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Imposter-Syndrom im Studium

Wir sitzen im Hörsaal.

Wir nicken.

Wir schreiben mit.

Und wir denken eigentlich alle heimlich, dass wir hier nicht hingehören …

– Die Imposter

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Der Applaus klingt langsam ab, die Präsentation wäre also geschafft. Die Dozentin lobt Ihr hervorragendes Konzept und prophezeit schon eine sehr gute Note. Als sie sich setzt, wird ihr ein „sehr gut gemacht“ von KommilitonInnen zugeflüstert. Jetzt sollte eigentlich der Stolz auf die gute Leistung einsetzen, doch stattdessen kommt keine Freude, nicht einmal Erleichterung hoch. Was bleibt, ist das Gefühl, dass man jeden Moment ertappt wird und klar wird, dass es sich nur um einen Zufall und nicht um das eigene Können handelt. Ein Gedanke, der unscheinbar wirkt, aber doch sehr hartnäckig sein kann. Er frisst sich rein und hinterlässt Spuren wie starke Selbstzweifel und im schlimmsten Fall Depressionen.

Und genau mit diesem Gedanken beginnt etwas, das viele Studierende kennen, aber kaum jemand laut ausspricht. Denn dieses Gefühl hat einen Namen: das Imposter-Syndrom oder auch Hochstapler-Syndrom.

Das anhaltende Gefühl, die eigenen Erfolge nicht verdient zu haben und trotz objektiver Leistungen die Überzeugung, man habe nur Glück gehabt, sei zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen oder habe andere irgendwie getäuscht. Ein Studium bietet viele Grundlagen, um dieses Gefühl auszulösen: neue Umgebung, neue Erwartungen, neue Maßstäbe. Man vergleicht Noten, Praktika, Nebenjobs und Auslandssemester. Gespräche drehen sich schnell um Leistung, doch selten um die Zweifel, welche damit einhergehen können. Denn niemand sagt im Seminar: „Ich habe eigentlich Angst, dass ich hier fehl am Platz bin.“ Also gehen wir automatisch davon aus, dass wir die Einzigen sind, die so fühlen.

Hinzu kommt der ständige Blick nach außen, das ständige Vergleichen, welches diese Gedanken anfeuert. Auf Social Media, in Lerngruppen, im Hörsaal. Andere wirken oft strukturierter, selbstsicherer und kompetenter. Niemand postet die Nächte voller Lernen oder die Momente, in denen man den Stoff dreimal liest und trotzdem nichts versteht. Und genauso entsteht eine verzerrte Wahrnehmung: Die Anderen sind kompetent und man selbst improvisiert nur.

Und was hilft? Die eine perfekte Lösung gibt es nicht, dies muss meist ganz individuell herausgefunden werden. Doch es wäre ein Anfang, wenn man beginnt, die eigene Wahrnehmung zu reflektieren. Tagebuch/Journal schreiben wäre eine gute Möglichkeit dafür. Ebenso hilft es, sich am Ende eines jeden Tages mindestens einen positiven Moment zu notieren. Aber auch ein offenes Gespräch mit einer vertrauten Person oder auch mit KommilitonInnen kann helfen. Und ganz manchmal stellt man fest, dass andere ähnliche Gedanken haben. Denn dieses Gefühl ist kein individuelles Makel, sondern ein bekanntes und verbreitetes psychologisches Muster.

 

Hast du schon mal vom Imposter-Syndrom gehört oder Erfahrung mit solchen Gedankengängen gemacht? Teile es in der Kommentarspalte mit und vielleicht fühlen wir uns alle ein bisschen weniger allein damit?

Noch mehr Interesse am Thema?: https://oberbergkliniken.de/artikel/das-hochstapler-syndrom-mangelnde-selbstanerkennung 

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