Der Lehrerberuf: viel mehr als nur ein Halbtagsjob mit viel Urlaub

Das für mich persönlich Entscheidende, das ich durch das Verfassen meiner Beiträge gelernt habe, ist, dass kein Lehrer zu keinem Zeitpunkt ein perfekter Lehrer sein kann und es somit niemals einen optimalen Leitfaden für „How to teach right“ geben wird. Migration, Heterogenität, Vorurteile, Kultur, Differenz, Inklusion, Forderungen, Förderung, Erwartungen, Verständnis, Individualität – all diese verschiedenen, komplexen Begriffe tauchen in meinen auf den schulischen Kontext angelegten Beiträgen auf. Dies zeigt, dass die Arbeitsbedingungen und das Arbeitsumfeld einer Lehrkraft ähnlich komplex, schwierig und gleichzeitig interessant sind und alles letztendlich im Thema „Heterogenität in der Schule“ zusammenfließt. Zuvor hatte ich mich noch nie wirklich mit der Heterogenität als Merkmal der Schule beschäftigt. Auch wenn ich sogar persönlich Erfahrungen in einigen dieser Kontexte gesammelt habe, habe ich die Heterogenität nie wirklich als ein so umfangreiches erziehungswissenschaftliches Thema gesehen. – Dabei ist es (mir) wichtig, als angehende Lehrerin ein solches Bewusstsein zu bekommen, insbesondere in drei konkreten Kontexten.

Um als Lehrkraft zu arbeiten, ist das Wichtigste im Prinzip nicht die Fächerwahl, sondern vielmehr, wie der Unterricht gestaltet wird, um  den verschiedenen „Bildungsvoraussetzungen, Identitäten und Lebenshintergründen von Schülern und Schülerinnen“[1] gerecht zu werden, denn „die Frage nach dem Umgang mit Differenzen ist eine, die jeden Unterricht gleichermaßen betrifft.“[2] Die Unterrichtsorganisation und die Reflexion dieser seitens der Lehrkraft ist von großer Wichtigkeit und Bedeutung, denn jeder Schüler bedarf andere Lehrmethoden, um Lehrinhalte zu verstehen. Ich gehe hier, wie vorher schon betont, nicht davon aus, dass die Lehrkraft eine Unterrichtsmethode findet, die auf jeden einzelnen Schüler zutrifft, denn dies ist schlichtweg einfach unmöglich. Ich habe erkannt, dass es mir vielmehr daran liegt, als Lehrkraft den Unterricht vielfältig zu gestalten, damit ich am Ende möglichst jedem eine alternative Unterrichtsmethode bieten kann.

Persönliche Notiz für mich und meinen zukünftigen Spanisch- und Englischunterricht:

  1. Jeder Schüler verfügt über eine individuelle Sprachkompetenz und Sprachlernfähigkeit.
  2. Bedenke, dass wahrscheinlich nicht jeder freiwillig und mit Freude Spanisch/Englisch lernt. Versuche, insbesondere diesen Schülern die Vokabeln auf einer interessanten, spaßigen (aber pädagogisch sinnvollen) Methode nahe zu bringen.
  3. Überlege ggf. Gründe, um die Schüler davon zu überzeugen, dass das Erlernen von Fremdsprachen auch Vorteile haben kann, bspw. für die Zukunft und das spätere Berufsleben

 

Allerdings ist mir auch bewusst geworden, dass für den erfolgreichen Lernprozess nicht nur die Wahl der Lehrmethode durch die Lehrkraft wichtig ist, sondern auch das Thema „Inklusion“ und das damit verbundene individuelle Verhalten der Schüler in Klassengemeinschaften, Gruppenarbeiten etc., denn das Zusammenführen der verschiedenen Kulturen und die Akzeptanz kann durchaus auch wertvoll für den Lernerfolg aller Schüler sein. Die Anerkennung und das Erkennen des anderen kann dazu führen, dass Schüler gegenseitig offener werden, ihre Unterschiede anfangen zu akzeptieren und davon zu profitieren. Ein Schüler/eine Schülerin mit Migrationshintergrund verfügt wahrscheinlich über mehr als nur eine Muttersprache, was vorteilhaft beim Erlernen weiterer Fremdsprachen (in meinem Fremdsprachenunterricht?!)  sein kann und durchaus auch hilfreich für die anderen Mitschüler, denn vielleicht kann dieser Schüler/diese Schülerin einen Lerninhalt besser oder verständlicher erklären und somit einen entscheidenden Beitrag zum gemeinschaftlichen Lernerfolg leisten. Das Bewusstsein der Differenz ist allerdings nicht nur für den Lernprozess an sich wichtig, sondern auch innerhalb der Lernfelder und -themen. Die unterschiedlichen sprachlichen, kulturellen und religiösen Zugehörigkeiten in jeglichem Zusammenhang als vollwertig beachtet und als solche akzeptiert werden. Beispielsweise sollte sich der Religionsunterricht nicht nur auf das Christentum ausrichten. Ein „nach Konfessionen und Religionen [getrennter] Religionsunterricht“[3] ist wenig gewinnbringend, denn dies würde einer Separation gleichkommen. Vielmehr sollten eben diese Religions- und Konfessionsformen in gleichem Maße Teil des Unterrichts sein. Wenn ich später Religion unterrichten würde, würde ich mir folgende Notiz machen:

  1. Jeder Schüler darf seine Religion ausüben, sollte aber im Rahmen des Religionsunterrichts bereit sein, andere Religionen und Glaubensrichtungen kennen zu lernen und zu akzeptieren
  2. Das Bewusstsein anderer Glaubensrichtungen kann durch einen gemeinsamen Religionsunterricht erteilt werden – dient als Mittel, um den Multikulturalismus richtig (besser gesagt: angemessen) verstehen zu können und damit diese verschiedenen kulturellen Lebensformen gleichberechtigt koexistieren können[4]
  3. Überlege ggf. Gründe, um die Schüler davon zu überzeugen, dass das Erlernen von Fremdsprachen auch Vorteile haben kann, bspw. für die Zukunft und das spätere Berufsleben

 

Abschließend möchte ich noch ein weiteren mir sehr wichtigen Aspekt in Bezug zur Differenz der Schüler reflektieren: Männlichkeit und Weiblichkeit im Unterricht. Die Geschlechter spielen in vieler Hinsicht eine bedeutende Rolle im Unterricht und der Gestaltung dessen. In meiner damaligen Schulzeit habe ich oft erlebt, dass Lehrkräfte gewisse Vorurteile über die Lern- und Leistungsfähigkeit von Mädchen und Jungen hatten. Uns Mädchen wurde grundsätzlich eine höhere Fähigkeit zugeschrieben. Auch nahmen meine Lehrer oft grundsätzlich an, dass Mädchen eine schönere Handschrift haben und sauberer arbeiten würden. Mein Zwillingsbruder hat beispielsweise eine sehr saubere Schrift und war grundsätzlich sehr sorgfältig und ordentlich, weshalb einige Mitschüler und auch Lehrer ständig Kommentare wie „Mädchenschrift“ machten. Er stach aus der Masse hervor und das nur, weil allgemein angenommen wird, dass Mädchen sauberer schreiben. Doch warum sollte es nicht auch Mädchen geben, die nicht schönschreiben können oder unordentlich sind? Und warum sollten Jungs unbedingt diejenigen sein, die mehr Computer spielen und weniger lesen als Mädchen?

