Zwischen zwei Kapiteln
Die gemütliche Zeit des Jahres ist längst angebrochen. Für mich bedeutet das: einen Chai Latte zubereiten, Kerzen anzünden und mich mit einem guten Buch einkuscheln. Gerade jetzt, wenn die Weihnachtstage näher rücken, scheint die Zeit etwas langsamer zu vergehen. Zwischen all den festlichen Aktivitäten entsteht auch Raum für Ruhe – und für das Lesen. Ich liebe diese Tage, weil sie erlauben, kurz innezuhalten und die Zeit im warmen Zuhause zu genießen.
In diesem Artikel möchte ich euch mitnehmen in meine persönliche Lesezeit und drei Bücher vorstellen, die mich sehr berührt haben, besonders aus der Perspektive einer Studentin. Denn das Studium ist nicht immer ausschließlich die „beste Zeit des Lebens“. Für viele ist es auch eine Phase voller Herausforderungen: Erwachsenwerden, Einsamkeit, die Suche nach dem eigenen Ich, der Druck, eine Zukunft zu entwerfen, und das Gefühl, sich auf diesem Weg manchmal selbst zu verlieren…
Norwegian Wood – Haruki Murakami
Norwegian Wood habe ich erst kürzlich beendet. Trotz der vielen kontroversen Stimmen hat mich der Ton dieses Buches tief berührt. Der Roman erzählt aus der Perspektive des jungen Studenten Toru Watanabe, der in den 1960er-Jahren in Tokio lebt. Er verarbeitet den Verlust eines engen Freundes und bewegt sich zwischen zwei sehr unterschiedlichen Frauen, während er mit Einsamkeit, Liebe und dem Erwachsenwerden ringt. Murakami beschreibt Einsamkeit, Verlust und emotionale Nähe mit einer eher leichten Intensität. Dieses Buch bietet keine bahnbrechenden Erkenntnisse, es zeigt auch keinen Auswege. Aber genau darin liegt die Stärke: Norwegian Wood soll nicht trösten, sondern einem zum nachdenken bringen. Eine Geschichte die noch lange nachhallt.
Man fühlt sich beim Lesen nicht weniger verloren, aber definitiv weniger allein. Und vielleicht ist das manchmal auch schon genug. Nachdem ich das Buch zugeklappt habe, blieb noch lange ein nachdenklicher klag zurück.
Spinner – Benedict Wells
„Und mir war auch klar, dass die Leute jemanden wie mich für einen Spinner hielten, weil ich immer noch an meine Träume glaubte. Aber lustig fand ich’s irgendwie trotzdem. Ich lachte nämlich oft, auch wenn es in meiner Situation eigentlich nichts zu lachen gab. Manche fanden das seltsam, aber dafür wusste ich, wie man überlebt.“
Dieser Satz stammt aus Spinner von Benedict Wells – einem meiner liebsten Autoren. Und er fasst sehr gut zusammen, worum es in diesem Buch geht. Spinner erzählt von Orientierungslosigkeit, vom Wunsch dazuzugehören und von dem Gefühl, nicht ganz richtig zu sein. Der Protagonist Jesper Lier ist Student in Berlin (wenn auch nur zum Schein) und er ist definitiv kein Held seiner Geschichte, er ist jemand, der sich gerade so durch den Alltag schlägt und sich mehr tastend durch das Leben bewegt. Und gerade dieses unperfekte, manchmal sogar kuriose Verhalten macht ihn so nahbar.
Benedict Wells zeigt, dass Erwachsenwerden nicht bedeutet, plötzlich Antworten zu haben. Sondern oft nur, weiterzugehen, trotz der Zweifel und Unsicherheit. Dieses Buch ist leise, chaotisch und ehrlich.
Dienstags bei Morrie – Mitch Albom
Als letztes Buch möchte ich euch Dienstags bei Morrie von Mitch Albom ans Herz legen. Es ist ein autobiografisches Buch, in dem der Journalist Mitch Albom die letzten Lebensmonate seines ehemaligen Professors Morrie Schwartz beschreibt. In wöchentlichen Gesprächen – immer dienstags – sprechen die beiden über Liebe, Arbeit, Angst, Zeit und den Tod. Ich finde gerade für uns Studierende ist dieses Buch besonders eindrücklich, weil es einen Gegenpol zum leistungsorientierten Studienalltag bildet. Während vieles im Studium auf Zukunft, Erfolg und Karriere ausgerichtet ist, stellt Morrie die Frage, was ein gutes Leben eigentlich ausmacht – bevor man sich endgültig auf einen Weg festlegt.
„So viele Menschen laufen herum, die ein sinnloses Leben führen. Sie scheinen Ständig im Halbschlaf zu sein, selbst dann, wenn sie damit beschäftigt sind, Dinge zu tun, die sie für wichtig halten. Das liegt daran, dass sie den falschen Dingen hinterherjagen.“
Dieses Buch stellt eine Frage, die im Studium oft zu kurz kommt: Was bedeutet ein gutes Leben? Nicht im Sinne von Karriere oder Leistung, sondern im Hinblick auf Beziehungen, Zeit und Menschlichkeit. Auf mich wirkte diese lektüre entschleunigend und es relativierte vieles, was uns im Alltag so groß erscheint.
Vielleicht sind es nicht die wichtigsten Bücher, die man gelesen haben sollte. Aber es sind Bücher für Momente, in denen man merkt, dass man sich zwischen zwei Kapiteln befindet: nicht mehr ganz dort, wo man war, und noch nicht angekommen dort, wo man hinwill.
Falls ihr schon eines davon gelesen habt oder euch noch weitere passende Lektüren einfallen, teilt gerne eure Meinungen in den Kommentaren!










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