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Zu Gast bei Bremer Hochschulruder*innen

Auf der anderen Seite der Weser erklingt Musik der Breminale. Unbeachtet davon machen die Ruderinnen und Ruderer des Bremer Hochschulruder-Teams am Vereinsgebäude ihre Boote fertig. Ein Einer, zwei Vierer und ein gesteuertes Gigboot. Trainer Bolko guckt in Richtung des Wassers, ein paar Wellen sind zu sehen und die Breminale spiegelt sich spielerisch im Wasser. Am Steg werden die ersten Boote von den Sportlerinnen und Sportlern aufs Wasser gelassen. Ich folge Bolko auf das Motorboot und im rasanten Tempo fahren wir am Osterdeich vorbei und das Training beginnt.

Chris Kohut und Aditya Shitole

Chris Kohut und Aditya Shitole

Alle Teilnehmende sind unterschiedlich lange beim Hochschulsport dabei, sodass die Aufteilung der Boote stark auf den bisherigen Erfahrungen basiert. Aditya Shitole und Chris Kohut sind seit etwa Anfang des Jahres dabei. Sie sind Teil des gesteuerten Gig-Bootes, was ein vergleichsweise breites Boot mit einer Steuerperson ist. Dieser Aufbau erleichtert das Lernen der Sportart, sodass alle Einsteiger die erste Zeit in diesem Boot verbringen. Aditya und Chris trainieren seit etwa Januar/Februar diesen Jahres beim Rudern mit und machen sich bereits jetzt bereit, bei der Deutschen Hochschulmeisterschaft (DHM) im Gig-Boot zu starten. Man sieht ihnen die Vorfreude an, wenn auch etwas Nervosität mitschwingt. Chris erzählt, dass er durch eine Mail auf den Sport aufmerksam geworden ist. Besonders die kardiologischen Vorteile des Sportes haben ihn überzeugt mitzumachen, aber auch das Vernetzen mit anderen Studis für ihn als Auslandsstudent war ein großer Vorteil. Aditya erzählt, dass er aus Indien nach Deutschland gekommen ist und Rudern als Wassersport in Indien nur sehr wenig vertreten ist. Meine Frage was für ihn das Beste an diesem Hochschulsport sei, wurde schnell und einfach beantwortet: „Fun“.  Beide lachen wie langjährige Freunde, obwohl sie sich erst beim Rudern kennengelernt haben.

Vierer auf dem Wasser

Vierer auf dem Wasser

Vom Motorboot aus beobachten Bolko und ich die Vierer. Die Wellen werden immer mehr und der Wind immer doller. Dennoch üben die Boote an ihrem jeweiligen Start. Dafür stehen sie möglichst ruhig im Wasser. Die hinterste Person gibt das Kommando zum Start – sofort folgen alle im gleichen Takt um möglichst schnell los zu rudern. Die Skulls (das sind die Paddel des Bootes zur Fortbewegung, aber nennt sie lieber nicht so 😉) treffen auf die Wasseroberfläche und werden zeitgleich und kraftvoll durch das Wasser der Weser gezogen. Zehn Schläge im hohen Tempo. Sie werden wieder langsamer und halten an. Bolko holt sich Feedback aus dem Boot ein und gibt noch ein paar Tipps, bevor sie gleiches nochmal trainieren. Er ist seit etwa 2012 selbst beim Hochschulrudern dabei und war früher als Leistungssportler aktiv, bevor er jetzt als Altmitglied im Motorboot das Training begleitet. „Weils einfach geil ist“ antwortet er schnell auf meine Frage, warum man mit Rudern anfangen sollte. Er lacht etwas und führt weiterhin aus, dass jedes sportliche Level mitmachen und schnell sportliche Erfolgserlebnisse erzielen kann. Seine Begeisterung für die -in seinen Augen- „beste Sportart“ wird stark deutlich.

Die Wellen auf der Weser werden immer stärker, sodass der Rückweg zum Steg und das Ende des Trainings ansteht. Das Motorboot schlägt vorne auf die Wellen auf und ich bekomme mit jedem Aufprall gefühlt die halbe Weser in mein Gesicht. Ich blicke auf das Ruderboot neben uns. Auch die vier SportlerInnen bekommen mit jedem Schlag einiges an Wasser ab. Scheinbar unbeirrt rudern sie weiter gegen die Wellen und stecken noch einmal ordentlich Energie in jede ihrer Ausführungen.