Gerade in diesem Kontext werde ich mir noch einige Notizen für später machen:

  1. Betrachte die Schüler unabhängig vom Geschlecht und ohne jegliches Vorurteil. Jeder Schüler ist individuell und keineswegs kategorisierbar.
  2. Leistungs- und Lernfähigkeit sowie persönliche Zuneigungen, Interessen und Verhaltensmuster sind unabhängig von Geschlecht und Religion
  3. Die individuellen Bildungsvoraussetzungen (und wahrscheinlich auch die persönlichen Interessen) sowie das Klima innerhalb der Klassengemeinschaft machen den Lernerfolg aus

 

Kenntnis und Akzeptanz der individuellen Differenz der Schüler sind essentiell für ihre Inklusion. Schule bildet als kulturelle Institution einen eigenen Rahmen, der alle und jeden einbeziehen sollte und niemanden ausgrenzen sollte. Die Lehrkräfte spielen dabei als handelnde Akteure eine entscheidende Rolle – und genau diese Rolle als Lehrerin und die damit verbundene Herausforderung bin ich bereit, nach meinem Studium anzunehmen.

[1] Schwohl, Joachim/ Sturm, Tanja (2010): Inklusion als Herausforderung schulischer Entwicklung – Widersprüche und Perspektiven eines erziehungswissenschaftlichen Diskurses. Bielefeld: Transcript. S. 22

[2] Sturm, Tanja (2010): Heterogenität als unterrichtliche Herausforderung, In: Schwohl, Joachim/ Sturm, Tanja (Hrsg.): Inklusion als Herausforderung schulischer Entwicklung – Widersprüche und Perspektiven eines erziehungswissenschaftlichen Diskurses. Bielefeld: Transcript. S.144

[3]Weisse, Wolfgang (2010): Religionsunterricht für alle in einer Schule für alle – Inklusion statt Separation. In: Schwohl, Joachim/ Sturm, Tanja (Hrsg.): Inklusion als Herausforderung schulischer Entwicklung – Widersprüche und Perspektiven eines erziehungswissenschaftlichen Diskurses. Bielefeld: Transcript. S.195

[4] Ebd.

Published in: on 25. Juli 2020 at 7:41 Comments (1)
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Leistungsunterschiede und -kompetenzen: Bereicherung für den Unterricht eines jeden Faches

Kinder/Schüler sollen in der Schule voneinander und miteinander lernen. Die Schule wiederum soll sie auf das ihnen zukommende Berufs- und Alltagsleben vorbereiten. Der Schlüssel zu dieser Qualifikation liegt nahe: Leistung. Um dies möglich zu machen, bedarf es einer inklusiven Gemeinschaft an Schulen, sprich: einer Forderung nach Inklusion, um eben diesem Leistungswettbewerb gerecht zu werden und jedem Schüler möglichst die gleichen Chancen zu gewährleisten. In der Praxis sieht dies allerdings in den meisten Schulen noch immer anders aus, da Inklusion durchaus auch Probleme, sogenannte Dilemma mit sich bringen kann.

Heute Morgen habe ich auf der Homepage der „Welt“ einen Artikel mit dem Titel „Murat bekommt für dasselbe Diktat eine schlechtere Note als Max“ gelesen. Schon bei diesem Titel konnte ich nur den Kopf schütteln. In dem Artikel geht es um eine experimentelle Studie, die beobachten sollte, wie über 200 Lehramtsstudenten die identische Leistung zweier Schüler (abhängig?) von ihrem Namen bewerten. Die beiden Diktate wurden mit jeweils den gleichen Fehlern geschrieben, allerdings wurde das Diktat von Murat schlechter bewertet als das von Max. Durch diese Studie wird deutlich, dass die Herkunft eines Schülers durchaus einen Einfluss auf die Benotung von Leistungen durch die Lehrkraft haben kann. Dieser Artikel ist für mich ein sehr gutes Beispiel für das (meiner Meinung nach) Hauptproblem bezüglich der Inklusion in Schulen: Die Zustimmung. Inklusion erfordert die freie Zustimmung der beteiligten Akteure. Bedeutet also, dass nicht nur die Schüler, die inkludiert werden sollen, dies auch möchten, also dafür bereit sein müssen und grundsätzlich „mitmachen“. Genauso wichtig, wenn nicht sogar noch wichtiger, ist die Zustimmung seitens derjenigen, die die Schüler inkludieren, also sowohl die anderen Schüler als auch die Lehrkräfte. Wenn die Lehrkräfte durch beispielsweise gewisse Vorurteile die Erwartung haben, eine schlechte Leistung der Schüler, die inkludiert werden sollen, zu bekommen, werden diese sehr wahrscheinlich auch als solche bewertet. Das Bild eines schlechten Schülers mit z.B. türkischen Wurzeln im Kontrast zu einem guten Schüler mit z.B. deutschen Wurzeln ist leider noch bei (zu) vielen Lehrkräften verbreitet.

In diesem Kontext werden für mich zwei weitere mir sehr wichtige Probleme deutlich – das sogenannte Differenzstärkungs- und das Kategorisierungsdilemma. Durch die höhere Sichtbarkeit/den stärkeren Fokus auf die Heterogenität in den Schulen werden die Differenzen im Hinblick auf Leistung und Verhalten zwischen einzelnen Schülern immer deutlicher. Das Problem hier liegt darin, dass die Gefahr entstehen kann, dass sich dann potenziell insbesondere die Schüler mit Problemen oder Förderbedarf beschämt oder schlecht fühlen und allgemein abgewertet werden. Schüler werden entsprechend ihrer Leistung kategorisiert (oft sogar über die Leistung hinaus) Auch hier spielt, meiner Meinung nach, die Lehrkraft eine sehr wichtige und entscheidende Rolle, denn ein solches Gefühl seitens der leistungsschwachen Schüler entsteht nur dann, wenn die Differenz auch so negativ (vom Lehrer) vermittelt wird. Aber kann diese Differenz nicht auch positiv genutzt werden?

