zu den Vorträgen und Gesprächen, die meist im Kreis (Heinzel 2007) stattfinden. Anhand der Freiarbeit lässt sich die Individualisierung des Lernens der Heterogenen Gruppen organisieren.[1] Diese theoretischen Erkenntnisse können für jedes Unterrichtsfach gelten. Als wichtige Erkenntnis mitzunehmen ist, dass jedes Kind mit seinen Einschränkungen oder seinen besonderen Lernumstände bzw. -Voraussetzungen mit Hilfe von (Eltern-)Gesprächen erfasst werden müssen, um diesem Kind individuell gerecht zu werden. Dieser Umstand war mir so vorher nicht klar, aber es ergibt Sinn, dass es nicht den einen Weg für Kinder mit gleichen (Förder-)Diagnosen gibt und jedes Kind individuell behandelt werden muss. [2]

 

Insbesondere die Ringvorlesung 03 „Sind „andere“ Gesellschaften und Kulturen plausible Lerngegenstände im Fremdsprachenunterricht?“ hat mir zudem viele neue Erkenntnisse für meinen zukünftigen Französischunterricht gebracht. Unteranderem die Nutzung von Stereotypen einer Kultur im Unterricht war mir bis dahin schon bewusst, aber es stellte sich erst nach einer kritischen Auseinandersetzung als Problem dar. Das Modell von Byram war dabei eine neue erkenntnisbringende Theorie. Dabei ging es um die Erfassung des Fremdsprachenunterrichts in seiner Mehrdimensionalität. Zudem um Neues zu erlernen sowie Kulturen kritisch zu reflektieren, um über den Tellerrand zu schauen und auch hier zu erkennen, dass Verallgemeinerungen niemanden gerecht werden. (Eine gute Erkenntnis, die ich in meinen zukünftigen Französischstunden versuchen werde umzusetzen.7)

 

Eine weitere Erkenntnis brachte mir die RV10 von Dr. Sabine Horn für mein zweites Fach Geschichte im Umgang mit Antisemitismus im Geschichtsunterricht. Vorerst war mir das Problem nicht bewusst das es eine solche Antisemitische Haltung von SuS gibt oder dass diese von Lehrkräften zu keiner Reaktion führt. Da ich aber auch bei Frau Dr. Horn das Fachdidaktikseminar für Geschichte besucht habe wurde mir klar, dass es vor allem die Aufgabe der Geschichtslehrkraft ist, diese Situationen im Unterricht zu erläutern und sich mit Antisemitismus mehr zu beschäftigen, als nur den Holocaust im Unterricht durchzunehmen.

 

Eine weitere Einsicht, die nicht meine Fächer betrifft, ist das Mädchen in Naturwissenschaften erstaunlicherweise sogar besser abschneiden als Jungen. Aber trotzdem ergreifen eher männliche Kandidaten das Studium der sogenannten MINT-Fächer oder üben eine Tätigkeit im Labor aus. Wie wir in RV12 von Dr. Christoph Kulgemeyer erfahren haben gibt es betragliche Mängel im Umgang mit dem Gender im Naturwissenschaftlichen Unterricht. Mädchen bekommen zwar die besseren Noten aber sie bekommen dafür weniger Aufmerksamkeit des Lehrers/der Lehrerin. Darum sollte den Mädchen in dieser Hinsicht in Zukunft mehr Beachtung geschenkt werden.

 

  1. Welche Faktoren zum schulischen Umgang mit Heterogenität (z.B. Unterrichtsformen, Schulformen, schulstrukturelle Fragen, schulkulturelle Aspekte, Lehrer*innenhandeln)), die Sie in der Vorlesung kennengelernt haben, prägen im Rückblick auf ihre eigenen Praxiserfahrungen (eigene Schulzeit, Berichte aus der Praxis, ggf. auch schon eigene Praxiserfahrungen) den Schulalltag besonders stark – und warum? Hier können Sie aus Ihrer Sicht besonders gelungene oder auch weniger gelungene Beispiele geben. Inwiefern helfen Ihnen die Inhalte der Vorlesung, eine solche Einschätzung vorzunehmen? Nehmen Sie konkret Bezug auf entsprechende Begriffe, Theorien, Konzepte, die Sie jetzt kennengelernt haben.

