Ein besonders interessanter Aspekt waren meiner Meinung nach die Statistiken der JIM Studien aus denen hervorgehen dass Mädchen* prozentual mehr lesen lesen als Jungen*. Man kann sehr deutlich sehen wie sehr diese Statistiken in Verbbindung mit den Aussagen von Lehrkräften in dem Buch “ Schulische Fachkulturen und Geschlecht“ stehen. Die meiseten Lehrer_innen machen deutlich dass sie der Meinung sind dass sich Jungen* nicht so sehr für das Lesen interessieren wie Mädchen*.Auch auffällig ist dass es in der Datenbank von FIS- Bildung mehr „Mädchen*bücher“ als „Jungen*bücher“ gibt. (wobei man meiner Meinung aber auch bedenken muss dass es trotzdem in Büchern und Filmen mehr männliche Protagonisten gibt. Und weibliche Charaktere in den meisten Fällen signifikant geringere Redeanteile haben siehe bspw. Bechdel Tests für Bücher und Filme) Insgesamt wurde jedoch die Zuschreibung dass Jungen* weniger lesen gesellschaftlich etabliert und wird immer weiter durch unsere Handlungen konstruiert. Darum finde ich das Fazit das Deutschlehrer_innen mehr Lektüre und Arbeitsmaterialien verwenden die eine größere Vielfalt von Geschlechtsidentitäten mit verschiedenen Geschlechtsausdrücken aber auch anderen Identitätsdimensionen beinhalten, wichtig um Schüler_innen für das Lesen zu gewinnen. Aber Lehrkräfte müssen auch verstehen dass sie mit gewissen Handlungen bspw Aussagen wie „Jungen lesen nicht gern“ stereotype Zuschreibungen weiter verfestigen.
Als Trans*person ist mir etwas sehr Besorgnis eregendes in meiner Schulzeit aber auch generell im Bezug auf Medien und Repräsentation aufgefallen. Ich habe meine Schulzeit als junge trans*person (11) durchlebt und folgende Erfahrungen im Bezug auf Medien in der Schule gemacht. Das einzige mal das Trans*sein bei uns in der Klasse Thema gewesen ist war als wir in einen Film eine Szene gesehen haben in der eine Trans*person als cholerisch und schrill dargestellt wurde worüber die ganze Klasse gelacht hat. Ansonsten gab es in keinem Buch, keinem Film, keinem Text, keiner Serie,keinem Hörspiel, keinem Computerspiel,keinem Lied etc. Charaktere die trans* waren. Doch wie man an meiner Erfahrung sieht gibt es in den Medien manchmal Trans*personen. Diese werden dann allerdings fast aussschließlich als Witzfiguren präsentiert und ihr trans*sein wird falsch repräsentiert und dient nur dazu um sich darüber lächerlich zu machen.Es handelt sich um eine gesellschaftlich akzeptierte Diffamierung von Trans*personen einfach damit nicht Trans*menschen etwas zum lachen haben. Als Kind ist man sich dessen oft nicht so bewusst dennoch erinnere ich mich dass es mir stets ein schlechtes Gefühl bereitet hat so etwas zu sehen oder zu lesen. Solche Darstellungen von Trans*personen in den Medien und die mangelnde Repräsentation von starken Identifaktionsfiguren die trans* sind gibt jungen Trans*personen das Gefühl alleine und nicht richtig zu sein. Nicht trans* Personen (Cispersonen) wird durch den medialen Darstellungen gezeigt dass es ok und lustig ist Trans*personen zu verspotten und sich über sie lächerlich machen und sorgt somit auch auf subtile Weise für eine Validierung von Gewalt gegen Trans*menschen.Wenn man sich auf der universellen, der strukturellen und der individuellen Ebene anschaut wie Trans*personen in unserer Gesellschaft behandelt werden wird es umso deutlicher wie sehr sich die Darstellungen von Trans*personen in den Medien darin wiederspiegeln .Dies ist nur ein Beispiel von vielen dafür was für einen großen Einfluss mediale Repräsentation spielt und welche Auswirkungen sie auf unseren gesellschaftlichen Umgang mit vielerlei Thematiken hat. Es zeigt wie wichtig es ist als Lehrkraft umsichtig mit Zuschreibungen zu sein und Material zu wählen das die Geschlechtsidentitäten und Lebensrealitäten vielfältiger Personen darstellt denn dies kann dafür sorgen dass sich für Schüler_innen neue Perspektiven erschließen und einen Zugang zu Themen den sie vorher nicht hatten.
Meine Frage wäre wie Arbeitsmaterial im Deutschunterricht vielfältige Identitätsdimensionen mit Fokus auf Geschlechtsidentitäten darstellt?
Das verwenden von Gendersensibler Sprache sowohl schriftlich als auch mündlich ist schon mal ein guter Start. Wichtig um Gendersensibel unterrichten zu können ist es durch biografische Arbeit seine eigene Identität und Genderrolle zu reflektieren.( Wie habe ich meine Geschlechterolle empfunden und gelebt?Was genau ist meine Vorbildsfunktion im Bezug auf Gender und warum denke ich das? etc)Zudem benötigt es ein ein gutes Basiswissen zum Thema Geschlecht und Geschlechterollen und eine Auseinandersetzung mit gewissen Begriffen wie bspw normal/Norm Geschlechterolle, Diskriminierung, Intersektionalität etc. Ansonsten glaube ich nicht das es ein konkretes standart Rezept für eine gendersensible Unterrichtsform gibt. Gendersensibler Unterricht hat viel mit eigener Reflexion,Wissen und Empathie zu tun.