Zu dieser mir selbst gestellten, wohl rhetorischen Frage fällt mir als positives Beispiel wieder mein Mathelehrer aus der Sekundarstufe ein. Diesen hatte ich ja bereits im Kontext eines anderen Blogthemas erwähnt. Meine Schule war keine offizielle Inklusionsschule, war und ist noch immer Teil eines Projekts mit dem Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ und setzt sich für Menschen aus unterschiedlichen Nationen, mit unterschiedlicher Hautfarbe, Religion und Kultur ein. Dieses Projekt brachte mein Mathelehrer sogar in unseren Matheunterricht ein. Er machte sich stets Gedanken darüber, wie wir alle den (meist schweren) Mathestoff am besten verstehen können. Ihm war der Leistungsunterschied zwischen einzelnen Schülern durchaus bewusst und hat sich dem entsprechend eine spezielle Gruppen-Sitzordnung explizit für seinen Matheunterricht überlegt. An jedem der vier oder fünf Gruppentische setzte er zunächst einen leistungsstarken und einen förderbedürftigen Schüler. Die durchschnittlichen Schüler verteilte er zum Schluss auf die übrigen freien Plätze. In meiner Klasse wurde diese Sitzordnung mit Begeisterung aufgenommen und dadurch, dass bei uns stets ein tolles Klassenklima herrschte, fühlte sich niemand abgewertet, ganz im Gegenteil. Wir haben verstanden, dass mein Mathelehrer mit dieser Methode auf keinen Fall jemanden abwerten wollte oder die Differenzen zwischen uns betonen wollte. Er wollte die Leistung der Schüler ohne Matheprobleme nutzen, um den Schülern mit Problemen besser helfen zu können. Wir sollten uns gegenseitig helfen, miteinander und voneinander lernen. Und dies merkte sich durchaus bei einigen der leistungsschwächeren Schüler von uns. Wir haben uns, wenn auch nicht alle, merklich verbessert, auch ich. Vor dieser Sitzordnung war ich mit meiner Leistung im Mittelfeld, dann wurde meine Leistung aber besser und ich schrieb tatsächlich Zweien. Meinem Lehrer ist es also gelungen, einen Weg zu finden, den Mathematikunterricht entlang der Individualforderung und -förderung zu gestalten. Wir wurden von ihm zwar entsprechend unserer Leistung kategorisiert, allerdings tat er dies lediglich zu unseren Gunsten und nur, weil es wichtig war, um uns entsprechend auf die Gruppentische aufzuteilen. Ohne dem Leistungsbewusstsein, sei diese auch noch so unterschiedlich zwischen Schülern, kann auch nicht entsprechend einer Inklusion gehandelt werden. Denn wie soll man sowohl als Lehrkraft als auch als Schüler eine Inklusion für leistungsschwache Schüler bereitstellen, wenn man keine Leistungsrichtlinien hat, entlang denen man die Schüler einstufen kann? Gerade dies ist meiner Meinung wichtig. Wenn mein Mathelehrer sich damals unsere gute/schlechte Leistung nicht bewusst gemacht hätte oder diese Differenzen ignoriert hätte, um niemanden abzugrenzen, hätte er uns nur sehr eingeschränkt helfen können und sehr wahrscheinlich keinen so großen Erfolg in der Verbesserung unserer individuellen Leistung gehabt.

 

Auch in anderen Fächern kann ein Bewusstsein über die Differenzen einzelner sowohl auf Seite der Schüler als auch seitens der Lehrkraft von Vorteil sein. Da ich Spanisch und Englisch studiere, mache ich mir natürlich insbesondere Gedanken darüber, wie ich später meinen Sprachunterricht entsprechend der Inklusion gestalten kann und den Schülern helfen kann, die Sprachen einfacher und besser zu verstehen. Gerade beim Erlernen von Fremdsprachen sehe ich die Heterogenität, die in den Schulen herrscht, mehr als vorteilhaft. Wenn ich mir vorstelle, eine Klasse zu unterrichten, die nur aus Schülern besteht, die Deutsch als Muttersprache haben, würde ich dies durchaus als deren Nachteil sehen, denn Vielsprachigkeit innerhalb einer Schul- oder auch Klassengemeinschaft kann Schülern dabei helfen, andere Sprachen schneller oder besser zu verstehen und sich gegenseitig oder auch der Lehrkraft zu helfen. Im Spanisch/Englischunterricht kann es durchaus hilfreich sein, wenn man z.B. italienische oder französische Wurzeln hat oder grundsätzlich schon eine zweite Sprache sprechen kann, denn diesen Schülern wird es dann sehr wahrscheinlich einfacher fallen, eine neue Sprache zu lernen. Gleichzeitig kann ein Schüler/eine Schülerin, die Spanisch als Muttersprache hat, sowohl den Mitschülern als auch der Lehrkraft eine Hilfe sein, da sie z.B. bei neuen Vokabeln gute Satzbeispiele liefern kann oder eine bessere, genauere Übersetzung geben kann. Dies habe ich in meiner eigenen Schulzeit ebenfalls erlebt. Während der Oberstufe hatte ich Spanisch als Leistungskurs gewählt. Zufällig saß im gleichen Kurs ein Mädchen, die eine spanische Mutter hat, somit Spanisch und Deutsch ihre Muttersprachen sind und ihr Spanisch dementsprechend sehr gut war. Sie war stets hilfsbereit und hat uns in Gruppenarbeiten, bei Textanalysen etc. Auch hat sie uns oft geholfen, Wörter zu übersetzen, die selbst unser Spanischlehrer nicht gut übersetzen konnte. Das war wirklich hilfreich.

Ein weiteres Beispiel ist ein anderer Mitschüler aus dem gleichen Spanischkurs, der rumänische Wurzeln hatte. Er gehörte zu den leistungsstärksten Schülern in dem Kurs. Es fiel ihm sehr leicht, Spanisch zu lernen und sich spanische Wörter zu merken, da die spanische Sprache und die romanische Sprache sehr ähnlich sind. Ihm hat seine Vielsprachigkeit ein Vorteil gebracht und dabei geholfen, eine weitere Sprache fast problemlos zu lernen. Ich, die Deutsch als Muttersprache habe, brauche deutlich länger, um auf den gleichen Leistungsstand zu kommen.