 

Die Faktoren betreffen vor allem den Umgang mit SuS die Deutsch als Fremdsprache bzw. Deutsch als Zweitsprache in der Schule lernen. Es handelt sich dabei meines Erachtens um eine besonders aktuelle Thematik. Deshalb ist es mir im Gedächtnis geblieben und ich musste im Verlauf der Vorlesung immer daran zurückdenken.

In der Oberstufe habe ich einen besonderen Eindruck davon bekommen, wie Erwachsenenbildung einen großen Vorteil mit sich bringt im Hinblick mit dem Umgang mit Inklusion /in Bezug auf Migration. An meiner Schule hatten wir einen Förderunterricht zum Erlernen von Deutsch als Fremdsprache, dort wurde deutlich, inwieweit die SchülerInnen eigentlich zu niedrig in ihrem Können an anderen Schulen eingestuft worden sind und nun bei uns auf einem Berufskolleg landeten. Diese Schülerinnen waren leistungsstärker und auch jünger als die anderen SchülerInnen des Abendgymnasiums. Daraus schließe ich, dass es an normalen Gymnasien weniger möglich war, als nicht MuttersprachlerIn an dem eigentlichen Deutschunterricht teilzunehmen, wie es an unserer Schule der Fall war.

 

  1.   Zu welchen zwei erziehungswissenschaftlichen Fragestellungen, die Sie in der Vorlesung kennengelernt haben, würden Sie gerne mehr erfahren im weiteren Studium in Bezug auf das Modulthema UMHET? Welche haben Sie vermisst? Bitte begründen Sie Ihre Wahl.

 

Insbesondere zum Nachdenken angeregt hat mich die Frage von Vorlesung 03 ob man andere Kulturen als Lehrgegenstand im Unterricht verwenden sollte. Bei dieser Fragestellung musste ich im Hinblick auf meine zukünftiges Unterrichtsfach Französisch noch einmal Nachdenken um mir deutlich zu machen, was wirklich damit gemeint ist und wie in Dimensionen gedacht werden sollte, da die Kultur einer Gesellschaft doch sehr viel miteinschließt. Deshalb stellte sich mir die Frage, inwieweit der Kulturbegriff gemeint ist und was man denn verwenden darf und was nicht.

Ebenfalls möchte ich gerne mehr über SchülerInnen mit Migrationshintergrund und Deutsch als Fremdsprache erfahren. Darüber hinaus mehr über die Mehrsprachigkeit an der Schule, wie diese in Kanada bereits praktiziert wird. Und ob diese in Deutschland bereits Anklang findet oder ob es hier einen Referenzrahmen dafür gibt. Sowie über Sprachen, die bereits Angeboten werden, den Muttersprachlern ermöglichen ihre Prüfung in diesem Fach abzulegen.

[1]Faulstich-Wieland, Hannelore; Grunder, Hans-Ulrich (Hrsg.), 2011, Umgang mit Heterogenität und Differenz. Selektion versus Inklusion.

[2] Quelle: Aus den Folien der Vorlesung zur Inklusion entnommen.

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RV13- Schule in Kanada

1.)

Meiner Erinnerung nach stellt sich das Inklusionsverständnis in Deutschland ganz anders als in Kanada dar. Unter „Inklusion in der Schule“ versteht man in Deutschland zuerst, dass meist nur „SchülerInnen mit einer Lernschwäche“ zu Inkludieren sind.

In Kanada gibt es ein Selbstverständnis davon, dass Diversität, Multikulturalismus und Inklusion im schulischen Kontext nicht gesondert werden, sondern entsprechend in der schulischen Praxis Beachtung finden.

Im Gegensatz zur in Deutschland praktizierten, sich an der sogenannten Leitkultur orientierenden Vorgehensweise wird kulturelles Wissen der Minderheiten (z.B. der First Nation die 3,6 Prozent der Bevölkerung ausmachen, 33% der Bevölkerung mit britischer oder französischer Herkunft, 16,3% der „People of Colour“) in Kanada in die Lehrpläne aufgenommen und explizit multikulturalistische Perspektiven eingenommen. Multikulturalismus versteht sich als Staatstheorie basiert auf Theorie von Charles Taylor (1992).