Hannah trägt ihren Einer

Am Steg angekommen treffen wir auch auf Hannah, welche im Einer trainiert hat. Sie wird in diesem Jahr an der DHM im Einer teilnehmen und nutzt somit jede Chance des Trainings. Sie legt mit dem Boot an. Die Anstrengungen durch die Wellen stehen ihr ins Gesicht geschrieben, obwohl sie durch Freude und Stolz etwas überdeckt werden. Hannah ist schon länger beim Rudern dabei und konnte im letzten Jahr bei der DHM bereits in einem Rennzweier teilnehmen und sogar ins A-Finale kommen. Ihre erste Regatta am Aasee, nach nur ein paar Monaten Training, wurde direkt mit einer Goldmedaille beschert, wodurch ihr Ehrgeiz und Motivation für Regatten nur noch weiter anstiegen. Bevor sie mit dem Hochschulsport angefangen hat, wusste sie auch nur, „dass Boote im Wasser sind“ und sagt heute, dass sie den Sport mindestens bis in ihr 80. Lebensjahr machen möchte. Sie erzählt mir, dass Rudern ihr über den Sport hinaus vor allem Selbstbewusstsein lehren konnte und empfiehlt den Sport besonders für den Ausgleich und um in Bremen anzukommen. Aber auch zum Reisen und herumkommen ist Rudern sehr geeignet, denn die Regatten finden an immer unterschiedlichen Orten statt. Alleine in dieser Saison stehen neben regionalen Wettkämpfen in Bremen, Vegesack und Hamburg auch etwas entferntere Veranstaltungsorte wie Amsterdam, Lübeck, Otterndorf, Kettwig, Leer und natürlich Krefeld für die DHM auf dem Plan.

Ein weiterer Vierer auf dem Wasser

Ein weiterer Vierer auf dem Wasser

Die anstehenden Regatten unterscheiden sich – trotz des gleichen Sportes – deutlich voneinander. So zeichnet sich Amsterdam beispielsweise durch längere Strecken von acht oder sogar 56 Kilometern aus. In Hamburg können Staffelrennen gefahren werden und in Lübeck gibt es Marzipan für die GewinnerInnen eines Rennens. In Leer gibt es einen Nachtsprint, bei denen die Boote für das Rennen bunt beleuchtet werden. Beim Kettwig Herbstcup verkleiden sich manche der Teams, wie auch das Team des Bremer Hochschulruderns, in verschiedenen Kostümen für die Teilnahme am Rennen, wie auf ihrem Instagram-Account (@hochschulrudern_hb) zu sehen ist. Hannah erzählt mir, dass die Rennen selbst meist eher kurz sind, die Regatten aber auch besonders durch alles drum herum in Erinnerung bleiben. Gemeinsam mit den Anderen das Wochenende zu verbringen, gegebenenfalls zu zelten und auf jeden Fall sich gegenseitig Anfeuern, steigert das Gemeinschaftsgefühl unter den Sportlerinnen und Sportlern deutlich. Dieses Gefühl des „Zusammen in einem Boot sitzen“ der Studis, wird auch über die verschiedenen Bootsklassen hinweg sehr deutlich.

Zum Abschluss des Trainings tragen alle gemeinsam die Boote aus dem Wasser, machen sie sauber und bringen diese zurück in die Halle des Bremer Ruderclubs von 1882. Alle sind nass von den Wellen auf der Weser, aber alle blicken positiv auf das Training zurück. An allen Ecken höre ich die Ruderinnen und Ruderer über das Training, die anstehende Deutsche Hochschulmeisterschaft oder einfach aktuelle Studi-Themen sprechen. Am Ende gehen alle wieder ihren eigenen Weg, bevor sie sich beim nächsten Training wiedersehen.

Ihr habt nun Lust auch beim Rudern mitzumachen? Beim Rudertraining seid ihr nicht nur auf dem Weser unterwegs, sondern arbeitet zusätzlich (besonders im Winter) mit Ergo fahren, Krafttraining und Tabata an eurer Leistungsfähigkeit auf dem Wasser.  Meldet euch gerne unter Studirudern-bremen@gmx.de 😊

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