 

Wenn ich also später als Spanisch- und Englischlehrerin anfange zu arbeiten, würde ich mich freuen, wenn ich viele vielsprachige Schüler in meiner Klasse hätte, denn dies ist in jedem Falle eine Bereicherung für alle. Gleichzeitig möchte ich auch auf etwas anderes besonders achten: genderbewusstes Unterrichten. Schon alleine beim Schreiben dieses Blogeintrags werde ich immer wieder vor die Herausforderung gestellt, möglichst gender-neutral zu schreiben. Statt Lehrer*in zu schreiben, habe ich mir nun seit nicht mal allzu langer Zeit angewöhnt, Begriffe wie Lehrperson oder Lehrkraft zu verwenden. Bei solchen leicht austauschbaren Begriffen scheint dies ja weniger ein Problem. Doch wie kann ich meinen Unterricht dementsprechend gestalten? Ich als Lehrkraft habe da nur in einem geringen Maß Einfluss drauf und kann dies nur sehr gering bestimmen. Wenn man sich allein die Lehrbücher anschaut, wird man merken, wie sehr noch immer gegendert wird. Bei den Vokabeln im Sprachunterricht wird dies sehr deutlich. Bestimmte Berufe werden als Männerberuf definiert, andere wiederum als Frauenberuf. Beispiele sind Arzt, Kassiererin, Arzthelferin, Koch, Polizist, Auch die vielen Bilder in z.B. Spanischlernbüchern weisen darauf hin. In dem Spanischbuch aus meinem Spanischunterricht, daran erinnere ich mich noch gut, wurden diese Berufe mit Bildern dargestellt, dabei wurden der Polizist, der Koch und der Arzt jeweils männlich dargestellt, Lehrerin, Arzthelferin und Hausfrau als weiblich. Auch die Nationen wurden den Stereotypen entsprechend Cartoon-artig dargestellt. Dementsprechend werde ich auf so etwas kaum Einfluss haben, allerdings kann ich versuchen, meine eigenen zusätzlichen Aufgaben so zu gestalten, dass weder bestimmte Dinge nur entsprechend des einen oder des anderen Geschlechtes gelernt und mit diesem assoziiert werden. Wörter wie „Kindermädchen“ oder „Mutterschutz“ würde ich allgemein vermeiden und den Inhalt mit anderen Wörtern, auf einer anderen Weise beschreiben. Auch Assoziationen mit bestimmten Nationen, wie deutsch (=Bratwurst?), türkisch (=Kopftuch?), französisch (=Baguette?) würde ich versuchen zu vermeiden. Denn mit diesen Assoziationen verhält es sich am Ende genauso wie mit den Schülern. Es gibt nicht nur den EINEN deutschen Menschen, der Bratwurst isst. Deutsche Personen sind genauso vielfältig und verschieden, wie türkische, französische. So ist es auch bei Schülern. Leistungsstarke Schüler sind nicht direkt deutsch, leistungsschwache Schüler haben nicht alle einen Migrationshintergrund. Vielen von denen, die in meiner Klasse damals Förderbedarf in Mathe hatten, waren deutsch. Eine der sehr guten Matheschüler war dagegen türkisch.

Leistungs-, Verhaltens- und sonstige Unterschiede sind somit weder auf die verschiedenen kulturellen Hintergründe zurückzuführen, noch sind sie grundsätzlich als etwas Schlechtes anzusehen. Ganz im Gegenteil. Solche Unterschiede können für jeden einzelnen Schüler durchaus von Vorteil sein und sich positiv auf die Leistung aller Schüler auswirken. Wichtig ist dabei nur, dass die Lehrkraft entsprechend handelt und ein angemessenes Bewusstsein über die Differenzen der einzelnen Schüler hat bzw. entwickelt. Und genau das stelle ich mir als persönliche Herausforderung und als Ziel. Mein Mathelehrer wird dabei garantiert als Vorbild in meiner Erinnerung bleiben.

Published in: on 10. Juni 2020 at 13:10 Comments (0)
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Inklusion oder Exklusion? – Die Kategorisierung von Menschen in Schulen

Der Begriff „Inklusion“ ist theoretisch gesehen als Ziel eines nicht wirklich leichten Weges in die (Schul-)Gemeinschaft zu verstehen, entsteht also nicht einfach so „aus dem Nichts“. Schüler unterscheiden sich nicht nur, wie in den vorherigen Beiträgen ausgeführt, durch ihre kulturellen Herkünfte, sondern können sich auch durch ggf. einer Behinderung von anderen Schülern abgrenzen. Diese Art der Unterschiede ist allerdings meist schwieriger zu bewältigen, als „bloße“ Migrationshintergründe oder Sprachbarrieren. Wenn ein Kind unter einer Behinderung leidet, führt dies oft zu der theoretisch bezeichneten „Exklusion“ des normalen Unterrichtsumfeldes. Oftmals werden solche Kinder abgetrennt in anderen Bildungseinrichtungen unterrichtet. Dies nennt sich „Separation“. Dennoch gibt es in vielen Schulen auch die Möglichkeit für solche Kinder, durch sonderpädagogische Unterstützung an dem normalen Unterricht teilzunehmen und dem normalen Klassenverband anzugehören. Diese Möglichkeit wird bereits in vielen Schulen angeboten, um möglichst alle Schüler in den normalen Klassenverband integrieren zu können. Dies erscheint mir von besonderer Wichtigkeit, da oftmals auch behinderte Kinder überraschenderweise sehr gut dem normalen Unterricht folgen können. Gleichzeitig finde ich diese Integration wichtig, damit die Kinder, die nicht behindert sind, lernen, mit behinderten Menschen zusammenzuarbeiten. Ich würde es als unangebracht erachten, wenn sogar später in den Berufsfeldern eine solche den Behinderungen entsprechende Separation entstehen würde. Spätestens im Beruf sollte es möglich sein, dass alle Menschen, mit und ohne Behinderung, zusammenarbeiten können. Also wieso nicht direkt von klein auf dies anfangen zu lernen? Ein Klassenverband ist garantiert eine gute Möglichkeit für die Kinder, nach und nach zu lernen, wie man mit Behinderungen umgehen sollte. Vielleicht erkennt der ein oder andere Schüler auch, dass ein solcher Unterschied zwischen den Schülern gar kein wirkliches Problem ist. Deshalb finde ich es wichtig, dass jeder Schüler sich mit diesen Begriffen der „Exklusion“ und der „Inklusion“ vertraut macht und diese für sich hinterfragt. Gleichzeitig finde ich es wichtig, dass dabei jeder in einer gewissen Weise die Begriffe ähnlich versteht. Was genau bedeutet Inklusion? Ist die Inklusion ein automatischer Prozess oder wird er manuell durch unsere Einstellungen und unser Verhalten gelenkt? Und was heißt eigentlich „behindert sein“? Was bedeutet für mich „Behinderung“? Wann bin ich behindert? Woran erkennt man das? Warum wird man überhaupt kategorisiert? Diese Fragen sind für mich sehr wichtig, deren Antworten könnten aber nicht individueller ausfallen. Und genau deshalb finde ich es schwierig, allgemeine Definitionen zu finden, die die Vorstellungen aller einbezieht.