Vielleicht zeigt sich das auch an den geringsten ausgeprägten Leistungsunterschieden in der Welt zwischen Schüler*innen mit und ohne Migrationshintergrund sowie zwischen Schüler*innen mit hohem und niedrigem sozio-ökonomischen Status wieder. Es scheint das es in diesem Punkt in Deutschland eine Kehrtwende gibt (Mehr Migration /schlechte Vorbereitung auf die „Newly arrived“ als in Kanada. (hier dauert der Sprachkurs Deutsch als Fremdsprache nur 2 Jahre in Kanada gibt es bis zu 5-7 Jahre Englischunterricht)

Ein weiterer Aspekt ist, dass schon viel länger als in Deutschland Wert daraufgelegt wird, dass sich die ethnische Verteilung der Schülerschaft auch in den Lehrer*innenzimmer widerspiegelt.

Ich denke LehrerInnen spielen als Vorbilder eine erhebliche Rolle. Außerdem sind team teachings üblich, systematische Kooperation der Lehrkräfte in multiprofessionellen Teams „professional learning communities“ ist essenzieller Bestandteil der Professionalität, feste Kooperationszeiten von mindestens drei Stunden in der Woche sowie Kooperationsworkshops am Ende der Schulferien sind inbegriffen in der Aus- und Fortbildung der Lehrerschaft.

 

 

 

2.)

An der Vorzeigeschule Gordon Bell in Winnipeg erkennt man was alles denkbar wäre auch für unsere staatlichen Schulen in Deutschland. Bei mir stellt sich die Frage, warum dies nicht möglich ist. Liegt es an der Finanzierung? Gibt es hier zu wenig Personal? In meiner Schulzeit bin ich auch auf eine Schule ohne Rassismus gegangen. Wir hatten eine Lernsprachklasse die staatlich gefördert wurde. Genügend Räume, um z.B. einen muslimischen Gebetsraum oder eine Kinderkrippe einzurichten, wären sogar vorhanden gewesen. Ich habe das Gefühl, dass diese Möglichkeiten von unserer Bildungspolitik abhängig sind. Ich könnte mir vorstellen, dass der multikulturellen Rolle an deutschen Schulen viel zu wenig Beachtung geschenkt wird und wie schon gesagt auf den deutschen Leitfaden zuviel Wert gelegt wird. Und warum geht es uns nicht in erster Linie um das Wohlbefinden der SuS sondern um das Erbringen von Leistungen? Ich denke die Schule in Kanada ist uns da einen großen Schritt voraus, SuS und ihren Interessen und Familien wird mehr Aufmerksamkeit geschenkt und was die Behandlung von Diversität anbelangt gibt es einen kollektiven Gedanken des Zusammenhalts.

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RV12 – Heterogenität im naturwissenschaftlichen Unterricht

RV12: Dr. Christoph Kulgemeyer: Empirische Forschung zu Heterogenität im naturwissenschaftlichen Unterricht: Felder und Maßnahmen

07. Juli 2020

  1. In einer Konferenz in Ihrem Fachbereich in Ihrem Fach an Ihrer Schule diskutiert das Kollegium über Maßnahmen zum Umgang mit Heterogenität. Sie erinnern sich kurz an diese Vorlesung: nennen Sie zwei empirisch überprüfte Fakten zum Umgang mit Heterogenität, die der Diskussion dienen könnten!

Wie in der Vorlesung dargestellt, haben empirische Studien bewiesen, dass die naturwissenschaftlichen Unterrichtsfächer in den Interessensfeldern der Mädchen von den Lehrkräften gestalten werden sollten, da diese das Interesse aller SuS steigern. So könnte man auch gegen das 2/3 Aufmerksamkeitsgesetz arbeiten und den Mädchen mehr Aufmerksamkeit schenken, was erwiesen keine Nachteile für Jungs mit sich bringt.

Es sollten nicht nur homogene Gruppenarbeiten durchgeführt werden, das führt dazu, dass leistungsschwache SuS insgesamt schlechter abschneiden und an Motivation verlieren. Im Gegensatz dazu sollten auch nicht nur heterogene Gruppen gebildet werden, da diese die Motivation der schwachen SuS auch auf Dauer senken und Leistungsstarke frustrieren können.

  1. Erläutern Sie, welches Unterrichtsmuster Sie in Ihrer bisherigen Erfahrung selbst als das wirkungsvollste erlebt haben! Diskutieren Sie Ihre Beobachtung vor dem Hintergrund der Vorlesung!

