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RV06 Inklusion? Carina Kühne im Interview

  1. Welche theoretischen Bezüge aus Ihrem bisherigen Studium passen zu den Inhalten des Videos (oder sind widersprüchlich)?
  2. Welche eigenen Praxiserfahrungen sind Ihnen zum Thema des Videos in den Sinn gekommen? Es können konträre oder vergleichbare Aspekte sein.
  3. Welche Fragen an ihre (zukünftige) Praxis ergeben sich aus dem Video? Fokussieren Sie auf sich als Lehrperson.

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Ausgewählt habe ich das Video von Carina Kühne, die über Sichtweisen von Menschen mit Beeinträchtigung (in ihrem Fall Trisomie 21) berichtet. ( https://www.youtube.com/watch?v=53jZAd_-XLo )

Ein Aspekt, den Carina erwähnt, sind die sprachlichen Kategorien, wie ‚behindert‘ oder ‚geistig behindert‘. Gerade ‚geistig behindert‘ empfindet sie als diskriminierend und damit steht sie nicht alleine. Beispielsweise beschreibt Barbara Fornefeld (Fornefeld: Grundwissen Geistigbehindertenpädagogik, 2013, Reinhardt UTB, Auflage 5, S. 59-64), dass die Bezeichnung negativ assoziiert wird, dass es eine allgemeingültige Definition nicht gibt, dass der Begriff nicht klar abgrenzbar ist oder auch dass „der Geist […] mehr [ist; J.B.]. Er ist ein Wesensmerkmal des Menschen. Nennt man einen Menschen in seinem Geist behindert, wertet man ihn zwangsläufig in seiner Person ab“ (Fornefeld, 2013).

Carina erzählt auch darüber, dass sie oft (auch in ihrer Schulzeit) auf eine Person mit Trisomie 21 reduziert wurde und unterschätzt wurde. Sie durfte beispielsweise nicht die Matheaufgaben machen, die ihre MitschülerInnen machten, da die Lehrkraft der Ansicht war, dass sie das eh nicht schafft. Auch im Studium, in meinem POE-Begleitseminar haben wir über behinderte Menschen (im Sinne von Menschen, die von der Gesellschaft behindert werden) und Unterforderung gesprochen. Gerade wenn Kinder mit Förderbedarf immer separiert werden und nur ‚ihre‘ Aufgaben machen, kann auch diesen Kindern viel entgehen.   Beispielsweise habe ich eine Unterrichtseinheit zum Thema ‚der menschliche Körper‘ geplant und der Dozent sagte, als wir bei dem Thema waren (ungefähr so was wie): „Nicht, dass die Kinder mit Förderbedarf noch mitbekommen, dass sie eine Lunge haben und auch noch wie sie funktioniert“ (natürlich absolut ironisch). Das ist mir total im Gedächtnis geblieben. Ich glaube durch das gesellschaftliche Bild sind wir verleitet Kinder mit dieser Zuschreiben zu unterschätzen. Carina sagt (zwar nicht in diesem Kontext) einen schönen Satz: „Ich darf alles, muss aber nicht alles können.“ Den würde ich in diesem Kontext noch etwas verändern. Das Kind darf alles lernen, muss aber nicht alles können. 

Fragen, die ich für mich aus diesem Interview ergeben sind beispielsweise warum Erziehungswissenschaften  und inklusive Pädagogik zwei Fächer sind (und in Bremen haben wir schon die Möglichkeit Lehramt und IP zusammen zu studieren, was sonst nur noch in Berlin der Fall ist). Wenn wir eine Vorlesung mit den Namen Umgang mit Heterogenität haben, warum ist es nicht inklusiv, obwohl sich das mit den weiten Inklusionsbegriff deckt (der sich ja nicht nur auf Behinderung bezieht). Wenn wir schon solche Unterscheidungen in der Ausbildung der Lehrkräfte machen, wie kann das denn besser werden? Wie kann ich später als einzelne Lehrkraft Strukturen ändern, wenn andere Lehrkräfte der Meinung sind, dass Kinder mit Förderbedarf nicht an die Schule gehören (natürlich mit irgendeinem Vorwand wie Ressourcen).

Eine Antwort auf „RV06 Inklusion? Carina Kühne im Interview“

Liebe Jennifer,
der Satz könnte und sollte das Motto von Inklusion sein:
„Das Kind darf alles lernen, muss aber nicht alles können“. Denn er fast im Grunde zusammen, was du zuvor an Problemlagen aufgedeckt hast im Zusammenhang mit der Inklusion, vor allem das Problem der Unterforderung. Und er drückt einen wohlwollenden und wertschätzenden Umgang mit den inklusive beschulten Kindern aus, der in manch einer Situation leider zu kurz kommt, sei es aufgrund der hohen Arbeitsbelastung oder der mangelndes Ausstattung.
Den Ansatz, das inklusive Schulsystem aus Sicht der betroffenen Kinder zu betrachten, einen Ansatz der viel zu kurz kommt und den man sehr viel intensiver Verfolgen sollte. Nur so kann man die Bedarfe der Kinder evaluieren und das Schulsystem verbessern, zumindest was die Inhalte angeht. Inklusion wird von allen Seiten ständig auf der Ressourcen-Ebene diskutiert, so dass dieser Beitrag von Carina einen wichtigen Erfahrungsbericht darstellt.
Das Beispiel der Lehreraussage bezüglich der Aufnahmefähigkeit der Inklusionskinder ist ein trauriges Beispiel, dass leider zeigt, dass es noch viel Mühe kosten wird, bis die Umsetzung der Inklusiven Beschulung allen Beteiligten gerecht wird. Aber die Mühe wird sich am Ende lohnen, weil am Ende die gemeinsame Beschulung aller Kinder steht und damit die Ausgrenzung bestimmter Menschen ein Ende hat. Einschränkend möchte ich allerdings erwähnen, dass sich das auf die Kinder beziehen sollte, die das auch möchten. Wenn es Kinder gibt, die einen geschützten Raum brauchen, dann sollte auch dieser Anspruch respektiert werden.

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