 

In einer Vorlesung zum Thema Inklusion wurden uns Studentinnen in dem Modul „Erziehungswissenschaften“ vier Fallbeispiele gegeben. Es geht um Schüler, die alle individuelle Probleme und Verhalten im Unterricht haben. Ein Schüler namens Finn fällt durch Ungeduldigkeit und häufige Angespanntheit auf und verliert schnell die Konzentration. Die Schülerin Hanna bedarf mehrmals die Woche eine gesonderte Förderung im Mathematikunterricht. Dennoch ist sie sehr motiviert, wird aber schnell frustriert, wenn ihr gewisse Aufgaben nicht direkt gelingen. Malik ist ein Schüler, der geistig noch nicht entsprechend entwickelt ist und sich beispielsweise nicht alle Buchstaben merken kann und somit nicht entsprechend lesen kann. Lena ist eine Schülerin mit einer besonderen Behinderung, sie sitzt im Rollstuhl und kommuniziert mithilfe von Mimik und Gestik sowie Bildkarten. Daher benötigt sie immer sehr viel Unterstützung im Unterricht durch eine Assistentin.

Damit diesen Schülern eine entsprechend inklusive Bildung erhalten, muss allen voran der Unterricht und das Verhalten der anderen Schüler dieser angepasst werden. Beispielsweise für Lena müsste der Klassenraum zunächst rollstuhlgerecht gemacht werden, gleichzeitig müssten die anderen Schüler, die keine Behinderung haben, darüber aufgeklärt werden, wie sich das eigentlich „normale“ Unterrichtskonzept sehr wahrscheinlich verändern wird. Gleichzeitig sehe ich es wichtig, darauf zu achten, dass trotz dessen die Forderung anderer Schüler nicht vernachlässigt wird. Die Leistung keines Schülers sollte dadurch vernachlässigt werden. Auch sehe ich hier die Schwierigkeit, auf dieser Weise den Lehrplan einhalten zu können. Wenn ich beispielsweise an meine eigene Schulzeit zurückdenke, dann war es zu jeder Zeit durchaus eine Herausforderung für die Lehrer, schon mit Schülern, die (lediglich) kleine Lernschwierigkeiten hatten, den Lehrplan zeitgemäß durchzuziehen und die Inhalte in dem Zeitraum durchzuarbeiten. Oft ist mir aufgefallen, dass gerade dadurch die Lehrer keine Zeit haben, sich mit individuellen Problemen der Schüler*innen zu beschäftigen. Selbst wenn sie es wollten. Mein Mathematiklehrer hat sich beispielsweise viel Zeit für die Mitschüler meiner Klasse genommen, die im Mathematikunterricht eindeutig Förderung benötigten. Er hat sich mehr Zeit genommen als er hatte und hat damit gleichzeitig in Kauf genommen, ein Themengebiet des Lehrplans nicht durchgenommen zu haben. In diesem Fall war es ihm wichtiger, dass wir Schüler das eine komplexe Thema komplett verstehen, als unbedingt alle Themen durchzugehen. Andere Lehrer aus meiner Schulzeit haben sich damit nie beschäftigt und sich auch nicht bemüht, dass wir Schüler alle die Inhalte entsprechend individuell verstehen. Ich habe gemerkt, dass die Einstellung der Lehrer diesbezüglich durchaus unterschiedlich ist. Dies ist aber auf der anderen Seite kein Wunder, denn wenn alle Lehrer den Unterricht entsprechend der individuellen Probleme der Schüler einer jeden Klasse machen würden, bräuchte dann nicht letzten Endes jeder Schüler einen Lehrer für sich, der sich voll und ganz auf die individuellen Bedürfnisse und benötigen Rahmenbedingungen für ein erfolgreiches Lernen beziehen kann? Wenn ich mir überlege, dass ich selber Lehrerin bin und die Klassenlehrerin einer Klasse von 20 Schülern bin, wie kann ich mich auf die einzelnen Bedürfnisse beziehen? Denn, ehrlich gesagt, empfinde ich eine Lernbehinderung nicht nur als eine solche, die sich auf den körperlichen Zustand eines Menschen/Schülers bezieht, sondern allgemein eine persönliche Schwierigkeit, unter normalen Umständen dem Unterrichtsinhalt zu folgen und diesen zu verstehen. Außerdem würde ich es als schwierig auf Seite des Lehrers sehen, alle Schüler transparent und „fair“ zu bewerten bzw. zu benoten. Wie kann man da entsprechend der individuellen Behinderungen fair benoten, ohne, dass sich Schüler ungerecht behandelt fühlen? Entsprechend welcher Maßstäbe müsste da die Bewertung erfolgen? Die Frage könnte ich als Lehrerin nur schwer beantworten. Vor allem, wenn man bedenkt, dass solche Benotungsunterschiede ja schon zwischen normalen Oberschulen und Gymnasien verschiedener Bundesländer in Deutschland vorliegen. Wie können schulische Abschlüsse dann noch vergleichbar sein?

Dennoch finde ich das Thema durchaus interessant und empfinde es als wichtig, sich dennoch mit dem Thema der Inklusion zu beschäftigen. Nach den Sommerferien werde ich für mein Lehramtsstudium ein erstes Orientierungspraktikum machen, um erste Einblicke vom Unterricht aus der Lehrerperspektive zu erhalten. In diesem Praktikumskontext wird es garantiert interessant sein, diesen Prozess der Inklusion zu beobachten. Ich würde dem entsprechend beobachten wollen, ob zum einen Schüler mit Behinderungen in dem normalen Klassenverband integriert wurden und wenn ja, wie die anderen Schüler mit dieser Integration umgehen und wie der Unterricht (trotzdem) fließend weiterläuft oder ob der Unterricht evtl. entsprechend eine andere, angepasste Form erhalten hat. Wie gehen Lehrer und auch die Mitschüler mit der Inklusion um? Sind überwiegend positive Erfahrungen erkennbar? Beeinflusst eine solche Integration ggf. sogar positiv das Klassenklima und die Schulgemeinschaft allgemein? Dies sind Aspekte, die ich im Hinterkopf behalten möchte und auf die ich zum Start meines Orientierungspraktikums nochmal zurückgreifen möchte.

