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Quarterlife Crisis – Lebenskrise, Rennräder und Sauerteigbrot

Na, wie viele eurer Freunde sind in Besitz einer Siebträgermaschine, fahren regelmäßig Rennrad, backen Sauerteigbrot oder haben sich für einen Halbmarathon angemeldet? Oder gehört ihr vielleicht selbst zu dieser Beschreibung? Besonders auf Instagram und TikTok werden vor allem diese Hobbys als Indizien für eine Quarterlife Crisis gewertet. So richtig mit Wissenschaft hat das allerdings herzlichst wenig zu tun… was hat es aber denn nun wirklich mit diesem Phänomen auf sich?

Die Quarterlife Crisis beschreibt, ähnlich wie die Midlifecrisis, eine Krise innerhalb eines bestimmten Lebensabschnittes, in diesem Falle zum Ende des ersten Lebensviertels. Besonders der Übergang zwischen Studium und Berufswelt kann dabei ausschlaggebend sein. Lange Zeit waren Studium oder Ausbildung ein gesetztes Ziel, auf das man hinarbeitete. Wenn diese Ziele nun erreicht sind oder bald erreicht werden, kann es dazu kommen, dass man beginnt zu hinterfragen, ob der gewählte Weg wirklich der beste und gewünschte Weg für das eigene Leben entspricht ist. Gleiches gilt für Aspekte im Privatleben, wie die Partnerwahl oder die Wohnsituation. All diese Einflüsse kommen zusammen und führen zu einer Sinnkrise: die Quarterlife Crisis.

Die Merkmale einer Quarterlife Crisis und einer Midlife Crisis sind sich laut britischen Forscher Dr. Oliver Robinson sehr ähnlich, in dem sie sich besonders in Enttäuschung, Einsamkeit, Unsicherheit oder sogar Depressionen äußern. Robinson beschreibt auch, dass die Quarterlife Crisis in etwa fünf Phasen abläuft, bei denen erst Unzufriedenheit mit der eigenen Situation auftritt, auf die ein starker Drang nach Veränderungen folgt, dem letztlich nachgegeben wird. Hier kommen auch neue Hobbys, wie das Rennrad, die Siebträgermaschine oder oder oder, ins Spiel. Aber auch Trennungen oder ein neuer Job nach einer Kündigung können das Resultat sein. In den letzten beiden Phasen der Quarterlife Crisis pendelt sich etwas Normalität wieder ein, wobei ein „neues Leben“ mit anderem, persönlicherem, Fokus beginnt.

Es gibt viele verschiedene Einflüsse auf eine eventuelle Quarterlife Crisis. Die Möglichkeiten, die uns in unseren Zwanzigern offen stehen werden immer mehr: Reisen, Studium, Ausbildung? Doch auch besonders in den sozialen Medien wird gleichzeitig der Eindruck erzeugt, dass andere in ihren Zwanzigern schon einen genauen und gut laufenden Plan für ihr Leben haben. Wenn es einem schlecht geht, dann liegt es sicherlich an der eigenen Einstellung und dem falschen Mindset. Diese Umstände können Druck und damit eine Quarterlife Crisis deutlich verstärken, denn die Wahrnehmung der „ach so perfekten Leben“ anderer Menschen gleichen Alters, bedingen schnell eine Hinterfragung der eigenen Situation, den eigenen Zielen und Vorstellungen.

Aber was nun? Was soll man machen, wenn man feststellt, dass man selbst oder ein Freund/eine Freundin in einer Quarterlife Crisis steckt?! Ich denke eine genaue Antwort wird euch niemand geben können. Krisen sind genau so individuell, wie die Hintergründe, die dafür verantwortlich sind. Wenn euch das Gefühl überkommt ein neues Hobby würde helfen, dann kann das durchaus möglich sein. Ihr wollt euch auf eure Sauerteig-Backkünste fokussieren? Geht dem nach. Ein Halbmarathon, den ihr unbedingt mal machen wollt? Probiert es aus. Ihr wollt ein Rennrad oder eine Siebträgermaschine kaufen? Macht das (wenn das nicht dem finanziellen Ruin bedeutet). Die meisten Menschen, die eine solche Krise durchlebten, blicken am Ende eher positiv darauf zurück und empfinden, dass diese Veränderung wichtig für sie war. Eine Quarterlife Crisis ist keine genaue Diagnose und damit kann auch keine genaue Problemlösung gegeben werden. Unterhaltet euch am besten auch mit euren Freundinnen und Freunden über diese Sorgen, denn die Quarterlife Crisis ist längst schon kein individuelles, sondern ein gesellschaftliches Phänomen. Auf diese Weise merkt man schnell: so alleine ist man damit gar nicht.

Solltet ihr feststellen, dass ihr in einer Lebenskrise steckt, euch über einen längeren Zeitraum hinweg depressiv, freudlos oder antriebslos fühlt oder Probleme dabei bemerkt, euren Alltag normal zu bewältigen, solltet ihr euch auf jeden Fall psychotherapeutische Hilfe suchen!

 

Telefon Seelsorge: 0800-1110111 oder 0800-1110222

Psychologische Beratung der Uni Bremen: Psychologische Beratung | Studierendenwerk Bremen

 

Hier findet ihr meine Quellen:

Quarterlife Crisis: Die große Unsicherheit | ndr.de

Quarterlife Crisis: Ursachen, Symptome und Tipps für den Umgang | Apotheken Umschau

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