Long Distance-Freundschaften
Die Zwanziger sind für die meisten Menschen eine Zeit des Umbruchs. Viele lassen in diesen Jahren erstmals das Elternhaus hinter sich, oft zugleich auch die vertraute Heimatstadt, und wagen sich mit dem Beginn eines neuen Studiums in unerforschte Gewässer – wer in dieser Situation ist, sehnt sich meist danach, möglichst schnell neue Freund*innen im neuen Umfeld zu finden, um sich schnell einzuleben.
Darüber, wie das am besten gelingt, haben wir schon einmal einen Artikel geschrieben -> Freundschaften schließen im Studium
Doch was, wenn man zuhause eigentlich schon seine besten Freund*innen gefunden hat und nun die Freundschaft zum ersten Mal durch geographische Distanz auf die Probe gestellt wird? Denn während viele von uns von einem Leben á la Friends träumen, in dem man mit seinen besten Freund*innen in WGs lebt, sich jeden Tag im Hausflur über den Weg läuft und alle ungefragt beieinander ein- und ausgehen, sieht die Realität meist anders aus; oft trennen sich schon nach der Schule die Wege: Den Einen zieht es ans andere Ende des Landes, die Andere macht erstmal eine einjährige Work-and-Travel-Reise in Südamerika und wieder jemand bleibt in der Heimat. So zerstreuen sich während des Studiums ganze Freundesgruppen und nicht wenige langjährige Freundschaften verlaufen einfach im Sand. Klar, nicht jede Freundschaft ist für die Ewigkeit gemacht – manchmal passt es einfach nicht mehr, Menschen entwickeln sich unterschiedlich und die Interessen, die früher ein Bindeglied waren, verschieben sich. Doch bei manchen Freundschaften ist es richtig schade, wenn sie sich so in Luft auflösen.
Was kann man also tun, um das zu verhindern?
Grundsätzlich gilt: Freundschaft braucht Pflege, um zu gedeihen. Sie aufrechtzuerhalten ist vergleichsweise einfach, wenn man sich jeden Tag in der Schule trifft oder nur wenige Minuten voneinander entfernt wohnt – wenn etwas mehr Entfernung oder gar Zeitverschiebung im Weg steht, müssen dann auch mal schwerere Geschütze aufgefahren werden. Hier mal ein paar Ideen, wie ihr in eurer Freundschaft trotz allem nicht die Verbindung verliert:
- Gerade für Gruppen kann das die Rettung sein: Entscheidet euch (zum Beispiel zu Beginn eines jeden Semesters) für einen Termin in der Woche, an dem ihr alle grundsätzlich Zeit habt und plant für diesen einen Videocall ein. Ihr könnt während dieser Zeit zusammen kochen, Spiele spielen oder über die Groupwatch-Funktionen verschiedener Streaminganbieter sogar gemeinsam einen Filmabend veranstalten. Oder ihr plaudert einfach. In jedem Fall hilft der festgelegte, regelmäßige Termin, nicht ständig vor der schier unlösbaren Aufgabe zu stehen, einen neuen für alle passenden Tag zu finden, sondern er kann schon lange im Voraus fest von jedem eingeplant werden.
- Sie ist ein polarisierendes Kommunikationsmittel. Die einen hassen sie aus tiefster Seele, die anderen lieben sie aus tiefstem Herzen. Die Rede ist natürlich von der Sprachnachricht. Für alle, die gut mit ihr klarkommen, kann sie eine großartige Möglichkeit sein, sich gegenseitig Life Updates zu schicken oder sogar ganze Unterhaltungen zu führen. Bei leidenschaftlichen Privat-Podcaster*innen kann da eine Sprachnachricht auch mal locker über zehn Minuten gehen! Was sich fast so anfühlt, wie ein Telefonat, glänzt durch den Vorteil, dass eine zeitversetzte Unterhaltung möglich wird – jeder kann flexibel dann antworten und abhören, wenn gerade ein paar Minütchen Zeit sind. Das kann dann auch auf dem Weg zur Uni, beim Kochen oder Gassigehen sein. Ideal besonders für Freund*innen, die in verschiedenen Zeitzonen leben!