Für mich ist die Schule als Institution durchaus ein Ort, an dem Schüler selektiert werden. Die Kategorien könnten dabei nicht vielfältiger sein. Ungefähr so vielfältig, wie jeder einzelne Schüler tatsächlich auch ist.

Published in: on 27. Mai 2020 at 10:50 Comments (2)
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Spielen im Unterricht – eine Maßnahme zur Förderung des Lernprozesses?

Wenn man versucht, die in der Schule existierende und sich stetig weiterentwickelnde Heterogenität zu betrachten und sich zu überlegen, in welchem Rahmen sich diese in schulischen Kontexten widerspiegelt., wird man feststellen, dass, wie bereits in meinem Beitrag über Fremdsprachenunterricht angerissen, man sich die Heterogenität in der Schule nicht nur auf das individuelle Verhalten von Schülern untereinander bezieht. Viel mehr bezieht sich Heterogenität auch auf individuelle Arbeitshaltungen, Lernfähigkeiten und Lernstände der Schüler. Dies möchte ich gerne im Kontext des Mathematikunterrichts genauer erläutern.

Meine Darstellung soll einige mögliche Grundannahmen zu der Frage bieten, was dazu führt, dass es immer wieder sehr starke Differenzen des Lernprozesses und des Lernfortschrittes zwischen einzelnen Schülern im Mathematikunterricht gibt und warum dies, vor allem in Hinblick auf die Zukunft, problematisch sein wird.

Allgemein wird davon ausgegangen, dass Unterricht bestimmte Strukturen aufweist, die jede Form von Unterricht leiten soll. Die Gestaltung und Planung des Unterrichts ist von großer Wichtigkeit und Bedeutung, da, wie man am Beispiel des Mathematikunterrichts sieht, es sonst ganz schnell der Fall sein kann, dass Schüler den Anschluss an den Unterricht und an den Themen verlieren und nicht mitkommen. Es ist also für jeden Lehrer (letztendlich aber viel mehr vom Bundesministerium) wichtig, die Unterrichtsinhalte und dessen Übermittlungsmethoden zu reflektieren und ggf. immer wieder zu hinterfragen und den Schülern entsprechend anzupassen. Unterricht ist zu jedem Zeitpunkt ein Prozess, eine Entwicklung, bei dem die Schüler immer wieder neue Inhalte vermittelt werden. In jeder Phase dieses Prozesses ist es wichtig, dass Schüler sich, wenn ich bei meinem Beispiel bleibe, im Mathematikunterricht wohl und verstanden fühlen und wissen, dass sie individuell ihren Bedürfnissen und Problemen entsprechend gefördert werden. Da aber viele Schüler*innen vermehrt Verständnisschwierigkeiten und Verständnisprobleme aufzeigen, erscheint dies in der Praxis leider nicht der Fall zu sein. Dem Lehrer ist dabei aber dank der Methodenvielfalt durchaus in der Lage, sich Gedanken darüber zu machen, wie er/sie den Unterricht anpassen und beispielhafter gestalten kann. Jede Klasse, gar jeder Schüler bedarf andere Lehrmethoden, um Lehrinhalte zu verstehen. Natürlich entsteht hier eine große Herausforderung seitens des Lehrers. Wenn man sich vorstellt, wie viele Klassen und somit wie viele Schüler ein Lehrer unterrichtet und über wie viele individuelle Lernbedürfnisse sich ein Lehrer dann optimalerweise bewusst machen muss, erscheint dies durchaus unmöglich. Gerade, wenn man beispielsweise bedenkt, dass viele Schüler in Gruppenarbeiten durch z.B. der verschiedenen Anteile der Schüler an der Gruppenarbeit nicht optimal dem Unterricht und den Arbeitsaufträgen folgen (oder nicht folgen können). Obwohl viele Lehrer oft eine Gruppenarbeit als Arbeitsmethoden bevorzugen, um den Schülern untereinander die Möglichkeit zu geben, von und untereinander zu lernen, erkennt man genau an dieser Arbeitsform oft die Heterogenität zwischen den Schülern und auch eine Schwierigkeit, die Differenz zwischen den Lernprozessen der individuellen Schüler zu erkennen. Oftmals zählt am Ende einer Gruppenarbeit nur das Ergebnis. Im Mathematikunterricht also beispielsweise die Lösung einer Rechenaufgabe. Hier wird es dem Lehrer dann aber durchaus schwerfallen, nachzuvollziehen, ob trotz der (richtigen) Lösung der Aufgabe alle Teilnehmer der Gruppe auch wirklich den Lerninhalt, der durch die Aufgabe vermittelt werden sollte, verstanden hat. Diese oft „versteckten, nicht offensichtlichen“ Differenzen macht viele Unterrichtsmethoden, vor allem im Mathematikunterricht, problematisch und fraglich, denn sie resultieren oft, so im Bundesland Bremen, dazu, dass für viele Schüler die Chance auf eine schulische Laufbahn auf dem Gymnasium unmöglich ist und viele auf einer Oberschule „gehen müssen“. Vielen Lehrer erwarten oft, dass Schülern Eigeninitiative zeigen, Inhalt im Unterricht selber erlernen und sich aneignen und sie schlichtweg keine Zeit dafür nehmen (können), individuell zum Beispiel mehr Übungseinheiten in den Unterrichtsplan einzubauen. Dies liegt oft an dem strickten Lehrvorgaben vom Bundesministerium, weshalb den Lehrern in diesem Kontext oft die Hände gebunden sind. Entweder sie übermitteln den Lehrinhalt innerhalb der vorgegebenen Zeit (schnell), oder die nehmen sich mehr Zeit für genauere Veranschaulichungen durch Beispiele und schaffen so nicht das komplette Lehrpensum.

Ist es also wirklich die Schuld der Lehrer und der Schüler, dass die Heterogenität in der Schule in Form von Differenzen innerhalb des Lernprozesses immer weiter ansteigt?

