RV13- Schule in Kanada

1.)

Meiner Erinnerung nach stellt sich das Inklusionsverständnis in Deutschland ganz anders als in Kanada dar. Unter „Inklusion in der Schule“ versteht man in Deutschland zuerst, dass meist nur „SchülerInnen mit einer Lernschwäche“ zu Inkludieren sind.

In Kanada gibt es ein Selbstverständnis davon, dass Diversität, Multikulturalismus und Inklusion im schulischen Kontext nicht gesondert werden, sondern entsprechend in der schulischen Praxis Beachtung finden.

Im Gegensatz zur in Deutschland praktizierten, sich an der sogenannten Leitkultur orientierenden Vorgehensweise wird kulturelles Wissen der Minderheiten (z.B. der First Nation die 3,6 Prozent der Bevölkerung ausmachen, 33% der Bevölkerung mit britischer oder französischer Herkunft, 16,3% der „People of Colour“) in Kanada in die Lehrpläne aufgenommen und explizit multikulturalistische Perspektiven eingenommen. Multikulturalismus versteht sich als Staatstheorie basiert auf Theorie von Charles Taylor (1992).

Vielleicht zeigt sich das auch an den geringsten ausgeprägten Leistungsunterschieden in der Welt zwischen Schüler*innen mit und ohne Migrationshintergrund sowie zwischen Schüler*innen mit hohem und niedrigem sozio-ökonomischen Status wieder. Es scheint das es in diesem Punkt in Deutschland eine Kehrtwende gibt (Mehr Migration /schlechte Vorbereitung auf die „Newly arrived“ als in Kanada. (hier dauert der Sprachkurs Deutsch als Fremdsprache nur 2 Jahre in Kanada gibt es bis zu 5-7 Jahre Englischunterricht)

Ein weiterer Aspekt ist, dass schon viel länger als in Deutschland Wert daraufgelegt wird, dass sich die ethnische Verteilung der Schülerschaft auch in den Lehrer*innenzimmer widerspiegelt.

Ich denke LehrerInnen spielen als Vorbilder eine erhebliche Rolle. Außerdem sind team teachings üblich, systematische Kooperation der Lehrkräfte in multiprofessionellen Teams „professional learning communities“ ist essenzieller Bestandteil der Professionalität, feste Kooperationszeiten von mindestens drei Stunden in der Woche sowie Kooperationsworkshops am Ende der Schulferien sind inbegriffen in der Aus- und Fortbildung der Lehrerschaft.

 

 

 

2.)

An der Vorzeigeschule Gordon Bell in Winnipeg erkennt man was alles denkbar wäre auch für unsere staatlichen Schulen in Deutschland. Bei mir stellt sich die Frage, warum dies nicht möglich ist. Liegt es an der Finanzierung? Gibt es hier zu wenig Personal? In meiner Schulzeit bin ich auch auf eine Schule ohne Rassismus gegangen. Wir hatten eine Lernsprachklasse die staatlich gefördert wurde. Genügend Räume, um z.B. einen muslimischen Gebetsraum oder eine Kinderkrippe einzurichten, wären sogar vorhanden gewesen. Ich habe das Gefühl, dass diese Möglichkeiten von unserer Bildungspolitik abhängig sind. Ich könnte mir vorstellen, dass der multikulturellen Rolle an deutschen Schulen viel zu wenig Beachtung geschenkt wird und wie schon gesagt auf den deutschen Leitfaden zuviel Wert gelegt wird. Und warum geht es uns nicht in erster Linie um das Wohlbefinden der SuS sondern um das Erbringen von Leistungen? Ich denke die Schule in Kanada ist uns da einen großen Schritt voraus, SuS und ihren Interessen und Familien wird mehr Aufmerksamkeit geschenkt und was die Behandlung von Diversität anbelangt gibt es einen kollektiven Gedanken des Zusammenhalts.

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