Abschlussreflexion

EW – Abschlussreflexion

Vorlesung Heterogenität

                                                                                                                                  08.07.2019

Im folgenden Teil werde ich die zu absolvierende Ringvorlesung „Heterogenität“ kritisch in Bezug auf die Abschlussreflexionsfragen reflektieren.

Nr: 1) Benenne Sie die zentralen theoretischen Erkenntnisse, die Sie aus den Vorträgen der Ringvorlesung für sich entnommen haben. Nehme Sie dabei konkret Bezug auf a.) fachdidaktische Aspekte, indem Sie die Erkenntnisse auf die Didaktik ihrer eigenen beiden Fächer beziehen und b.) zwei generelle erziehungswissenschaftliche Erkenntnisse zu Schule und Unterricht mit Bezug zu den relevanten Quellen benennen.

Einleitend lässt sich sagen, dass durch die Vorlesung viele differenziere und verschiedene Einblicke in den Aspekt der Heterogenität ermöglicht wurden. Folglich lässt sich die einleitende Hypothese generieren, dass Heterogenität einen allgegenwärtigen und wichtigen Stellenwert in der Welt der Schüler/innen einnimmt. Es sei meine Aufgabe als spätere Lehrkraft und Pädagogin mir der Bedeutung von Heterogenität bewusst zu sein und diesen Aspekt im Umgang mit meiner späteren Lerngruppe sensibel zu betrachten.Es sollte eine Priorität der Lehrkraft sein, den Schüler/innen die Vielfalt und Andersartigkeit innerhalb einer Gruppe zu verdeutlichen und diese als etwas Notwendiges und Positives wahrzunehmen.

Zweiteres ist für mich gerade in meiner zukünftigen Lehrtätigkeit als Inklusionspädagogin von großer Relevanz. Da ich das große Studienfach „Inklusive Pädagogik“ studiere und anstrebe in meiner späteren beruflichen Laufbahn als Sonderpädagogin zu fungieren, war mir der Begriff Heterogenität und dessen Implementation geläufig. Da der Leitgedanke der Inklusion mit einer differenzierten, individuellen und schülerzentrierten Beschulung, die Heterogenität und Andersartigkeit der Schüler/innen als notwendig ansieht, um individuelle Lernförderung zu ermöglichen.

Jedoch empfand ich es als sehr interessant und lehrreich mich dezidierter mit den Begrifflichkeiten und der thematischen Verwendung des Begriffes „Heterogenität“ auseinander zusetzen.

Gerade für Studierende welche nicht das Studienfach „Inklusive Pädagogik“ studieren, finde ich es wichtig dieses Themenfeld in der Universität aufzugreifen und zu beleuchten.

Folglich geht es bei dem Arbeit im inklusiven Setting darum, den Kindern, differenziert in Bezug auf ihre jeweiligen Lern und Entwicklungsstände, unterschiedliche und passgenaue Lernangebote zu generieren (Reich (Hrsg.), 2017, S.13).

Jedoch verdeutlichte mir bereits die erste Vorlesungsveranstaltung zu dem Themenfeld des Spannungsfeldes zwischen Heterogenität und Homogenität, dass die Begrifflichkeit der Heterogenität weit mehr umfasst als die bloße Beschulung. Eine vielfältige und diversen Gruppe setzt sich zudem durch die unterschiedlichen Charaktere, Lernstände, sozial- kulturellen Hintergründe und Fähigkeiten zusammen.

Die Konsequenz ist, dass sich die Lehrperson einer heterogenen Klasse der Individualität der einzelnen Schüler anpassen muss. Es sei ihre Aufgabe, den Schüler/innen, fernab von ihren Unterschieden, respektvoll entgegenzutreten und den Kindern einen strukturreichen und differenzierten Unterricht zu bieten.

