Abschlussreflexion

Aufgabe 1:

Die Ringvorlesung „Umgang mit Heterogenität in der Schule“ hat mir deutlich gemacht, dass Heterogenität nicht als Ausnahme, sondern als grundlegendes Merkmal jeder Lerngruppe in der Grundschule verstanden werden muss.

Schüler*innen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Lernvoraussetzungen, Interessen, sprachlichen Kompetenzen, kulturellen Hintergründe sowie ihrer sozialen und emotionalen Entwicklung. Der Unterricht sollte deshalb nicht auf eine vermeintlich homogene Lerngruppe ausgerichtet werden, sondern differenzierte Lernangebote schaffen. Die Schule steht somit vor der Aufgabe, den unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedürfnissen der Schüler*innen gerecht zu werden. Gleichzeitig sind viele schulische Strukturen weiterhin darauf ausgerichtet, Leistungen vergleichbar zu machen und eine gewisse Einheitlichkeit herzustellen, wie zum Beispiel durch Jahrgangsklassen und Leistungsbewertungen (vgl. Trautmann/Wischer, 2011, S.13-17). Besonders in der ersten Ringvorlesung wurde Bezug auf den Umgang mit Heterogenität in der deutschen Verfassung genommen, indem Artikel 3 (3) aussagt, dass niemand aufgrund eines Merkmals benachteiligt oder bevorzugt werden darf. Der Artikel macht deutlich, dass eine heterogene Gesellschaft besteht.

Eine zentrale Erkenntnis für mich war, dass Heterogenität nicht als Defizit betrachtet werden sollte, sondern als selbstverständlicher Bestandteil schulischer Realität und zugleich als wertvolle Ressource für Lernprozesse. Besonders die Vorlesungen zu Diversity Education, Mehrsprachigkeit sowie sprachsensibler Unterrichtsgestaltung haben dieses Verständnis geprägt. Nach Prengel (2007) verfolgt Diversity Education das Ziel, Vielfalt anzuerkennen und allen Schüler*innen unabhängig von ihren individuellen Voraussetzungen gleiche Bildungs- und Teilhabechancen zu eröffnen (vgl. Prengel, 2007, S. 49–53). Diese Perspektive hat mein Verständnis von Unterricht nachhaltig beeinflusst. Unterschiede zwischen Schüler*innen sind demnach nicht als Hindernis zu verstehen, sondern bilden vielmehr eine wichtige Grundlage für die Planung und Gestaltung eines lernförderlichen Unterrichts.

Eine weitere zentrale Erkenntnis aus der Ringvorlesung ist für mich, dass Heterogenität ein grundlegendes Merkmal schulischer Realität darstellt und mit dem Fach Religion in Verbindung gesetzt werden kann. Kinder unterscheiden sich in ihren religiösen und kulturellen Hintergründen, ihren Glaubensvorstellungen, ihren sprachlichen Fähigkeiten sowie ihren individuellen Lernerfahrungen. Hinzu kommt, dass viele Grundschulklassen aus Schüler*innen verschiedener Konfessionen, Religionen oder ohne religiöse Zugehörigkeit bestehen. Diese Vielfalt sollte im Religionsunterricht nicht als Herausforderung, sondern als Chance für gemeinsames Lernen verstanden werden. Für die Fachdidaktik des Religionsunterrichts bedeutet dies, Unterricht so zu gestalten, dass alle Kinder unabhängig von ihrer religiösen Prägung teilnehmen und ihre Perspektiven einbringen können. Offene Gesprächsphasen, kooperative Lernformen und differenzierte Aufgaben ermöglichen es den Schüler*innen, ihre eigenen Erfahrungen einzubringen und gleichzeitig andere Sichtweisen kennenzulernen. Dadurch wird der Religionsunterricht zu einem Ort des Dialogs, an dem Respekt, Toleranz und gegenseitiges Verständnis gefördert werden (vgl. Schweitzer, 2014, S.23-27).