- Mal ehrlich – wann habt ihr zuletzt einen Brief geschrieben? Also, einen richtigen Brief, nicht bloß eine Geburtstagsgrußkarte? Wer gerne kreativ ist, kann sich hier richtig austoben, Freund*innen zum Beispiel kleine Beigaben zum Brief schicken, vielleicht einen hübschen Sticker, eine leckere Süßigkeit oder einen Gutschein für das Lieblingscafé des Anderen. Und die Freude, wenn man selbst einen hübschen, liebevoll handgeschriebenen Brief zwischen den Rechnungen, Krankenkassenbescheiden und all dem anderen langweiligen Erwachsenenkram im Briefkasten findet, ist unvergleichbar.
- Für Freund*innen, die ähnliche Interessen teilen, ist das die perfekte Möglichkeit für mehr Austausch und Nähe, ohne sich ständig zu sehen: Sucht euch ein Buch, dass ihr gleichzeitig lest oder eine Serie, die ihr gemeinsam anfangt. Nach jedem Kapitel oder jeder Staffel könnt ihr euch dann über die Geschichte austauschen. Alle, die eher auf Musik stehen, können auch gemeinsam eine Playlist erstellen, zu welcher dann jeder Songs hinzufügt, die er oder sie gerade entdeckt hat und aktuell gerne hört. So bleibt das Gefühl, Teil des Lebens des Anderen zu sein und es wird ein Anreiz geschaffen, darüber zu schreiben oder zu sprechen.
- Und zuletzt das wahrscheinlich einfachste, was die meisten von uns ohnehin schon gerne machen: Memes verschicken. Denn was gibt es schöneres, als zu sehen, dass die beste Freundin oder der beste Freund mal wieder etwas zu lange auf Instagram herumhing und gleich zehn Beiträge hintereinander geschickt hat? Oder die App zu öffnen, nachdem man genau diese Person selbst war und zu sehen, dass das Gegenüber auf jedes einzeln reagiert und geantwortet hat? Ein verschicktes Meme, das dazu auf den Humor und die Interessen des Empfängers abgestimmt ist, ist wie eine virtuelle Umarmung, davon bin ich überzeugt.
Mit diesen Mitteln baut man ein gutes Fundament dafür, seine Freundschaften auch auf lange Sicht stabil und vertraut zu halten. Doch gibt es auch etwas, was man auf jeden Fall vermeiden sollte? Nun, ein Aspekt, der häufig von beiden Seiten unbemerkt zu einem Auseinanderdriften führt, ist, wenn sich über große Lebensveränderungen nicht frühstmöglich gegenseitig informiert wird. Du hast eine*n neuen Partner*in? Du ziehst um oder hast einen neuen Job? Erzähl es deinen Freund*innen und warte nicht, bis ihr euch das nächste Mal in Person seht. Zum einen werden sie wissen wollen, was in deinem Leben passiert, zum anderen wird aus dem „ah, das erzähle ich lieber in Person“ allzu schnell ein „ach, hatte ich dir das noch gar nicht erzählt? Joa, das war eigentlich schon vor zwei Monaten“. Das schleicht sich schnell als Angewohnheit ein und wirkt fürs Gegenüber, als sei es nicht mehr Teil deines Lebens.
Bei allen Tipps bleibt das Wichtigste aber immer: Jede Freundschaft ist anders, jeder Mensch ist individuell. Manche müssen sich nur alle paar Monate sehen und sind dennoch jedes Mal so vertraut wie eh und je. Andere sind eher vom Typ „Goldfisch“ und brauchen stetigen, stabilen Kontakt, um sich in der Freundschaft wohlzufühlen. Sprecht am besten offen über das Thema und findet gemeinsame Wege, wie ihr euch auch mit mehr oder weniger Kilometern zwischen eine Freundschaft fürs Leben bewahrt.









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