Abschlussreflexion

11. August 2026

Abschlussreflexion

1) Die Ringvorlesung „Umgang mit Heterogenität in der Grundschule“ hat mein
Verständnis von Heterogenität nachhaltig geprägt und vor allem erweitert. Ich sehe
Heterogenität nicht mehr als Ausnahme- oder Einzelfall, sondern als etwas, das ein
grundlegendes Merkmal jeder Schulklasse ist. Schüler*innen unterscheiden sich in
vielerlei Hinsicht, seien es sprachliche-, kulturelle-, soziale- oder kognitive
Voraussetzungen. Auch ihr Interesse, Erfahrungen und Arten zu Lernen sind
verschieden. Dies hat mir noch einmal mehr eröffnet, weshalb Unterricht nicht auf eine
homogene Lerngruppe ausgerichtet werden sollte, sondern viel mehr auf die
individuellen Voraussetzungen und Bedürfnisse der Schüler*innen eingegangen
werden muss, um eine Chancengleichheit generieren zu können.
Eine zentrale Erkenntnis war für mich, der Zusammenhang zwischen Vorwissen,
Motivation und dem Lernerfolg. Die Studie von Schneider, Körkel und Weinert aus dem
Jahr 1989 zeigt, dass Vorwissen einen höheren Einfluss auf den Lernerfolg hat als die
allgemeine Intelligenz eines Kindes. Dies zeigt, dass schulischer Erfolg nicht allein von
der Begabung eines Kindes abhängt, sondern viel mehr von ihrem (nicht-) vorhandenen
Vorwissen, welches dafür verantwortlich ist, wie gut neuer Input aufgenommen und
verarbeitet werden kann (vgl. Schneider et al. 1989, S. 306ff.). Dies bestärkt den Fakt,
dass besondere Rücksicht auf die individuellen Voraussetzungen der Schüler*innen
genommen werden muss, damit alle vom Unterricht profitieren können. Das wiederum
zeigt die Bedeutung von heterogenem Unterricht.
Außerdem finde ich es wichtig, Heterogenität nicht als Defizit zu verstehen, sondern als
Normalität und Bereicherung. Eng damit verbunden ist das Konzept der Diversity
Education nach Prengel aus dem Jahr 2007. Das Konzept verfolgt das Ziel, Vielfalt
anzuerkennen und unabhängig von ihren individuellen Voraussetzungen die gleichen
Bildungschancen zu bieten. Unterschiede zwischen den Schüler*innen stellen dabei
eine wertvolle Ressource für das gemeinsame Lernen (vgl. Prengel 2007, S.49ff.). In
der Vorlesung zu diesem Thema wurde deutlich, Schule muss das Ziel haben,
Lernumgebungen zu ermöglichen, in denen unterschiedliche Perspektiven sichtbar und
wertgeschätzt werden.
Diese Aspekte lassen sich gut auf den Sachunterricht übertragen. Dieser ist von
Heterogenität geprägt, da er direkt an die unterschiedlichen Erfahrungen, Interessen und
Vorkenntnisse von Kindern und ihren Lebenswelten anknüpft. Sachunterricht verfolgt
das Prinzip der Vielperspektivität, dabei werden gesellschaftliche,
naturwissenschaftliche, technische und historische Fragestellungen aus
unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet, sodass Kinder ihre individuellen
Erfahrungen direkt in den Lernprozess einbringen können. Da Kinder aber
unterschiedliche Lebenswelten haben und die Welt unterschiedlich wahrnehmen ist es
wichtig, den Unterricht offen zu gestalten, damit jedes Kind dessen individuelle Stärken
einbringen kann, aktiv und selbstforschend gelernt werden kann und die Kinder von
ihren unterschiedlichen Erfahrungen profitieren können.
Auch die Beziehungsarbeit spielt beim Lernerfolg eine wichtige Rolle. Kinder lernen
erfolgreicher, wenn sie sich wertgeschätzt und ernst genommen fühlen. Kinder müssen
sich trauen, Fehler machen zu dürfen und darauffolgend neue Lernwege auszuprobieren
und anzunehmen. Die Ringvorlesung hat gezeigt, dass gerade in heterogenen
Lerngruppen, professionelle Beziehungsarbeit bedeutet, dass die Individualität eines
jeden Kindes wahrgenommen, dessen Stärken gefördert und die unterschiedlichen
Voraussetzungen objektiv betrachtet und als Ausgangspunkt für das weitere Lernen
gesehen werden. Dies bildet die Grundlage eines inklusiven und heterogenen
Unterrichts, indem alle Kinder die gleichen Bildungschancen haben.

2) Wenn ich an meine eigene Schulzeit und meine bisherigen Praxiserfahrungen
zurückdenke, habe ich den Eindruck, dass der Umgang mit Heterogenität von Schule zu
Schule unterschiedlich war. Teilweise hatte ich den Eindruck, die Unterrichtsgestaltung
orientiere sich am Mittelmaß bzw. dem Klassendurchschnitt. Für alle gab es dieselben
Aufgaben, die in der selben Zeit zu erledigen waren. Wer früher fertig wurde, durfte
sich an Zusatzaufgaben ausprobieren, während Kinder, die mehr Unterstützungsbedarf
hatten und dementsprechend länger brauchten, die Aufgaben als zusätzliche
Hausaufgabe beenden mussten. Kontrolliert wurde darauffolgend nur, ob die Aufgaben
vollständig erledigt wurden, nicht aber wurde auf die Schwierigkeiten der Kinder
eingegangen oder sichergestellt, dass die Thematik verstanden wurde. Somit hatten
nicht alle Schüler*innen die Chance gleichermaßen am Unterricht teilzuhaben und
Differenzen wurden schnell als Leistungsunterschiede wahrgenommen. An einer
anderen Schule wiederum, hatte jedes Kind seine individuellen Lernziele für jedes Fach
und es wurde durch häufigen Austausch zwischen Schüler*in und Lehrperson
sichergestellt, dass diese erreicht werden. Der Unterricht wurde also an die individuellen
Voraussetzungen der Kinder angepasst, sodass versucht wurde, allen Schüler*innen
gerecht werden zu können und diese in ihrer Entwicklung entsprechend begleiten zu
können. Dies führt auch auf die Pädagogik der Vielfalt nach Prengel (2007) zurück,
Kinder sollen nicht aufgrund ihrer unterschiedlichen Voraussetzungen benachteiligt
werden, Heterogenität zielt darauf ab, dass Kindern unterschiedliche Möglichkeiten
geboten werden können, erfolgreich lernen zu können. Insbesondere in der Grundschule
ist dies sehr wichtig, da Kinder mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen, Interessen und
Fähigkeiten gemeinsam lernen. Somit stellt dieser Ansatz eine wichtige Grundlage für
Chancengleichheit im Unterricht.

3) Die Ringvorlesung hat mein Verständnis von Heterogenität im Unterricht deutlich
erweitert und gezeigt, dass guter Unterricht nur existieren kann, wenn die
unterschiedlichen Voraussetzungen und Lebenswelten aller Kinder berücksichtigt,
sprachliche Unterstützung und passende Lernangebote eine chancengleiche Teilhabe
aller Kinder am Unterricht ermöglichen.
In meinem weiteren Studium würde ich gerne mehr über den Umgang mit
Mehrsprachigkeit im Unterricht lernen. Sprachsensibler Unterricht wurde in der
Ringvorlesung zwar thematisiert, jedoch hätte ich mir noch gewünscht, wie die
unterschiedlichen Erstsprachen der Kinder konkret in den Unterricht eingebunden
werden können, ohne dabei zu vernachlässigen, die deutsche Sprache zu lernen.
Darüber hinaus interessiert mich, wie unterstützte Kommunikation erfolgreich in den
Unterricht integriert werden kann. Welche Methoden können Lehrkräfte nutzen, um
Kommunikationshilfen in den Unterricht einzubinden und dadurch die aktive Teilhabe
aller Schüler*innen, unabhängig von ihren sprachlichen oder kommunikativen
Voraussetzungen zu unterstützen (vgl. Braun, 2018, S.15ff.)? Auch dies ist für den
heterogenen Unterricht von großer Bedeutung.

