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Der beste Weg im Umgang mit Förderschulkindern – Gibt es den überhaupt?

Jeder Mensch hat in seinem Leben schon einmal Erfahrungen mit Menschen mit Behinderungen gemacht. Sei es in der Straßenbahn, der eigenen Schul- oder Parallelklasse, an öffentlichen Orten oder in der eigenen Familie. Es ist manchmal schwer zu verstehen, warum sich jemand auf diese Art verhält und noch schwerer ist es dieser Person helfen zu wollen. Als zukünftige Lehrkraft, interessiert es mich besonders, wie ich mich angemessen gegenüber Schülern bzw. Schülerinnen mit Förderschwerpunkt verhalte bzw. welcher Weg im Umgang mit ihnen der richtige ist. Gibt es überhaupt DEN richtigen Weg?

Die Schwierigkeiten Schüler mit Behinderung in den Schulalltag der anderen Mitschüler zu integrieren, habe ich bereits in meinem letzten Beitrag erläutert. Eine richtige Inklusion ist sehr schwer, da die Unterstützung sowohl zu viel als auch zu wenig sein kann. Das richtige Mittelmaß ist hier gefragt. Doch was geschieht, wenn es unmöglich erscheint S’u’S zu inkludieren? Viele Schulen sondern diese dann aus. In Förderklassen zum Beispiel oder, wenn es dort auch nicht gelingt in andere Schulen, die nur Kinder mit Förderbedarfen besuchen. Daraus resultieren allerdings zwei Probleme. Erstens ist eine stabile Umgebung für die Entwicklung der Kinder wichtig. Wenn sie dauerhaft umhergeschoben werden wie Einkaufswagen, müssen sie sich immer wieder auf neue Personen, räumliche Gegebenheiten und Lehrkräfte und deren Methoden einlassen. Dies könnte zu einer weniger motivierten Mitarbeit führen. Zweitens verlieren die Förderbedarfschüler ihr Vorbild, wenn sie auf eine Schule gehen, die nur für Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf ausgelegt ist. Sie verlieren sowohl sprachliche, als auch körperliche Vorbilder. Das einzige Vorbild das bleibt ist der oder die Lehrkraft. Wie Herr Müller bereits in seiner Vorlesung erwähnte, führt dies, aus seiner eigenen Erfahrung heraus, zu verweigernden Mitarbeiten innerhalb des Unterrichtes und auch die Kommunikation unter den Schülern stagniert, da die Schüler nur noch mit ihren Vorbildern, also den Lehrern reden möchten.

 

Werden uns als Lehrkräften nur die Förderschwerpunkte „Wahrnehmung und Entwicklung“, sowie „Förderschwerpunkt Lernen“ eines neuen Kindes innerhalb unserer Klasse mitgeteilt, so können wir nur mutmaßen, welche Probleme oder Herausforderungen uns mit diesen Kind erwarten. Bei einem Förderschwerpunkt im Bereich „Wahrnehmung und Entwicklung“ kann es sich sowohl um geistige als auch körperliche Entwicklungsprobleme handeln. Bei dem Förderschwerpunkt „Lernen“ kann es von „Lernschwächen§ bis hin zu „zu wenig Unterstützung beim Lernen zuhause“ reichen. Wir wissen nicht, welche Behinderung uns genau erwartet, wie sich das Kind verhält und welche Erfahrungen vielleicht schon andere Lehrkräfte mit diesem Kind gemacht haben. Eine genauere Diagnose und ein Gespräch mit den Eltern wäre hier sehr sinnvoll. Zuerst würde ich gerne mehr über die Krankheit an sich erfahren. Welche Behinderung liegt vor? Was muss ich im Ernstfall beachten oder tun? Müssen Medikamente eingenommen werden? Wo kann ich helfen? Dann würde ich mich als Lehrkraft über das Verhalten des Kindes informieren. Wie verhält sich das Kind? Vor allem in Bezug zu anderen Schülern und wie verhält es sich Zuhause? Wie hat sich das Kind bisher gegenüber anderen Lehrkräften verhalten? Anschließend wäre es spannend zu erfahren, wie es mit der Lernbereitschaft des Kindes aussieht. Wie lernt das Kind am Besten (Erfahrungen? z.B. Audiovisuell)? Wie eigenständig kann das Kind arbeiten? Kann das Kind alleine arbeiten? Ist das Kind bereit vorgegebene Aufgaben auszuführen? Danach würde ich mich nach räumlichen Maßnahmen erkundigen. Braucht das Kind extra Platz für einen Rollstuhl? Besitzt bzw. braucht das Kind eine Schulassistenz usw.