Lehrer haben natürlich immer die Freiheit, zu entscheiden, wie sie den Lehrinhalt (innerhalb der vorgegebenen Zeitrahmens) vermitteln und darstellen wollen. Oft liegt genau hier der Schlüssel für den Erfolg bei den Schülern. Denn gerade im Mathematikunterricht ist die beispielhafte Veranschaulichung der Inhalte von großer Bedeutung, um bei den Schülern einen gewissen „aha“-Moment auszulösen, die Schüler also auf den Weg des Verständnisses zu führen. Viele Theoretiker haben sogar über die Alternative des Spielens im Mathematikunterricht nachgedacht. Diese Methode hat, wie viele andere, Vor- und Nachteile. Mathematik ist unter vielen Schülern das eher wenig beliebte Unterrichtsfach, weshalb die Methode des Spielens durchaus dazu beitragen könnte, dass Schülern einen Gefallen am Inhalt der Mathematik finden könnten. Der Unterricht könnte anfangen Spaß zu machen. Gleichzeitig kann es durchaus auch für die leistungsstarken Schüler von Vorteil sein, da der Unterricht dann abwechslungsreicher gestaltet wäre. Spielen hat in jeglichen Kontexten auch interaktive Vorteile, da es ermöglicht, dass sich Menschen auf spielerischer Weise nähern. Die Distanz, die ggf. vorher da war, wird hier gebrochen. Alle Teilnehmer des Spiels wurden gleichrangig sein. Durch diese Methode kann der Lehrer aber auch die Gefahr laufen, dass das Ziel, die Übermittlung des Lehrinhalts, zu kurz wird und/oder nicht erreicht wird. Während des Spielens kann es dazu kommen, dass nur auf das Spiel geachtet wird und weniger auf den schulischen Aspekt, weshalb das Denken beim Spielen oft nur noch eingeschränkt weitergeführt wird.

Um dennoch nicht komplett auf die Möglichkeit des Spielens zu verzichten, kann es helfen, sich über folgende Fragen Gedanken zu machen:

  • Wie lange darf bzw. sollte eine Spieleinheit dauern, ohne die Aufmerksamkeit der Schüler zu gefährden und ohne, dass die Konzentration der Schüler abnimmt?
  • Sollten die Schüler während des Spielens schrittweise Aufträge erledigen, um gewissen Erkenntnisse bezüglich der Arbeitsaufträge notieren zu können? Könnten Anweisungen innerhalb des Spielens dazu beitragen, den Schülern einen roten Faden zu bieten und somit (vor allem nach dem Spiel) durch die Notizen die Erkenntnisse durch das Spiel zu rekapitulieren?

Wenn allerdings die Methode des Spielens über einen gewissen Zeitraum zeigt, dass der Lernfortschritt allgemein nur sehr eingeschränkt zunimmt, sollte man sich als Lehrer andere Methoden überlegen. Denn das Ziel bleibt immer das Gleiche: die kognitive Aktivierung der Lehrenden.

Methoden sind zweifelsfrei sehr individuell abhängig und je nach Klasse sind einzelne Methoden mehr oder weniger angemessen. Doch sehen ich zwei Methoden für durchaus erfolgsversprechend, die sich weniger mit der Frage beschäftigt, WIE der Unterricht vermittelt wird, sondern eher mit WARUM. Eine Methode wäre es, die Schüler auf eine gewisse Art für kleine Fortschritte zu loben. Noten sind meiner Meinung nach nicht ausreichend, um die Schüler zu motivieren. Denn es gibt immer Schüler, die sich schriftlich super äußern können, aber im mündlichen Gespräch während des Unterrichts keinen Beitrag leisten. Lehrer könnten sich also eine Art und Weise überlegen, Schüler immer wieder für kleine Lernfortschritte zu belohnen, um sie gleichzeitig zum Lernen zu motivieren. Auch hilft oft ein persönliches Gespräch. Wenn Lehrer hin und wieder mal (beispielsweise während einer Gruppenarbeit) mit jedem einzelnen Schüler vor die Tür geht, um kurz mit deren individuellen Situation, Probleme und Erfolge zu sprechen, kann dies auch dazu beitragen, dass der Lehrer sich ein differenziertes Bild darüber machen kann, wie die Lernerfolge der einzelnen Schüler aussieht. Zwischentests beispielsweise empfinde ich als durchaus gute Möglichkeit im Hinblick auf die Kontrolle des Lernzwischenstand, doch können solche Tests meiner Meinung nach nur dann nützlich sein, wenn sie weder bewertet werden noch die Schüler in irgendeiner Form unter Druck setzen. Denn Druck bewirkt oft das Gegenteil von Motivation zum Lernen.

Mann kann also sagen, dass Leistungsunterschiede zwischen Schülern sehr stark von der Art und Weise abhängig sind, wie der Lerninhalt vermittelt wird und welche Methoden dabei angewendet werden. Spielen als Methode kann durchaus nützlich sein, wenn der schulische Aspekt des Lernens und der Denkprozess nicht komplett außer Acht gelassen wird.

Published in: on 19. Mai 2020 at 20:58 Comments (0)
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Muss ich deutsch sein, um in einer deutschen Schule gute Leistungen zu bringen?

Wenn wir Studenten uns dazu entscheiden, ein Lehramtsstudium anzutreten, bedeutet das, dass wir zwei Fächer studieren und diese dann später mit der einen oder anderen (gelernten) Methode versuchen Kindern beizubringen. Dabei schreibt uns das Bildungsministerium genau vor, wie die Inhalte und deren Übermittlung aussehen. Die Bezeichnung der Unterrichtsfächer gibt darüber oftmals zunächst keinen Hinweis. Wenn ich beispielsweise Geschichte oder Politik unterrichten würde, würde mir beim Betrachten der Lehrinhalte auffallen, dass die Fächerbezeichnungen „Geschichte“ und „Politik“ eigentlich gar nicht angemessen sind. Die Bezeichnungen „Deutsche Geschichte“ oder „Deutsche Politik“ wären wahrscheinlich treffender. Der zu lehrende Inhalt ist nämlich national orientiert, was schlichtweg bedeutet, dass Kinder, die in Deutschland zur Schule gehen, die „deutsche Version“ vieler Unterrichtsfächer gelehrt bekommen. Deutsche Grammatik, deutsche Geschichte, deutsche Politik, deutsche Werte und Normen…Aber nicht nur die Fächer sind national orientiert. Auch der Umgang der Kinder untereinander und mit den Lehrern wird in den Schulen nach deutschen Maßstäben geregelt. Deutsche Maßstäbe sind für mich hierbei jede, die man in allen Schulen in Deutschland wiederfinden kann und die die Schulform in Deutschland von denen anderer Länder unterscheidet.