Literatur:
Braun, U. (2018). Unterstützte Kommunikation. München: Ernst Reinhardt Verlag
Prengel, A. (2007). Diversity Education- Grundlagen und Probleme der Pädagogik der
Vielfalt. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Schneider, W.; Körkel, J.; Weinert, F. (1989): Domain- specific knowledge and memory
performance: A comparison of high- and low- aptitude children. In: Journal of
Educational Psychology, 81 (3)

Abschlussreflexion

5. August 2026

1) Der für mich zentralste Vorlesungsinhalt ist der, der sich mit der Relevanz von Intelligenz und Vorwissen befasst. Da einem immer eingetrichtert wird, dass die Intelligenz der Maßstab aller Dinge sei, war es schön sich einmal genauer mit dem Thema und der Rolle von Intelligenz und Vorwissen im Hinblick auf den schulischen Lernerfolg zu beschäftigen und vorhandene Fehlvorstellungen zu korrigieren. Beschrieben wird die Intelligenz in der Vorlesung als Problemlösefähigkeit, während das Vorwissen als das bereits vorhandene Wissen bezeichnet wird, an welches angeknüpft werden kann. Untersucht wurde der Einfluss der Intelligenz auf den Lernerfolg u.a. in der Studie von Deary et. al. (2007), bei der sich ein Zusammenhang zwischen der Intelligenz und dem späteren schulischen Erfolg bemerkbar machte (vgl. Deary et. al., 2007). Der Einfluss des (Vor-)Wissens hingegen wurde u.a. in der Studie von Schneider et. al. (1989) untersucht. Hierbei zeigte sich, dass SuS mit Vorwissen zum Thema Fußball eine ihnen zuvor vorgelesene Fußballgeschichte besser nacherzählen konnten, als SuS ohne Vorwissen, auch wenn letztere intelligenter waren (vgl. Schneider et. al., 1989). Daraus ergibt sich also, dass der Lernerfolg von Schüler*innen nicht nur von ihrer Intelligenz abhängt, sondern auch vom beeinflussbaren Vorwissen, welches man im Schulalltag aufbauen kann, um den Gewinn von zukünftigem Wissen zu vereinfachen. Meine Schulpraktika haben mir aber auch gezeigt, dass sich die Heterogenität der Schüler*innen auch auf ihr Vorwissen bezieht und sie alle mit unterschiedlichem Wissen und unterschiedlichen Erfahrungen in die Schule kommen. Dadurch fällt ihnen der Schulstoff auch unterschiedlich schwer, weshalb es umso wichtiger ist, an ihr Vorwissen anzuknüpfen und zu differenzieren. Betrachten wir z. B. das Fach Kunst, so spielt das Vorwissen, welches die Kinder z. B. im Hinblick auf das Mischen von Farben oder bestimmten Techniken mitbringen, eine deutlich wichtigere Rolle als ihre Intelligenz.

Ein weiterer für mich sehr interessante Vorlesung ist die zur Mehrsprachigkeit. Da Mehrsprachigkeit immer wieder als Problem statt als Chance angesehen wird, freue ich mich immer, wenn wir uns mit dieser beschäftigen und Vorurteile abbauen. Ein Prinzip. welches das Potenzial von Mehrsprachigkeit beschreibt, ist das Prinzip des “Translanguaging” (Garcia et al., 2015, S.25). Dies bedeutet so viel wie die gleichzeitige und flexible Nutzen mehrerer beherrschter Sprachen, um zu lernen und zu kommunizieren (vgl. Garcia, 2009c, 2014b, zitiert nach Garcia et al., 2015, S.25). Statt den Kindern die Nutzung ihrer Erstsprache zu verbieten sollte vielleicht eher versucht werden diese gezielt hin und wieder als Unterstützung mit einzubauen, um ihnen den Übergang von ihrer Erstsprache zum Deutschen zu vereinfachen und ihnen auch gleichzeitig das Gefühl zu vermitteln, dass das beherrschen mehrerer Sprachen keine Schwachstelle, sondern etwas positives ist. 

Literatur

Deary, I. J., Strand, S., Smith, P., & Fernandes, C. (2007). Intelligence and educational achievement. Intelligence, 35(1), 13–21. Leutner, D. (1992). Adaptive Lehrsysteme. Instruktionspsychologische Grundlagen und experimentelle Analysen. Weinheim: Beltz. 

Garcia, O. & Wei, L. (2015).Translanguaging: Language, Bilingualism and Education Palgrave Language & Linguistics Collection Education (R0) . Springer. 

Schneider, W., Körkel, J., & Weinert, F. E. (1989). Domain-specific knowledge and memory performance: A comparison of high- and low-aptitude children. Journal of Educational Psychology, 81, 306–312

2) Ein für den Schulalltag sehr wichtiger Faktor zum Umgang mit Heterogenität ist der Punkt “Gemeinsame Lerngegenstände, differenzierte Wege zum Lernen“ (vgl. Seitz 2015 u. 2020, zitiert nach RV 12, Folie 7). Ich habe sowohl als Schülerin als auch als Praktikantin immer wieder gemerkt, dass es wirklich unterschiedliche Lerntypen gibt und dass eine Differenzierung bzw. mehrere Bearbeitungsmöglichkeiten trotz des Selben Lerngegenstandes durchaus sinnvoll sein kann und keineswegs was schlechtes sein muss. Die Schüler*innen sind alle so verschieden und die Erwartung, dass sie alle gleich arbeiten müssen, ist irrational. Während meiner Schulzeit hätte ich mir solch eine Differenzierung bzw. mehr Möglichkeiten gewünscht. Differenzieren muss nicht viel aufwändiger sein. Als ich mein Orientierungspraktikum in einer ersten Klasse gemacht habe, lernten die Kinder die Zahlen bis zehn kennen und die Lehrkraft bot verschiedene Möglichkeiten der Aneignung dieses Zahlenwissens an. Vom Schreiben der Zahlen, über das Kneten dieser bis hin zum Zuordnen von Bildkarten war alles dabei und jede/r konnte sich aussuchen, mit welchem Material er/sie arbeiten möchte. Am Ende kommt es nicht darauf an, dass alle Schüler*innen gleich lernen, sondern darauf, dass das, was sie lernen, gleich ist. Die Vorlesung hat mir nochmal das Vertrauen gegeben, dass diese Denkweise keineswegs falsch ist. Während der asynchronen Sitzung zur inklusiven Pädagogik befasste ich mich mit dem Interview mit Prof. Dr. Simone Seitz, bei dem sie drei Punkte/ mögliche „Unterrichtsprinzipien für den inklusiven Unterricht“ nennt, die berücksichtigt werden müssen: Die Anerkennung der Personalität und Individualität, die Anerkennung der Sozialität und die Anerkennung der Komplexität (vgl. Seitz, 2021). Guter Unterricht orientiert sich also am Individuum, der Gruppe und dem Kontext.

3) In der Vorlesung zur Intelligenz und zum Vorwissen wurde u.a. folgendes Zitat zu der Fragestellung, ob denn Intelligenz oder Vorwissen relevanter für den schulischen Lernerfolg ist präsentiert: “Wenn ich die gesamte Pädagogische Psychologie auf nur ein einziges Prinzip zu reduzieren hätte, würde ich folgendes sagen: der wichtigste Einzelfaktor, der das Lernen beeinflusst, ist das, was der Lernende bereits weiß. Ermittle dies und unterrichte ihn entsprechend.” (Ausubel, 1968, zitiert nach RV 7, Folie 36). Es war zwar durchaus spannend überhaupt die hohe Wertigkeit des Vorwissens zu benennen, allerdings hätte ich mir gleichzeitig auch gewünscht, dass die Vorlesung sich auch etwas mehr damit befasst, wie das Vorwissen der Schüler*innen konkret ermittelt und wie dann an das unterschiedliche Vorwissen von solch heterogenen Kindern angeknüpft werden kann, um allen Kindern möglichst dieselben Chancen bieten zu können. 

Gewünscht hätte ich mir zusätzlich auch, dass wir uns mehr mit dem Thema “Lernen miteinander” befassen. Im Interview mit Prof. Dr. Simone Seitz erklärt diese, dass das Lernen miteinander mehr im Vordergrund stehen sollte, da die zentrale Ressource des Lernens sich aus dem umstand ergibt, dass unterschiedliche Lerner in einem gemeinsamen Raum sind und ein kollektiv bilden (vgl. Seitz, 2021). Entsprechend würde ich gerne Methoden und Praxisbeispiele kennenlernen, mit denen ein gemeinsames Lernen als Kollektiv gelingt.