 

Sie sehen schon anhand der eben aufgeführten Punkte, wie viele Fragen sich bereits bei einer Person ergeben. Diese sind nicht nach Krankheitstyp bestimmbar. Wir können Menschen nicht verallgemeinern, da sie Individuen sind. Jeder Schüler benötigt eine individuelle Behandlung und es gibt keinen Weg, der in einem Buch zur Unterrichtspraxis festgelegt und für jeden anwendbar ist. Also Nein, es gibt nicht den besten Weg für Schüler mit Förderbedarf. Jeder Mensch erfordert einen individuellen Weg und auch wenn dieser und die Handlungen der Lehrkräfte nicht immer perfekt sind, ist es wichtig, dass wir alle stetig an einer gemeinsamen Inklusion arbeiten.

 

Im Folgenden möchte ich Ihnen gerne ein paar Möglichkeiten erläutern, die den Umgang mit Schülerinnen und Schülern mit Förderbedarf verbessern oder vereinfachen können.

 

Zuerst einmal könnten die Lehrkräfte an der Konzipierung und Gestaltung ihres Unterrichtes arbeiten. Der technische Fortschritt hat uns längst erreicht und wir haben wirklich viele Alternativen zu den herkömmlichen Schulbüchern, mit denen wir arbeiten können. Es ist für Menschen mit Förderbedarf einfacher, wenn wir mit Symbolen arbeiten. Diese haben einen Wiedererkennungswert und vermitteln den Schülern direkt, was zu tun ist. Zudem ist es wesentlich leichter ein Symbol einer Aufgabe zuzuordnen, als einen Text zur Aufgabe zu lesen. Videos sind mittlerweile auch ziemlich beliebt. Sie verbinden Sprache mit einer Visualisierung und regen mehr Bereiche des Gehirns an, als ein Text. Zudem kann ein anybook reader Förderschülern helfen. Dieser Stift, kann von Mitschülern besprochen werden und dann von einem Förderschulkind mehrfach angehört werden. Die Mitschüler fungieren hierbei als Unterstützung für die Lehrkraft im Umgang mit Förderschulkindern. Außerdem wäre es auch möglich sich mit anderen Lehrkräften über Möglichkeiten auszutauschen. Dabei könnte man sowohl ehemalige Kommilitonen fragen als auch kostenfreie Unterrichtsplattformen nutzen wie z.B. CC-O oder norwegische Plattformen.

 

Zuletzt möchte ich Ihnen noch einen Tipp ans Herz legen. Veröffentlichen Sie ihre Erfahrungen und Unterrichtsgestaltungen, damit wir alle gemeinsam noch besser inkludieren können und schauen Sie sich das Video von Eva Köhn zum Thema Unterstützungssysteme an. Sie ist selbst Mutter eines Kindes mit Förderbedarf und hat einen eigenen Verein gegründet, um solchen Kindern das Leben in der Schule mithilfe einer Assistenz zu erleichtern. Sie geht auf die aktuelle Situation in Bremen ein und bietet zusätzlich zu ihrer Methode noch weitere Alternativen an. Ich finde es ist ein sehr gelungenes Video, was jede Lehrkraft nochmal darin informiert, welche Möglichkeiten wir haben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

~ by Anna-Marie on 4. Juni 2020. Tagged:

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