TRANSPARENZ

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Warum ist Transparenz so wichtig?

Das ist eine gute und wichtige Frage.

Als am 24. April 2013 das Rana Plaza Gebäude in Bangladesch einstürzte, starben 1135 Menschen und 2438 wurden verletzt. Der größte Teil der Anwesenden waren TextilarbeiterInnen, welche trotz Polizeivorgaben in das Gebäude gelassen wurden. Man hatte bereits am Vortag Risse festgestellt.

Noch 16 Tage nach dem Einsturz wurde die letzte lebende Person gefunden.

Die Untersuchungskommission erstellte im Anschluss einen 400-seitigen Bericht, welcher darstellte, dass die Hauptursache auf grobe Fahrlässigkeit zurückzuführen war. Schwache Baumaterialien und ungeeignetes Bauland waren bereits vor dem Bau erkannt wurden. Jedoch baute man trotzdem.

Der Besitzer des Gebäudes sowie die Besitzer der Textilfabriken, die im Rana Plaza untergebracht waren, sollten lebenslange Haftstrafen bekommen.

8 Monate nach der Katastrophe konnten 200 Leichen immer noch nicht identifiziert werden und Angehörige konnten somit auch keine Entschädigungen erhalten.

Man musste in den Ruinen des Gebäudes herumfischen, um überhaupt zu erkennen, welche Modemarken im Rana Plaza Kleidung herstellen ließen und es wurde klar, dass viele der Textilketten gar nicht genau wissen, wo ihre Produkte hergestellt werden.

Und warum ist das so?

Weil fragmentierte Lieferketten so jeglicher Verantwortung aus dem Weg gehen können natürlich. Je undeutlicher die Handelsvorgänge, desto einfacher ist es zu sagen: „Naja, wir wussten ja gar nicht was da abgeht, wir sind ja nicht die Besitzer der Textilfabriken.“

Die meisten Textilketten sind nicht gleich Besitzer der Textilfabriken, sondern lediglich vom Label, von der Marke, die sie verkaufen. So kann sie niemand für die Ausbeutung der ArbeiterInnen oder für die Konsequenzen derer verantwortlich machen.

Manchmal sind hunderte oder sogar tausende verschiedener Fabriken im Herstellungsprozess von Kleidungsstücken einer Fashion Marke involviert. Und wenn man dann am Ende ein Kleidungsstück in der Hand hält wissen weder Fashion Label noch Konsument wo genau das Kleidungsstück herkommt und unter welchen Umständen es produziert wurde.

Welche Hände haben unser Kleidungsstück bearbeitet? Wer genau ist die Person, die Arbeit in meine Kleidung investiert hat? Was sind die Lebensumstände? Wie geht es dieser Person bei der Arbeit?

Habe ich vielleicht sogar ein Kleidungstück im Schrank, welches im Rana Plaza hergestellt wurde? Und, würde ich es trotzdem weiterhin tragen?

Es ist offensichtlich: Nur Transparenz kann diese Fragen beantworten. Nur Transparenz kann Verantwortung schaffen. Nur Transparenz kann es verhindern, dass Millionen von Menschen unter schlechten Bedingungen arbeiten müssen, oder sogar bei der Arbeit in einer Textilfabrik sterben, weil ein Besitzer unverantwortlich mit ihrem Leben spielt, ein Spiel, welches Profit vor Menschenleben stellt?

Aber sie spielen nicht nur mit denen, die die Kleidung herstellen. Sie spielen auch mit dir!

Quellen: By rijans – Flickr: Dhaka Savar Building Collapse, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=26051590

Was ist das für ein Spiel?

Naja, was ist denn die Grundidee eines Spiels? Im Duden wird ein Spiel so definiert:

„[Eine] Tätigkeit, die ohne bewussten Zweck zum Vergnügen, zur Entspannung, aus Freude an ihr selbst und an ihrem Resultat ausgeübt wird.“

Es gibt verschiedene Arten von Spielen: das Gesellschaftsspiel, welches nach festgelegten Regeln durchgeführt wird, das Glücksspiel, das vor allem vom Zufall abhängt, der Wettkampf, und das Gewinnspiel.