 

Literatur

Deary, I. J., Strand, S., Smith, P., & Fernandes, C. (2007). Intelligence and educational achievement. Intelligence, 35(1), 13–21. Leutner, D. (1992). Adaptive Lehrsysteme. Instruktionspsychologische Grundlagen und experimentelle Analysen. Weinheim: Beltz. 

Garcia, O. & Wei, L. (2015).Translanguaging: Language, Bilingualism and Education Palgrave Language & Linguistics Collection Education (R0) . Springer.

Prof. Dr. Simone Seitz (2021):  Unterrichtsprinzipien für den inklusiven Unterricht. In: <span;>path2in – Lernpfade in die inklusive Pädagogik. URL: <span;>https://m.youtube.com/watch?v=sJEtILsWQ8Y&list=PLIk2wKjM9yd08tOdoGRJk6Srxx72BCW1m&index=37&pp=iAQB

Schneider, W., Körkel, J., & Weinert, F. E. (1989). Domain-specific knowledge and memory performance: A comparison of high- and low-aptitude children. Journal of Educational Psychology, 81, 306–312

Abschlussreflexion

30. Juli 2026

Aufgabe 1:

Die Ringvorlesung „Umgang mit Heterogenität in der Schule“ hat mir deutlich gemacht, dass Heterogenität nicht als Ausnahme, sondern als grundlegendes Merkmal jeder Lerngruppe in der Grundschule verstanden werden muss.

Schüler*innen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Lernvoraussetzungen, Interessen, sprachlichen Kompetenzen, kulturellen Hintergründe sowie ihrer sozialen und emotionalen Entwicklung. Der Unterricht sollte deshalb nicht auf eine vermeintlich homogene Lerngruppe ausgerichtet werden, sondern differenzierte Lernangebote schaffen. Die Schule steht somit vor der Aufgabe, den unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedürfnissen der Schüler*innen gerecht zu werden. Gleichzeitig sind viele schulische Strukturen weiterhin darauf ausgerichtet, Leistungen vergleichbar zu machen und eine gewisse Einheitlichkeit herzustellen, wie zum Beispiel durch Jahrgangsklassen und Leistungsbewertungen (vgl. Trautmann/Wischer, 2011, S.13-17). Besonders in der ersten Ringvorlesung wurde Bezug auf den Umgang mit Heterogenität in der deutschen Verfassung genommen, indem Artikel 3 (3) aussagt, dass niemand aufgrund eines Merkmals benachteiligt oder bevorzugt werden darf. Der Artikel macht deutlich, dass eine heterogene Gesellschaft besteht.

Eine zentrale Erkenntnis für mich war, dass Heterogenität nicht als Defizit betrachtet werden sollte, sondern als selbstverständlicher Bestandteil schulischer Realität und zugleich als wertvolle Ressource für Lernprozesse. Besonders die Vorlesungen zu Diversity Education, Mehrsprachigkeit sowie sprachsensibler Unterrichtsgestaltung haben dieses Verständnis geprägt. Nach Prengel (2007) verfolgt Diversity Education das Ziel, Vielfalt anzuerkennen und allen Schüler*innen unabhängig von ihren individuellen Voraussetzungen gleiche Bildungs- und Teilhabechancen zu eröffnen (vgl. Prengel, 2007, S. 49–53). Diese Perspektive hat mein Verständnis von Unterricht nachhaltig beeinflusst. Unterschiede zwischen Schüler*innen sind demnach nicht als Hindernis zu verstehen, sondern bilden vielmehr eine wichtige Grundlage für die Planung und Gestaltung eines lernförderlichen Unterrichts.

Eine weitere zentrale Erkenntnis aus der Ringvorlesung ist für mich, dass Heterogenität ein grundlegendes Merkmal schulischer Realität darstellt und mit dem Fach Religion in Verbindung gesetzt werden kann. Kinder unterscheiden sich in ihren religiösen und kulturellen Hintergründen, ihren Glaubensvorstellungen, ihren sprachlichen Fähigkeiten sowie ihren individuellen Lernerfahrungen. Hinzu kommt, dass viele Grundschulklassen aus Schüler*innen verschiedener Konfessionen, Religionen oder ohne religiöse Zugehörigkeit bestehen. Diese Vielfalt sollte im Religionsunterricht nicht als Herausforderung, sondern als Chance für gemeinsames Lernen verstanden werden. Für die Fachdidaktik des Religionsunterrichts bedeutet dies, Unterricht so zu gestalten, dass alle Kinder unabhängig von ihrer religiösen Prägung teilnehmen und ihre Perspektiven einbringen können. Offene Gesprächsphasen, kooperative Lernformen und differenzierte Aufgaben ermöglichen es den Schüler*innen, ihre eigenen Erfahrungen einzubringen und gleichzeitig andere Sichtweisen kennenzulernen. Dadurch wird der Religionsunterricht zu einem Ort des Dialogs, an dem Respekt, Toleranz und gegenseitiges Verständnis gefördert werden (vgl. Schweitzer, 2014, S.23-27).

Eine weitere wichtige Erkenntnis für mich ist die Bedeutung der Beziehungsarbeit im Umgang mit Heterogenität in der Grundschule. Besonders in vielfältigen Lerngruppen wird deutlich, dass eine wertschätzende und vertraute Beziehung zwischen Lehrkraft und Schüler*innen eine zentrale Grundlage für erfolgreiches Lernen darstellt. Jedes Kind bringt unterschiedliche Erfahrungen, Interessen, sprachliche Fähigkeiten, familiäre Hintergründe und Lernvoraussetzungen mit in den Unterricht. Deshalb ist es wichtig, die Kinder in ihrer Individualität wahrzunehmen und ihnen mit Offenheit und Anerkennung zu begegnen. Dabei geht Beziehungsarbeit über das Schaffen einer angenehmen Lernatmosphäre hinaus. Es bedeutet auch, die Bedürfnisse der einzelnen Kinder zu erkennen, sie ernst zu nehmen und sie entsprechend zu unterstützen. Eine professionelle pädagogische Beziehung zeichnet sich durch Wertschätzung, Empathie und Verlässlichkeit aus. Wenn sich Kinder sicher und wertgeschätzt fühlen, können sie sich besser auf Lernprozesse einlassen und aktiv am Unterricht teilnehmen. Gerade im Umgang mit heterogenen Lerngruppen zeigt sich daher, dass eine stabile Beziehung zwischen Lehrkraft und Schüler*in eine wichtige Voraussetzung dafür ist, allen Kindern faire Bildungs- und Teilhabechancen zu ermöglichen. Stärken und Interessen der Schüler*innen sollten gefördert werden ohne darüber zu urteilen oder die heterogene Gruppe versuchen zu homogenisieren (vgl. Hummrich, 2016, S. 47).

Aufgabe 2:

Rückblickend auf meine Praxiserfahrungen und meine eigene Schulzeit wird deutlich, dass Heterogenität nicht erst durch besondere Situationen entsteht, sondern eine grundlegende Eigenschaft jeder Lerngruppe darstellt. Schüler*innen unterscheiden sich immer in Bezug auf ihre Lernvoraussetzungen, Interessen, sprachlichen Fähigkeiten, sozialen Hintergründe und persönlichen Erfahrungen. Wie mit diesen Unterschieden umgegangen wird, beeinflusst den Schulalltag und die Lernmöglichkeiten der Kinder jedoch entscheidend.