Für mich und meinen Klassenkameraden waren es beispielsweise selbstverständlich, morgens um 8 Uhr in der Schule zu sein, zu Beginn des Unterrichts aufzustehen, um den Lehrer zu begrüßen, diesen zu jeder Zeit zu siezen und erwartungsgemäß auf Deutsch mit meinen Mitschülern zu reden. Alternative Verhaltensregeln, wie später mit dem Unterricht anzufangen, sich als Begrüßung zu verbeugen, oder gar den Lehrer zu duzen, wie es in anderen Ländern der Fall ist, wurden nie in Erwägung gezogen.

Auch kulturell kann man anhand einiger Aspekte erkennen, dass die Schule sehr viel weiter national orientiert ist als nur fächerbezogen. Die kulturellen Feste anderer Kulturen werden in deutschen Schulen fast nie thematisiert. Feiertage, die nicht Bestandteil der deutschen Kultur sind, werden von der Schule kaum berücksichtigt. Weihnachten, Ostern, Pfingsten, Himmelfahrt… auf all diese religiösen Feste nimmt das Bildungssystem Rücksicht. Die Schüler haben dann Ferien, um die Tage mit der Familie verbringen zu können. Doch religiöse Feste anderer Kulturen werden nicht berücksichtigt, nicht einmal erwähnt. Das islamische Fest „Ramadan“ beispielsweise wird komplett außenvor gelassen, obwohl heutzutage sehr viele Kinder aus einer Kultur kommen, in der dieses religiöse Fest durchaus von Bedeutung ist. Außerdem wird von diesen Schülern erwartet, dass sie sich ohne Weiteres unsere Kultur in der Schule ausleben und an dieser Teil haben.

In meiner Klasse haben wir damals in der Weihnachtszeit oft Klassenfeste veranstaltet, an denen meine Klassenkameraden mit türkischen Wurzeln automatisch teilnahmen, da es eine Aktion im Klassenverbund war. Dass diese Schüler das Weihnachtsfest aber gar nicht feiern, wurde gar nicht beachtet. Es wurde davon ausgegangen, dass diese Schüler das Weihnachtsfest mitfeiern. Andersrum haben wir nie etwas als Klasse unternommen, wenn beispielsweise Ramadan-Zeit war.

Und genau in diesem Kontext wird eine entscheidende Herausforderung allen voran für uns Lehrer deutlich: Der optimale, angemessene Umgang mit Schülern unter Berücksichtigung der Migration als immer wichtiger werdendes Merkmal der Heterogenität in der Schule.

Für mich ergibt sich durch diese Herausforderung die Frage, wie ich als Lehrerin den Aspekt der Migration in meinem Unterricht berücksichtigen kann bzw. muss. Gleichzeitig ist es wichtig, dass ich mir als Lehrerin bewusst mache, was für eine (angemessene?) persönliche Sichtweise ich selber auf Schüler mit Migrationshintergrund habe. Wie kann ich eine Gruppe von Schülern unterrichten, ohne jemanden persönlich oder indirekt deren Kultur auszugrenzen? Wenn ich meinen Unterricht auf Deutsch halte oder halten muss, muss ich davon ausgehen, dass alle in der Klasse ein gewisses Deutschniveau haben, um den Inhalt des Unterrichts verstehen zu können. Aber kann ich das überhaupt voraussetzen? Außerdem sollte man als Lehrerin versuchen, Schülern ohne jegliche Vorurteile gegenüberzustehen und sie auch ohne diese zu bewerten. Vorurteile darüber, ob Kinder aus deutschen Familien bessere Leistungen erbringen als die aus Familien mit Migrationshintergrund, sollten in einer staatlichen Einrichtung wie „die Schule“ nie vorherrschen dürfen. Doch leider tun wir dies oft automatisch durch Konventionen oder auch durch eigene Erfahrungen. Unsere Erfahrung im Umgang mit Menschen aus anderen Kulturen beeinflussen unsere Sichtweise auf sie und unser Verhalten Ihnen gegenüber.

In meiner Schule war es damals (leider) tatsächlich so, dass die meisten Schüler mit Migrationshintergrund auf dem Realschulzweig oder gar auf dem Hauptschulzweig waren. In meiner Klasse gab es auch drei solche Schüler, die (durch ihren Migrationshintergrund?) zu den leistungsschwachen Schülern gehörten. Viele würden vielleicht denken, dass das normal so ist. Aber (nicht nur) als Lehrerin würde ich mich fragen, warum das der Fall ist. Liegt es eventuell daran, dass die Integration dieser Schüler nicht optimal verläuft und sie eigentlich mehr Unterstützung benötigen? Der familiäre Hintergrund ist oft Grund dafür, dass sich Kinder mit Migrationshintergrund nachmittags nach der Schule nicht ausreichend mit dem Unterrichtsstoff beschäftigen können. Wenn beispielsweise beide Elternteile nicht gut Deutsch sprechen können, oder nichts über die deutsche Geschichte wissen, werden sie ihren Kindern eher eingeschränkt helfen können. Kinder werden dann weiterhin Probleme haben, dem Unterricht zu folgen.

 

Um damit später als Lehrerin umgehen zu können, finde ich es wichtig, sich die Schule als eigene Kultur vorzustellen. Es geht in der Schule nicht darum, jede einzelne Kultur wahr zu nehmen, zu akzeptieren und am Ende jede Kultur einzeln gerecht zu werden. Ich denke, es ist viel wichtiger, sich eine eigene „Kultur der Schule“ vorzustellen und die unterschiedlichen Kulturen der einzelnen Schüler als Teile dieser Gesamtkultur zu betrachten. Die Teilkulturen sollten für sich weiterhin bestehen dürfen, aber sich nicht gegenseitig ausgrenzen, sondern vielmehr ergänzen und sich gegenseitig inkludieren. Man sollte sich dem gesamten Umfeld der verschiedenen Kulturen bewusst machen, nicht nur als Lehrerin, und sich selbst mit diesen beschäftigen wollen. Nur dann kann man es eventuell möglich machen, als Lehrerin allen Schülern zumindest unabhängig vom persönlichen kulturellen Hintergrund eine optimale Leistungsförderung bieten zu können. (Natürlich spielt auch immer die persönlichen, mentalen Lernfähigkeiten eines jeden Schülers eine wichtige Rolle darin, ob dieser den Unterricht problemlos folgen und verstehen kann.)

Published in: on 30. April 2020 at 13:53 Comments (1)
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Published in: on 17. April 2020 at 20:08 Comments (1)