Ob Gesellschaftsspiel, Glücksspiel, Wettkampf, oder Gewinnspiel, der Sinn der Sache ist davon zu profitieren. Sei es Vergnügen, Entspannung, Geld oder Selbstwert. Wir spielen, um ein positives Gefühl zu erlangen. Und jedes Mal hoffen wir auf diesen Gewinn. Auch bei Video- und Virtual Reality Spielen ist es nicht anders. Wir gewinnen etwas. Ein positives Gefühl.

Ist es denn so abwegig zu behaupten, dass Textilfabrikbesitzer, Modelabels und sämtliche andere Teilnehmer am wirtschaftlichen Gewinn eine Art Spiel spielen? Ein Spiel, an dem wir teilnehmen, ohne wirklich zu verstehen, dass es ein Spiel ist?

Spielen die aber nicht auch mit uns? Werden wir nicht auch ausgenutzt?

Wir denken, wir nehmen einfach am gesellschaftlichen Leben teil. Wir fühlen uns gut, wenn wir ein neues Top oder ein neues Hemd in der Hand halten. Wir denken, wir profitieren von diesem Spiel, genauso wie die Textilfabrikbesitzer, die Modelabels. Wir denken, wir wissen was wir tun. Aber werden wir nicht an der Nase herumgeführt von Konzernen deren Mission lediglich der eigene Gewinn ist?

Zwar freuen wir uns über unsere neue Kleidung, aber gewinnen wir denn wirklich? Was haben wir wirklich davon? Wer hat am meisten davon? Wer am wenigsten? Was hat das Modelabel davon? Und was haben die ArbeiterInnen davon? Kann man das überhaupt vergleichen? Ist das fair?

Wollen wir dieses Spiel wirklich spielen?

Warum spielen wir dieses Spiel?

Denk mal genau nach: Dein netter Nachbar lädt dich auf ein Spiel ein. Er erklärt dir, dass du deine Karten auf den Tisch legen musst, ER ABER NICHT. Er erklärt dir, dass es im Spiel darum geht, die Geldscheine der anderen Person zu erlangen, aber nur er hat Joker in der Tasche. Und diese Joker heißen KINDERARBEIT, SCHLECHTE ARBEITSBEDINGUNGEN UND AUSBEUTUNG WIRTSCHAFTLICHER ENGPÄSSE. Nur er kann gewinnen, denn genauso ist das Spiel designt.

Würdest du spielen? Oder würdest du ihm den Vogel zeigen und nach Hause gehen?

Genau darum geht es hier. Bei Weserwareness wollen wir nicht länger an der Nase herumgeführt werden. Wir haben es satt Modelabels und Textilfabriken dabei zu unterstützen, von unserer Unwissenheit zu profitieren.

Wir wollen uns den vielen Aktivisten und Machern in der Fair Fashion Welt anschließen und neue Wege und Ideen zeigen. Wir wollen Transformationen in der Fashion Welt!! Wir wollen Transparenz für ausgebeutete ArbeiterInnen, und für uns selbst – den Konsumenten.

Wir verdienen es, die Wahrheit zu wissen und dann selbst zu entscheiden ob und in wie fern wir an diesem Spiel teilnehmen wollen.

WIR VERDIENEN TRANSPARENZ!!!

Wie transparent sind die 150 größten Modelabels?

Sicherlich fragst du dich jetzt, ob du deine Kleidung überhaupt noch tragen willst. Wer hat dein Lieblingsshirt hergestellt? Was sind die Bedingungen, unter denen es hergestellt wurde?

Mit Hilfe des Fashion Transparency Index von Fashion Revolution haben wir hier eine Liste für dich, welche zeigt, wie transparent deine Lieblingshersteller sind. Wenn sie nicht auf der Liste stehen, ist es zu vermuten, dass Transparenz nicht weit oben steht. Jedoch solltest du auch selber nochmal nachforschen. Die meisten Modelabels beantworten Fragen, wenn man sie direkt anschreibt.