Ein besonders prägender Faktor ist aus meiner Sicht die Gestaltung des Unterrichts. In meiner eigenen Schulzeit habe ich erlebt, dass Unterricht häufig an die durchschnittliche Lerngruppe ausgerichtet war. Schüler*innen, die schneller arbeiteten oder bereits über bestimmte Vorkenntnisse verfügten, erhielten teilweise zusätzliche Aufgaben, während Kinder mit Unterstützungsbedarf häufiger Schwierigkeiten hatten, dem Unterrichtstempo zu folgen, da keine Differenzierung der Materialien für diese Kinder erfolgte. Dadurch entstand teilweise der Eindruck, dass Unterschiede zwischen Schüler*innen vor allem als Leistungsunterschiede wahrgenommen wurden und die Heterogenität nicht anerkannt worden ist. In meinem Praktikum konnte ich ebenfalls beobachten, dass Lehrkräfte häufig versuchen, alle Schüler*innen zu einem gemeinsamen Lernziel zu führen. Die Inhalte der Vorlesung haben meinen Blick darauf verändert, da Heterogenität nicht als Problem oder Defizit betrachtet werden sollte, sondern als grundlegender Ausgangspunkt für die Gestaltung von Unterricht. Daher sollte der Unterricht an die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen der Kinder angepasst werden, was eine Differenzierung ermöglicht. Konzepte wie eine Differenzierung der Unterrichtsmaterialien und individualisiertes Lernen zeigen, das Unterricht so gestaltet werden kann, sodass unterschiedliche Lernwege und Zugänge ermöglicht werden. Dieser Punkt beschreibt ebenfalls das Spannungsverhältnis zwischen Heterogenität und Homogenität in der Grundschule.

Besonders relevant erscheint mir in diesem Zusammenhang der Ansatz der Pädagogik der Vielfalt nach Prengel. Dieser verdeutlicht, dass Verschiedenheit ein selbstverständlicher Bestandteil pädagogischer Situationen ist und nicht dazu führen sollte, einzelne Schüler*innen aufgrund ihrer Voraussetzungen zu benachteiligen. Aus dieser Perspektive bedeutet ein guter Umgang mit Heterogenität nicht, alle Schüler*innen gleich zu behandeln, sondern ihnen unterschiedliche Möglichkeiten zu geben, erfolgreich zu lernen. Gerade in der Grundschule, in der Kinder mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen und Fähigkeiten zusammenkommen, halte ich diesen Ansatz für besonders wichtig.

Bezogen auf den Religionsunterricht wurde mir außerdem bewusst, dass Heterogenität eine wichtige Rolle hinsichtlich religiöser und kultureller Vielfalt spielt. In der Grundschule treffen Kinder mit unterschiedlichen Glaubensvorstellungen, Traditionen und Erfahrungen aufeinander. Ein gelungener Religionsunterricht sollte diese Unterschiede nicht ausblenden, sondern als Möglichkeit für einen Austausch und das gemeinsames Lernen nutzen. Durch Gesprächsphasen, kooperative Lernformen und offene Aufgabenstellungen können Kinder lernen, andere Perspektiven wahrzunehmen und respektvoll miteinander umzugehen.

Besonders wichtig war für mich die Erkenntnis, dass Unterschiede zwischen Schüler*innen nicht versucht werden müssen zu homogenisieren, sondern eine Grundlage für pädagogisches Handeln darstellen.

Für meine zukünftige Rolle als Lehrkraft nehme ich daraus mit, dass ein gerechter Umgang mit Heterogenität bedeutet, jedes Kind individuell wahrzunehmen, passende Lernmöglichkeiten zu schaffen und eine Unterrichtskultur zu gestalten, in der Vielfalt als Normalität verstanden wird.

Aufgabe 3:

Besonders in Bezug auf die Corona-Pandemie hätte ich gerne erfahren, welche Herausforderungen sich für Lehrkräfte im Umgang mit heterogenen Lerngruppen während des Distanzunterrichts ergeben haben, sei es in Bezug auf die sprachlichen Kompetenzen aber auch in Bezug auf den Besitz eines Tablets. Außerdem würde ich gerne wissen, welche Chancen und Grenzen der Distanzunterricht für die individuelle Förderung von Grundschulkindern dargestellt hat, weil Kinder mit Förderbedarf diesem eventuell nicht nachgehen konnten.

Im weiteren Verlauf meines Studiums würde ich mich gerne intensiver damit beschäftigen, wie Lehrkräfte mit sprachlicher Heterogenität im Unterricht umgehen und welche konkreten Methoden sie dabei einsetzen können. Besonders interessiert mich, wie ein sprachsensibler Unterricht in der Praxis gestaltet werden kann und welche Materialien, Strategien und Unterstützungsmaßnahmen Lehrkräften zur Verfügung stehen. Dieses Thema halte ich für besonders relevant, da sprachliche Fähigkeiten eine grundlegende Voraussetzung für erfolgreiches Lernen in allen Unterrichtsfächern darstellen. Außerdem sehe ich es als wichtig an, damit DaZ-Kinder nicht zur Förderung aus dem Unterricht genommen werden, sondern gemeinsames Lernen stattfinden kann, sodass die Lehrkraft die Materialien differenziert. Um allen Kindern unabhängig von ihren sprachlichen Voraussetzungen eine aktive Teilnahme am Unterricht zu ermöglichen, ist es wichtig, Sprache nicht nur im Deutschunterricht, sondern in allen Fächern bewusst zu berücksichtigen und den Unterricht an die heterogene Lerngruppe anzupassen.

 

 

Literatur

Hummrich, M. (2016): Homogenisierung und Heterogenität. Die erziehungswissenschaftliche Bedeutung eines Spannungsverhältnisses, S.47. In Tertium comparationis 22 (2016) 1, S. 39-58

Prengel, Annedore (2007): Diversity Education – Grundlagen und Probleme der Pädagogik der Vielfalt. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Schweitzer, Friedrich (2014): Interreligiöse Bildung. Religionspädagogische Perspektiven. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus. S. 23-27

Trautmann, Matthias & Wischer, Beate (2011): Heterogenität in der Schule. Eine kritische Einführung. Wiesbaden: VS Verlag. S.13-17

Reflexion zum Umgang mit Heterogenität in der Schule

23. Juli 2026

Aufgabe 1: Zentrale Erkenntnisse aus der Ringvorlesung

Die Ringvorlesung „Umgang mit Heterogenität in der Schule“ hat mir deutlich gemacht, dass Heterogenität ein grundlegendes Merkmal jeder Schulklasse ist. Schülerinnen und Schüler unterscheiden sich hinsichtlich ihrer sprachlichen Voraussetzungen, ihrer kulturellen Herkunft, ihrer Interessen, ihrer Leistungsfähigkeit oder ihrer individuellen Lernvoraussetzungen. Diese Unterschiede sollten jedoch nicht als Problem verstanden werden, sondern als Normalität schulischer Bildung. Schule hat die Aufgabe, allen Kindern unabhängig von ihren Voraussetzungen gleiche Bildungs- und Teilhabechancen zu ermöglichen. Eine der wichtigsten Erkenntnisse für mich war, dass Schule in einem dauerhaften Spannungsverhältnis zwischen Heterogenität und Homogenisierung steht. Obwohl Schülerinnen und Schüler mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen, Erfahrungen und Fähigkeiten in die Schule kommen, ist das Bildungssystem darauf ausgerichtet, durch Jahrgangsklassen, Leistungsbewertungen und schulische Strukturen Vergleichbarkeit herzustellen. Gleichzeitig bleibt die Vielfalt der Lernenden bestehen und muss im Unterricht berücksichtigt werden. Daraus ergibt sich für Lehrkräfte die Herausforderung, einerseits individuelle Förderung zu ermöglichen und andererseits den schulischen Anforderungen an Leistung und Bewertung gerecht zu werden. Die Ringvorlesung hat verdeutlicht, dass Lehrkräfte ihre Vorstellungen von Normalität und Leistung regelmäßig reflektieren sollten, um allen Schülerinnen und Schülern gleiche Bildungs- und Teilhabechancen zu eröffnen. Dieses Spannungsverhältnis zwischen Homogenisierung und Heterogenität prägt den schulischen Alltag maßgeblich (vgl. Hummrich, 2016, S. 41).