Ebenfalls habe ich den Aspekt der „Sprache“, welcher explizit in der Vorlesung von Frau Dr. Bönig verdeutlicht wurde, als relevant und interessant, in Bezug auf mein weiteres Studienfach „Germanistik“, empfunden. Diesbezüglich wurde mir nochmal dezidiert bewusst, dass ein korrektes Sprachverstehen und dessen Anwendung, in allen Schulfächern, von enormer Bedeutung ist um Wissen zu verstehen und zu transportieren. Folglich werden Schüler/innen meist bezüglich ihrer Kompetenzen missverstanden. Ein Kind welches in dem Schulfach Mathematik die Textaufgaben nicht lösen kann, könnte demnach vielleicht die reine mathematische Aufgabenstellung verstehen, scheitert jedoch an den Anforderungen der konzeptionellen Schriftlichkeit und dessen Fach- und Bildungssprache. Da Bildungssprache, deutlich später als die Alltagssprache, erst im Kontext der Schule erlernt wird, ist es von großer Relevanz die Kinder differenziert und systematisch an die bildungssprachlichen Aspekte heranzuführen. Nur weil ein Schüler/in nicht in der Lage ist, die deutsche Bildungssprache in ihrer Komplexität zu verstehen, spricht dies nicht für dessen kognitives Niveau (Vgl. Folie 37 / 20.05.2019, Nr. 6). Aufgaben und Texte sollten zu Beginn einfacher und kindgerechter formuliert werden um sicherzustellen, dass keine sprachlichen Verständnisschwierigkeiten die thematische Lehre des Inhaltes verhindern.

Letztendlich sind mir in Bezug auf meine spätere Lehrtätigkeit zwei explizite erziehungswissenschaftliche Erkenntnisse bewusst geworden. Bezugnehmend auf den Vortrag von Frau Dr. Daase ist mir nicht nur verstärkt die Bedeutung der Bildungssprache bewusst geworden, sondern auch die Notwendigkeit der durch die Multikulturalität entstehenden Mehrsprachigkeit. Demnach möchte in meiner späteren Lehrtätigkeit die Mehrsprachigkeit und die sprachliche Heterogenität als eine wertvolle Ressource nutzen und die Schüler/innen ermutigen, diese explizit ins Unterrichtsgeschehen zu integrieren.

Auch das von Herr Trostmann thematisierte Thema der Leistungsheterogenität hat mich sehr angesprochen. Folglich ist es wichtig als Lehrkraft den Lernenden positive Rückmeldungen zugeben um ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Es ist wichtig, Schüler aufgrund ihrer schulisch temporären Leistungen nicht in Kategorien einzuordnen, sondern die Schüler z.B mit Hilfe des „Kopulei – Modells“ individuell und in Bezug auf ihre jeweiligen Leistungen zu bewerten.

Nr: 2) Welche Faktoren zum schulischen Umgang mit Heterogenität (z.B Unterrichtsformen, Schulformen, schulstrukturelle Fragen, schulkulturelle Aspekte), die Sie in der Vorlesung kennengelernt haben, prägen in ihrer Wahrnehmung den Schulalltag (eigene Schulzeit, Praktika, Berichte aus der Praxis) besonders stark – und warum?

An welchen Stellen können Sie einzelne der unter 1) genannten Erkenntnisse zur Erklärung heranziehen?

In Bezug auf meine eigene Schulzeit in der Grundschule, sowie auf dem Gymnasium ist mir durch die Ringvorlesung primär verdeutlicht worden, dass Heterogenität und die damit einhegende Diversität der Schüler/innen ein Fremdwort für meine damals unterrichtenden Lehrkräfte war. In meiner Schulzeit wurde meist mittels Frontalunterricht und mit vereinzelnder Partner und Gruppenarbeit unterrichtet. Alle Kinder sollten zur selben Zeit das selbe lernen. Wer dem curricularen Standards nicht gerecht werden konnte, musste eine schlechte Empfehlung für die weiterführend Schule fürchten. Später war allen Schülern/innen die Angst vergegenwärtigt auf Grund von schulischen Misserfolgen nicht versetzt zu werden. Ich persönlich litt sehr unter dem Leistungsdruck. Besonders präsent aus meiner damaligen Schulzeit ist mir die Situation eines Mädchens aus Syrien. Sie kam in der ersten Klasse zu uns in die Lerngruppe. Zu dem Zeitpunkt wies sie keinerlei Deutschkenntnisse auf und war sowohl durch die neuen kulturellen und schul- strukturellen Eindrücke überfordert. Jedoch baute sie sich schnell einen Grundwortschatz in ihrer Zweitsprache „Deutsch“ auf. Zudem war sie ihren Mitschülern im Fachbereich der Mathematik deutlich überlegen. Jedoch fiel es dem Mädchen schwer, Texte auf Grund der hohen Fachsprachlichkeit, im schriftlich konzeptionellen Kontext zu verstehen. Folglich viel es ihr schwer Aufgabenbereiche mit einer hohen sprachlichen Anforderung zu bearbeiten. Meiner subjektiven Meinung nach waren alle unterrichtenden Lehrkräfte mit der Situation überfordert. In unserer eher strukturell und milieuspezifisch ländlich orientierten Schule stach das Mädchen aus der eher „homogenen“ Lerngruppe heraus.

