Die lea.online Anwendungen
Lea.online setzt sich aus drei Anwendungen zusammen: der Online-Diagnisotik otu.lea, einem Kursleitenden Dashboard sowie einer Lernanwendung für mobile Endgeräte. Basierend auf Vorarbeiten im Rahmen des BMBF-geförderten lea.-Projektes (Förderkennzeichen 01AB072901, Projektlaufzeit: 2008-2010) wurde die existierende und in der Alphabetisierungs-Praxis eingesetzte Online-Diagnostik otu.lea (http://otulea.de) an die aktuellen didaktischen und technischen Anforderungen durch Alphabetisierungskräfte und Teilnehmer/innen angepasst und umfassend überarbeitet (Abb. 01). Es wurde ein Dashboard entwickelt, mit welchem Kursleitende in Alphabetisierungskursen Testergebnisse der otu.lea-Diagnostik auswerten und einen gezielten Förderbedarf ableiten können (Abb. 02). Mit der lea.online-App können Nutzer*innen auch über Alphabetisierungskurse hinaus Lern- und Testaufgaben beantworten und so eigenständig schriftsprachliche sowie mathematischen Kompetenzen verbessern (Abb.03). Die Anwendung beinhaltet die lea.-Lernmaterialien sowie berufsfeldbezogene Aufgaben aus den Dimensionen Lesen, Schreiben, Rechnen und Sprachempfinden zu den Berufsfeldern Pflege, technische Berufe und produzierendes Lebensmittelgewerbe.

 

 

Otu.lea

Die Gestaltung der online-Testumgebung otu.lea wurde umfassend überarbeitet. Bei der neuen Farbwahl wurde darauf geachtet, dass frische und moderne Farben verwendet werden. Sämtliche Illustrationen der Personas sowie szenischen Darstellungen aus dem lea.-Storyboard wurden überarbeitet und an aktuelle Gestaltungstrends angepasst. Ziel war es die Personen deutlich moderner, frischer und freundlicher wirken zu lassen. Dies soll ein angenehmes Nutzungserlebnis bei den Nutzer*innen unterstützen. 
Mit dem Ziel mehr Übersichtlichkeit und Klarheit zu verschaffen, wurde das Design deutlich verschlankt. Es wurde darauf geachtet klare Formen zu verwenden und Überflüssiges wegzulassen. 
Der Anmeldeprozess wurde in Form eines Wizards gestaltet, mit welchem jeder Schritt klar hintereinander auszuführen ist. Weitere Schritte der Bearbeitung werden erst nach erfolgreicher Bearbeitung des vorherigen Schrittes sichtbar. So soll eine klare Abfolge der Interaktionsschritte sichergestellt werden. 
In der aktuellen Version von otu.lea wurde eine Umstellung auf eine Text-to-Speech Synthese vollzogen, welche aus Sicht der Entwickler der Anwendung erheblichen Mehrwert bietet: Texte und Wörter können einfach ausgetauscht werden, ohne das dies aufwendige Sprachaufnahmen zur Folge hat. Speech-Synthese bietet außerdem den Vorteil, dass verschiedene Stimmen (z.B. Männer- oder Frauenstimmen) ausgewählt werden können. Weiter kann bei jedem einzelnen Wort durch Klicken auf das selbige die Voiceover-Funktion aktiviert werden. Dies gibt dem Nutzer die Möglichkeit sich auch einzelne Wörter vorlesen lassen zu können, was eine individualisierte Nutzung der Voiceover-Funktion ermöglicht. 
Um eine klarere Trennung zwischen kontextueller Einleitung und dem zu bearbeitenden Aufgabenformat zu schaffen, wird die kontextuelle Einleitung auf einer eigenen Seite der eigentlichen Aufgabe vorgeschaltet. Basierend auf einer Analyse der bestehenden otu.lea-Aufgaben, wurde das Design-Konzept der Aufgaben überarbeitet und ein modularer Aufbau der Aufgaben fokussiert. Dies ermöglicht eine platzsparende und konsistente Gestaltung, trotz unterschiedlicher Aufgabeninhalte und -formate. Dieser modulare Aufbau kommt auch in der lea.online-App zum Einsatz. So wird eine konsistente Darstellung der Aufgaben über die Anwendungen hinweg sichergestellt.

 

 