Eine Unterrichtstunde mit genauen Instruktionen hat mir persönlich am besten gefallen. Dies gelingt nicht immer, aber mit einer kleineren Klasse, wie es bei mir der Fall gewesen ist, konnte es gut umgesetzt werden. Meiner Meinung nach ist reiner Frontalunterricht nicht sinnvoll (so habe ich den Unterricht aber sehr oft erleben müssen) Meine schönste Aufgabe war es über einen längeren Zeitraum meine erste Hausarbeit zu schreiben in der es vorab eine genaue Instruktion der Formalien und des zu bearbeitenden Themas gab.

  1. Eine Kollegin sagt: „Gesamtschulen sind ja immer mal wieder der letzte Trend, ob wir sie nun Oberschulen nennen oder Sekundarschulen, die Idee ist doch dieselbe. Alle werden gemeinsam unterrichtet, was für eine Ideologie. Dabei zeigt doch die empirische Forschung klar, dass das Gymnasium nur von den besten SuS besucht werden sollte. Die schlechten fühlen sich hier doch viel zu schnell überfordert und das frustriert sie so sehr, dass sie vollkommen abschalten.“ Was antworten Sie der Kollegin?

Liebe Kollegin,

ich finde nicht das wir die verschiedenen Leistungsgruppe homogen getrennt unterrichten sollten, denn die unterschiedlichen Leistungsniveaus der SuS hängen unter anderem von vielen Faktoren ab (z.B. Bildungssprache, Gender, familiärer Hintergrund, Intelligenz usw.). Diese Unterschiede allein bestimmen jedoch nicht, was und wieviel SuS lernen können. Als Lehrkraft liegen unsere Aufgaben in der Unterstützung der SuS in ihrem Bildungsweg. Dabei geht es nicht nur um das Vermitteln von Fakten-Wissen in unserem Fachbereich, sondern auch um die Unterstützung und Förderung der SuS bei der Findung ihrer eigenen Interessen.

Wenn leistungsschwächere SuS frustriert sind, weil sie das Gefühl haben, zurückzufallen, oder weil sie sich überfordert fühlen, dann ist es unsere Aufgabe als Lehrkraft, Wege und Methoden zu finden die den Lernprozess vereinfachen.

Es gibt nicht die „guten“ oder die „schlechten“ Schüler/innen, und die empirischen Studien weisen nach, dass die Aufteilung der Schüler/innen nach ihrem Leistungsniveau eher negative Effekte auf die Fachleistung hat.

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RV10 – Umgang mit Antisemitismus in der Schule

RV10 – Dr. Sabine Horn & Clara Suchodolski: Über jüdisches Leben reden – (k)ein Tabu? Zum Umgang mit Antisemitismus in Bildungsinstitutionen

  1. Juni 2020

1.Welche Berührungspunkte hatten Sie bereits mit dem Thema Antisemitismus? Beschreiben Sie für Sie wichtig erscheinende Situationen und wie Sie diese vor dem Hintergrund dieser Vorlesung bewerten würden.

Während meiner Schulzeit hatte ich erste Berührungspunkte mit dem Thema Antisemitismus. Allerdings wurde in meiner damaligen Schule das Thema bis auf den Geschichtsunterricht weitestgehend tabuisiert. Wie in der Präsentation erwähnt gab es oft entsetzte Gesichter, wenn man Antisemitismus ansprach oder sich intensiver damit beschäftigen wollte.

In meiner neuen Schule fiel es mir auch nicht weiter auf, dass sekundärer Antisemitismus vor meiner Nase stattfand, bis ich mich freiwillig in einer Hausarbeit mit dem Thema des Warschauer-Ghettoaufstands und dem Antisemitismus beschäftigt habe. Von diesem Zeitpunkt an habe ich erst einige der Äußerungen meiner Mitschüler für antisemitisch empfunden. Ich bemerkte, wie rücksichtslos meine Mitschüler mit einigen Ausdrücken umgegangen sind und sich darüber sogar lustig machten. Bei einem Mitschüler, den auch alle für sehr intelligent hielten, wurden mir die Äußerungen (oft auch rassistische) zu viel und ich konnte mich mit meiner Reaktion oft nicht zurückhalten. Ausgerechnet von diesem Schüler hätte ich mir mehr erhofft, da er selbst aus einem Elternhaus mit Migrationshintergrund kam. Unsere Geschichtslehrerin ist aber gut damit umgegangen und konnte uns vor der ganzen Klasse genau erklären, warum diese Aussagen, die der Schüler machte, nicht angemessen waren.

