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Die Schwierigkeiten einer erfolgreichen Inklusion

Was genau ist Inklusion eigentlich? Der Duden hat es folgendermaßen zusammengefasst:

„gemeinsame Erziehung beeinträchtigter und nicht beeinträchtigter Kinder in Kindergärten und [Regel]schulen“(https://www.duden.de/rechtschreibung/Inklusion).

Diese Zusammenfassung ist sehr grob und umfasst leider nicht den wahren Kern von Inklusion, denn diese zielt nicht nur darauf ab gemeinsam zu erziehen, sondern impliziert auch die Förderung und Forderung von S’u’S. Zudem muss die zunehmende Heterogenität innerhalb der Schulklassen berücksichtigt werden. Jedes Kind, das auf die Welt kommt erlebt unterschiedlichste Dinge und besitzt unterschiedliche Vorraussetzungen. Nicht jedes Elternteil kann und will das eigene Kind so sehr unterstützen, wie zum Beispiel meine Eltern es tun. Daher liegt es am System, die Kinder so zu fördern, dass es ihnen ermöglicht wird einen guten Abschluss zu machen und dass diese Kinder ihren Weg finden.

Die Inklusion hat sich im Verlauf der Zeit so weit entwickelt, dass der Begriff Inklusion keine Ausnahme sondern die Regel darstellt. Die wachsende Hetrogenität und damit verbundene Migration, erzeugt eine bunt gemischte Klasse mit unterschiedlichen Stärken, Schwächen und Vorraussetzungen. Wichtig zu nennen ist auch, dass Inklusion keineswegs alle auf dieselbe Art und Weise prüfen möchte oder stetig Sonderbehandlugen vollziehen möchte. Es geht eher darum eine Chancengleichheit zu erzielen und das Beste aus jedem Schüler rauszuholen. Dabei soll nicht der Mensch verändert werden. Man kann ihn motivieren und unterstützen, allerdings liegt das Hauptproblem der Inklusion an zu wenig ausgearbeiteten Systemen. Diese müssen mehr an die Förderschüler angepasst werden, sodass diese nicht weiter in einen anderen Raum gehen müssen oder eine Förderschule besuchen müssen.

 

Zudem kann eine Behinderung nicht nur angeboren werden, sondern auch produziert werden. Menschen werden manchmal negativ bewertet und falsch eingeschätzt, sozusagen gelabelt. Wer kennt das nicht aus der Schulzeit? Ich selbst besuchte damals ein sehr strenges Gymnasium, an dem leider nur wenig Unterstützung geboten wurde. Mathe war noch nie mein bestes Fach gewesen, aber meine Mathelehrerin redete mir stets ein, dass ich das nicht kann und ich mich mal anstrengen muss. Ich besuchte dreimal wöchentlich die Nachhilfe und verstand jede Aufgabe. Mein Nachhilfelehrer konnte sich die weiterhin schlechten Mathenoten nicht erklären, aber sobald ich die Aufgaben sah, sagte mir mein Kopf, dass ich es nicht kann und dann vergaß ich alles was ich zuvor gelernt hatte. Durch die Worte meiner Lehrerin hatte ich mich selbst gelabelt. Aber es kam noch schlimmer. Ich hatte nur gute Noten, bis auf Mathe und meine Lehrer verkündeten mir und meiner Mutter im Elterngespräch, dass ich das Abitur niemals schaffen würde. Diese Worte haben mich selbst noch mehr beeinträchtigt als zuvor. Ich wechselte die Schule und bekam eine grandiose Klassenlehrerin, die mich unterstütze und mir Mut machte. Zudem war der Druck weg und ich wurde bis zu meinem Schulabschluss Klassenbeste. Diese Situation hat mir nicht nur gezeigt, welche Wirkung Lehrer auf Schüler haben können, sondern auch wie mich meine Lehrer in meinem vollen Potential behindert statt unterstützt haben.

Ich persönlich hatte in meiner Klasse eine Schülerin mit Asperger Syndrom. Diese musste nur wenige Aufgaben machen und hat häufig gemalt, während wir arbeiten mussten. Ich habe das mit der Inklusion früher noch nicht wirklich verstanden, allerdings gab es dadurch in meiner Klasse großes Neidpotenzial. Auch hatte diese Schülerin eine Assistentin nur für sich alleine, mit der sie häufig in einen anderen Raum ging.Es handelte sich hierbei also um eine inkludierende Exklusion, da die Mitschülerin zwar mit dabei war, allerdings stetig ausgeschlossen wurde. Mittlerweile weiß ich, wie wichtig und schwierig zugleich Inklusion sein kann. Es ist ein schmaler Grad auf den man sich bewegt, da man weder Sonderbehandlung erstreben möchte, noch Exklusion. Ich bin gespannt aufmein Praktikum und freue mich zu beobachten, wie andere Lehrkräfte mit Inklusion umgehen. Für mein Praktikum habe ich mir daher folgende Frage gestellt:

„Welche Kinder benötigen besonderen Förderbedarf und wie helfe ich ihnen oder die Lehrkraft? War die Methode erfolgreich?“

Die aktuelle Situation mit Corona erschwert die Inklusion, da sich förderbedürftige Kinder vermutlich weniger mit technischen Geräten auskennen und möglicherweise auch keine besitzen. Die Eltern müssen hier noch mehr unterstützen und übernehmen die besondere Rolle der Lehrer. Nebenbei müssen aber auch viele Eltern arbeiten und ich glaube kaum das Großeltern da weiter helfen können. Zudem besitzen viele der Erkrankten ein geschwächtes Immunsystem. Es ist auch davon auszugehen, dass sich diese Schüler nicht eigenständig an alle Hygieneregeln halten können. Wie sollen diese Schüler wieder zurück in der Schule inkludiert werden? Und ab wann können diese Schüler wieder in die Schule? Wann ist Corona vorbei und wann besteht kein Risiko mehr für Vorerkrankte.

 

Sie sehen, wie schwierig das Inklusionsthema ist und aufgrund der immer wachsenden und wechselnden Heterogenität in den Klassen wird dieses Thema wohl nie vollständig abgeschlossen sein, sondern immer wieder eine Herausforderung für die Lehrkräfte darstellen. Ich persönlich, habe Respekt vor dieser Aufgabe, aber freue mich auch diesen Schülern zu helfen.

 

~ by Anna-Marie on 31. Mai 2020. Tagged:

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