Eine weitere wichtige Erkenntnis für mich ist die Bedeutung der Beziehungsarbeit im Umgang mit Heterogenität in der Grundschule. Besonders in vielfältigen Lerngruppen wird deutlich, dass eine wertschätzende und vertraute Beziehung zwischen Lehrkraft und Schüler*innen eine zentrale Grundlage für erfolgreiches Lernen darstellt. Jedes Kind bringt unterschiedliche Erfahrungen, Interessen, sprachliche Fähigkeiten, familiäre Hintergründe und Lernvoraussetzungen mit in den Unterricht. Deshalb ist es wichtig, die Kinder in ihrer Individualität wahrzunehmen und ihnen mit Offenheit und Anerkennung zu begegnen. Dabei geht Beziehungsarbeit über das Schaffen einer angenehmen Lernatmosphäre hinaus. Es bedeutet auch, die Bedürfnisse der einzelnen Kinder zu erkennen, sie ernst zu nehmen und sie entsprechend zu unterstützen. Eine professionelle pädagogische Beziehung zeichnet sich durch Wertschätzung, Empathie und Verlässlichkeit aus. Wenn sich Kinder sicher und wertgeschätzt fühlen, können sie sich besser auf Lernprozesse einlassen und aktiv am Unterricht teilnehmen. Gerade im Umgang mit heterogenen Lerngruppen zeigt sich daher, dass eine stabile Beziehung zwischen Lehrkraft und Schüler*in eine wichtige Voraussetzung dafür ist, allen Kindern faire Bildungs- und Teilhabechancen zu ermöglichen. Stärken und Interessen der Schüler*innen sollten gefördert werden ohne darüber zu urteilen oder die heterogene Gruppe versuchen zu homogenisieren (vgl. Hummrich, 2016, S. 47).

Aufgabe 2:

Rückblickend auf meine Praxiserfahrungen und meine eigene Schulzeit wird deutlich, dass Heterogenität nicht erst durch besondere Situationen entsteht, sondern eine grundlegende Eigenschaft jeder Lerngruppe darstellt. Schüler*innen unterscheiden sich immer in Bezug auf ihre Lernvoraussetzungen, Interessen, sprachlichen Fähigkeiten, sozialen Hintergründe und persönlichen Erfahrungen. Wie mit diesen Unterschieden umgegangen wird, beeinflusst den Schulalltag und die Lernmöglichkeiten der Kinder jedoch entscheidend.

Ein besonders prägender Faktor ist aus meiner Sicht die Gestaltung des Unterrichts. In meiner eigenen Schulzeit habe ich erlebt, dass Unterricht häufig an die durchschnittliche Lerngruppe ausgerichtet war. Schüler*innen, die schneller arbeiteten oder bereits über bestimmte Vorkenntnisse verfügten, erhielten teilweise zusätzliche Aufgaben, während Kinder mit Unterstützungsbedarf häufiger Schwierigkeiten hatten, dem Unterrichtstempo zu folgen, da keine Differenzierung der Materialien für diese Kinder erfolgte. Dadurch entstand teilweise der Eindruck, dass Unterschiede zwischen Schüler*innen vor allem als Leistungsunterschiede wahrgenommen wurden und die Heterogenität nicht anerkannt worden ist. In meinem Praktikum konnte ich ebenfalls beobachten, dass Lehrkräfte häufig versuchen, alle Schüler*innen zu einem gemeinsamen Lernziel zu führen. Die Inhalte der Vorlesung haben meinen Blick darauf verändert, da Heterogenität nicht als Problem oder Defizit betrachtet werden sollte, sondern als grundlegender Ausgangspunkt für die Gestaltung von Unterricht. Daher sollte der Unterricht an die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen der Kinder angepasst werden, was eine Differenzierung ermöglicht. Konzepte wie eine Differenzierung der Unterrichtsmaterialien und individualisiertes Lernen zeigen, das Unterricht so gestaltet werden kann, sodass unterschiedliche Lernwege und Zugänge ermöglicht werden. Dieser Punkt beschreibt ebenfalls das Spannungsverhältnis zwischen Heterogenität und Homogenität in der Grundschule.