Trotz Ihrer Mühe hätte ich mir mehr Auseinandersetzung mit dem Thema gewünscht, da wir eine Schule gegen Rassismus waren. Ich hätte es auch für gut empfunden, wenn wir uns weiter mit dem Antisemitismus beschäftigt hätten.

Zuletzt ist Antisemitismus aktueller denn je, schaut man sich die Vorfälle und Situationen des letzten Jahres in Deutschland an. Für mich war es schwer diesen immer noch bestehenden Hass im Netz und die schlimmen Vorfälle zu sehen. Antisemitismus sollte nicht weiter in den Schulen tabuisiert werden darf, wie es immer noch der Fall zu sein scheint.

2. Welche Fragen haben sich für Sie durch den Vortrag ergeben? In welchen Bereichen fühlen Sie sich noch unzureichend informiert oder vorbereitet, um sich mit Antisemitismus in der Schule als Lehrkraft zu befassen?

Mich würde interessieren, wie ein Workshop in der Praxis gestalteten werden sollte, ohne dass jemand viktimisiert oder das Thema bagatellisiert wird.

3. Beschäftigen Sie sich mit folgendem Szenario: Ein Elternteil spricht Sie persönlich als Lehrkraft darauf an, dass ein Schüler Ihrer Klasse von verbalen antisemitischen Übergriffen betroffen war. Überlegen Sie, wie ein konstruktiver Umgang mit dieser Situation aussehen könnte.

In einer solchen Situation würde ich den/die Schüler/in, der/die sich antisemitisch geäußert hat erstmal zu einem persönlichen Gespräch einladen und Details über den Vorfall in Erfahrung bringen. Wenn durch das persönliche Gespräch deutlich wird, dass das Verhalten des/der Schülers/in antisemitisch oder in sonstiger Art und Weise unangemessen war, könnte ich mir die Organisation eines Workshops zur konstruktiven Lösung des Vorfalls gut vorstellen. Hierbei sollte deutlich gemacht werden, dass ein antisemitisches oder sonstiges unangemessenes Verhalten nicht akzeptabel ist. Eventuell könnte der/die Schüler/in, welche/r für den Übergriff verantwortlich war, einen Vortrag über die Thematik halten mit einer abschließenden Diskussion mit der Klasse.

 

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Auf dem Weg zu einer Schule für alle

RV07- Inklusive Pädagogik

1.)Reflektieren Sie die Konsequenzen der Aussonderung von Schüler/-innen mit Förderbedarf.

Zunächst erscheint eine ausgesonderte Lerngruppe von SchülerInnen mit Förderbedarf als „sinnvoller“ oder auch „einfacher“. Jedoch zieht eine solche Kategorisierung bzw. Aussonderung oft auch viele Nachteile mit sich.
Generell orientieren sich SchülerInnen an anderen Mitschülern, das heißt, dass sie ihre Klassenkameraden studieren und möglicherweise Verhaltensweisen übernehmen. Durch Nachahmung ihrer ebenfalls beeinträchtigten MitschülerInnen können somit zusätzlich neue (vl. Unerwünschte) Verhaltensweisen entstehen.
Den SchülerInnen mit Förderbedarf fehlen „richtige“ Vorbilder, an denen sie sich orientieren können. Ohne Vorbilder fällt es den SchülerInnen schwerer sich weiterzuentwickeln, zu bilden oder auch soziales Verhalten zu erlernen. Restschulen sind somit keine Lösung, da sie die Bildungschancen und Entwicklung der SchülerInnen negieren.

2.)Welche Informationen sind in der Diagnose „Förderschwerpunkt Wahrnehmung & Entwicklung“ bzw. „Förderschwerpunkt Lernen“ enthalten? Nützt die Diagnose Down-Syndrom Ihnen als Lehrer_in mehr? Welche Informationen benötigen Sie von einer Schüler/-in um Ihren Unterricht ggf. anzupassen?