Das Kursleitenden-Dashboard

Es wurde ein Kursleitenden-Dashboard entwickelt, mit welchem die otu.lea-Testergebnisse jedes/r Teilnehmer*in dargestellt werden. Im Dashboard stehen den Kursleitenden Filtermöglichkeiten zur gezielten Lernstandfeststellung eines/einer Teilnehmer*in sowie dem daraus ableitbarem konkreten Förderbedarf zu Verfügung. Weiter werden im Dashboard Übersichten zu ganzen Kursen sowie Lernverläufe dargestellt. Der/Die Kursleitende kann alle seine/ihre Kurse über das Dashboard verwalten und gesamte Kursentwicklungen sowie individuelle Einschätzungen zu Kompetenzen der Teilnehmer*innen erhalten.  
Das Dashboard stellt eine Vielzahl von Informationen bereit. Um die Funktionen des Dashboards für den Nutzer bestmöglich erfahrbar zu machen, wurde ein besonderes Augenmerk auf die Übersichtlichkeit gelegt. In der Kursansicht wird ein kompletter Überblick der Testergebnisse alles Teilnehmer*innen eines Kurses gegeben. In der Teilnehmer*innen Übersicht bekommt der Kursleitende eine differenzierten Einblick in die Testergebnisse einzelner Teilnehmer*innen. Jede Kann-Beschreibung ist auf einer eigenen Karte dargestellt und beschrieben. Weiter ist den jeweiligen Karten zu entnehmen, ob die Kann-Beschreibung erfüllt wurde, welchem alpha-Level sie zugehörig ist und ob der/die Testteilnehmer*in sich im Vergleich zu einem vorherigen Test verbessert oder verschlechtert hat.  Im Dashboard stehen dem/der Nutzer*in viele Filtermöglichkeiten zur Verfügung: es kann nach Schwierigkeitsgrad der Kann-Beschreibungen, Lernstandentwicklung, aktuellem Testergebnis oder nach inhaltlichen Gruppierungen der Kann-Beschreibungen gefiltert werden. Dies ermöglicht es dem/der Nutzer*in einen umfassenden Überblick der Kompetenzen des/der Testteilnehmer*in zu erhalten und hierbei individuelle Filtermöglichkeiten anzuwenden.
Das Kursleitenden-Dashbaord wird im Herbst 2020 im Rahmen von Usability-Testungen mit der Zielgruppe getestet und stetig iterativ weiterentwickelt. 

Dashboard – Kursauswahl
Dashboard – Kursübersicht
Dashboard – Teilnehmer*innen Übersicht

 

 

Die lea.online-App

Die lea.online-App ist eine mobile Lernanwendungen zur Förderung schriftsprachlicher sowie mathematischer Kompetenzen im Grundbildungsbereich. Die Anwendung enthält Übungsaufgaben der Dimensionen Lesen, Schreiben, Rechnen und Sprachgefühl. Darüber hinaus werden Aufgaben mit Berufsfeldbezug entwickelt, um neben den Grundbildungskompetenzen auch berufsbezogene Kompetenzen zu fördern und andererseits für diese Berufe zu sensibilisieren bzw. zu begeistern. Für die Auswahl der Berufsfelder wurde eine umfassende Recherche durchgeführt, bei der viele Einflüsse auf relevante Faktoren wie z.B. Zugänglichkeit in das Berufsfeld, Beschäftigungsentwicklung, Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten, die Gefährlichkeit von Tätigkeiten sowie das Geschlechterverhältnis zu bedenken waren. Hauptsächlich stützt sich unsere Kriterienauswahl auf zwei empirische Studien: die erste leo. Level-One Studie (2012), sowie die SAPfA-Studie (2015) der Stiftung Lesen zur Sensibilisierung von Arbeitskräften für Analphabetismus. Weil beide Studien keine Aussagen zum Pflege- und Gesundheitsbereich machen, wurden zudem Ergebnisse aus dem Projekt INA-Pflege (2016) einbezogen. Basierend auf den Recherchen wurden die Berufsfelder Pflege, technische Berufe sowie produzierendes Lebensmittelgewerbe ausgewählt.
In der Anwendungen gelangen die Nutzer*innen über eine Map, welche im jeweiligen Berufsfeld verschiedene Schwierigkeitsstufen von Aufgabensets darstellt, zu den Übungsaufgaben. Auf der Karte werden ebenfalls die Ergebnisse der bereits beantworteten Aufgaben in Form von Sternen visualisiert. So bekommt der/die Nutzer*in stets einen guten Überblick über seinen/ihren aktuellen Fortschritt. Einen differenzierteren Überblick über den eigenen Lernstand kann sich der/die Nutzer*in im Profilbereich unter „Meine Erfolge“ ansehen.
Ähnlich wie bei otu.lea, steht in der gesamten Anwendung eine Speech-Synthese zur Verfügung. Über die Lautsprecher-Buttons oder Tippen auf einzelne Wörter, können die Nutzer*innen sich diese vorlesen lassen. Der Aufbau aller Aufgaben entspricht dem schon für otu.lea entwickelten modularen System. Auch werden die Personas des lea.Universums in der lea.online-App verwendet. Die Grafiken wurden um szenische Darstellungen von Situationen aus dem Berufsalltag erweitert.
Weiter wurde eine umfassende Analyse verschiedener Aufgabenformate durchgeführt. Dabei waren analoge sowie digitale Materialien aus dem Grundbildungs- wie Spracherwerbsbereich Gegenstand der Untersuchung. Abschließend wurden sieben Formate für die Umsetzung in der lea.online-App ausgewählt, welche zum einen den inhaltlichen Ansprüchen entsprechen aber gleichzeitig auch durch eine hohe Usability bestechen. Dies ist für eine niedrigschwellige Benutzbarkeit für die Zielgruppe von besonderer Bedeutung.
Die lea.online-App wird im Herbst 2020 im Rahmen von Usability-Testungen mit der Zielgruppe getestet und stetig iterativ weiterentwickelt.