Ein weiterer zentraler Themenbereich war der Umgang mit sprachlicher und soziokultureller Heterogenität. Besonders interessant fand ich die Erkenntnis, dass Mehrsprachigkeit nicht als Defizit, sondern als Ressource betrachtet werden sollte. Viele Kinder wachsen heute mehrsprachig auf und bringen dadurch unterschiedliche sprachliche Erfahrungen mit in die Schule. Diese Vielfalt kann den Unterricht bereichern, wenn sie bewusst einbezogen wird. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Sprache eine entscheidende Voraussetzung für erfolgreiches Lernen in allen Unterrichtsfächern ist. Deshalb reicht Sprachförderung nicht allein im Deutschunterricht aus. Auch im Mathematik-, Sach- oder Naturwissenschaftsunterricht müssen Lehrkräfte sprachliche Unterstützung anbieten und Fachsprache verständlich vermitteln. Darüber hinaus wurde die intersektionale Perspektive vorgestellt. Sie verdeutlicht, dass soziale Kategorien wie Herkunft, Sprache, Geschlecht oder soziale Lage nicht getrennt voneinander betrachtet werden können, sondern sich gegenseitig beeinflussen und Bildungs- sowie Teilhabechancen mitbestimmen. Lehrkräfte sollten deshalb jedes Kind individuell wahrnehmen und vorschnelle Zuschreibungen vermeiden (vgl. Walgenbach, 2016, S. 211-212). Ein weiterer Themenbereich, der mich besonders beschäftigt hat, war der Umgang mit Geschlecht im schulischen Alltag. In der Vorlesung wurde deutlich, dass Geschlecht nicht ausschließlich biologisch bestimmt ist, sondern in sozialen Interaktionen und durch gesellschaftliche Erwartungen immer wieder hergestellt wird (vgl. Faulstich-Wieland, 2005, S. 7–8). Gleichzeitig wurde betont, dass Lehrkräfte Geschlecht nicht unnötig in den Vordergrund stellen sollten. Stattdessen sollten sie Kinder in erster Linie als individuelle Persönlichkeiten wahrnehmen und stereotype Zuschreibungen vermeiden. Dieser Ansatz der Entdramatisierung von Geschlecht soll dazu beitragen, Chancengleichheit im schulischen Alltag zu fördern (vgl. Faulstich-Wieland, 2005, S. 1–2). Gleichzeitig wurde anhand von Beispielen aus der Grundschule gezeigt, wie früh Kinder bereits Vorstellungen von Weiblichkeit und Männlichkeit entwickeln und welche Bedeutung dabei Vorbildern zukommt. Gerade das Fehlen männlicher Lehrkräfte kann Einfluss darauf haben, wie Jungen Männlichkeit wahrnehmen und welche beruflichen Rollen sie mit Männern verbinden. Dadurch wurde mir bewusst, wie wichtig vielfältige Vorbilder und eine geschlechtersensible Pädagogik für die Entwicklung von Kindern sind (vgl. Fantini, 2019, S. 5).

Insgesamt hat die Ringvorlesung mein Verständnis von Heterogenität deutlich erweitert. Vor Beginn des Moduls habe ich Heterogenität vor allem mit Leistungsunterschieden oder Inklusion verbunden. Durch die verschiedenen Vorträge wurde jedoch deutlich, dass Heterogenität viele Dimensionen umfasst und alle Bereiche schulischen Handelns betrifft. Besonders wichtig nehme ich mit, dass guter Unterricht nicht bedeutet, alle Kinder gleich zu behandeln, sondern ihnen entsprechend ihrer individuellen Voraussetzungen passende Lernmöglichkeiten zu bieten. Eine wertschätzende Haltung, sprachsensibler Unterricht und die Anerkennung von Vielfalt bilden aus meiner Sicht die Grundlage dafür, dass alle Schülerinnen und Schüler erfolgreich lernen und sich als Teil der Schulgemeinschaft erleben können. 

Aufgabe 2: Reflexion eigener Erfahrungen mit Heterogenität

Die Ringvorlesung hat mich dazu angeregt, meinen eigenen Umgang mit Heterogenität sowie meine Erfahrungen aus der Schulzeit und den schulischen Praktika kritisch zu reflektieren. Dabei ist mir bewusst geworden, dass Heterogenität in jeder Klasse vorhanden ist und sich auf unterschiedliche Weise zeigt. Schülerinnen und Schüler unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich ihrer Leistungen, sondern auch in ihrer Sprache, ihrer sozialen Herkunft, ihren Interessen und ihren individuellen Lernvoraussetzungen. Rückblickend fällt mir auf, dass der Umgang der Lehrkräfte mit diesen Unterschieden einen großen Einfluss darauf hatte, ob sich Kinder im Unterricht wohlfühlten und erfolgreich lernen konnten. Aus meiner eigenen Schulzeit erinnere ich mich daran, dass der Unterricht häufig für die gesamte Klasse einheitlich gestaltet wurde. Alle Schülerinnen und Schüler bearbeiteten dieselben Aufgaben und mussten in derselben Zeit zum gleichen Ergebnis kommen. Erst durch die Ringvorlesung wurde mir bewusst, dass Schule ständig zwischen Heterogenität und Homogenisierung steht. Obwohl Kinder sehr unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen, versucht das Schulsystem häufig, durch gemeinsame Leistungsanforderungen Vergleichbarkeit herzustellen. Dadurch wurde mir klar, dass Gleichbehandlung nicht automatisch Chancengleichheit bedeutet (vgl. Hummrich, 2016). 

Während meines Schulpraktikums konnte ich dagegen erleben, wie differenzierter Unterricht gelingen kann. Die Lehrkraft bot Aufgaben auf unterschiedlichen Niveaus an und unterstützte die Kinder entsprechend ihres Lernstandes. Besonders positiv fand ich, dass Fehler als Teil des Lernprozesses verstanden wurden. Dadurch trauten sich viele Kinder, eigene Lösungswege auszuprobieren und Fragen zu stellen. Für mich wurde deutlich, dass guter Unterricht die unterschiedlichen Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler berücksichtigt. Ein weiterer wichtiger Aspekt war für mich der sensible Umgang mit unterschiedlichen Lebenslagen und Hintergründen von Kindern. Die Ringvorlesung hat verdeutlicht, dass Merkmale wie Herkunft, Sprache oder soziale Lage nicht isoliert betrachtet werden dürfen, sondern sich gegenseitig beeinflussen können. Deshalb sollten Lehrkräfte jedes Kind individuell wahrnehmen und vorschnelle Zuschreibungen vermeiden (vgl. Walgenbach, 2016, S. 211–212). Auch die Vorlesung zum Thema Geschlecht hat meinen Blick auf Schule erweitert. Mir wurde deutlich, dass Lehrkräfte Geschlechterstereotype nicht unbewusst verstärken sollten, sondern Kinder unabhängig von ihrem Geschlecht als individuelle Persönlichkeiten wahrnehmen müssen. Gleichzeitig wurde gezeigt, wie wichtig vielfältige Vorbilder sind und welchen positiven Einfluss männliche Lehrkräfte auf die Entwicklung von Kindern haben können (vgl. Faulstich-Wieland, 2005, S. 1–2; 7–8; Fantini, 2019, S. 5–6).

Insgesamt hat die Ringvorlesung mein Verständnis von Heterogenität deutlich erweitert. Für meine spätere Tätigkeit als Lehrkraft nehme ich mit, dass erfolgreicher Unterricht nicht nur fachliches Wissen vermittelt, sondern gleichzeitig die individuellen Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler berücksichtigt. Differenzierung, eine wertschätzende Haltung und ein sensibler Umgang mit Vielfalt bilden für mich die Grundlage dafür, dass sich alle Kinder als gleichwertiger Teil der Klassengemeinschaft fühlen können.

Literaturverzeichnis

Fantini, C. (2019). Männlichkeitsentwürfe in widersprüchlichen Verhältnissen – das Beispiel Grundschule. Universität Bremen.

Faulstich-Wieland, H. (2005). Spielt das Geschlecht (k)eine Rolle im Schulalltag? Plädoyer für eine Entdramatisierung von Geschlecht. Vortrag in der Reihe Gender Lectures an der Humboldt-Universität Berlin, 11.07.2005.

Hummrich, M. (2016). Homogenisierung und Heterogenität. Die erziehungswissenschaftliche Bedeutung eines Spannungsverhältnisses. Tertium Comparationis, 22(1), 39–58.

Walgenbach, K. (2016). Intersektionalität als Paradigma zur Analyse von Ungleichheits-, Macht- und Normierungsverhältnissen. Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete, S. 211–224. 