Die Diagnose „Förderschwerpunkt Wahrnehmung und Entwicklung“ kann die Information enthalten, dass der Schüler/die Schülerin kognitiv eingeschränkt ist. Außerdem können auch sprachliche oder soziale Probleme bestehen. Bei dem „Förderschwerpunkt Lernen“ bestehen möglicherweise Konzentrationsprobleme sowie Sprach- oder Schreibschwächen. Vorerst muss man klarstellen, dass es bei einer Diagnose immer ein Ressourcen-Etikettiergungs-Dilemma gibt. Denn durch die Diagnose „Förderschwerpunkt Wahrnehmung und Entwicklung“ wird nicht ersichtlich, in welcher Weise sich dieser Förderbedarf zeigt. Es herrscht also eine begrenzte Aussagekraft der einzelnen Kategorien. Ich würde nicht sagen, dass es einem nützt, wenn man weiß das ein/e Schüler/-in das Down-Syndrom hat. Es ist am wichtigsten, sich ein Bild von dem Schüler/der Schülerin zu machen. Man kann zum einen mit dem Schüler selbst sprechen, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen. Zum anderen gibt es die Möglichkeit sich den Diagnosebericht durchzulesen oder Mitschüler zu befragen.

3.)Wie können Sie in Ihrem Unterricht die Zugänglichkeit und Anschaulichkeit von Medien/Materialien verbessern? Welche Verbündeten können sie dazu gewinnen?

Die Zugänglichkeit und Anschaulichkeit der Materialien und Medien könnte dadurch verbessert werden, dass die SchülerInnen aus mehreren Perspektiven die Lerninhalte betrachten. Man könnte zum Beispiel die SchülerInnen dazu animieren ihre Lerninhalte mit einem Video festzuhalten, sodass diese für Ihre MitschülerInnen verständlicher gemacht werden.

Die Eltern kennen ihre Kinder meistens am besten, da sie die meiste Zeit außerhalb der Schule mit ihnen verbringen. Somit stellen sie gute Verbündete dar, wenn es um Schwächen und Stärken ihrer Kinder geht. Auch MitschülerInnen können dabei helfen, ein Bild von Schwierigkeiten und internen Problemen zu übermitteln.

4.)Wählen Sie eines der Lernvideos auf path2in.uni-bremen.de aus, schauen Sie es sich an und schreiben Sie kurz eine begründete Empfehlung für Ihre Kommiliton_innen, warum es sich ggf. lohnt sich das Video anzusehen.

 

Ich habe mir das Video von Ines Boban und Prof. Dr. Andreas Hinz ausgesucht. In dem Video geht es um die Begrifflichkeiten von Integration und dem neuen Inklusionsbegriff und wie sich der von dem Ansatz der Integration,wie er in den 80ern und 90ern entstanden ist, abgrenzt. Dabei geht es auch um die Meinung der beiden Befragten und wie sie den Begriff Inklusion verstehen und ob sie sich eine Veränderung der Begriffsentwicklung wünschen würden. Und ob es eine neue Begrifflichkeit braucht, um eine neue Eindeutigkeit zu erreichen. Ich empfehle euch allen dieses Video anzuschauen, da einem nochmal klar wird voraus dieser Inklusionsbegriff überhaupt entstanden ist. Und ich finde es besonders interessant, die Sicht von Personen zu erfahren, die sich in ihren Arbeiten damit beschäftigt haben und auch Vergleiche mit dem echten Schulleben heranziehen können.

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„Andere“ Kulturen/Stereotypen/ Das Byram Modell

RV03 – Bàrbara Roviró: Sind „andere“ Gesellschaften und Kulturen plausible Lerngegenstände im Fremdsprachenunterricht?

11.05.2020, Bremen

1. Bei der Veranstaltung zur Sprachenwahl für die 2. Fremdsprache sind Sie als Klassenlehrer einer 5. Klasse anwesend und stellen fest, dass die FS-Kolleg*innen in ihrer Präsentation für die Eltern auf Stereotypen zurückgegriffen haben. Äußern Sie sich den Kolleg*innen kritisch gegenüber und verweisen Sie dabei auf das Byram Modell.

Sehr geehrte Kolleg*innen,

ich bedanke mich bei Ihnen für ihre Präsentationen zum Thema Fremdsprachenwahlen. Allerdings musste ich feststellen, dass die verwendeten Beispiele Stereotypen bedienten. Wie Sie wissen kann das bei den Eltern und bei unseren Schüler*innen zu einem Schubladendenken führen und verhindert das Verstehen der Diversität eines Landes und seiner Bevölkerung. Es sollte doch darüber hinausgehen, dass man sich einen Franzosen mit einem Baguette unter dem Arm und einer Baskenmütze vorstellt.