Besonders relevant erscheint mir in diesem Zusammenhang der Ansatz der Pädagogik der Vielfalt nach Prengel. Dieser verdeutlicht, dass Verschiedenheit ein selbstverständlicher Bestandteil pädagogischer Situationen ist und nicht dazu führen sollte, einzelne Schüler*innen aufgrund ihrer Voraussetzungen zu benachteiligen. Aus dieser Perspektive bedeutet ein guter Umgang mit Heterogenität nicht, alle Schüler*innen gleich zu behandeln, sondern ihnen unterschiedliche Möglichkeiten zu geben, erfolgreich zu lernen. Gerade in der Grundschule, in der Kinder mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen und Fähigkeiten zusammenkommen, halte ich diesen Ansatz für besonders wichtig.

Bezogen auf den Religionsunterricht wurde mir außerdem bewusst, dass Heterogenität eine wichtige Rolle hinsichtlich religiöser und kultureller Vielfalt spielt. In der Grundschule treffen Kinder mit unterschiedlichen Glaubensvorstellungen, Traditionen und Erfahrungen aufeinander. Ein gelungener Religionsunterricht sollte diese Unterschiede nicht ausblenden, sondern als Möglichkeit für einen Austausch und das gemeinsames Lernen nutzen. Durch Gesprächsphasen, kooperative Lernformen und offene Aufgabenstellungen können Kinder lernen, andere Perspektiven wahrzunehmen und respektvoll miteinander umzugehen.

Besonders wichtig war für mich die Erkenntnis, dass Unterschiede zwischen Schüler*innen nicht versucht werden müssen zu homogenisieren, sondern eine Grundlage für pädagogisches Handeln darstellen.

Für meine zukünftige Rolle als Lehrkraft nehme ich daraus mit, dass ein gerechter Umgang mit Heterogenität bedeutet, jedes Kind individuell wahrzunehmen, passende Lernmöglichkeiten zu schaffen und eine Unterrichtskultur zu gestalten, in der Vielfalt als Normalität verstanden wird.

Aufgabe 3:

Besonders in Bezug auf die Corona-Pandemie hätte ich gerne erfahren, welche Herausforderungen sich für Lehrkräfte im Umgang mit heterogenen Lerngruppen während des Distanzunterrichts ergeben haben, sei es in Bezug auf die sprachlichen Kompetenzen aber auch in Bezug auf den Besitz eines Tablets. Außerdem würde ich gerne wissen, welche Chancen und Grenzen der Distanzunterricht für die individuelle Förderung von Grundschulkindern dargestellt hat, weil Kinder mit Förderbedarf diesem eventuell nicht nachgehen konnten.

Im weiteren Verlauf meines Studiums würde ich mich gerne intensiver damit beschäftigen, wie Lehrkräfte mit sprachlicher Heterogenität im Unterricht umgehen und welche konkreten Methoden sie dabei einsetzen können. Besonders interessiert mich, wie ein sprachsensibler Unterricht in der Praxis gestaltet werden kann und welche Materialien, Strategien und Unterstützungsmaßnahmen Lehrkräften zur Verfügung stehen. Dieses Thema halte ich für besonders relevant, da sprachliche Fähigkeiten eine grundlegende Voraussetzung für erfolgreiches Lernen in allen Unterrichtsfächern darstellen. Außerdem sehe ich es als wichtig an, damit DaZ-Kinder nicht zur Förderung aus dem Unterricht genommen werden, sondern gemeinsames Lernen stattfinden kann, sodass die Lehrkraft die Materialien differenziert. Um allen Kindern unabhängig von ihren sprachlichen Voraussetzungen eine aktive Teilnahme am Unterricht zu ermöglichen, ist es wichtig, Sprache nicht nur im Deutschunterricht, sondern in allen Fächern bewusst zu berücksichtigen und den Unterricht an die heterogene Lerngruppe anzupassen.

 

 

Literatur

Hummrich, M. (2016): Homogenisierung und Heterogenität. Die erziehungswissenschaftliche Bedeutung eines Spannungsverhältnisses, S.47. In Tertium comparationis 22 (2016) 1, S. 39-58

Prengel, Annedore (2007): Diversity Education – Grundlagen und Probleme der Pädagogik der Vielfalt. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Schweitzer, Friedrich (2014): Interreligiöse Bildung. Religionspädagogische Perspektiven. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus. S. 23-27

Trautmann, Matthias & Wischer, Beate (2011): Heterogenität in der Schule. Eine kritische Einführung. Wiesbaden: VS Verlag. S.13-17

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