Abschlussreflexion

23. Juli 2026

1. Die Ringvorlesung hat mir verdeutlicht, dass Heterogenität kein Ausnahmefall, sondern ein grundlegendes Merkmal schulischer Realität ist. Während ich zu Beginn des Semesters Heterogenität vor allem mit unterschiedlichen Leistungsständen oder sprachlichen Voraussetzungen verbunden habe, ist mir im Verlauf der Vorlesungen bewusst geworden, wie vielfältig sich Unterschiede zwischen Schülerinnen und Schülern zeigen können. Sie betreffen unter anderem Sprache, Vorwissen, Motivation, kulturelle Hintergründe, Interessen und individuelle Lernvoraussetzungen. Besonders hilfreich war für mich, dass die einzelnen Vorträge unterschiedliche Perspektiven auf Heterogenität eröffnet haben und sich viele Inhalte gegenseitig ergänzt haben.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse war für mich, dass Heterogenität nicht als Defizit verstanden werden sollte, sondern als Normalität und zugleich als Chance für schulisches Lernen. Besonders deutlich wurde dies in den Vorlesungen zu Diversity Education, Mehrsprachigkeit und sprachsensibler Unterrichtsgestaltung. Prengel (2007) beschreibt Diversity Education als einen Ansatz, der Vielfalt anerkennt und allen Kindern unabhängig von ihren individuellen Voraussetzungen gleichberechtigte Bildungs- und Teilhabechancen ermöglichen möchte (vgl. Prengel 2007, S. 49–53). Diese Sichtweise hat meinen Blick auf Unterricht verändert. Unterschiede zwischen Kindern müssen nicht beseitigt werden, sondern sollten Ausgangspunkt für die Gestaltung von Unterricht sein.

Für mein Studienfach Sport erscheint diese Erkenntnis besonders bedeutsam. Im Sportunterricht zeigen sich Unterschiede häufig unmittelbar, denn einige Kinder treiben bereits Vereinssport, andere verfügen über deutlich weniger Bewegungserfahrungen oder bringen Unsicherheiten im Umgang mit sportlichen Aufgaben mit. Hinzu kommen Unterschiede in Motivation, körperlichen Voraussetzungen oder kulturellen Erfahrungen mit Bewegung und Sport. Die Ringvorlesung hat mir verdeutlicht, dass guter Unterricht diese Vielfalt nicht als Problem betrachtet, sondern durch differenzierte Aufgabenformate allen Kindern Erfolgserlebnisse und Teilhabe ermöglicht. Gerade im Sport können verschiedene Schwierigkeitsstufen, offene Bewegungsaufgaben oder kooperative Spielformen dazu beitragen, dass jedes Kind entsprechend seiner individuellen Voraussetzungen lernen kann.

Eine zweite zentrale Erkenntnis betrifft die Bedeutung von Vorwissen und Motivation für erfolgreiches Lernen. Besonders eindrucksvoll war für mich die Studie von Schneider, Körkel und Weinert (1989), die zeigt, dass vorhandenes Vorwissen den Lernerfolg häufig stärker beeinflusst als allgemeine Intelligenz (vgl. Schneider et al. 1989, S. 306–312). Diese Erkenntnis relativiert die verbreitete Vorstellung, schulischer Erfolg hänge hauptsächlich von Begabung ab. Vielmehr entscheidet das bereits vorhandene Wissen darüber, wie gut neue Informationen verarbeitet und eingeordnet werden können.

Ergänzt wurde dieser Gedanke durch die Selbstbestimmungstheorie von Deci und Ryan (1993). Die Autoren beschreiben mit den Bedürfnissen nach Kompetenz, Autonomie und sozialer Eingebundenheit drei zentrale Voraussetzungen für Motivation und erfolgreiches Lernen (vgl. Deci & Ryan 1993, S. 229–231). Diese Theorie erscheint mir nicht nur für den Unterricht allgemein, sondern besonders für den Sportunterricht bedeutsam. Kinder erleben dort Erfolg oder Misserfolg oft unmittelbar. Umso wichtiger ist es, Lernumgebungen zu schaffen, in denen alle Schülerinnen und Schüler Kompetenz erleben, selbst Entscheidungen treffen können und sich als Teil der Lerngruppe fühlen.

Auch für die Beziehungsarbeit liefern diese Erkenntnisse wichtige Impulse. Eine wertschätzende Beziehung zwischen Lehrkraft und Schüler*innen bildet aus meiner Sicht die Grundlage dafür, dass Kinder sich trauen, Fehler zu machen, Fragen zu stellen und neue Lernwege auszuprobieren. Die Ringvorlesung hat deutlich gemacht, dass Motivation und Lernen eng mit sozialer Eingebundenheit verbunden sind. Lehrkräfte übernehmen deshalb nicht nur die Aufgabe, fachliche Inhalte zu vermitteln, sondern auch eine Lernumgebung zu gestalten, in der sich alle Kinder angenommen und ernst genommen fühlen.

2. Im Rückblick auf meine eigene Schulzeit und meine bisherigen Praktika erkenne ich viele Situationen heute anders als noch vor Beginn der Ringvorlesung. Besonders deutlich wurde für mich die Bedeutung von sprachlicher Heterogenität. In meiner Schulzeit wurde Mehrsprachigkeit häufig kaum thematisiert. Deutsch galt selbstverständlich als Unterrichtssprache, während andere Erstsprachen der Schülerinnen und Schüler kaum sichtbar waren. Heute würde ich diese Situation mithilfe der Konzepte der Mehrsprachigkeit und der sprachsensiblen Unterrichtsgestaltung deutlich kritischer betrachten. Die Vorlesung hat gezeigt, dass Sprache nicht nur Unterrichtsgegenstand ist, sondern Voraussetzung für nahezu alle Lernprozesse. Schule ist deshalb – wie Ehlich und Rehbein (1986) formulieren – eine „versprachlichte Institution“.

Auch in meinen Praktika konnte ich beobachten, dass Kinder mit unterschiedlichen sprachlichen Voraussetzungen häufig sehr unterschiedliche Möglichkeiten hatten, sich aktiv am Unterricht zu beteiligen. Rückblickend wird deutlich, dass fachliche Schwierigkeiten nicht immer auf fehlendes Wissen zurückzuführen waren, sondern häufig auf sprachliche Hürden. Die Vorlesungen zur Bildungssprache und zum sprachsensiblen Unterricht haben mir geholfen, diese Situationen besser einzuordnen. Gleichzeitig habe ich erkannt, dass sprachliche Unterstützung allen Kindern zugutekommt und nicht ausschließlich mehrsprachigen Schülerinnen und Schülern.

Auch die Vorlesung zur Bedeutung des Vorwissens hat meine Sicht auf Unterricht verändert. Während meiner Praktika fiel häufig auf, dass Lehrkräfte davon ausgingen, bestimmte Grundlagen seien allen Kindern bereits bekannt. Erst während der Arbeitsphase wurde deutlich, dass einzelne Schülerinnen und Schüler über ganz andere Vorerfahrungen verfügten. Heute würde ich diese Situationen mit dem Konzept des Vorwissens erklären und daraus ableiten, dass diagnostische Gespräche oder aktivierende Einstiege vor Beginn einer Unterrichtseinheit hilfreich sein können, um den tatsächlichen Wissensstand der Lerngruppe besser einschätzen zu können.

3. Im weiteren Studium würde ich mich gerne intensiver mit der Frage beschäftigen, wie adaptiver Unterricht in der Praxis umgesetzt werden kann. Während der Ringvorlesung wurde deutlich, dass Unterricht möglichst an die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen der Schülerinnen und Schüler angepasst werden sollte. Offen bleibt für mich jedoch, wie dies unter den Bedingungen großer Klassen, begrenzter Unterrichtszeit und unterschiedlicher Leistungsniveaus konkret gelingen kann. Besonders im Fach Sport interessiert mich, wie Differenzierung umgesetzt werden kann, ohne dass einzelne Kinder dauerhaft unter- oder überfordert werden.

Darüber hinaus möchte ich mich intensiver mit dem Thema sprachsensibler Unterricht beschäftigen. Die Vorlesungen haben gezeigt, dass Sprache in allen Fächern eine zentrale Rolle spielt. Gerade deshalb interessiert mich, wie sprachliche Förderung sinnvoll mit fachlichem Lernen verbunden werden kann, ohne dass der eigentliche Unterrichtsinhalt in den Hintergrund rückt. Obwohl dieses Thema in der Ringvorlesung bereits behandelt wurde, würde ich mir hierzu noch mehr konkrete Unterrichtsbeispiele und empirische Forschungsergebnisse wünschen.