Um diese Problematik zu lösen möchte ich euch gerne auf das Byram-Modell der interkulturellen Kommunikationskompetenz hinweisen, von dem Ihr möglicherweise schon gehört habt. In diesem Modell wird die Kompetenz zum Erlernen einer Sprache in fünf  „Savoirs“ aufgegliedert. Besonders in dem „savoir comprendre“ wird deutlich, wie wichtig es ist eine andere Kultur mit all ihren Diversitäten kennen zulernen und zu verstehen. Dabei sollte die Konfrontation mit Stereotypen vermieden werden.

Ich hoffe ihr versteht mein Anliegen.

Mit freundlichen Grüßen

Lisa Trippler

2. Erinnern Sie, welche kulturellen Inhalte Bestandteil ihres Fremdsprachenunterrichts in der Schule gewesen sind und mit welchem Ziel diese behandelt worden sind. Stellen Sie dabei den Konnex zu der heutigen Sitzung. 

Ich kann mich gut daran erinnern, dass wir uns im Französischunterricht des öfteren mit französischen Rezepten und Speisen auseinandergesetzt haben. Zur Weihnachtszeit hat unsere Klasse einen Crêpes-Stand für andere Schüler eröffnet. Dies hat uns Schüler eigentlich nur darauf vorbereitet, was denn die Franzosen so essen. Vor einem Austausch haben wir uns vor allem auf den Sprachgebrauch  vorbereitet und wir haben uns mit den besonderen Sehenswürdigkeiten der Stadt beschäftigt. Somit konnten wir uns im Voraus ein Bild von der politisch/geschichtlichen Bedeutung der Stadt machen. (z.B. Straßburg mit dem Sitz des Europaparlaments). Außerdem haben wir uns mit der französischen Geschichte und der französisch-deutschen Freundschaft befasst, welche eine große Bedeutung für den europäischen Frieden hatte.

Aber wie auch Byram in seinem Modell vermerkt, spielt beim Erlernen einer Sprache auch die Auseinandersetzung außerhalb des Unterrichts eine Rolle. Vor allem das Sprechen in dem Land und die Beschäftigung in seiner Freizeit mit der anderen Kultur führte zu einem besseren Verständnis.

3. Formulieren Sie eine kurze Aufgabenstellung in einem Ihrer Fächer, die zu einer fachübergreifenden Projektarbeit zum „Coronavirus“ als kulturelles Phänomen passen würde. 

Nachdem Corona überstanden ist: Ich würde in meinem Fach Französisch als Fächerübergreifende Projektarbeit angeben, dass die Oberstufe in Ihren Leistungskursen evtl. (auch die Sprachkurse in ihrem Unterricht) sich in Gruppen einteilen und sich ein Thema zum Coronavirus aussuchen.  Ich würde den Schüler*innen jeweils ein Beispiel geben.(z.B. wie wird das Virus übertragen?(Bio) Was ist das Virus?(Bio) Wie sind die Maßnahmen in Frankreich (Französisch), wie sind die Maßnahmen/Zahlen in Spanien (Spanisch) etc. Wie sieht die Statistik aus (Mathe). Dieses Projekt könnte man an zwei Projekttagen in der Schule durchführen und am letzte Tag gibt es eine Ausstellung zu dem Thema in der ganzen Schule. Das Ziel ist es, das es z.B Gemeinsamkeiten in Spanien, Frankreich und China gibt, wie mit einer Krise/Maßnahmen umgegangen wird und es somit ein Gefühl des Zusammenhalts geben könnte.  Und es somit auch ein Verständnis für manche Handlungen geben wird.

4. Gerade in der Behandlung von Kultur(en) und Gesellschaft(en) im Fremdsprachenunterricht kann die im Klassenraum vorhandene Heterogenität einbezogen werden. Wie bewegen Sie diese Schülerinnen und Schüler dazu, ihr Vorwissen und ihre Kompetenz einfließen zu lassen?

Wenn es sich um ein bestimmtes Thema handelt von dem ein Schüler besondere Kenntnisse hat und er diese Mitteilen möchte, ist es gut dem Schüler eine Gelegenheit zu geben es vorzutragen.(z.B. ein Referat zu halten, anstatt passenden Hausaufgaben zu geben, die er zu leicht beantworten könnte.)

Zudem könnte man im Fremdsprachenunterricht häufiger Rollenspiele zu gesellschaftlichen Themen wie Migration, Rassismus oder auch Ernährung und Freizeit einplanen. Diese sind ein gutes Mittel, die das Nachdenken und Diskutieren über das behandelnde Thema, sowie schließlich das Sprechen der Fremdsprache fordern.

 

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