Bezug nehmen auf die erläuterten Aspekte in Aufgabe 1), wird deutlich, dass die damalig unterrichtenden Pädagogen die heterogene, sprachliche Vielfalt des Kindes nicht zu schätzen wussten und ihr auf Grund ihrer noch mangelnden sprachlichen Fähigkeiten keinen Bildungserfolg versprachen. Eine konkrete „DAZ – Förderung“, oder eine gelingende Inklusion gab es nicht.

Jedoch konnte ich in meinem zu absolvierenden Orientierungspraktikum auch ein positives Beispiel in Bezug auf die in Aufgabe 1) thematisierten Aspekte erkennen. Folglich wies eine Schülerin auf Grund von temporären, familiären Problemen eine Verhaltensauffälligkeit im Unterricht auf. Sie war unruhig und desorientiert. Obwohl ihre schulischen Leistungen signifikant unter der Situation litten, nahm sich die Klassenlehrerin der Probleme des Kindes an und suchte die Ursache und die Behebung der Probleme bei der familiären und klasseninternen Struktur des Mädchens. Das Mädchen wurde trotz der im Raum stehenden Diagnose „ADHS“ nicht stigmatisiert sondern mit Hilfe des „Kopulei – Modells“ individuell und in Bezug auf ihre jeweiligen Leistungen zu bewertet.

Nr. 3) Zu welchen zwei erziehungswissenschaftlichen Fragestellungen, die Sie in der Vorlesung kennnengelernt haben, würden Sie gerne mehr erfahren im weitern Studium in Bezug auf das Modellthema UMHET. Bitte begründen Sie ihre Wahl.

Gerade in Bezug auf die in Aufgabe 2) erläuterten eigenen Erfahrungen mit Kindern welche Deutsch nicht als Muttersprache erlernt haben, fände ich im weiteren Verlauf meines Studiums den Aspekt interessant: Wie man die Mehrsprachigkeit der Schüler/innen, im Schulkontext integrieren und positiv nutzen kann?

Diesbezüglich konnte ich im vorherigen Semester schon viele interessante Informationen auf der „GR4 – Vorlesung – Deutsch als Zweitsprache“ entnehmen. Jedoch waren diese Impressionen eher empirischer Natur und weniger konkrete didaktische Impulse, welche ich später als Lehrkraft im eigenen Unterricht nutzen könnte. Diesbezüglich erhoffe ich mir in Bezug auf das Modellthema UMHET, zum Aspekt der DAZ -Förderung, vielfältige und differenzierte pädagogische Anreiße entnehmen zu können.

Ebenfalls würde es mich interessieren wie man den Aspekt der Mehrsprachigkeit als ein positives Gut der Heterogenität in das Klassengeschehen integrieren kann.

An das Thema der „Bildungssprache“ anknüpfend interessiert mich zudem dessen konkrete Förderung und der Umgang mit sprachlichen Hürden. Ich persönlich studiere das Fach Mathematik nicht, jedoch konnte ich innerhalb meiner Praktika öfter miterleben, dass manche Kinder die mathematischen Aufgabenstellung, nicht auf Grund von fehlenden fachlichen Wissen, nicht richtig lösen konnten, sondern auf Grund eines fehlenden sprachlichen Verständnisses. Dies habe ich fatal empfunden, da bei den Lehrkräften oft der fehlerhafte Eindruck entstand,, die Schüler/in hätten ein Defizit im mathematischen Verständnis.

Auch das Thema der korrekten Leistungsbewertung der Schüler/innen spricht mich an. Demnach würde ich gerne mehr über konkrete Maßnahmen zur Beurteilung erfahren, mit dessen Hilfe ich die Kinder fair, jedoch bezugnehmend auf ihre eignen und individuellen Stärken und Schwächen bewerten kann. Mich interessiert hierbei besonders, inwiefern man als Pädagogin gewillt und befähigt sein darf sich ein Urteil über den weiteren Bildungsweg und Bildungserfolg der jeweiligen Schüler/innen zu machen.

Alles im Allen hat mir die Ringvorlesung zum Thema der Heterogenität sehr gut gefallen, da sie in diesem Kontext vielfältige Zusammenhänge erläutert hat und gesellschaftliche und kulturelle Vorurteile behoben hat.

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