Insgesamt hat die Ringvorlesung meinen Blick auf Schule und Unterricht nachhaltig verändert. Viele Situationen aus meiner eigenen Schulzeit und meinen bisherigen Praxiserfahrungen kann ich heute mithilfe wissenschaftlicher Konzepte deutlich besser einordnen. Besonders wertvoll war für mich, dass die einzelnen Vorträge nicht isoliert betrachtet werden konnten, sondern sich zu einem Gesamtbild zusammensetzten. Für meine spätere Tätigkeit als Lehrkraft nehme ich vor allem mit, dass guter Unterricht Vielfalt nicht reduziert, sondern sie bewusst aufgreift und als Ausgangspunkt für gemeinsames Lernen versteht.

Literaturverzeichnis

  • Deci, Edward L.; Ryan, Richard M. (1993): Die Selbstbestimmungstheorie der Motivation und ihre Bedeutung für die Pädagogik. In: Zeitschrift für Pädagogik, 39(2), S. 223–238.
  • Ehlich, Konrad; Rehbein, Jochen (1986): Muster und Institution. Untersuchungen zur schulischen Kommunikation. Tübingen: Narr.
  • Prengel, Annedore (2007): Diversity Education – Grundlagen und Probleme der Pädagogik der Vielfalt. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
  • Schneider, Wolfgang; Körkel, Joachim; Weinert, Franz E. (1989): Domain-specific knowledge and memory performance: A comparison of high- and low-aptitude children. In: Journal of Educational Psychology, 81(3), S. 306–312.

ABSCHLUSSREFLEXION // Aufgabenstellungen und Formalia

7. Juli 2026

Es handelt sich hier um die Aufgaben für die verpflichtende Abschlussreflexion, nicht (!) für einen regulären Beitrag zur RV12!

Die entsprechenden Fragestellungen zur RV12 finden Sie weiter unten auf dem Blog.

  1. Benennen Sie die für Sie zentralsten (mindestens zwei verschiedene, gerne auch mehr) theoretischen Erkenntnisse (auf allgemeine Konzepte oder empirische Studien aufbauend), die Sie aus den Vorträgen der Ringvorlesung mitgenommen haben. Nehmen Sie dabei Bezug auf:
    a.) unterschiedliche fachdidaktische Aspekte. Übertragen Sie, wenn möglich, die in der Ringvorlesung gewonnenen Erkenntnisse auf die Didaktiken der von Ihnen studierten Fächer.
    b.) generelle Erkenntnisse zur Beziehungsarbeit in Schule und Unterricht.
    Bitte benennen Sie für Aufgabenteil 1 konkret mindestens zwei relevante Literaturquellen  (Namen, Jahr, Titel). Hinweis:Die Vorlesungsfolien stellen keine Literaturquellen dar. Sie können jedoch gerne auf die Literatur zurückgreifen, auf die auf den Folien verwiesen wird.
  2. Welche Faktoren zum schulischen Umgang mit Heterogenität (z.B. Unterrichtsformen, Schulformen/-strukturen, schulkulturelle Aspekte, Handeln von Lehrkräften), die Sie in der Vorlesung kennengelernt haben, prägen im Rückblick auf ihre eigenen Praxiserfahrungen (eigene Schulzeit, Berichte aus der Praxis, ggf. auch schon eigene Praxiserfahrungen) den Schulalltag besonders stark – und warum? Hier können Sie aus Ihrer Sicht besonders gelungene oder auch weniger gelungene Beispiele reflektieren. Inwiefern helfen Ihnen die Inhalte der Vorlesung, eine solche Einschätzung vorzunehmen? Nehmen Sie konkret Bezug auf entsprechende Begriffe, Theorien, Konzepte, die Sie jetzt kennengelernt haben.
  3. Zu welchen, mindestens zwei, Fragestellungen, die Sie in der Vorlesung kennengelernt haben, würden Sie gerne mehr erfahren im weiteren Studium in Bezug auf das Modulthema UMHET? Welche haben Sie vermisst? Bitte begründen Sie Ihre Wahl.

 

Schlagwort: Sie brauchen kein Schlagwort einzufügen!

Formalia: mind. 2 ganze DinA4-Seiten; 1,5 zeilig; 12 Punkt (Times New Roman); Literaturangaben entsprechend der Handreichung des FB12! [verfasst die Reflexion zunächst entsprechend dieser Vorgaben in einem Textdokument – kopiert den Text anschließend und ladet ihn als normalen Beitrag hoch. Im Blog selbst ist die Formatierung dann nicht mehr relevant.]

Handreichung des FB12: https://www.uni-bremen.de/fileadmin/user_upload/fachbereiche/fb12/fb12/pdf/Fachbereich/QM/Handreichungen/Handreichung_wiss.Arbeiten_FB12.pdf

Abgabefrist: bis zum 31.08.2026!

Wichtig: Ihnen wird kein Haken angezeigt werden, dass eure Abschlussreflexion hochgeladen/eingegangen ist.

RV12 // Dr. Christoph Fantini // Abschluss

6. Juli 2026

Wichtig: Das sind nicht die Aufgaben zur Abschlussreflexion! Sie können zu der 12. Sitzung wie gewohnt einen Beitrag/Kommentar verfassen!!!

Bitte beachten Sie die Vorgaben zum Erstellen von Beiträgen (siehe unten).

RV12 // Rückblick

Aus ganz verschiedenen Perspektiven könnte man für die Einheiten unserer Ringvorlesung zum „Umgang mit Heterogenität in der Schule“ nach  Zusammenhängen der gesammelten Erkenntnisse suchen. Dazu möchte ich Sie nun abschließend einladen.

Wie könnte man die Inhalte der Vorlesung sozusagen querlesen und reflektieren, was sich dabei an relevanten Erkenntnissen festhalten ließe. 

Nehmen Sie dazu die folgenden drei Perspektiven:

  1. Politische Bedeutung von einem konstruktiven „Umgang mit Heterogenität in der Schule“;
  2. Notwendigkeit der Selbstreflexion von Lehrkräften zum Thema „Umgang mit Heterogenität in der Schule“;
  3. Anforderungen an Kooperation von Schule und Eltern im Kontext „Umgang mit Heterogenität in der Schule“.

Sie können auch eine der perspektiven durch eine eigene Idee ersetzen.

 

Schlagwort: rv12

RV11: HETEROGENITÄTSKATEGORIE GESCHLECHT IN SCHULE UND ANSÄTZE ZUR ENTWICKLUNG EINER GESCHLECHTERSENSIBLEN PÄDAGOGIK

1. Juli 2026

 

1) In der Vorlesung wurde deutlich, dass Geschlecht in der Schule nicht nur biologisch verstanden werden kann, sondern auch durch das Verhalten von Kindern und Erwachsenen immer wieder hergestellt wird. Dieses Spannungsfeld wird als Inszenierung und Zuschreibung beschrieben. Unter Inszenierung versteht man, dass Kinder und Jugendliche Geschlecht selbst darstellen und durch ihr Verhalten ausdrücken. Gleichzeitig erhalten sie von anderen Menschen Zuschreibungen, indem ihnen bestimmte Eigenschaften oder Verhaltensweisen aufgrund ihres Geschlechts zugeschrieben werden (Vorlesung, Folien 26-30).

Ein wichtiger theoretischer Ansatz ist dabei das Konzept des Doing Gender. Dieses geht davon aus, dass Männlichkeit und Weiblichkeit nicht ausschließlich biologisch festgelegt sind, sondern im Alltag immer wieder hergestellt werden (Vorlesung, Folie 28). Gleichzeitig wurde in der Vorlesung auch darauf hingewiesen, dass neben gesellschaftlichen Einflüssen weitere Faktoren wie Familie, Sozialisation oder biologische Voraussetzungen eine Rolle spielen können. Die integrative Position verbindet daher soziale und individuelle Einflussfaktoren miteinander (Vorlesung, Folie 28).