Die folgenden Modellabels wurden nach jährlichem Gewinn ausgesucht. Die Labels, die über 500 Millionen Gewinn machen, werden hier als die 150 größten und einflussreichsten Marken bezeichnet.

Transparenzwerte der 150 größten Modelabels:

Am schlechtesten abgeschnitten haben die Folgenden (von 0 bis 10 % Transparenz, absteigend):

Amazon, Ross Stores, Monsoon Accessorize, Triumph, Valentino, Takko, Armani, Kohl’s, Michael Kors, Express, Sainsbury, Calzedonia, Forever 21, Lacoste, Anthropologie, Urban Outfitters, Neiman Marcus, Aeropostale, Sports Direct, Carolina Herrera, Ermenegildo Zegna, Foot Locker, Matalan, Versace, Diesel, Marc Jacobs, Tory Burch, Chanel, LL Bean, Youngor, Anita Sports, New York & Co., Claire’s Accessories, Dolce & Gabbana, Brooks Brothers, New Yorker, Longchamp, Max Mara, Barney’s New York, Desigual, Dior, Heilan Home, Jessica Simpson, Liverpool, Mexx, s.Oliver, Nina West, Sandro

Labels, die zwischen 0-5% abgeschnitten haben, teilen keine Informationen, was ihre Geschäftspolitik angeht. Man weiß also nicht, wie Arbeitsverträge oder die Arbeitsbedingungen aussehen oder welche Verhältnisse zu Fabriken bestehen. Über 5% sieht es dann so aus, dass teilweise Einblicke ermöglicht werden, also z.B. werden grundlegende Verhaltensregeln der Lieferketten benannt, oder auch detaillierte Einblicke in bestimmte Prozeduren gegeben.

Die folgenden Modelabels geben Einblicke die zwischen 11 und 20% Transparenz erlauben (absteigend):

Superdry, Jack & Jones, Vero Moda, Salvatore Ferragamo, Victoria’s Secret, GUESS, Mango, Bloomingdale’s, Macy’s TJ Maxx, Nordstrom, Russell Athletic, Decathlon, Falabella, JCPenney, Kik, Fendi, Cortefiel, Costco, Lidl UK, Miu Miu, Prada, American Eagle, Louis Vuitton, Abercrombie & Fitch, Ralph Lauren, J.Crew, Monoprix, El Corte Ingles, Kate Spade, Burlington, Dick’s Sporting Goods, Joe Fresh, Chico’s, Dillards, The Buckle

Hier sind es vor allem geschäftspolitische Einblicke, welche aufgezeigt werden. Jedoch gibt es weiterhin nur wenige Einblicke in Verfahrenshandbücher, Lieferantenverhältnisse oder Behebungsprozesse.

Von Transparenz zwischen 21 und 30% kann bei folgenden Modelabels gesprochen werden (absteigend):

George at ASDA, New Look, bonprix, New Balance, LOFT, Uniqlo, Zalando, Asics Corporation, Topshop, Hermes, Walmart, Dressman, Champion, Hanes, John Lewis, OVS, Debenhams, Columbia Sportswear Co, Hudson’s Bay, Sak’s Fifth Avenue, Under Armour, COACH, Lands’ End

Richtlinien, Verfahren und soziale sowie ökologische Ziele werden hier offengelegt. Auch Lieferantenbewertungen und Informationen bezüglich der Sanierungsprozesse werden preisgegeben. Wichtige ‚Spotlight Issues‘ werden aber nicht benannt.

Bei folgenden Modelabels liegt die Transparenzwertung zwischen 31 und 40% (absteigend):

Calvin Klein, Tommy Hilfiger, Van Heusen, Hugo Boss, Lindex, Gucci, Bottega Veneta, YSL, Converse, Jordan, Nike, Primark, Lululemon, Benetton, Target, Gildan Activeway, Burberry, Next, Tesco- F&F

Hier werden sogar Lieferanten Listen und detaillierte Zusammenfassungen bezüglich der internen Geschäftspolitik, wie z.B. Richtlinien, Verfahren, soziale und ökologische Ziele sowie Lieferantenbewertungen und Sanierungsprozesse. Hier kommt es auch manchmal dazu, dass wichtige soziale Bewegungen und Themen diskutiert werden.

