Auf dem Weg zu einer Schule fr alle – gemeinsames Lernen am gemeinsamen Gegenstand oder gemeinsame Lernsituationen?
22. Mai 2026- Schildern Sie eine eigene Schul- oder Praktikumserinnerung, in der jemand aus dem gemeinsamen Lernen ausgeschlossen wurde (auch ohne Förderbedarf). Was war die offizielle Begründung, was die Folge für die Person, was die Folge für die Gruppe
Während meines Praktikums kam es immer wieder dazu, dass die Schüler*innnen mit einem Förderbedarf im Bereich Wahrnehmung und Entwicklung vom gemeinsamen Lernen ausgeschlossen wurden und je nach Fach und Unterrichtsinhalt eigenen Unterricht im Nebenraum von einer Sonderpädagogin und mit Unterstützung von Klassenassistenzen bekamen.
So zum Beispiel auch beim Geschichts- und Politikunterricht zum Thema Renaissance. Die Schüler*innen mit dem Förderbedarf im Bereich Wahrnehmung und Entwicklung hatten dann eine Unterrichtsstunde zum Thema Deutschlandkarten lesen.
Die offizielle Begründung war, dass das Thema der gesamten Klasse: Renaissance zu komplex für die Schüler*innen gewesen wäre. Die Folge für die Schüler*innen war, dass sie vom gemeinsamen Unterricht ausgeschlossen wurden und ihnen somit symbolisiert wurde nicht vollwertig zur gesamten Klasse dazuzugehören. Die Folge für den Rest der Klasse war, dass sie durch das wiederholte Teilen der Klasse keine vollwertige Klassengemeinschaft entwickeln können und speziell in dieser Unterrichtssituation die Perspektiven ihrer Mitschüler*innen gefehlt haben.
- Wählen Sie ein Kind, das Sie aus Praktikum/Familie/Bekanntschaft kennen. Schreiben Sie zwei Texte über dieses Kind: (a) so, wie ein Förderausschussbescheid es beschreiben würde, (b) so, wie Sie es als Lehrkraft kennen müssten, um morgen Unterricht zu planen. Vergleichen Sie.
(a) Der Schüler Max ist auf dem autistischen Spektrum und hat eine geistige Beeinträchtigung. Er hat Schwierigkeiten in der selbstständigen Organisation und komplexe Aufgaben zu verstehen.
(b) Der Schüler Max ist auf dem autistischen Spektrum und hat eine geistige Beeinträchtigung. Er hat großes Interesse an Kunst und malt in seiner Freizeit viel. Er erledigt Aufgaben sehr schnell und kann sich dabei gut konzentrieren. Dafür benötigt er konkret formulierte Aufgabenstellungen und einen klar vorgegebenen Ablauf bzw. Tagesablauf. Veränderungen im Tagesablauf führen für ihn zu emotionalem Stress und beeinträchtigen ihn dadurch im Schulalltag.
Im Vergleich fällt auf, dass der Text über den Schüler aus Sicht des Förderausschussbescheides nur auf die Schwächen des Schülers eingeht und keine konkreten Vorschläge vorgibt, die es ermöglichen den Schüler bei der Beteiligung am gemeinsamen Unterricht zu unterstützen. Anhand dieses Beispiels zeigt sich deutlich, die „begrenzte Aussagekraft der Kategorien“ (Müller, 2026, Folie 12).
- Wählen Sie ein konkretes Arbeitsblatt/Material (aus Ihrem Praktikum, von Ihrer Schulzeit, aus dem Internet – mit Quelle). Gestalten Sie es in zwei zugänglicheren Varianten und dokumentieren Sie Ihre Designentscheidungen. Welche Verbündeten hätten Sie für welche Entscheidung gebraucht?
Ich habe ein Arbeitsblatt für den Englischunterricht zum Thema Uhrzeit auf Englisch lesen gewählt, welches kostenlos unter folgendem Link zugänglich ist:
Variante 1: Eine Möglichkeit, das Arbeitsblatt visuell zu unterstützen wäre der Einsatz eines Youtube Videos. Dafür würde ich dieses Youtube Video verwenden: https://www.youtube.com/watch?v=owJ7Zg75MlU
In diesem wird auf Deutsch langsam und mit vielen visuellen Veranschaulichungen erklärt wie die Uhrzeit auf Englisch angegeben wird.
Variante 2: Eine weitere Möglichkeit, das Arbeitsblatt zugänglicher zu gestalten wäre, die Schriftgröße des Arbeitsblattes größer zu gestalten und Schlagwörter wie beispielsweise die Erläuterung: Volle Stunde: O’clock farbig zu markieren und zu umrahmen.
- Wählen Sie eines der Lernvideos/der Podcasts/der Kapitel auf path2in.uni-bremen.de oder all-means-all.education aus, schauen Sie es sich an und schreiben sie kurz eine begrundete Emptehlung tur ihre Kommiliton_innen, warum es sich ggf. lohnt sich das Video/den Podcast/den Text anzusehen. Nennen Sie zwei Stellen mit Minuten:Sekunden, an denen für Sie ein wichtiger Punkt steht. Zitieren Sie sie kurz.
Ich habe mir das Video „Differentiation“ auf „All means all“ angesehen und kann es sehr empfehlen, da es einen guten Einblick gibt, wie inklusiver Unterricht konkret, nach dem Prinzip von Differenzierung gestaltet werden kann.
Außerdem fordert es das klassische Bild von frontalem Unterricht heraus und zeigt neue Möglichkeiten auf, Unterricht an die Bedürfnisse aller Schüler*innen individuell anzupassen und dadurch gemeinsamen Unterricht zu ermöglichen.
Besonders eindrücklich fand ich passend dazu, dass Zitat: „Differentiation looks different in every classroom, because ist not a one size fits all approach to teaching. Its responding to the students, that you have in front of you“ (1:37).
Auch spannend fand ich die Aussage: „Its basically about that, connecting to the student.“, welches eines der Grundprinzipien Inklusiver Pädagogik auf den Punkt bringt und die generelle Bedeutung von Beziehungsarbeit für den schulischen Alltag ins Zentrum rückt.
Literaturverzeichnis:
all-means-all.education (2025): Differentiation | All means all, [YouTube] https://www.youtube.com/watch?v=sGVF96fVSWs[abgerufen am 20.05.2026].
Müller, F.J. (2026): Auf dem Weg zu einer Schule für alle – gemeinsames Lernen am gemeinsamen Gegenstand oder gemeinsame Lernsituationen? Vorlesungsfolien RV07, Universität Bremen
sofatutor (2019): Uhrzeit auf Englisch: What time is it?, [YouTube] https://www.youtube.com/watch?v=owJ7Zg75MlU[abgerufen am 21.05.2026].
Uhrzeiten in Englisch (o. D.): [online] https://www.niemoeller-grundschule.de/images/corona/5b/2020-21/Englisch/5b_Extra_Uhrzeit_volle_halbe_Stunde.pdf [abgerufen am 22.05.2026].