Besonders interessant finde ich den Ansatz der reflexiven Koedukation nach Faulstich-Wieland. Dabei geht es nicht darum, Jungen und Mädchen grundsätzlich getrennt zu unterrichten, sondern Lehrkräfte sollen ihre eigenen Erwartungen und den Einfluss von Geschlechterstereotypen kritisch reflektieren (Vorlesung, Folie 30). Gleichzeitig warnt Faulstich-Wieland davor, Geschlecht ständig in den Mittelpunkt zu stellen, da dadurch Stereotype sogar verstärkt werden können (Faulstich-Wieland 2005, S. 2-5). Deshalb erscheint mir ein bewusster und reflektierter Umgang mit Geschlechterrollen im Schulalltag sinnvoller als eine pauschale Trennung von Jungen und Mädchen.

 

 

2) Ein Beispiel aus meiner Schulzeit waren die jährlich stattfindenden Sportturniere. In den Klassen 9 und 10 wurde Fußball gespielt. Jede Mannschaft musste zwar zwei Mädchen aufstellen, tatsächlich spielten aber fast ausschließlich die Jungen. Die Mädchen standen häufig nur mit auf dem Spielfeld und wurden nur selten ins Spiel einbezogen. Dadurch entstand der Eindruck, dass Fußball als typische „Jungensportart“ angesehen wurde und Mädchen automatisch als weniger leistungsfähiger eingeschätzt wurden. Hier zeigte sich für mich deutlich, wie Geschlecht im Schulalltag sowohl durch das Verhalten der Schüler*innen und Schüler als auch durch die Organisation des Turniers inszeniert und gleichzeitig zugeschrieben wurde.

Ähnliche Erfahrungen habe ich während meines Bundesfreiwilligendienstes an einer Grundschule gemacht. In den Pausen spielten fast ausschließlich Jungen Fußball. Einzelne Mädchen wollten zwar gelegentlich mitspielen, wurden von den Jungen jedoch häufig nicht ernst genommen oder bekamen den Ball kaum zugespielt. Die meisten Mädchen spielten stattdessen mit Springseilen, Kreide oder Rollenspielen. Gleichzeitig fiel mir aber auch auf, dass diese Einteilung nicht auf alle Kinder zutraf. Es gab durchaus einzelne Mädchen, die sehr aktiv waren und auch ruhigere Jungen. Dadurch wurde deutlich, dass Geschlecht nicht allein erklärt, wie sich Kinder verhalten.

Darüber hinaus lässt sich dieses Beispiel gut mit dem Heterogenitätsfeld Sprache verbinden. In meiner Klasse wurden mehrere Kinder mit Deutsch als Zweitsprache besonders unterstützt. Da die Klassenlehrerin häufig nicht allein im Unterricht war und ich mich gezielt um diese Kinder kümmern konnte, hatten sie gute Möglichkeiten, dem Unterricht zu folgen. Für mich zeigt dieses Beispiel, dass Geschlecht nicht isoliert betrachtet werden sollte. Auch Sprachkenntnisse oder andere Heterogenitätsmerkmale beeinflussen die Teilhabe von Kindern am Unterricht und können sich gegenseitig verstärken oder abschwächen (Fürstenau 2011, S. 8-11).

 

 

3) Für mein nächstes Praktikum möchte ich beobachten, ob Lehrkräfte Jungen und Mädchen im Unterricht unterschiedlich ansprechen, loben oder ermahnen. Außerdem interessiert mich, ob Mädchen und Jungen die gleichen Möglichkeiten erhalten, sich an allen Unterrichtsaktivitäten zu beteiligen oder ob bestimmte Aufgaben oder Rollen unbewusst geschlechterspezifisch verteilt werden.

Gleichzeitig möchte ich darauf achten, ob neben dem Geschlecht weitere Heterogenitätsmerkmale eine Rolle spielen. Besonders interessant finde ich dabei den Zusammenhang zwischen Geschlecht und Sprache. Ich möchte beobachten, ob Kinder mit Deutsch als Zweitsprache unabhängig von ihrem Geschlecht die gleiche Unterstützung und die gleichen Beteiligungsmöglichkeiten erhalten wie andere Kinder. Dadurch soll deutlich werden, dass Gender nur eine Dimension von Heterogenität ist und immer im Zusammenhang mit weiteren Merkmalen betrachtet werden sollte.

Für meine spätere Tätigkeit als Lehrkraft nehme ich aus der Vorlesung mit, dass gendersensible Pädagogik nicht bedeutet, Jungen und Mädchen grundsätzlich unterschiedlich zu behandeln. Vielmehr sollte Unterricht so gestaltet werden, dass alle Kinder unabhängig von ihrem Geschlecht, ihrer Sprache oder anderen Voraussetzungen die gleichen Möglichkeiten zur Entwicklung erhalten. Dazu gehört auch, die eigenen Erwartungen und möglichen Vorurteile regelmäßig zu hinterfragen und Kindern vielfältige Rollenbilder zu eröffnen (Fantini 2019, S.12-15).

 

 

Literaturverzeichnis:

Debus, Katharina (2012): Geschlechterreflektierte Pädagogik zwischen Dramatisierung und Entdramatisierung. Berlin: Dissens e. V.

 

Fantini, Christoph (2019): Männlichkeitsentwürfe in widersprüchlichen Verhältnissen – das Beispiel Grundschule, S. 12–15.

 

Faulstich-Wieland, Hannelore (2005): Spielt das Geschlecht (k)eine Rolle im Schulalltag? Plädoyer für eine Entdramatisierung von Geschlecht, S. 2–5.

 

Fürstenau, Sara (2011): Mehrsprachigkeit als Ressource in der Schule, S. 8–11.

 

Vorlesung „Heterogenitätskategorie Geschlecht/Gender in Schule – im Spannungsfeld von Inszenierung und Zuschreibung“, Universität Bremen, Folien 26–30.

RV11 // Dr. Christoph Fantini // Heterogenitätskategorie Geschlecht in Schule und Ansätze zur Entwicklung einer geschlechtersensiblen Pädagogik

29. Juni 2026

Bitte beachten Sie die Vorgaben zum Erstellen von Beiträgen (siehe unten).

  1. Erläutern Sie das in der Vorlesung thematisierte  Spannungsfeld zwischen Inszenierung und Zuschreibung in Bezug auf  Genderdynamiken und -pädagogik in der Schule. Nehmen Sie dafür Bezug auf  die in der Vorlesung genannten theoretischen Ansätze (v.a. Folien  26-30).
  2. Reflektieren Sie ihre bisherigen Praxiserfahrungen aus der eigenen Schulzeit und ersten Praktika zum schulischen „Genderplay“ (also die Inszenierung von Geschlecht), möglichst unter Bezugnahme auf mindestens ein anderes Heterogenitätsfeld  der Ringvorlesung, wie Sprache, soziokultureller Background, Leistung,  Inklusion.
  3. Formulieren Sie eine Beobachtungsaufgabe für kommende  Praktika zum Thema „gendersensible Pädagogik“, auch hier möglichst unter  Bezugnahme auf mindestens ein anderes Heterogenitätsfeld der  Ringvorlesung, wie Sprache, soziokultureller Background, Leistung,  Inklusion, um deutlich zu machen, dass die Kategorie Gender nicht für  sich steht, sondern andere Dimensionen von Heterogenität oftmals  wesentlich mit beeinflusst (intersektionale Perspektive).

Schlagwort: rv11

RV10 // Dr. Anne Gadow // DaZ in bewegten Zeiten. Zum Umgang mit sprachlicher Heterogenität in der Grundschule

23. Juni 2026

1. Nennen Sie zwei Beispiele aus Ihrer eigenen Schulzeit und/oder weiteren schulischen Erfahrungen, in denen Mehrsprachigkeit eine Rolle spielte. Reflektieren Sie die Situation.

2. Begründen Sie, ob Sie der Aussage zustimmen würden: „Das Fach Deutsch als Zweitsprache sollte alle Kinder einer Regelklasse berücksichtigen, die neben Deutsch noch eine andere Sprache sprechen“ (vgl. z.B. Riehl; Schröder 2022).

3. Schule gilt als „versprachlichte Institution“ (Ehlich/Rehbein 1986). Entwerfen Sie zwei Unterrichtsszenarien, in denen neuzugewanderte Schüler*innen hierdurch keinen Nachteil haben.

 

Schlagwort: rv10

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