Folgende Modelabels haben eine Wertung zwischen 41 und 50% erreicht (absteigend):

ASOS, Levi Strauss & Co, The North Face, Timberland, Vans, Wrangler, G-star, Tchibo, Bershka, Massimo Dutti, Pull & Bear, Stradivarius, Zara

Hier werden endlich auch mal Hersteller benannt. Sachen wie Geschlechtergerechtigkeit und unfaire Arbeitskonditionen sowie ökologische Umstände werden hier auch benannt und man versucht, Lösungen zu finden. Alles was bei kleineren Prozentsätzen gemacht wird, wird hier ein bisschen besser gemacht.

Die folgenden Modelabels haben die beste Bewertung (zwischen 51 und 60%, absteigend):

Adidas, Reebok, Puma, H&M, Esprit, Banana Republic, Gap, Old Navy, C&A, Marks & Spencer

Hier sind wir auch schon am Ende Über 60% geht es leider nicht. Alles was vorher gemacht wurde wird hier besser gemacht. Lieferantenlisten und Herstellerlisten sowie Zukunftspläne, Richtlinien, Verfahren, Verhaltenskodexe, Sanierungsprozesse etc. werden detailliert beschrieben.

Und was fehlt dann noch?

Was gebraucht wird ist ein Fokus auf Probleme wie Nachhaltigkeit und Ausbeutung von ArbeiterInnen. Was wir wissen wollen ist wie der Kauf eines T-Shirts eines bestimmten Modelabels unsere Umwelt beeinflusst, wie sie andere Menschen beeinflusst. Wenn wir das nicht wissen, können wir uns nämlich die Auswirkungen gar nicht klar machen, und schon gar nicht, was getan werden kann, um dem Ganzen entgegenzuwirken.

Bei href=“https://www.fashionrevolution.org/“>https://www.fashionrevolution.org/ findest du eine detaillierte Erklärung der eben genannten Ergebnisse, die auch Aspekte wie  Methodologie beschreiben.

Was kannst du tun?

Dazu haben wir drei zusammengehörige Vorschläge.

FRAG NACH! Setze deinen Lieblingsmodehändler unter Druck! Die meisten Modehändler behaupten, sie würden auf Fragen ihrer Kunden immer gerne reagieren, selbst wenn sie von sich aus keine solche Informationen preisgeben. Schreib ihnen, ruf sie an, stelle Fragen, sag ihnen wie was du von ihrem Verhalten hältst. Frag nach Fair-Trade und Nachhaltigkeit. Was tun sie? Was planen sie?

FINDE ALTERNATIVMÖGLICHKEITEN! Ob Second-Hand, Recycling oder Upcycling…Slow Fashion ist im Moment ein großes Thema. Schließe dich der Bewegung an! Schau mal bei Second-Hand Läden vorbei. Es gibt nämlich in Bremen ziemlich viele. Dazu wird es hier bei uns auch bald eine Liste geben.

Derzeit gibt es im Hafenmuseum Speicher XI außerdem eine Ausstellung zum Thema Slow Fashion. Schau doch mal vorbei:

ENGAGIERE DICH! Kämpfe mit vielen anderen engagierten Menschen und Organisationen für eine  bessere Zukunft und Transformationen in der Modeindustrie! Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten. Eine einfache Suche bei Google nach Buzzwords wie Fair Fashion, Slow Fashion, oder Ethical Fashion kann dabei schon ziemlich hilfreich sein. Super interessante Bücher gibt es zu dem Thema auch. Schau doch mal in deiner Stadtbibliothek nach. Solche Bücher beinhalten of Informationen zu Fair und Slow Fashion Organisationen. Fashion Revolution ist aber immer ein guter Start:

 

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